Dieser Artikel behandelt die russische Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft 2008.
Bei der Europameisterschaft 2008 gelang es erstmals einer Auswahl des russischen Verbandes nach Auflösung der Sowjetunion die Vorrunde zu überstehen und mit Siegen über Griechenland und Schweden als Gruppenzweiter hinter Spanien und in die K.-o.-Runde vorzustoßen, sowie nach einem überlegenen Sieg gegen die Niederlande sogar das Halbfinale zu erreichen, wo das Team jedoch gegen die Spanier mit 0:3 unterlag.
Qualifikation Abschlusstabelle
Nach der knapp verpassten Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2006Man schied als Gruppendritter nach einem 0:0-Unentschieden am letzten Spieltag gegen die Slowakei aus. hatte der russische Verband mit dem Niederländer Guus Hiddink, dem 1998–2002 mit drei verschiedenen Nationalmannschaften der Einzug ins Viertelfinale, 1998 und 2002 sogar ins Halbfinale geglückt war, für die Qualifikation erstmals einen nichtrussischen Trainer verpflichtet.
Russland spielte in der Qualifikationsgruppe E. In den ersten acht Spielen blieben die Russen ungeschlagen, in dieser Phase konnten lediglich die beiden Spiele gegen den späteren Gruppensieger Kroatien, sowie das Heimspiel gegen Israel nicht gewonnen werden. Im September/Oktober 2007 folgten die beiden Spiele gegen den Hauptkonkurrenten um die Qualifikation neben Kroatien, England. Die Aufeinandertreffen galten im Vorfeld als Endspiele der Gruppe: nach acht Spieltagen hatte Russland als Gruppenzweiter einen Punkt Vorsprung vor den Engländern, die punktgleichen viertplatzierten Israelis hatten bereits den neunten Spieltag absolviert.„“, Vorbericht zum Spiel der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti, vom 12. September 2007, 18:34 UTC (besucht am 17. Mai 2008).
Das erste Spiel im neuen Wembley-Stadion verlief desaströs, insbesondere die bis dahin starke Abwehr wurde mit dem brillant aufspielenden zweifachen Torschützen Owen nicht fertig, und so gewann man mit 0:3 und wurde zum erst Plätzigen, der zur Qualifikation berechtigte, von England verdrängt.„Überblick: Kroatien mühelos - Slowakei düpiert - Griechen remis Frankreich 0:1, Italien siegt“, Meldung vom Kicker zum neunten Spieltag der EM-Qualifikation vom 13. September 2007 (besucht am 17. Mai 2008).
Das Rückspiel einen Monat später im Moskauer Olympiastadion vor 84.700 Zuschauern musste also unbedingt gewonnen werden, doch trotz eines Sturmlaufes auf das englische Tor in den ersten Minuten waren es die Gäste, die durch Rooney nach einer halben Stunde in Führung und damit das russische Spiel bis zur Pause aus dem Takt bringen konnten. Erst die Einwechslung Pawljutschenko brachte die Russen wieder ins Spiel, zuerst verwandelte er in der 69. einen umstrittenen Elfmeter, um vier Minuten später einen abprallenden Weitschussversuch A. Beresuzkis zum 2:1-Siegtreffer abzustauben. Nach dem Sieg lag Russland bei einem weniger absolvierten Spiel zwei Punkte hinter den Engländern und hätte sich durch zwei Siege gegen die bereits ausgeschiedenen Israelis und das punktlose Andorra qualifizieren können.Phil McNulty: „“, Meldung der BBC vom 17. Oktober 2007 (besucht am 17. Mai 2008).
Doch Russland verlor trotz drückender Überlegenheit in Tel Aviv, -nach einem Kontertor der Israelis- das Spiel in der Nachspielzeit, womit Russland sich nicht mehr aus eigener Kraft qualifizieren konnte, sondern auf einen Auswärtserfolg Kroatiens im Wembley bei gleichzeitigem eigenem Sieg in Andorra hoffen musste. Das eigene Spiel konnten die Russen nach einem miserablen Spiel gegen Amateurfußballer trotz eines von Kolodin verschossenen Elfmeters unmittelbar vor der Pause und eines Platzverweises gegen den Star der Mannschaft Arschawin durch einen Treffer von Sytschow letztlich ungefährdet gewinnen.[Türkei, Schweden und Portugal qualifiziert - England im Tal der Tränen], Meldung vom Kicker zum letzten Spieltag der EM-Qualifikation (besucht am 17. Mai 2008). In Wembley führten die Kroaten nach nur 14. Minuten mit 2:0, die Engländer erhöhten darauf ständig den Druck auf das kroatische Tor, es dauerte aber ungefähr eine Stunde bis Lampard und Crouch innerhalb von neun Minuten den Ausgleich erzielten. Nun zogen sich England in die Defensive zurück, da es auch mit nur einem Punkt aufgrund des besseren direkten Vergleichs mit Russland qualifiziert gewesen wäre, was den Kroaten den Weg zum 3:2-Siegtreffer durch Petrić ebnete und später als taktische Fehlleistung und peinlich bezeichnet wurde.Pavo Prskalo: „Drama in Wembley - Der englische Alptraum“, Spiegel Online vom 22. November 2007 (besucht am 17. Mai 2008).
Spielergebnisse DatumSpielortGegnerErgebnisTorschützen 06.09.2006 Moskau Kroatien 0:0 07.10.2006 Moskau Israel 1:1 (1:0) 1:0 Arschawin (5.), 1:1 Ben-Shushan (84.) 11.10.2006 Sankt Petersburg Estland 2:0 (0:0) 1:0 Pogrebnjak (70.), 2:0 Sytschow (90+1.) 15.11.2007 Skopje Mazedonien 2:0 (2:0) 1:0 Bystrow (18.), 2:0 Arschawin (32.) 24.03.2007 Tallinn Estland 2:0 (2:0) 1:0 Bystrow (66.), 2:0 Kerschakow (78.) 28.03.2007 Moskau Andorra 4:0 (2:0) 1:0, 2:0, 3:0 Kerschakow (8., 16., 49.), 4:0 Sytschow (71.) 06.06.2007 Zagreb Kroatien 0:0 08.09.2007 Moskau Mazedonien 3:0 (1:0) 1:0 W. Beresuzki (6.), 2:0 Arschawin (83.), 3:0 Kerschakow (86.) 12.09.2007 London England 0:3 (0:2) 0:1, 0:2 Owen (7., 31.), 0:3 Rio Ferdinand 17.10.2007 Moskau England 2:1 (0:1) 0:1 Rooney (29.), 1:1, 2:1 Pawljutschenko 17.11.2007 Tel Aviv Israel 1:2 (0:1) 1:0 Barda (10.), 1:1 Biljaletdinow (61.), 1:2 Golan (90+2.) 21.11.2007 Andorra la Vella Andorra 1:0 (1:0) 1:0 Sytschow (71.)
Vorbereitung Die Vorbereitung Russlands begann Ende März mit einem Desaster im einzigen Vorbereitungsspiel gegen einen anderen EM-Endrundenteilnehmer, Rumänien. Vollkommen unterlegen, wenn auch nicht mit besten Kader, verlor man 0:3 in Bukarest.„“, Bericht auf der Website der Euro 2008 vom Mittwoch, 26. März 2008 (besucht am 29. Mai 2008).
Das erste vorläufige Aufgebot von 25 Spielern wurde am 13. Mai 2008 mit lediglich einem Spieler, der nicht in der russischen Liga unter Vertrag steht, benannt. Hiddink gab mit der Nominierung bekannt, möglicherweise noch Spieler von Zenit Sankt Petersburg nach Maßgabe ihrer Leistungen im UEFA-Pokal-Endspiels 2007/08 nachzunominieren, aber lehnte der dann doch berücksichtigte Denissow seine Nominierung ab.„“, Bericht auf der Website der Euro 2008 vom Montag, 19. Mai 2008 (besucht am 29. Mai 2008).
Als letzter Test vor der endgültigen Festlegung des Kaders spielte man vor Abreise in Trainingslager am 24. Mai in Moskau gegen Kasachstan, mit Treffern von sämtlichen eingesetzten Angreifern gelang ein 6:0-„Kantersieg“, der jedoch nur durch drei glückliche Tore in den letzten fünf Minuten des Spiels so deutlich ausfiel.
Am nächsten Tag ging es in Trainingslager auf dem Vereinsgelände des FC Rottach-Egern in der bayerischen Gemeinde Rottach-Egern, die russischen Testspiele während des Trainingslagern gegen Serbien und Lettland wurden in die Wacker-Arena des damaligen deutschen Regionallisten Wacker Burghausen gelegt.Russische Nationalmannschaft - Spiele beginnen jeweils 19 Uhr, Meldung auf der Website von Wacker Burghausen vom 14. Mai 2008 (besucht 29. Mai 2008).
Einen Tag vor Ende der Frist der UEFA gab Hiddink am 27. Mai den endgültigen Kader bekannt. Wie von der Fachpresse erwartet, wurden die beiden Mittelfeldspieler Oleg Iwanow von Krylja Sowetow Samara, sowie Alexander Pawlenko von Spartak Moskau aus dem Kader aussortiert.Igor Rabiner „“, Sport-Express vom 28. Mai 2008, S. 1.
Bei beiden Vorbereitungsspielen in Burghausen gewannen die Russen verdient, doch zeigten sie dabei große Schwächen in der Abwehr. Das erste Spiel gegen Serbien wurde durch eine frühe verletzungsbedingte Auswechslung des Torschützen zum 1:0 Pogrebnjak überschattet. Der Torschützenkönig des UEFA-Cups 2007/08 zog sich eine Knieverletzung zu, die sich als so schwerwiegend zeigte, dass für die Endrunde der Euro ausfiel und am Tag der Eröffnung des Turniers durch den Mittelfeldspieler Iwanow von Samara, der als möglicher Ersatzmann während der gesamten Vorbereitung mit dem Kader Hiddinks trainiert hatte, ersetzt wurde.
Vorbereitungsspiele Datum Spielort Gegner Ergebnis Torschützen 26.03.2008 Bukarest Rumänien 0:3 (0:1) 1:0 Marica (45.), 2:0 D. Niculae (61.), 3:0 M. Niculae (75.) 23.05.2008 Moskau Kasachstan 6:0 (2:0) 1:0 Pogrebnjak (26., Handelfmeter), 2:0 Bystrow (45.), 3:0 Syrjanow (59.), 4:0 Biljaletdinow (85., Foulelfmeter), 5:0 Torbinski (89.), 6:0 Sytschow (90.) 28.05.2008 Burghausen Serbien 2:1 (1:1) 1:0 Pogrebnjak (12.), 1:1 Pantelić (40.), 2:1 Pawljutschenko (48.) 04.06.2008 Burghausen Litauen 4:1 (1:1)0:1 Savėnas (24.), 1:1 Syrjanow (33.), 2:1 Arschawin (52.), 3:1 Pawljutschenko (64.), 4:1 Bystrow (80.)
Russisches Aufgebot Hiddink wählte für das Aufgebot mit Ausnahme Sajenko vom deutschen Bundesligisten Nürnberg ausschließlich Spieler aus der russischen Premjer-Liga. Zum Zeitpunkt der Meldung des Kaders an die UEFA betrug der Altersschnitt des Kaders 26 Jahre und drei Monate und war damit jünger als die Kader aller anderer Endrundenteilnehmer.
Der Mannschaft fehlen echte Top-Stars, zudem fehlten die beiden Topangreifer des russischen UEFA-Cup-Siegers Zenit Sankt Petersburg in den ersten Spielen: Arschawin war für die ersten beiden Spiele gesperrt. Pogrebnjak verletzte sich im Vorbereitungsspiel gegen Serbien, für ihn wurde Oleg Iwanow nachnominiert.
Nr. Name Verein vor EM-Beginn Geburtstag Spiele Tore 10px 10px 10px Torhüter 1 Igor Akinfejew ZSKA Moskau 08.04.1986 5 0 0 0 0 12 Wladimir Gabulow FK Dynamo Moskau 19.10.1983 0 0 0 0 0 16 Wjatscheslaw Malafejew Zenit Sankt Petersburg 04.03.1979 0 0 0 0 0 Abwehrspieler 2 Wassili Beresuzki ZSKA Moskau 20.06.1982 2 0 0 0 0 3 Renat Janbajew Lokomotive Moskau 07.04.1984 0 0 0 0 0 4 Sergei Ignaschewitsch ZSKA Moskau 14.07.1979 4 0 0 0 0 5 Alexei Beresuzki ZSKA Moskau 20.06.1982 0 0 0 0 0 8 Denis Kolodin FK Dynamo Moskau 11.01.1982 4 0 2 0 0 18 Juri Schirkow ZSKA Moskau 20.08.1983 5 0 2 0 0 22 Alexander Anjukow Zenit Sankt Petersburg 28.09.1982 5 0 0 0 0 Mittelfeldspieler 7 Dmitri Torbinski Lokomotive Moskau 28.04.1984 3 1 2 0 0 11 Sergei Semak Rubin Kasan 27.02.1976 5 0 0 0 0 13 Oleg Iwanow Krylja Sowetow Samara 04.08.1986 0 0 0 0 0 14 Roman Schirokow Zenit Sankt Petersburg 06.07.1981 1 0 0 0 0 15 Dinijar Biljaletdinow Lokomotive Moskau 27.02.1985 5 0 1 0 0 17 Konstantin Syrjanow Zenit Sankt Petersburg 05.10.1977 5 1 0 0 0 20 Igor Semschow FK Dynamo Moskau 06.04.1978 5 0 0 0 0 23 Wladimir Bystrow Spartak Moskau 31.01.1984 2 0 0 0 0 Stürmer 6 Roman Adamow FK Moskau 21.06.1982 1 0 0 0 0 9 Iwan Sajenko 1. FC Nürnberg 17.10.1983 4 0 1 0 0 10 Andrei Arschawin Zenit Sankt Petersburg 29.05.1981 3 2 1 0 0 19 Roman Pawljutschenko Spartak Moskau 15.12.1981 5 3 0 0 0 21 Dmitri Sytschow Lokomotive Moskau 26.10.1983 3 0 0 0 0 Trainer Guus Hiddink 08.11.1946
Verlauf Am 4. Juni, unmittelbar nach dem letzten Testspiel gegen Litauen, bezog Russland das EM-Quartier im österreichischen Leogang. Vorrunde
In der Vorrunde traf in der Gruppe D mit dem amtierenden Europameister Griechenland und Spanien auf zwei Teams, auf die man bereits in der Gruppe A bei der Euro 2004 getroffen war, sowie auf Schweden.
Spanien – Russland 4:1 (2:0) rechts|300px|Startaufstellung 4:1(2:0) Russland 1. SpieltagDienstag, 10. Juni 2008, 18:00 Uhr MESZ, Tivoli-Neu (Innsbruck) Zuschauer: 30.772 (ausverkauft)