mini|Weilheim von Süden mini|Weilheim von Süden mit Ammersee

Weilheim in Oberbayern (amtlich: Weilheim i.OB) ist die Kreisstadt des oberbayerischen Landkreises Weilheim-Schongau. Weilheim ist einer der zentralen Orte des Pfaffenwinkels im bayerischen Oberland und seit dem 1. März 2018 Oberzentrum.

Geographie und Geomorphologie Geographische Lage Die Stadt liegt eingebettet in die Landschaft des bayerischen Alpenvorlandes zwischen München im Norden und Garmisch-Partenkirchen im Süden. Durch die Stadt fließt die Ammer, ein linker Nebenlauf der Isar.

Weilheim liegt in einem Becken, das durch die mehrmaligen Vorstöße des Isar-Loisach-Gletschers in den letzten 2,6 Millionen Jahren (Quartär) aus dem Untergrund ausgeschürft wurde und auch für die Entstehung des Ammersees verantwortlich ist, welcher einst deutlich größer war und im Süden bis nach Weilheim reichte.Reinhold Lehmann, Kathrin Schön: Geowandern Münchner Umland. Bergverlag Rother, Oberhaching 2017, ISBN 978-3-7633-3156-7.

Geomorphologie Besonders der Gletschervorstoß in der Würm-Kaltzeit, welche vor 115.000 Jahren begann und vor etwa 15.000 Jahren endete, hat das heutige Landschaftsbild der Region wie auch des gesamten nördlichen Alpenvorlandes stark geprägt. So ist beispielsweise das „Gögerl“ südlich von Weilheim dadurch entstanden, dass der Gletscher bei seinem Rückzug vor etwa 18.000 Jahren auf der Höhe von Weilheim einige hundert Jahre lang Schutt und Gesteine an seinen Seiten abgelagert hat (Seitenmoräne). Man nennt dies den „Weilheimer Halt“.

Das Weilheimer Moos wiederum entstand (wie auch das Murnauer Moos) durch die Sand- und Tonpartikel, die von der Ur-Ammer nach Abschmelzen des Gletschers in das ausgeschürfte, wassergefüllte Becken eingetragen wurden. Während der Ammersee durch diesen Eintrag mehr und mehr verlandete, verhindern die Seetone noch heute ein Versickern des oberflächennahen Wassers und schaffen so die Grundlage für das Niedermoorgebiet Weilheimer Moos.

Stadtgliederung mini|Luftbild des Gemeindeteils Marnbach Die Gemeinde hat 16 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Geschichte mini|Stadtmauer bei der Vötterlgasse um 1900 mini|Die Fußgängerzone mit Mariensäule Bis zum 18. Jahrhundert Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung in Weilheim stammen aus der Hallstattzeit (ca. 800–500 v. Chr.) und wurden 2025 an der Römerstraße entdeckt. Weitere Funde sind auf die Bronzezeit datiert,Bernhard Wöll: Jubiläums-Chronik der Stadt Weilheim, anlässlich der 1000-jährigen erstmaligen urkundlichen Erwähnung im Jahr 1010 von Weilheim und Polling. Hrsg.: Stadt Weilheim i. OB. 2010. aus der Spätrömerzeit gibt es Grabfunde.Karl Schmotz: Bemerkungen zur frühen Geschichte Weilheims. In: Lech-Isar-Land. 1980, S. 138. Der Name Weilheim wird als Heim bei den römischen Villen (Landgüter) gedeutet. Es gibt aber mehrere weitere Theorien für den Ursprung des Ortsnamens. Das jetzige oberbayrische Gebiet gelangte unter dem Feldherrn Drusus 15 v. Chr. in römische Hand.Sonderbeilage des Weilheimer Tagblattes anlässlich der 1000-jährigen erstmaligen urkundlichen Erwähnung der Orte Polling und Weilheim vom 16. April 2010, S. 4. Die Römer bauten um 200 n. Chr. die „Via Raetia“, die über den Brennerpass nach Augsburg führte.Karl Ludwig Wilheim: Via Raetia. In: kaluwi.de, abgerufen am 22. März 2018. Diese Römerstraße verlief über Weilheimer Gebiet und durch die Stadt. Um 476 zogen sich die Römer zurück nach Süden und die Bajuwaren kamen in die Gegend.Geschichte. In: Landratsamt Weilheim-Schongau (Hrsg.): Der Landkreis Weilheim-Schongau. Texte: Max Biller (Kreisarchivpfleger), Helmut Schmidbauer (Kreisheimatpfleger). 2010, S. 8 f.

Die älteste erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung des damaligen Dorfes „Wilhain“ stammt aus einer Urkunde vom 16. April 1010 des Königs und späteren Kaiser Heinrich II., mit der er dem Kloster Polling im Jahr 1010 den Besitz eines – früher schon einmal diesem Kloster gehörenden – Gutshofes in Weilheim zuspricht.Theobald Wirth: Weilheimer Heimatbuch. Geschichte – Kunst und Wissenswertes aus der Stadt an der Ammer. Selbstverlag 1977, S. 18 f. (mit deutscher Übersetzung des Textes dieser Urkunde aus dem Lateinischen). Ab etwa 1080 sind Edle zu Weilheim (Verwandt mit den Edlen von Deutenhausen) nachweisbar, sie waren Lehensmänner der Andechs-Meranier und starben um 1312 aus. Ab 1236 gab es einen Palisadenzaun als Vorläufer der Stadtmauer.Klaus Gast: Die Weilheimer Stadtmauer (Teil 1). In: Lech-Isar-Land. 2016, S. 9–24. Etwa im Jahr 1328 ermöglichte der Münchner Patrizier Ludwig Pütrich der Ältere durch Stiftungen die Einrichtung des Heilig-Geist-Spitals außerhalb der Stadtmauern.Christian Buck (Hrsg.), Hans Rid: Aus Weilheims Vergangenheit. Entwicklungsgeschichte der Stadt Weilheim vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Stöppel, Weilheim 1984, S. 29. Nach ihm wurde ein Ehren-Preis der Stadt benannt. Im Mittelalter wurde Weilheim von mehreren schweren Bränden heimgesucht. Als 1521 in München eine Pestepidemie ausbrach, residierten die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig zwischenzeitlich in Weilheim.Christian Buck (Hrsg.), Hans Rid: Aus Weilheims Vergangenheit. Entwicklungsgeschichte der Stadt Weilheim vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Stöppel, Weilheim 1984, S. 47 f. Vom ausgehenden 16. Jahrhunderts an stand das Kunsthandwerk in Weilheim in Blüte, allen voran die Weilheimer Bildhauerschule (die bis ins 18. Jahrhundert bestand).Vgl. Heinz-Jürgen Sauermost: Die Weilheimer – Große Künstler aus dem Zentrum des Pfaffenwinkels. Süddeutscher Verlag, München 1988. Bekannte Vertreter aus dieser Zeit sind Georg Petel, Hans Krumpper, Hans Degler, Bartholomäus Steinle, Christof Angermair und Johann Sebastian Degler u. v. m. Im Jahre 1611 wurde ein Trifthof an der Ammer für die Holztrift eingerichtet, dort wurden Baumstämme zu Flößen verbunden um sie auf dem Wasserweg weiter bis in die Amper zu bringen.Flößerei und Holztrift. In: Im Jahre 1639 wurde das Franziskanerkloster St. Joseph beim Schmiedtor wegen herrschenden Priestermangels angesiedelt.Joachim Heberlein: Weil Priester fehlten, kamen Mönche. In: Weilheimer Tagblatt. 23./24. Oktober 2010, S. 3, Lokales.

19. und 20. Jahrhundert Im Rahmen der Säkularisation im Jahr 1802 wurde das Franziskanerkloster in Weilheim aufgehoben. Die vielen umliegenden bedeutenden Klöster und Stifte, wegen denen noch heute die Region als oberbayerischer Pfaffenwinkel tituliert wird, wurden enteignet und aufgelöst. Bei einer schweren Brandkatastrophe in der Oberen Stadt am 3. Mai 1810 verbrannten nach einem Blitzeinschlag 120 Häuser und zwei Personen kamen ums Leben.Joachim Heberlein: Feuer vernichtet 120 Häuser. In: Weilheimer Tagblatt. 12./13. Mai 2010, S. 4, Lokales.Theobald Wirth: Weilheimer Heimatbuch. Geschichte – Kunst und Wissenswertes aus der Stadt an der Ammer. 2. Auflage. Selbstverlag, 1978, S. 59. Den Brandgeschädigten wurde vom Königreich das Abbruchmaterial des romanischen Wessobrunner Münsters zum Wiederaufbau ihrer Häuser überlassen. Das ehemalige Franziskanerkloster brannte 1825 ab, daraufhin wurde 1826 dort ein gemeinsames Gebäude für das Heilig-Geist-Spital und ein Krankenhaus an der heutigen Münchner Straße gebaut.Christian Buck (Hrsg.), Hans Rid: Aus Weilheims Vergangenheit. Entwicklungsgeschichte der Stadt Weilheim vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Stöppel, Weilheim 1984, S. 133. Das alte Spitalgebäude wurde dagegen abgebrochen, dadurch entstand der heutige Kirchplatz. Am 1. Oktober 1869 erschien die erste Tageszeitung vor Ort, das „Weilheimer Tagblatt“. Zwischen 1872 und 1874 wurden die drei Stadttore abgebrochen, zunächst 1872 das Obere Tor, 1873 das Schmied-Tor und zuletzt 1874 das Pöltner-Tor.Christian Buck (Hrsg.), Hans Rid: Aus Weilheims Vergangenheit. Entwicklungsgeschichte der Stadt Weilheim vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Stöppel, Weilheim 1984, S. 211 ff. Durch einen Luftangriff im Zweiten Weltkrieg am 19. April 1945 wurden 24 Personen getötet und der Bahnhof zerstört.Joachim Heberlein: Weilheims schwarzer Donnerstag kurz vor Kriegsende. In: Weilheimer Tagblatt. 19. April 2010, S. 3, Lokales.

Religionen Mit etwa 10.750 Einwohnern war beim Zensus 2011 knapp über die Hälfte der Bevölkerung (50,9 %) römisch-katholisch. Es gab etwa 3.850 evangelische Einwohner und etwa 6.530 Personen (zirka 31 %), die konfessionslos waren oder einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörten.. Abgerufen am 22. März 2018. mini|St. Mariae Himmelfahrt Bis zum Jahr 2022 ist vornehmlich aufgrund von Kirchenaustritten die Zahl der Katholiken in Weilheim unter die 9000er-Marke (39 % der Gesamtbevölkerung) gefallen.Der Exodus der Katholischen Kirche: Weilheims Stadtpfarrer Birkle äußert sich zu massiven Kirchenaustritten, abgerufen am 8. Juli 2023

Die Stadt gehört zum Bistum Augsburg in der Diözesanregion Weilheim-Oberland, Dekanat Weilheim-Schongau. Die Stadtpfarrkirchen sind Mariä Himmelfahrt und Sankt Pölten für das südliche Stadtgebiet. Außerdem gibt es noch die Heilig-Geist-Spital-Kirche und weitere kleinere Kirchen. Im Gemeindeteil Deutenhausen steht die künstlerisch wertvoll gestaltete Kirche Sankt Johannes der Täufer, in Marnbach die Pfarrkirche Sankt Michael und in Unterhausen die Pfarrkirche Mariä Heimsuchung. Alle fünf katholischen Kirchengemeinden sind als Pfarreiengemeinschaft Weilheim miteinander verbunden.

Die evangelisch-lutherische Kirche ist mit der Pfarrgemeinde Apostelkirche und dem Dekanat Weilheim vertreten. Es erstreckt sich vom Starnberger See bis zur Zugspitze. Die 1899 errichtete Apostelkirche ist in der Region für die neue Orgel bekannt. Im Jahre 2016 wurden drei neue Glocken – benannt nach den Aposteln Paulus, Petrus und Johannes – eingeweiht.

Die Freie evangelische Gemeinde Weilheim besteht seit 1993 und gehört zum Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1978 die Gemeinden Deutenhausen (mit Marnbach) und Unterhausen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 17.602 auf 22.477 um 4.875 Einwohner bzw. um 27,7 %. mini|hochkant=2|Einwohnerentwicklung von Weilheim von 1840 bis 2016 Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1840 2.599 1991 18.592 1871 3.732 1995 19.760 1900 4.901 2000 20.863 1910 5.249 2005 21.536 1925 6.754 2010 21.649 1939 7.934 2011 (Zensus) 21.150 1950 12.313 2015 22.184 1961 13.360 2016 22.345 1970 15.545 2022 23.056 1987 17.294 202323.319

Politik Stadtrat

+ Sitzverteilung im Stadtrat Partei / ListeWahl 2026 Wahl 2020 Wahl 2014Ergebnis der Kommunalwahlen 2014, abgerufen am 18. März 2014.Weilheimer Tagblatt vom 18. März 2014, Lokalteil S. 3. Wahl 2008Ergebnis der Kommunalwahl 2008, abgerufen am 23. Mai 2011. Wahl 2002Ergebnis der Kommunalwahl 2002, abgerufen am 23. Mai 2011.%Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU27,48 22,7 7 27,9 8 31,3 9 45,0 14 Bündnis 90/Die Grünen19,06 19,9 6 11,2 3 8,3 2 5,7 2 BfW(Bürger für Weilheim)17,85 24,8 8 32,6 10 42,9 13 26,1 8 SPD11,63 8,2 2 13,0 4 11,1 4 17,2 5 AfD8,43 4,4 1 — — — — — — Freie Wähler/FW Weilheim 7,12 6,3 2 12,4 4 — — — — ÖDP 3,11 6,5 2 — — — — — — WM(Weilheim Miteinander)2,81 3,8 1 — — — — — — FDP2,71 3,5 1 2,9 1 3,2 1 2,4 – UWV/BP —— — — — — 3,2 1 3,6 1 Gesamt 10030 100 30 100 30 100 30 100 30 Wahlbeteiligung66,0 % 61,6 % 56,6 % 63,4 % 66,1 % Kontroversen 2026 kam es in Weilheim zu Protesten, nachdem die AfD Räume im ehemaligen „Starlight“-Kino angemietet hatte, wodurch eines der größten rechtsextremen Zentren in Süddeutschland hätte entstehen können. Der Stadtrat änderte den Bebauungsplan, um eine Veranstaltungsnutzung zu untersagen. Die AfD wollte in dem ehemaligen Kino ein „patriotisches Kulturzentrum“Weilheim wehrt sich gegen AfD-Pläne, Süddeutsche Zeitung, 23. Januar 2026 für sich selbst und andere Gruppen aus dem rechten Spektrum machen.Wie sich eine oberbayerische Stadt gegen die AfD wehrt, Spiegel Online, 6. Februar 2026 Bürgermeister