Die südkoreanische Rugby-Union-Nationalmannschaft (, Daehan Min'guk Reogbi Yunieon Gukga Daepyo Tim), von World Rugby als Korea geführt, ist die Nationalmannschaft Südkoreas in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die Mannschaft trägt den Spitznamen „Mugunghwas“, nach dem Straucheibisch (Hibiscus syriacus), der Nationalblume des asiatischen Landes. Die organisatorische Verantwortung trägt der 1946 gegründete Verband Korea Rugby Union (KRU; ). Südkorea wird vom Weltverband World Rugby in die dritte Stärkeklasse (third tier) eingeteilt und gilt, zusammen mit Hongkong, traditionellerweise als eine der stärksten Nationalmannschaften Asiens nach Japan.

Der Rugby-Union-Sport in Südkorea geht auf die japanische Besetzung Koreas zurück und ist seitdem stark von der früheren Kolonialmacht beeinflusst worden. 1969 bestritt Südkorea im Rahmen der ersten Asienmeisterschaft sein erstes Test Match gegen Taiwan. Die Mannschaft errang bisher fünf Titel bei Asienmeisterschaften und klassierte sich 18-mal auf dem zweiten sowie neunmal auf den dritten Platz. Für eine Weltmeisterschaft konnte sich die Mannschaft bislang nicht qualifizieren. Traditionell spielt Südkorea in dunkelblauen Trikots mit roten Farbakzenten, weißen Hosen und dunkelblauen Socken – also in den Farben der Flagge Südkoreas.

Organisation

Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Südkorea ist die Korea Rugby Union (KRU; ). Der Verband wurde 1946 gegründet und 1988 Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Die KRU war außerdem im Jahr 1968 Gründungsmitglied der Asian Rugby Football Union (ARFU; heute Asia Rugby, AR).

Die höchste Rugby-Union-Liga in Südkorea ist die 2003 gegründete Korea Super Rugby League mit vier Mannschaften. Ein Großteil der für die Nationalmannschaft antretenden Spieler speist sich aus dieser Liga, weitere Spieler sind vor allem in Japan als Profisportler tätig.

Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die KRU weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Südkorea über eine U-20-Nationalmannschaft, die an der World Rugby U20 Trophy teilnimmt. Hinzu kommt die Siebener-Rugby-Nationalmannschaft. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung.

Das zur selben Halbinsel wie Südkorea gehörende Nordkorea verfügt über keine eigene Nationalmannschaft und ist auch kein Mitglied des Weltverbandes World Rugby. World Rugby führt Südkorea unter der offiziellen Bezeichnung Korea als Vertretung für die gesamte Koreanische Halbinsel.

Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby Es ist unbekannt, wann Rugby erstmals in Korea gespielt wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts spielten europäische Matrosen die ersten Rugbyspiele in nordostasiatischen Hafenstädten wie Shanghai und Yokohama in den Nachbarländern China und Japan. Es ist jedoch unbekannt, wann dies im damaligen Kaiserreich Korea seinen Anfang nahm. 1905 wurde Korea von Japan besetzt und 1910 annektiert. Japan war in dieser Zeit die führende Rugbynation Asiens und das Rugby wurde vermutlich danach von Japanern nach Korea gebracht. Seitdem pflegt Südkorea eine Rugbyrivalität mit Japan.Bath: Complete Book of Rugby. S. 70. Nach dem Zweiten Weltkrieg, und später nach dem Koreakrieg, verstärkte die Anwesenheit vieler Soldaten aus dem Commonwealth die Präsenz des Sports. Seitdem wird Rugby in Südkorea vor allem bei den Streitkräften gespielt. 1946 erfolgte die Gründung des Verbandes Korea Rugby Union (KRU; ).

In dieser Zeit erfuhr das südkoreanische Rugby eine zweite Stütze. Das starke Wirtschaftswachstum seit den 1960er Jahren als einer der Tigerstaaten führte zu einer engen Zusammenarbeit zwischen japanischen und südkoreanischen Unternehmen, was die Rugbyvorherrschaft der Streitkräfte beendete. Im Dezember 1968 war Südkorea in Bangkok eines der Gründungsmitglieder der Asian Rugby Football Union (ARFU; heute Asia Rugby, AR); die anderen waren Hongkong, Japan, Malaysia, die Republik China, Singapur, Sri Lanka und Thailand. Eines der Gründungsziele des Kontinentalverbandes war die Förderung des Sports durch eine jährlich ausgetragene Asienmeisterschaft und dadurch freundschaftliche Beziehungen zwischen den Mitgliedsländern zu verstärken. Folglich wurde bereits im März des darauffolgenden Jahres die erste Asienmeisterschaft in Japan ausgetragen, in der die Südkoreaner ihre ersten Test Matches bestritten, in denen Niederlagen gegen die Republik China, Hongkong und Japan resultierten, während die Begegnung gegen Thailand aufgrund starker Schneefälle abgesagt werden musste. Ein Jahr später gewann die Mannschaft das Play-off um den fünften Platz gegen Ceylon.

Erste Asienmeisterschaften In den 1970er Jahren spielte Südkorea gegen die meisten asiatischen Nachbarländer mit einer Rugbytradition, darunter Hongkong, Japan, Malaysia, die Republik China, Singapur, Sri Lanka und Thailand. Dabei erzielte Südkorea gemischte Resultate und beendete die Asienmeisterschaft 1972 abermals auf dem fünften Platz, diesmal deklassierte es Sri Lanka im Play-off. Ab 1974 ging es mit der Mannschaft bergauf und sie erreichte erstmals den dritten Platz, nachdem im Play-off gegen Malaysia ein deutlicher Sieg gelang. Ein Jahr später erreichten die Südkoreaner den zweiten Platz hinter Japan. 1978 und 1980 erreichten sie jeweils das Finale, unterlagen aber Japan.

In den 1980er Jahren schloss Südkorea leistungsmäßig zu Japan auf und zog an Hongkong vorbei. 1982 gelang dem Team schließlich der Durchbruch, als es im Finale einen knappen Sieg über Japan errang. Im vierten aufeinanderfolgenden Finale zwischen Japan und Südkorea stand es nach dem Ende der regulären Spielzeit 9:9 unentschieden. In der Nachspielzeit erzielte der südkoreanische Verbinder Moon Yuang-chan die entscheidenden drei Punkte per Dropgoal zum 12:9-Endstand und sicherte Südkorea den ersten Asienmeistertitel.Bath: The Complete Book of Rugby. S. 26. 1984 musste es sich mit dem zweiten Platz hinter Japan begnügen, während 1986, 1988 und 1990 drei aufeinanderfolgende Finalsiege über Japan gelangen. Damit etablierte sich Südkorea neben Japan und Hongkong als eine der führenden Rugbynationen Asiens. Der Sport war damals vor allem unter Militärangehörigen fest etabliert, was sich auch in der heimischen Rugbyliga zeigte: Nur eines der 14 Teams in der Liga war ein Firmenteam.Richards: A Game for Hooligans: The History of Rugby Union. S. 228. Die Koreaner zogen vor allem Vorteil aus ihrer größeren und kräftigeren Körperbau gegenüber den meisten anderen asiatischen Teams sowie dem Drill bei vielen Militärklubs. Zu den nennenswerten Spielern dieser Zeit gehörten Lee Ken-yok, Kapitän Kim Yeon-ki und der Spielmacher Sung Hae-kyoung.

Etablierung im Mittelfeld Der International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby), der damals noch sehr exklusiv war und nur acht Mitglieder zählte, beschloss 1985 die Einführung der Weltmeisterschaft. Für die erste Austragung 1987 vergab der IRFB neun Startplätze durch Einladungen, wobei Südkorea unberücksichtigt blieb. Südkorea schlug vor, Rugby Union wieder zu einer olympischen Sportart zu machen, als es Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 1988 in Seoul war. Roh Tae-woo, der damalige Präsident Südkoreas und frühere Rugbyspieler, unterstützte diese Idee. Der Vorschlag wurde denkbar knapp abgelehnt. Im selben Jahr wurde Südkorea Vollmitglied des IRFB und nahm an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1991 teil, erlitt jedoch drei Niederlagen gegen Westsamoa, Japan und Tonga.

Ab den 1990er Jahren entwickelte sich Japan zum unüberwindbaren Gegner in den Asienmeisterschaften und damit gleichzeitig im Rennen um die Weltmeisterschaftsqualifikationen. 1992 gelang dem Gastgeber in Seoul gegen Malaysia mit 135:3 der bis heute höchste Sieg der Verbandsgeschichte, worauf ein weiterer deutlicher Sieg über Thailand folgte. Im dritten Gruppenspiel unterlag die Mannschaft jedoch Hongkong, woraufhin sie nur das Spiel um Platz drei erreichte, das sie gegen Taiwan für sich entschied. Bei der Asienmeisterschaft 1994, die gleichzeitig Teil der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1995 war, erreichte Südkorea das Finale, unterlag dort jedoch Japan, das sich für die Endrunde in Südafrika qualifizierte.

Bei den Turnieren der Jahre 1996, 1998 und 2000 platzierte sich Südkorea jeweils auf dem zweiten Platz hinter Japan. Das Turnier 1998 zählte als Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1999 und die Südkoreaner erreichten als Zweitplatzierte die Barrage, in der sie auf die Niederlande trafen und sich mit einem Gesamtergebnis von 108:45 durchsetzten, wonach sie auf Tonga trafen. Südkorea unterlag jedoch mit einem Gesamtergebnis von 41:140. Dagegen gewannen die Südkoreaner jeweils vor den Japanern die Goldmedaille bei den Rugbyturnieren der Asienspiele 1998 in Bangkok und 2002 in Busan.

Im neuen Millennium Im Jahr 2002 erreichte Südkorea in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2003 nach zwei Niederlagen gegen Japan sowie zwei Siegen über Taiwan abermals die Barrage, unterlag Tonga jedoch diesmal mit einem Gesamtergebnis von 0:194. Die Auswärtsniederlage der Koreaner in Nukuʻalofa mit 0:119 ist die höchste der Verbandsgeschichte bisher. In der darauf folgenden Asienmeisterschaft gewann es nach relativ deutlichen Siegen über Taiwan und Hongkong sowie einem knappen Erfolg gegen Japan den insgesamt fünften Asientitel. Obschon sich Südkorea mit diesen Erfolgen gegen den japanischen Konkurrenten erstmals an der Spitze des asiatischen Rugby etabliert hatte, war der Spielbetrieb im Land im Vergleich zum Nachbarn immer noch sehr klein. Die KRU verfügte über nur drei Firmenklubs gegenüber den 300 der Japan Rugby Football Union (JPRU) und 1.000 lizenzierten Spielern gegenüber den 120.000 in Japan. Nachdem die Korea Electric Power Corporation ankündigte, ihr Rugbyteam aufzulösen, kündigte der koreanische Verband an, die Unternehmens- und Universitätsmeisterschaften zu einer Liga zusammenzulegen und die Korea Rugby League (KRL; jetzt Korea Super Rugby League, KSRL) zu gründen. Im Gründungsjahr nahmen sieben Mannschaften an der Liga teil.

In der Asienmeisterschaft 2004 erreichte die Mannschaft nach einem deutlichen Sieg über Taiwan das Finale, unterlag dort jedoch Japan ebenso deutlich. Die Asienmeisterschaft 2006/07 diente als Kontinentalqualifikation zur WM 2007 und die Südkoreaner erreichten nach einem Sieg über Hongkong und einer Niederlage gegen Japan die Barrage, unterlagen dort jedoch abermals Tonga mit 3:85. Im selben Jahr führte die japanische Top League Quoten für asiatische Spieler ein und viele koreanische Spieler wechselten daraufhin in diese Liga. Dies hatte einen direkten Einfluss auf die koreanische Liga, die ihre Anzahl Teams auf sechs reduzieren musste. Ein Jahr später schloss sich die Korea Rugby League mit der National Spring League zur Korea Spring League zusammen, an der fünf Teams teilnahmen.

Aktuelle Entwicklung mini|Japan gegen Südkorea bei der Asienmeisterschaft 2016