alternativtext=Porträt von Jochen Martens|mini|245x245px|Jochen Martens

Jochen Martens (* 10. Juni 1941 in Jena) ist ein deutscher Zoologe, dessen Tätigkeitsbereiche insbesondere in der Ornithologie und der Arachnologie liegen. Er lehrte von 1976 bis 2012 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und gilt als Pionier im Einsatz der Bioakustik zur Erforschung der Evolution von Singvögeln sowie als einer der anerkanntesten Forscher im Bereich der Opiliones (Weberknechte).

Leben Jochen Martens wuchs in Jena, Weimar, Berlin, Bonn Bad-Godesberg sowie Stuttgart auf. 1962 bis 1967 studierte er Biologie und Chemie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 1968 folgte die Promotion bei Rudolf Braun zu einem arachnologischen Thema. 1969/70 verbrachte Martens im Rahmen eines Post-Doc-Stipendium des DAAD 15 Monate in Nepal. Bereits seit 1971 war er Assistent am Institut für Zoologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo er 1975 über ein ornithologisches Thema habilitierte. 1976 übernahm er zunächst eine Assistenzprofessur am selben Institut, 1978 folgte die Professur. Martens leitete an seinem Institut die Arbeitsgruppe „Systematische Zoologie“. Auch über seine Pensionierung 2006 hinaus blieb er dem Institut bis 2011 als Seniorprofessor erhalten. Jochen Martens lebt in Mainz, ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Forschung Die beiden wichtigsten Forschungsbereiche von Jochen Martens liegen in der Ornithologie und der Arachnologie. Zu seinen Forschungsprojekten zählen die Bildung von lokalen Dialekten im Gesang der Singvögel als Evolutionsfaktor, die Untersuchung der Artenvielfalt und Artbildung im Himalaya und anderen Hochgebirgen Asiens und Europas sowie die Systematik und Phylogenie von Spinnentieren. Bis dato beschrieb Martens 298 neue Arten, zahlreiche neue Gattungen sowie drei neue Weberknechtfamilien (Nipponopsalididae, 1976, Fissiphalliidae, 1988 und Suthepiidae, 2020).

Ornithologie In der Ornithologie forschte Martens insbesondere mit bioakustischen, später mit genetischen Methoden zu Evolution und Taxonomie der Singvögel. Die bioakustischen Arbeiten von Jochen Martens erweiterten die klassische Beschreibung der geographischen Variation der Vögel nach morphologischen Merkmalen um die bioakustische Komponente. Für funktionell verschiedene und geografisch unterschiedlich weit verbreitete Gesangsformen definierte Jochen Martens den Tembrock’schen „Regiolekt“ schärfer, führte den Begriff „Mikrolekt“ (2000) ein und engte damit den zu vielfältig verwendeten Begriff „Dialekt"“ entsprechend ein.

Im Bereich der Aves beschrieb er drei neue Spezies und vier neue Subspezies.

Arachnologie In der Arachnologie beschäftigte sich Jochen Martens insbesondere mit Systematik und Phylogenie von Spinnentieren. Forschungsschwerpunkt sind Opiliones (Weberknechte), insbesondere die Familien im eurasiatischen Raum. Im Bereich der Arachnida (Spinnentiere) beschrieb Jochen Martens 321 Taxa, darunter 262 Opiliones-Taxa (231 Spezies, 29 Gattungen, 3 Familien), 40 Araneae-Spezies (Webspinnen) sowie 19 Acari-Spezies (Milben).

Aufmerksamkeit über die wissenschaftliche Community hinaus erregte Martens 2020, als er die neue Gattung und Art der Weberknechte, Thunbergia gretae nach der schwedischen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg benannte.Jochen Martens: A harvestman with elaborate palpal pliers, Thunbergia gretae n. gen. n. sp. from China (Opiliones: Sclerosomatidae: Gagrellinae). In: Zoologischer Anzeiger. Band 287, 2020, S. 160–166, doi:10.1016/j.jcz.2020.03.010.

Reisen alternativtext=Journeys undertaken by Jochen Martens according to continents/countries. Arrows indicate the first travels to the respective countries.|mini|339x339px|Reisen von Jochen Martens nach Kontinenten/Ländern. Pfeile verweisen auf die ersten Reisen in die jeweiligen Länder.

Jochen Martens ausgeprägte Reisetätigkeit zu Forschungszwecken führte ihn in 27 Länder. Er unternahm 40 Forschungsreisen innerhalb Europas sowie 40 weitere nach Asien und Neuseeland. Insgesamt verbrachte er damit 2631 Tage und 9 % seiner bisherigen Lebenszeit auf Expeditionen. Manfred Grasshoff, ehemaliger de-facto-Kurator der arachnologischen Sammlung im Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main, bezeichnete Jochen Martens als den „letzten großen Forschungsreisenden unserer Zeit“.

Schwerpunkt seiner Reisen und damit seiner Forschung war der Himalaya (Nepal und China). Aus seinen Nepal-Reisen zwischen 1969 und 2005 resultierten mehr als 300 Publikationen von Kolleginnen und Kollegen rund um den Globus, sie sind bekannt als die Results of the Himalaya Expeditions of J. Martens. Neben seinen Aktivitäten in Nepal forschte Jochen Martens außerdem u. a. im Iran, im Kaukasus, in Zentralasien (Kirgisien und Kasachstan), West- und Ostsibirien, auf den Philippinen, in weiten Teilen Süd-, Südost- und Ostasiens sowie im Mittelmeergebiet.

Lehre Während seiner wissenschaftlichen Laufbahn war Martens stets auch der Lehre verpflichtet. Er hielt u. a. die Vorlesungen Baupläne und Stämme des Tierreichs, Tiere im Boden, Die Entstehung der Arten, Mimikri und Ökosystem Himalaya. Zu seinem Lehrangebot gehörten weiterhin die zoologischen Anfänger- und Fortgeschritten-Übungen zur Morphologie und Anatomie aller Tierstämme sowie Tierbestimmungsübungen. Seine regelmäßigen Labor- und Freilandexperimente bezogen sich auf die Bioakustik der Vögel. Bekannt war er darüber hinaus für seine zoologischen Exkursionen, insbesondere jene zur Bioakustik der Vögel (Vogelstimmenexkursionen). Martens betreute in seiner Zeit als Professor rund zwölf Doktoranden.

Publikationen alternativtext=Publikationstätigkeit Jochen Martens|mini|340x340px|Anzahl der Publikationen von Jochen Martens von 1963–2021 und Forschungsgebieten (blau – Aves: 188, orange – Arthropoda: 114, schraffiert – Diversa: 27)

Jochen Martens veröffentlichte 329 wissenschaftliche Beiträge, davon 188 über ornithologische Themen, 114 über Arthropoden (hauptsächlich über Weberknechte) und 27 über diverse Themen, zum Beispiel über Hochgebirgsforschung und Blütenbiologie.

Bis heute als Standardwerk, als „Messlatte für Publikationen über Opiliones weltweit“ sowie als „arachnologischer Meilenstein“ gilt der 1978 erschienene Band Spinnentiere, Arachnida: Weberknechte, Opiliones in der Reihe Die Tierwelt Deutschlands. Jochen Martens wird zugeschrieben, damit das „finstere weberknechtkundliche Mittelalter beendet und die Epoche der ,opilionologischen Aufklärung‘ eingeleitet zu haben“.

Zum 80. Geburtstag von Jochen Martens erschien am 10. Juni 2021 eine ihm gewidmete Sonderausgabe des internationalen Fachmagazins Zootaxa unter Herausgeberschaft von Peter Jäger, Peter J. Schwendinger und William A. Shear.

Mitgliedschaften und Ehrungen Seit 1961 ist Jochen Martens Mitglied in der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, deren Generalsekretär er von 1980 - 1987 war.

Seit 1962 ist Jochen Martens Mitglied im Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg (jetziger Name: Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg), in der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern sowie im Verein Thüringer Ornithologen.

Seit 1973 ist Jochen Martens ernannter ehrenamtlicher Mitarbeiter des Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt/M im Arachnologie. Darüber hinaus ist er ernannter ehrenamtlicher Mitarbeiter der Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden im Team Ornithologie.

Seit den 1980er Jahren ist Jochen Martens Fellow der International Ornithologists' Union (IOU).

1984 war Jochen Martens Gründungsmitglied des Oriental Bird Club (OBC), in dem er bis heute Mitglied ist.

Seit Beginn der 1990er Jahre ist Jochen Martens Mitglied des Berliner Kreis der Bearbeiter und Herausgeber des Atlas der Verbreitung palaearktischer Vögel. Zur Weiterführung dieses Atlas-Projekts wurde 1994 die Erwin-Stresemann-Gesellschaft für paläarktische Avifaunistik gegründet, deren Präsident Jochen Martens von 1997 - 2014 und deren Vizepräsident er von 2015 - 2021 war.

1993 bis 2006 war Jochen Martens Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Seit 1997 ist Jochen Martens Mitglied in der Arachnologischen Gesellschaft wo er seitdem zum Wissenschaftlichen Beirat der Arachnologischen Mitteilungen gehört.Prof. Dr. Jochen Martens – Wissenschaftler aus Leidenschaft. Ein geschriebenes Ständchen zum 80. Geburtstag, auf arages.de, abgerufen am 4. Oktober 2022

2005 verlieh die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft Jochen Martens den Ornithologen-Preis für seine Forschungen in Asien, zugleich für seine Lebensleistung.

2006 verlieh die Hainan Normal University, Haikou in China Jochen Martens den Titel Visiting Professor.

Taxa Nach Martens benannte Taxa Liste der nach Jochen Martens benannten Tiergattungen, -arten und -unterarten. Die Liste umfasst 230 Taxa, bestehend aus 13 Gattungen, 217 Spezies sowie drei Subspezies. Eine Karte stellt die geographische Verteilung der nach Jochen Martens benannten Taxa dar.