Die 3. Armee war ein kurzfristig gebildeter Heeresverband im Deutsch-Französischen Krieg. Sie war zusammengesetzt aus preußischen und süddeutschen Einheiten und war damit der erste gesamtdeutsche Heeresverband in der deutschen Geschichte.
Vorgeschichte
Nach dem Deutschen Krieg und der Gründung des Norddeutschen Bundes schloss Bismarck mit den verbleibenden süddeutschen Staaten die Schutz- und Trutzbündnisse ab, die ein gemeinsames Vorgehen im Falle eines auswärtigen Konfliktes vorsahen. Als durch die Emser Depesche und der darauffolgenden französischen Kriegserklärung der Waffengang unvermeidlich geworden war, bildete sich die 3. Armee, um die preußische 1. und 2. Armee zu ergänzen. Befehlshaber wurde Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, zum Chef des Generalstabs wurde General Leonhard von Blumenthal bestimmt. Die 3. Armee zählte nach der Vereinigung mit dem VI. Korps 153 Bataillone (155.000 Mann), 134 Schwadronen (19.800 Reiter) und 96 Batterien (576 Geschütze), das Hauptquartier lag in Mannheim.
Gliederung am 1. August 1870 mini|hochkant|Oberbefehlshaber Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen mini|hochkant|Leonhard Graf von Blumenthal, Chef des Generalstabes Die 3. Armee setzte sich wie folgt zusammenDer deutsch-französische Krieg, 1870-71 Teil 1 Band 1., Ernst Siegfried Mittler Und Sohn, Berlin 1874 S. 53–54.:
preußisches V. Armee-Korps Kommando: Generalleutnant Hugo Ewald von Kirchbach Chef des Generalstabs: Oberst Karl von der Esch Kommandeur der Ingenieure und Pioniere: Major von Owstien Kommandeur der Artillerie: Oberst Alexander Gaede
9. Infanterie-Division: Generalmajor Karl Gustav von Sandrart 17. Infanterie-Brigade, Oberst von Bothmer 3. Posen Infanterie-Regiment Nr. 58, Oberst Hermann von Rex 4. Posen Infanterie-Regiment Nr. 59, Oberst Georg Eyl 18. Infanterie-Brigade, Generalmajor Voigts-Rhetz 2. Westpreußisches Grenadier-Regiment, Nr. 7 Oberst von Köthen 2. Niederschlesisches Infanterie-Regiment, Nr. 47 Oberst von Burghoff
10. Infanterie-Division: Generalmajor Christoph von Schmidt 19. Infanterie-Brigade, Oberst Otto von Henning auf Schönhoff 1. Westpreußisches Infanterie-Regiment Nr. 6, Oberst Adolf Flöckher 1. Niederschlesisches Infanterie-Regiment Nr. 46, Oberst von Stosch 20. Infanterie-Brigade, Oberst Rudolf Walther von Montbary Westphälisches Fusilier-Regiment Nr. 37, Oberst von Heinemann
preußisches XI. Armee-Korps Kommando: Generalleutnant Julius von Bose Chef des Generalstabs: Generalmajor Stein von Kaminski Kommandeur der Artillerie: Generalmajor Hausmann
21. Infanterie-Division: Generalleutnant Hans von Schachtmeyer 41. Infanterie-Brigade, Oberst von Koblinksi Hessisches Fusilier-Regiment Nr. 80, Oberst von Colomb 1. Naussauisches Infanterie-Regiment Nr. 87, Oberst von Grolmann 42. Infanterie-Brigade, Generalmajor von Thiele 2. Hessisches Infanterie-Regiment Nr. 88, Oberst von Grawert 2. Naussauisches Infanterie-Regiment Nr. 87, Oberst Köhn von Jaski
22. Infanterie-Division: Generalleutnant Hermann von Gersdorff 43. Infanterie-Brigade, Oberst von Konzki Infanterie-Regiment Nr. 32 und 95 44. Infanterie-Brigade: Generalmajor Bernhard von Schkopp Infanterie-Regiment Nr. 83 und 94
I. bayrisches Armee-Korps unter Ludwig von der Tann-Rathsamhausen 1. Bayerische Division: Generalleutnant Johann Baptist Stephan 1. Infanterie-Brigade, Generalmajor Dietl Leib-Regiment, 1. Infanterieregiment, 2. und 9. Jäger-Bataillon 2. Infanterie-Brigade, Generalmajor Orff 2. und 11. Infanterie-Regiment, 4. Jäger-Bataillon
2. Bayerische Division: Generalleutnant Karl Graf zu Pappenheim 3. Infanterie-Brigade, Generalmajor Schuhmacher 3. und 12. Infanterie-Regiment, 1. Jäger-Bataillon 4. Infanterie-Brigade, Generalmajor Straub 10. und 13. Infanterie-Regiment, 7. Jäger-Bataillon.
II. bayrisches Armee-Korps unter Jakob von Hartmann 3. Bayerische Division: Generalleutnant Friedrich Wilhelm Walther von Walderstötten 5. Infanterie-Brigade, Generalmajor von Schleich 6. und 7. Infanterie-Regiment, 8. Jäger-Bataillon. 6. Infanterie-Brigade, Generalmajor Joner-Tettenweiß 14. und 15. Infanterie-Regiment und 3. Jäger-Bataillon
4. Bayerische Division: Generalleutnant Friedrich von Bothmer 7. Infanterie-Brigade, Generalmajor von Ribeaupierre 5. und 9. Infanterieregiment, 6. und 10. Jäger-Bataillon 8. Infanterie-Brigade, Generalmajor Maillinger 4. und 8. Infanterieregiment, 5. Jäger-Bataillon.
Württembergisch-Badisches Korps unter Generalleutnant August von Werder Großherzoglich badische Division: Generalleutnant Gustav von Beyer
Königlich württembergische Division: Generalleutnant Hugo von Obernitz
4. Kavallerie-Division: General der Kavallerie Prinz Albrecht von Preußen
2. Kavallerie-Division: Generalleutnant Wilhelm zu Stolberg-Wernigerode
Ab Anfang September 1870 kam noch das VI. Korps, das bei Kriegsbeginn als Reserve in Schlesien geblieben war, als Absicherung für einen möglichen Kriegseintritt Österreichs.
preußisches VI. Korps unter General der Kavallerie Wilhelm von Tümpling 11. Infanterie-Division: Generalleutnant Hellmuth von Gordon 12. Infanterie-Division: Generalleutnant Otto Wilhelm von HoffmannJustus Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland, W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 303
Gesamtstärke der 3. Armee (inklusive VI. A.K.): 153 Bataillone, 134 Schwadronen und 96 Batterien (576 Geschütze)Julius von Pflug-Hartung: Krieg und Sieg 1870–71, Berlin 1895, S. 55
Feldzüge Schlachten bei Weißenburg, Wörth und Beaumont mini|Aufmarsch der deutschen Armeen am 31. Juli 1870
Die 3. Armee leitete den Angriff durch den Grenzübergang ins Elsass ein. Das I. bayerische Korps, das V. und XI. Korps sowie die württembergische Division standen zwischen Germersheim und Landau, das II. bayerische Korps bei Bergzabern leicht vorgeschoben in der bayerischen Pfalz. Die badische Division wurde von der Armee getrennt und noch auf rechtsrheinischem Gebiet bei Rastatt zurückgehalten, um bei einer möglichen französischen Angriff aus Straßburg auf badischem Boden schnell reagieren zu können. Die Badische Division wurde bald mit preußischen Landwehrformationen verstärkt und zum Korps Werder (später XIV. A. K.) aufgewertet, welches ab Mitte August die Belagerung von Straßburg betrieb.
An der Schlacht von Weißenburg am 4. August 1870 waren auf Seite der deutschen 3. Armee 22 Bataillone, auf französischer Seite 11 Bataillone beteiligt. Den Sieg in dieser Schlacht haben die Deutschen zum einen ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit sowie der Tatsache, dass der französische Korpsführer General Douay auf einen Kampf anscheinend nicht vorbereitet war, zu verdanken. Kronprinz Friedrich von Preußen setzte den Vormarsch in südwestlicher Richtung fort und verlegte sein Hauptquartier nach Sulz vor.
mini|Panorama der Schlacht von Wörth
Der Befehlshaber der französischen Hauptarmee, Marschall Mac-Mahon, hatte am 5. August mit dem 1. Korps, einer Division des 7. Korps sowie einer Kavalleriedivision auf dem westlichen, erhöhten Talrand des Baches Sauer eine starke Stellung besetzt, die sich von Fröschweiler über Reichshofen bis nach Görsdorf hinzog. Um 7 Uhr wurde die Schlacht bei Wörth eingeleitet. Gegen 8 Uhr befahl General von Kirchbach, der Kommandierende General des preußischen V. Korps die Einstellung des Gefechts. Er musste es jedoch bereits in der folgenden Stunde wieder aufnehmen, da inzwischen vom bayerischen II. Korps am äußersten rechten Flügel bei Langensulzbach starker Kanonendonner herüberschallte. Darauf ließ Kirchbach auch die 9. Division unter Generalleutnant von Sandrart in den Kampf bei Wörth eingreifen. Auch das preußische XI. Korps hatte bereits am linken Flügel den Kampf aufgenommen. Um 13:00 Uhr übernahm Kronprinz Friedrich persönlich die Leitung auf dem Schlachtfeld. Gegen 13:30 Uhr erstürmte das preußische V. Korps den westlichen Talrand der Sauer zwischen Wörth und Fröschweiler, während gleichzeitig die württembergische Kavallerie auf dem linken Flügel erschien und das preußische XI. Armeekorps sich zum Angriff gegen den Niederwald entwickelte. Der ganze Saum des Niederwaldes geriet nach und nach in deutsche Hände. General von Bose ließ die gesamte Artillerie auf das linke Ufer der Sauer nachziehen, um den Angriff des V. Armee-Korps auf Fröschweiler zu unterstützen. General von Bose wurde zum zweiten Mal schwer verwundet, sein Stabschef verlor ein Pferd unter sich, die weitere Führung im Gefecht übernahm kurzfristig Generalmajor von Schkopp. Von Süden und Osten drangen gegen 15:15 Uhr die Preußen gegen Fröschweiler vor und stürmten es. Erst als sich die doppelte Umfassung abzeichnete, befahl der französische Marschall Mac-Mahon den Rückzug über Niederbronn auf Zabern. Die Deutschen hatten bei Wörth 10.642 Mann verloren.
Nachdem die Fühlung zum Feind verloren gegangen war, übernahm die 4. Kavallerie-Division unter Prinz Albrecht von Preußen die Aufklärung bis zur Saar. Am 19. August erhielt die 3. Armee den Befehl, vorläufig an der Maas Halt zu machen, um die Einheiten der neugebildeten deutschen Maasarmee unter Kronprinz Albert von Sachsen aufschließen zu lassen. Nach der Erkenntnis, dass sich bei Châlons starke französische Kräfte sammelten, erging an die 3. Armee der Befehl nach Châlons vorzurücken; die Maasarmee sollte gleichzeitig weiter nördlich in Richtung Paris vorgehen. Bis zum 24. August 1870 hatte das deutsche Heer insgesamt Verstärkungen von 150.000 Mann erhalten, damit waren nicht nur die Verluste der ersten Wochen ausgeglichen. Neben der rein zahlenmäßigen Verstärkung zum Ausgleich erlittener Ausfälle kam auch noch das VI. Korps unter General von Tümpling zur 3. Armee. Dieses Korps war bis zum 6. August als Reserve für einen möglichen Konflikt mit Österreich in Schlesien geblieben. Die bei Châlons zusammengezogene französische Châlons-Armee begann am 23. August mit dem Marsch nach Reims in der Absicht, weiter über Montmédy und dann entlang der belgischen Grenze zur bei Metz eingeschlossenen Rheinarmee zu gelangen. Erst ab dem 26. August begannen beide Armeen, nach rechts zu schwenken und sich in Richtung der Châlons-Armee zu bewegen. Als Ergebnis der Schlacht befahl Moltke dem V. und XI. Korps, sich zwischen Sedan und der Grenze zu Belgien zu schieben. Gleichzeitig versperrte die 3. Armee jetzt den französischen Rückzug in Richtung auf Mézieres. Am 25. August stand das deutsche XI. Armee-Korps (Gersdorff) südlich von Vitry an der Marne und mussten dem V. Armee-Korps folgend eine Rechtsschwenkung nach Norden in Richtung auf Sainte-Menehould vollziehen. Ziel der deutschen 3. Armee war jetzt das Abdrängen der französischen Armee Mac-Mahon an die belgische Grenze.
mini|Aufmarschskizze zur Schlacht bei Sedan