Die Hongkonger Rugby-Union-Nationalmannschaft (; ) ist die Nationalmannschaft Hongkongs in der Sportart Rugby Union und repräsentiert die Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die Mannschaft trägt den Spitznamen „Dragons“, nach dem chinesischen Drachen. Die organisatorische Verantwortung trägt der 1952 gegründete Verband Hong Kong Rugby Union (HKRU; ). Hongkong wird vom Weltverband World Rugby in die dritte Stärkeklasse (third tier) eingeteilt und gilt, zusammen mit Südkorea, traditionellerweise als eine der stärksten Nationalmannschaften Asiens nach Japan.

Der Rugby-Union-Sport in Hongkong geht auf die britische Kolonialzeit zurück und ist seitdem stark von der früheren Kolonialmacht beeinflusst worden. Aufgrund der Geschichte Hongkongs als Kronkolonie des Vereinigten Königreiches sind auch heute noch viele Spieler der Mannschaft britischer Herkunft, in den 1990er Jahren wurde der Sport auch von der kantonesischsprachigen Gemeinschaft übernommen. 1969 bestritt Hongkong im Rahmen der ersten Asienmeisterschaft sein erstes Test Match gegen Japan. Die Mannschaft errang bisher sieben Titel bei Asienmeisterschaften und klassierte sich achtmal auf dem zweiten sowie 15-mal auf den dritten Platz. 2025 qualifizierte sich Hongkong erstmals für eine Weltmeisterschaft und wurde damit das zweite asiatische Land, dem dies gelang. Traditionell spielt Hongkong in dunkelblauen Trikots mit weißen Hosen und dunkelblauen Socken.

Organisation

Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Hongkong ist die Hong Kong Rugby Union (HKRU; ). Der Verband wurde 1952 gegründet und 1988 Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Die HKRU war im Jahr 1968 außerdem Gründungsmitglied der Asian Rugby Football Union (ARFU; heute Asia Rugby, AR).

Die höchste Rugby-Union-Liga in Hongkong ist die 2011 gegründete Hong Kong Premiership mit sechs Mannschaften. Ein Großteil der für die Nationalmannschaft antretenden Spieler speist sich aus dieser Liga, weitere Spieler sind vor allem in England tätig.

Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die HKRU weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Hongkong über eine U-20-Nationalmannschaft, die an der World Rugby U20 Trophy teilnimmt. Hinzu kommt die Siebener-Rugby-Nationalmannschaft. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung. Zu diesem Zweck werden Jugendligen mit zwei Altersstufen und Ausbildungsprogramme an über 200 Schulen durchgeführt.

Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby Einige Jahrzehnte nach der Übernahme Hongkongs durch die Briten gelangte auch der Rugbysport in diese Kronkolonie. Alten Zeitungsberichten zufolge soll dies in den 1870er Jahren geschehen sein, womit Hongkong das älteste rugbyspielende Land Asiens wäre. In diesem Zeitraum waren die Spieler hauptsächlich britische Matrosen, aber auch Polizisten und Händler. Der erste Rugby-Sekretär Hongkongs war Jock McGregor. Der älteste Verein ist der am 12. Februar 1886 gegründete Hongkong FC, dessen Rugby-Sektion vier Tage später das erste Spiel gegen eine Auswahl der britischen Garnison organisierte.

Ein formeller Ligenbetrieb bestand ab der Saison 1910/11 mit zunächst fünf Mannschaften. Zwischen 1924 und 1949 spielte eine inoffizielle Hafenauswahl Hongkongs regelmäßig gegen eine Auswahl aus Shanghai. Beide Mannschaften bestanden ausschließlich aus britischen Einwanderern, die sich in den Hafenstädten niedergelassen hatten. 1934 traf eine weitere Hongkonger Auswahl auf eine australische Universitätsmannschaft und gewann mit 11:5. Die Partien gegen Shanghai fanden nach der Ausrufung der Volksrepublik China, die eine weitere Verbreitung des Rugbysports in China vorläufig verhinderte, ein Ende. 1952 erfolgte die Gründung des Verbandes Hong Kong Rugby Union (HKRU; ). Die anhaltende britische Herrschaft über Hongkong, aber auch der Zustrom britischer Einwanderer und Kapitals vom Festland sowie die Etablierung Hongkongs als wichtige Hafenstadt und einer der Tigerstaaten führten zu einem Aufleben des Rugbysports, obschon er zunächst weitgehend auf die britische Gemeinschaft beschränkt blieb.

Die HKRU begann die ersten offiziellen Spiele zu organisieren. 1958 empfing Hongkong eine neuseeländische Universitätsmannschaft und unterlag dieser mit 0:47. Im selben Jahr organisierte Larry Abel, einer der Pioniere des Hongkonger Rugbys, kleinere Turniere, die seitdem jährlich ausgetragen werden. Im Dezember 1968 war Hongkong in Bangkok eines der Gründungsmitglieder der Asian Rugby Football Union (ARFU; heute Asia Rugby, AR); die anderen waren Japan, Malaysia, die Republik China, Singapur, Sri Lanka, Südkorea und Thailand. Eines der Gründungsziele des Kontinentalverbandes war die Förderung des Sports durch eine jährlich ausgetragene Asienmeisterschaft und dadurch freundschaftliche Beziehungen zwischen den Mitgliedsländern zu verstärken. Folglich wurde bereits im März des darauffolgenden Jahres die erste Asienmeisterschaft in Japan ausgetragen, in der die Hongkonger in ihrem ersten Test Match überhaupt eine knappe Niederlage gegen die Gastgeber erlitten, woraufhin gegen Taiwan, Südkorea und Thailand Siege gelangen. Ein Jahr später gewann die Mannschaft das Play-off um den dritten Platz gegen Singapur.

Erste Asienmeisterschaften In den 1970er Jahren spielte Hongkong gegen die meisten asiatischen Nachbarländer mit einer Rugbytradition, darunter Japan, Malaysia, die Republik China, Singapur, Sri Lanka, Südkorea und Thailand. Dabei erzielte Hongkong gemischte Resultate und beendete die Asienmeisterschaft 1972 auf dem zweiten Platz, nachdem es daheim Japan mit 0:16 unterlegen war. 1974 und 1978 kam die Mannschaft nicht über die Gruppenphase hinaus, während sie 1976 nicht teilnahm.

Im Jahr 1976 wurden erstmals die Hong Kong Sevens ausgetragen, die entscheidend für die Etablierung der Variante Siebener-Rugby waren und sich als Folge davon auch positiv auf die eng verwandte Union-Variante auswirkten. Das Konzept stammte von den Geschäftspartnern Ian Gow und Tokkie Smith, die ein tragfähiges Rugbyturnier in Asien etablieren wollten. Die ersten Sponsoren dieses Turnieres waren Cathay Pacific und Rothmans International, später ersetzt durch die HSBC. Die ersten teilnehmenden Mannschaften kamen aus Asien, aber auch zwei Auswahlmannschaften aus Australien und Neuseeland beteiligten sich. Das Turnier erfuhr ein schnelles Wachstum mit Mannschaften aus aller Welt und hat sich inzwischen als eines der offiziellen Turniere der jährlichen World Rugby Sevens Series etabliert.

Etablierung im Mittelfeld In den 1980er Jahren fiel Hongkong leistungsmäßig hinter Japan und Südkorea zurück. Obschon es weiterhin gelang, andere asiatische Mannschaften zu bezwingen, erreichte Hongkong 1980, 1982, 1988 und 1990 lediglich den dritten Platz, während Japan und Südkorea den Titel meist unter sich ausmachten. Der International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby), der damals noch sehr exklusiv war und nur acht Mitglieder zählte, beschloss 1985 die Einführung der Weltmeisterschaft. Für die erste Austragung 1987 vergab der IRFB neun Startplätze durch Einladungen, wobei Hongkong unberücksichtigt blieb. Hongkong wurde 1988 Vollmitglied des IRFB, nahm jedoch nicht an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1991 teil.

Die 1990er Jahre erwiesen sich für Hongkong als erfolgreicher. Zu den bekanntesten Rugbyspielern in diesem Zeitraum gehörten Ashley Billington, David Lewis, Leung Yeung Kit und Chan Fuk Ping. 1992 bestritt Hongkong sein erstes Test Match gegen eine nichtasiatische Mannschaft, wobei es den Vereinigten Staaten in San Franciscos Boxer Stadium mit 16:23 unterlag. Im selben Jahr erreichten die Hongkonger das Finale der Asienmeisterschaft, nachdem sie Südkorea mit 20:13 besiegt hatten, dort jedoch gegen Japan mit 9:37 unterlagen. Bei der Asienmeisterschaft 1994, die gleichzeitig Teil der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1995 war, verlor Hongkong sein Eröffnungsspiel gegen Südkorea, woraufhin es alle anderen Gegner bezwang und den dritten Platz erreichte; dennoch verpasste es das Endturnier in Südafrika. Eine herausragende Leistung zeigte Billington mit zehn Versuchen gegen Singapur am 10. November 1994; dies sind die meisten Versuche durch einen Spieler in einer WM-Qualifikation. Hongkong gewann die Begegnung mit 164:13, der höchste Sieg bisher.

Im Jahr 1996 deklassierte Hongkong Taiwan im Spiel um Platz drei mit 114:12. Die Briten übergaben die Kronkolonie Hongkong 1997 an die Volksrepublik China, was auf dem Festland zu einem größeren Interesse an der Sportart führte, während die internationale Teilnahme der Nationalmannschaft ungehindert fortging. Die Volksrepublik China wurde im selben Jahr ebenfalls Vollmitglied des IRFB. Seitdem sind drei Verbände aus dem chinesischen Sprach- und Kulturgebiet Vollmitglied des Weltverbandes. In den 1990er Jahren trugen die Hongkonger mehrere Test Matches gegen nichtasiatische Mannschaften aus. Gegner waren unter anderem Namibia, Papua-Neuguinea, die Vereinigten Staaten und Kanada. Hongkong erzielte dabei nennenswerte Siege, darunter dreimal gegen die USA, einmal in San Francisco, sowie 1998 gegen Kanada. Trotz dieser Steigerungen in den 1990er Jahren besiegte Hongkong in der Asienmeisterschaft 1998, die zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1999 zählte, zwar Südkorea, unterlag jedoch Japan und erlitt eine überraschende Niederlage gegen Taiwan, womit es den vierten Gruppenplatz erreichte.

Im neuen Millennium mini|Hongkong gegen Japan während der Asienmeisterschaft 2014 mini|Hongkong gegen Japan während der Asienmeisterschaft 2015 mini|Hongkong gegen Japan während der Asienmeisterschaft 2017 Die Asienmeisterschaft 2000 verlief noch enttäuschender als das vorhergehende Turnier, mit Niederlagen gegen Japan, Südkorea und Taiwan. Im selben Jahr schrieb Hongkong Geschichte, als es auf die Volksrepublik China traf; dies war das erste Test Match gegen eine Mannschaft vom chinesischen Festland. Die Partie wurde in Shanghai im Gedenken an die früheren Rugbyspiele zwischen den Auswahlteams Hongkongs und Shanghais gespielt. Den Festlandchinesen gelang ein Überraschungssieg von 17:15 über Hongkong. Ein Jahr später wurde die Mannschaft abermals von der Volksrepublik überrascht, das in Guangzhou ein 25:25-Unentschieden erreichte. Die Asienmeisterschaft 2002 beendete Hongkong auf dem dritten Gruppenplatz. In der Qualifikation für die WM 2003 unterlag Hongkong Taiwan überraschend mit 15:20, obschon es die Volksrepublik in derselben Qualifikation erstmals besiegen konnte.

In der Asienmeisterschaft 2004 sicherte sich Hongkong den dritten Platz der Division 1. Die Asienmeisterschaft 2006/07 diente als Kontinentalqualifikation zur WM 2007; Hongkong verlor alle Spiele und verpasste die Play-offs deutlich.

Ab 2008 wurde die Asienmeisterschaft jährlich in der als „Top 5“ bezeichneten ersten Division zwischen fünf Mannschaften und mit jeweils einem Auf- und Absteiger ausgetragen. Sie hieß von da an vorübergehend Asian Five Nations. In der ersten Austragung gewann Hongkong zwar gegen die Debütanten Kasachstan und Arabien, unterlag aber Japan und Südkorea. Beim Asian Five Nations 2009 unterlag Hongkong neben Japan und Südkorea auch Kasachstan und erreichte nur den vierten Platz. Die Asian Five Nations 2010 gehörten zur Qualifikation für die WM 2011. Zwar konnten die Hongkonger Südkorea und Kasachstan bezwingen, verloren jedoch gegen Arabien, woraufhin sie gegen Japan mit 5:94 ihre höchste Niederlage bisher erlitten. Dank mehr Bonuspunkten erreichte Kasachstan anstelle Hongkongs die Play-offs.