Clara Thalmann (* als Clara Ensner 24. September 1908 in Basel; † 27. Januar 1987 in Nizza, Frankreich) war eine Schweizer Anarchistin und Kämpferin im Spanischen Bürgerkrieg.

Leben Jugend in Basel und Paris Clara Thalmann war eines von zehn Kindern einer Arbeiterfamilie. Ihre Eltern, Elisa Margaretha Thudium und Friedrich Franz Ensner, stammten aus sozialdemokratischem Umfeld. Ihr Vater war deutscher Internationalist und wegen des Deutsch-Französischen Krieges in die Schweiz geflohen. Mit 14 Jahren, nach ihrem Schulabschluss, zog sie von zu Hause weg, da sie ihren Vater zu autoritär fand, Buselmeier, Karin (Hrsg.)(1978): Frauen in der Spanischen Revolution, in: Mamas Pfirsiche: Frauen und Literatur Nr. 9/10, Verlag Frauenpolitik, Münster. und arbeitete als Serviererin, Dienstmädchen und Uhrenarbeiterin in Leysin, Neuenburg NE und Genf. 1925 ging sie illegal nach Paris, fand Arbeit in Metallbetrieben Huber, Peter in Zusammenarbeit mit Ralph Hug (2009): Die Schweizer Spanienfreiwilligen. Biografisches Handbuch, 1. Auflage, Seite 389, Rotpunktverlag, Zürich. und lebte dort mit dem Geburtsschein einer anarchistischen Arbeitskollegin. Da sie in Basel als Mitglied der «sozialistischen Jugend» und ab 1918 der Kommunistischen Partei der Schweiz bereits politisch organisiert war, trat sie in Paris der PCF-Jugend bei. Thalmann, Clara und Paul (1987): Revolution für die Freiheit. Stationen eines politischen Kampfes Moskau/Madrid/Paris, 3. mit einem aktuellen Nachwort versehene Auflage, Trotzdem Verlag, Grafenau-Döffingen. Thalmann arbeitete während ihres Aufenthaltes in Paris für die französische kommunistische Zeitschrift L’Humanité und brach in der Zeit von 1924 mit Lenins Tod und dem Aufkommen des Stalinismus 1928 mit dem orthodoxen Marxismus. 1929, zurück in Basel, lernte sie ihren zukünftigen Mann Paul Thalmann kennen, der ebenfalls in Basel geboren war und vier Jahre in Moskau studiert hatte, von wo er desillusioniert zurückgekehrt war und sich der Dissidentengruppe von Schaffhausen anschloss. 1929 wurden die beiden aus der KPS ausgeschlossen, da sie die stalinistische Politik der Sowjetunion und der Partei kritisierten. Clara und Paul heirateten 1931 in Basel. Im selben Jahr wurde in Spanien die Zweite Republik ausgerufen und die beiden unternahmen eine fünfmonatige Reise quer durch das Land. Sie kehrten über Nordafrika und Italien nach Basel zurück. Nach Hitlers Machtübernahme schmuggelte Thalmann verbotene Schriften, die in der Schweiz gedruckt wurden, über die Grenze nach Deutschland. 1934 trat sie der trotzkistischen MAS (Marxistische Aktion der Schweiz) bei, welche 1935 in die Basler SP übersiedelte und dort Teil des linken Parteiflügels wurde. Thalmann war Mitglied des schweizerischen Arbeiter-Schwimmclubs und reiste als dessen Delegierte 1936 nach Barcelona zur Volksolympiade.

Spanischer Bürgerkrieg Einen Tag vor der Eröffnung der Volksolympiade, am 17. Juli 1936, putschten die Generäle um Francisco Franco in Spanien und der Spanische Bürgerkrieg brach aus. Thalmann war zu dieser Zeit noch nicht in Spanien, sie erreichte die Grenze erst am 18. Juli und traf dort auf Milizen der CNT. Diese liessen sie ohne Probleme passieren. Durch den von linken Parteien und Gewerkschaften ausgerufenen Generalstreik waren alle öffentlichen Verkehrsmittel ausser Betrieb. Sie konnte zusammen mit zwei anderen Baslern, die sie zufällig traf, im Privatauto eines französischen Geschäftsmannes von Port-Bou nach Sant Feliu de Guíxols fahren. Auf dieser Strecke wurden sie mehrfach von Milizen kontrolliert. Von dort aus reisten die Basler mit Anarchisten weiter nach Barcelona.Schneider, Friedrich (1936): Sturm über Spanien; In: AZ Arbeiterzeitung. Offizielles Organ der Sozialdem. Parteien beider Basel, des Arbeiterbundes Basel und Gewerkschaftskartell Baselland, Nr. 174, 16. Jahrgang, 28. Juli 1936, Seite 2. Thalmann wurde wegen ihrer blonden Haare in Spanien mehrere Male bevorzugt behandelt, so konnte Paul nach Spanien einreisen, da die Milizionäre an der Grenze sich an seine Frau erinnerten. Er konnte auf einem Lastwagen der Miliz nach Barcelona mitfahren.

Barcelona und La Zaida In Barcelona hatten alle grossen Parteien und Gewerkschaften Häuser besetzt und Büros eingerichtet, wo man sich über die Organisation und politische Ausrichtung informieren konnte. Thalmann beschloss zur POUM zu gehen und schloss sich einer ihrer Milizen an. Angebote für eine Bürostelle oder eine Arbeitsstelle im Spital lehnte sie ab.Medienwerkstatt Freiburg (Hrsg.)(1984): Die lange Hoffnung. Erinnerungen an ein anderes Spanien mit Clara Thalmann und Augustin Souchy. Sie wollte an die Front und marschierte drei Tage nach Pauls Ankunft in Barcelona an die Aragonfront ab. Ihre Hundertschaft wurde in Barbastro, einer Art Hauptquartier des Frontabschnittes, nach La Zaida, einem Dorf am Ebro mit damals etwa 3'000 Einwohnern, eingeteilt. Clara Thalmann begründete ihren Wunsch, mit der Waffe zu kämpfen, später in einem Interview damit, dass sie schiessen konnte. Dies, weil sie nach der Russischen Revolution mit Schweizer Armeewaffen, die jeder Soldat zu Hause hatte, und mit blinden Patronen im Wald den Umgang mit Waffen gelernt hatte, um notfalls eine zweite „russische“ Revolution zu unterstützen, wenn diese ausgebrochen wäre. An der Front gab es immer wieder Scharmützel mit den Faschisten; die Pausen dazwischen dauerten jedoch länger als die Kampfhandlungen. Sie wurden genutzt, um die Milizen auszubilden oder den Bauern auf den Feldern zu helfen. Die Milizen waren schlecht ausgerüstet und hatten oft veraltetes Material, so hatte die Hundertschaft von Thalmann nur ein Maschinengewehr, während den Faschisten auf der anderen Seite des Ebros mehrere zur Verfügung standen. Zu den materialabhängigen Nachteilen der republikanischen Seite kam, dass viele Milizmitglieder keine militärische Ausbildung hatten. Paul reiste als Korrespondent für Schweizer Arbeiterzeitungen zu Clara an die Front, zu diesem Zeitpunkt waren neben ihr noch zwei weitere Frauen in ihrer Hundertschaft. Die Truppe bestand aus deutschen, französischen und italienischen Freiwilligen, der grösste Teil der Milizionäre dieser Hundertschaft waren jedoch Spanier. Die Hundertschaft war an der sozialen Revolution beteiligt, so war die Miliz demokratisch organisiert; es gab keine Offiziere, nur gewählte Vertreter, und alle erhielten denselben Sold.

Madrid Clara liess sich von Paul dazu überreden, aus der Miliz auszutreten und mit ihm nach Madrid zu gehen, da er davon ausging, dass dort bald wichtige militärische und politische Entscheidungen stattfänden. Nach einer Diskussion in der Hundertschaft über ihren Urlaub konnte sie die Front verlassen. Bevor sie jedoch nach Madrid fuhren, machten die beiden einen Ausflug nach Gelsa in das Hauptquartier der «Durruti-Kolonne», der ihre Hundertschaft angehörte. Sie trafen kurz vor der Bildung der Volksfrontregierung unter Francisco Largo Caballero, Anfang September 1936, in Madrid ein.Medienwerkstatt Freiburg (Hrsg.)(1985): Die lange Hoffnung. Erinnerungen an ein anderes Spanien mit Clara Thalmann und Augustin Souchy, 1. Auflage, Trotzdem Verlag, Grafenau. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich auf republikanischer Seite bereits erste Gräben aufgetan. Diese Spannungen entstanden aus den verschiedenen Meinungen darüber, ob und wann die soziale Revolution stattfinden sollte. Die bürgerlichen Republikaner und die Kommunisten waren gegen die von den Anarchisten der CNT-FAI, Sozialisten und POUM vorangetriebene Revolution. Um der innerrepublikanischen Opposition entgegenzuwirken, baute Stalin in Spanien einen Polizeiapparat auf, der ausserhalb der spanischen Gerichtsbarkeit stand. Die POUM hatte in Madrid eine Radiostation besetzt und sendete von dort aus Informationen über den Verlauf des Bürgerkrieges ins Ausland. Diese Möglichkeit der unzensierten Berichterstattung gefiel den Kommunisten nicht, sie versuchten immer wieder den Sender zu überfallen und beobachteten die Mitarbeitenden. Clara sprach die von Paul geschriebenen Texte auf Deutsch und Französisch, deshalb wurden sie von stalinistischen Spitzeln überwacht. In dieser Zeit besetzten die Generäle um Franco die Vororte von Madrid. Die Stadt wurde mit Artillerie und Flugzeugen angegriffen. Clara und Paul blieben trotzdem in der Stadt und erlebten die Ankunft von Buenaventura Durruti und der Kompanie Thälmann. Die PCE mit ihren sowjetischen Unterstützern übernahm die Macht in der Stadt. Die Volksfrontregierung bestand aus allen republikanischen Parteien, ausser den Anarchisten und der POUM, da diese als unkontrollierbar galten. Erst später wurden zwei anarchistische Minister in die Regierung aufgenommen. Die anarchistische Basis missbilligte die Mitarbeit in der Regierung und interne Streitereien lähmten in der Folge die CNT-FAI. Die Hoffnung der Anarchisten, dass sie durch ihre Mitarbeit auch von den sowjetischen Waffenlieferungen profitieren könnten, erfüllte sich nicht. Dafür stieg die PCE durch die Waffenlieferungen von einer unbedeutenden Partei zu einem wichtigen Knotenpunkt in der Waffenverteilung und ins Machtsystem der Republikaner auf. Stalin nahm über seine sowjetischen Offiziere und Geheimdienstler aktiv Einfluss auf die Geschehnisse in Spanien. Jede Kritik an seinem System versuchte er zu unterdrücken. Er errichtete einen Staat im Staat und konnte so seine politischen Gegner auch im Ausland verfolgen. Gute Dienste lieferten ihm die verschiedenen kommunistischen Parteien, welche ihre Mitglieder in Spanien überwachten und Fichen anlegten. Es existierte auch eine über das Ehepaar Thalmann, angelegt wurde sie von der KPD. Huber, Peter in Zusammenarbeit mit Ralph Hug (2009): Die Schweizer Spanienfreiwilligen. Biografisches Handbuch, 1. Auflage, Seite 388, Rotpunktverlag, Zürich.

Aufenthalt in der Schweiz und Pina de Ebro