500px|rechts Der Thronvers () ist ein Vers (255) aus der 2. Sure () des Koran, benannt nach dem darin erwähnten Thron Gottes. Er dürfte wie der größte Teil der 2. Sure ca. im Jahre 624 entstanden sein.A. Th. Khoury, Der Koran, Bd. 1, S. 159 f. mini|Thronvers
Text
Arabische Originalfassung:ٱللَّهُ لَآ إِلَٰهَ إِلَّا هُوَ ٱلْحَىُّ ٱلْقَيُّومُ لَا تَأْخُذُهُۥ سِنَةٌ وَلَا نَوْمٌ لَّهُۥ مَا فِى ٱلسَّمَٰوَٰتِ وَمَا فِى ٱلْأَرْضِ مَن ذَا ٱلَّذِى يَشْفَعُ عِندَهُۥٓ إِلَّا بِإِذْنِهِۦ يَعْلَمُ مَا بَيْنَ أَيْدِيهِمْ وَمَا خَلْفَهُمْ وَلَا يُحِيطُونَ بِشَىْءٍ مِّنْ عِلْمِهِۦٓ إِلَّا بِمَا شَآءَ وَسِعَ كُرْسِيُّهُ ٱلسَّمَٰوَٰتِ وَٱلْأَرْضَ وَلَا يَـُٔودُهُۥ حِفْظُهُمَا وَهُوَ ٱلْعَلِىُّ ٱلْعَظِيمُÜbersetzung von Muḥammad Ibn Aḥmad Ibn Rassoul:
Übersetzung von A. Th. Khoury:
Übertragung von Friedrich Rückert:Vgl. Der Koran in der Übersetzung von Friedrich Rückert, hrsg. v. Hartmut Bobzin, Würzburg 2000, S. 23. ISBN 3-933563-70-4
Bedeutung im Islam
Im Ḥadīṯ wird zum einen die besondere Bedeutung des Thronverses als „Herrscher aller Verse des Korans“ herausgestellt, zum andern seine Schutzfunktion betont („Rezitiere ihn in deinem Haus, dann wird sich weder ein Satan noch sonst jemand anderes dir nähern“).Siehe A. Th. Khoury, Der Koran, Bd. 1, S. 165 f. (Nr. 4–7). Zum Ganzen auch . Diese SchutzfunktionSiehe beispielsweise auch die literarische Bezugnahme bei N. Maḥfūẓ im Roman Zwischen den Palästen (Kapitel 11): „[…] stand Kamal auf, um schlafen zu gehen. Die Mutter folgte ihm und wartete, bis er zugedeckt im Bett lag. Sie legte ihm die Hand auf die Stirn und sprach den Thron-Vers.“ (Übersetzung von D. Kilias) hat im Volksglauben weite Verbreitung gefunden, so dass sich der Vers häufig auch auf Amuletten findet.
Als Ausgangspunkt für die Interpretation als Schutzvers können insbesondere die Worte „es fällt ihm nicht schwer, sie [Himmel und Erde] zu bewahren“ gelten, ergänzt durch die Wachsamkeit Gottes („nicht Schlummer noch Schlaf“) und die „Fürsprecher“.
Am Anfang des Verses steht mit dem Bekenntnis zum Monotheismus eine Grundaussage des Islam.
Mit „der Lebendige“ (), „der Beständige“ () folgen zwei der 99 Namen Gottes.
„[…] was vor ihnen und was hinter ihnen liegt“: „ihnen“ kann sich entweder auf die Engel, Propheten, Heiligen usw. beziehen, denen Gott die Erlaubnis zur Fürsprache gibt, oder auf die Wesen, die in den Himmeln und auf der Erde Gott gehören. „Was vor ihnen liegt“, lässt sich als das Jenseits, „was hinter ihnen liegt“, als das Diesseits interpretieren (wird bisweilen auch umgekehrt gesehen).A. Th. Khoury, Der Koran, Bd. 3, S. 166.
Die Aussage vom „Thron“ Gottes wird teilweise wörtlich, teilweise als Symbol für Gottes Macht, sein Wissen (vgl. vorangehende Wörter) oder seine Erhabenheit (vgl. Vers-Ende) verstanden.A. Th. Khoury, Der Koran, Bd. 3, S. 167.
Den Schluss bilden zwei weitere der „99 Namen“: „der Erhabene“ (), „der Majestätische“ ().
Parallelen in Tanach und Neuem Testament
Die jüdischen und christlichen Parallelen sind zahlreich; eine kleine Auswahl:
Jahwe ist der Gott, kein anderer ist außer ihm . – Außer mir gibt es keinen Gott . – Jesus antwortete: … der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr . – Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott (1.Kor ). Er ist der lebendige Gott; er lebt in Ewigkeit . Der Herr ist ein ewiger Gott … Er wird nicht müde und matt . – Er schläft und schlummert nicht . Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße (; ). Der Hohe und Erhabene . – Die Majestät im Himmel .
Siehe auch Al-Fātiha (Sure 1) Lichtvers (Sure 24, Vers 35) Aṣ-Ṣamadīya (Sure 112)
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Koranvers