GS1 (für Global Standards One) ist ein Netzwerk von Not-for-Profit-Organisationen, die weltweit Standards für unternehmensübergreifende Prozesse entwickeln, aushandeln und pflegen. Sitz des Global Office ist Brüssel. Es gibt 115 nationale GS1-Organisationen (Stand: Ende 2019). Im D-A-CH-Raum sind GS1 Austria, GS1 Germany und GS1 Switzerland tätig.Jörg Rode: GSI verhandelt Standards und Geschäftsprozesse. In: Lebensmittel Zeitung, 16. Februar 2018. Über zwei Millionen Unternehmen weltweit nutzen die Standards von GS1.
Bekannt ist die Global Trade Item Number (GTIN) im EAN-Strichcode, der auf allen Einzelhandelsprodukten zu finden ist und gescannt werden kann, um Kassiervorgänge und weitere Abläufe zu automatisieren. Weit verbreitet ist auch die Global Location Number, mit der Lokationen, beispielsweise Filialen, Lager, Liegeplätze, identifiziert werden können. Im Bereich der Medizinprodukte ist GS1 eine von der Europäischen Kommission und der FDA benannte Vergabestelle (Issuing Agency, IAC) für die Unique Device Identification (Produktidentifizierungsnummer).
Durch das GS1-System können branchenübergreifend eindeutige Identifikationsschlüssel für nahezu alle Objekte erzeugt werden, die im Business-to-Business-, im Business-to-Consumer- und im Business-to-Government-Geschäft relevant sind, beispielsweise Produkte, Standorte, Unternehmen, Vermögensgegenstände oder Transaktionen.
Geschichte Global Das GS1-System stammt ursprünglich aus den USA.Zur globalen Entwicklungsgeschichte siehe Seit 1969 gab es dort Überlegungen, einen branchenübergreifenden Produktcode einzuführen. 1973 waren die Vorarbeiten beendet und das Design des linearen Barcodes stand fest, der Universal Product Code (UPC) wurde eingeführt. Ein Jahr später wurde eine Kaugummi-Packung erstmals an einer Ladenkasse gescannt.Seit 40 Jahren piepst es an der Kasse. In: Aargauer Zeitung, 26. Juni 2014. Der Erfolg dieses Systems motivierte 1977 zur Gründung der European Article Numbering Association, später in EAN International und 2005 dann in GS1 umbenannt. Der von der European Article Numbering Association vorangetriebene EAN-13-Code war vollständig mit dem UPC kompatibel.
Nach sechsjähriger Entwicklung wurde 1989 ein Standard für den elektronischen Datenaustausch publiziert. Ein Jahr später vereinbarten die amerikanischen Verantwortlichen für den UPC sowie die europäischen EAN-Organisatoren ein Abkommen zur gemeinsamen Weiterentwicklung von weltweiten Identifizierungsstandards. Seit 1995 werden auch Standards für das Gesundheitswesen entwickelt. 1999 wurde für eine neue Barcode-Gruppe, die Reduced Space Symbology veröffentlicht, die 2007 in GS1 DataBar umbenannt wurde.
Im Jahr 2004 wurde der erste Standard für die RFID-Technologie publiziert. Drei Jahre später begann die Entwicklung offener Standards, die Verbrauchern den direkten Zugang zu wichtigen Produktinformationen ermöglicht. Ab 2005 änderte EAN International ihren Namen in GS1. Zuvor war die UCC, die amerikanische Standardisierungsorganisation für die Konsumgüterbranche, Mitglied geworden.Jörg Rode: Aus EAN wird GS1. In: Lebensmittel Zeitung, 6. Juni 2003.
Deutschsprachiger Raum EAN Austria wurde 1977 gegründet. Elf Jahre später wurde die Organisation aus der Wirtschaftskammer Österreich ausgegliedert und als eigene GmbH organisiert. Im Zuge der internationalen Vereinheitlichung von Markenpolitik und Firmierung heißt die Organisation seit 2005 GS1 Austria.EAN-Austria wird GS1 Austria – das Konzept einer Dachmarke. In: Cash. Nr. 7–8/05, 22. Juli 2005.
In Deutschland konstituierte sich 1974 die Centrale für Coorganisation (CCG), in der Vertreter von Industrie und Handel zusammenwirkten. Auch diese EAN-Organisation benannte sich 2005 in GS1 Germany um.CCG heisst jetzt offiziell GS1 Germany. In: Deutsche Logistik-Zeitung (DVZ), 24. Februar 2005. Bis heute sind der Markenverband und das EHI Retail Institute Gesellschafter. Von 2003 an „entwickelte sich das Unternehmen von einer reinen Standardisierungsorganisation zu einem marktorientierten Dienstleistungsunternehmen“.
In der Schweiz entstand GS1 Switzerland Anfang 2005 aus der Fusion der drei Verbände EAN Schweiz, Schweizerische Gesellschaft für Logistik und ECR Schweiz.Kurt Bahnmüller: Logischer Entscheid für Logistik. In: Handelszeitung, 29. September 2004.Stefan Hoh: GS1 Schweiz nimmt Arbeit auf. In: Lebensmittel Zeitung, 28. Oktober 2005.
Gegenwart Organisation International Es gibt 115 nationale GS1-Organisationen (Stand: Ende 2019), sie betreuen über 150 Länder. Mehr als zwei Millionen Unternehmen weltweit nutzen Standards von GS1. Die Zahl der Mitarbeiter, die für GS1-Unternehmen und -Organisationen tätig sind, liegt bei mehr als 2.000.
DACH-Raum GS1 Austria (Sitz: Wien) ist als GmbH eine 100-prozentige Tochter der Wirtschaftskammer Österreich, beschäftigt rund 45 Mitarbeiter und betreut 10.000 Kunden (Stand: 2019). Im Beirat von GS1 Austria suchen Experten aus Gewerbe, Industrie und Handel zusammen den Interessenausgleich. GS1 Austria ist seit 2008 alleinige Gesellschafterin der Editel Austria GmbH.Technik News. In: Cash, 28. Oktober 2008. Dieses Unternehmen bietet ein EDI-Netzwerk mit internationaler Reichweite.
GS1 Germany (Sitz: Köln) ist rechtlich als GmbH organisiert. Der Aufsichtsrat entscheidet über die grundsätzliche Ausrichtung und kontrolliert die Geschäftsführung. Ihm gehören Vertreter großer Unternehmen aus Industrie und Handel an.Siehe GS1 Germany finanziert sich wesentlich durch Gebühren für die GS1-Identifikationsschlüssel. Hinzu kommen Einnahmen durch Beratungs- und Dienstleistungen sowie durch Fortbildungsangebote.Siehe beispielsweise Produktkennzeichnung nach GS1-Standard. Rückverfolgbarkeit und Fälschungsschutz gegen Produktpiraten, in: Markt & Technik, Heft 31/2015. GS1 Germany beschäftigt rund 400 Mitarbeiter (Stand: 2022).GS1 Germany GmbH: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2022 bis zum 31. Dezember 2022 (seit dem 20. Februar 2024 im Bundesanzeiger einsehbar). An folgenden Unternehmen ist GS1 Germany beteiligt:Siehe die entsprechenden Informationen auf der Website des Unternehmens. Abgerufen am 3. April 2023. Siehe auch Angaben in Klammern entsprechen den Anteilen. H.U.T. Hotelreservierungs- und Tagungsmanagement GmbH: Messe- und Eventmanagement sowie Hotelreservierungen; Joint Venture mit dem EHI Retail Institute (50 Prozent)Firmenprofil der H.U.T. Hotelreservierungs- und Tagungsmanagement GmbH in der Datenbank Bisnode, Stand: 23. Oktober 2019. European EPC Competence Center GmbH: RFID-Trainings- und Testzentrum; Joint Venture mit DHL und Metro (40 Prozent) fTRACE GmbH:Dieter Druck: Tönnies gibt fTrace an GS1 Germany. In: Lebensmittel Praxis, Heft 06/2012. Globale Lösung für Traceability, seit März 2023 Joint Venture mit der osapiens Holding GmbH (20 Prozent)Jörg Rode: GS1 gibt F-Trace an Hightech-Firma. In: Lebensmittel Zeitung, Nr. 9, 3. März 2023. GS1 Germany Accelerator GmbH: Accelerator für StartupsDenise Klug: GS1 beteiligt sich an Startups. In: Lebensmittel Zeitung, 10. Mai 2024, S. 34. (100 Prozent)
GS1 Switzerland ist als Verein organisiert und betreut in der Schweiz mehr als 5.300 Unternehmen, auch für Unternehmen aus Liechtenstein ist GS1 Switzerland Ansprechpartner. Ein CEO steht der vierköpfigen Geschäftsleitung vor. Dem von einem Präsidenten geleiteten Vorstand gehören 20 Personen an, überwiegend aus Schweizer Unternehmen. 2018 arbeiteten mehr als 40 Personen für die Organisation mit Sitz in Bern.
Dienstleistungen Branchen GS1 befasst sich vor allem mit der Optimierung der Wertschöpfung. Schwerpunkt ist dabei die Verbesserung der Zusammenarbeit über Einzelunternehmen und -branchen hinaus. Die globalen Standards werden traditionell vom Einzelhandel sowie von Unternehmen genutzt, die Fast Moving Consumer Goods („Schnelldreher“) herstellen. Mittlerweile greifen aber auch Akteure im Gesundheitswesen, im Eisenbahnwesen, in der Automobilindustrie, im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Logistik auf entsprechende Angebote zurück.Siehe die Übersicht über die Branchen auf der Website des Global Office. Abgerufen am 2. November 2019. Auch die Internationale Standardbuchnummer (ISBN) ist dem GS1-System angeschlossen.https://german-isbn.de/assets/downloads/isbn-handbuch.pdf
Themen Konkret geht es um die Entwicklung und Anpassung von weltweit eindeutigen Identifikations- und Codiersystemen für Objekte entlang der Wertschöpfungskette beziehungsweise -netzwerke wie Artikel, Versandeinheiten, Leistungen, Adressen, Standorte usw. einschließlich der relevanten Prozesse.Rainer Sommer: Neue Strichcodes ab 2010. GS1 DataBar. In: a3 ECO, Nr. 12/07, 29. November 2007. Hierbei handelt es sich vor allem um Barcode-Systeme, um das Thema Category Management,Statt vieler Belege siehe exemplarisch Helge Ebbmeyer: GS1 macht fit für Category Management. In: Lebensmittel Zeitung, 15. April 2005. Ferner Ungenutztes Potenzial im Regal. In: Allgemeine Fleischer-Zeitung, 19. November 2008. Siehe auch Tassilo Zimmermann: Edeka Minden baut Category Management aus. In: Lebensmittel Zeitung, 9. November 2012. um Strategien und Vorgehensweisen des Efficient Consumer-Response,Siehe GS1 Germany beleuchtet ECR-Kooperationen. In: DVZ, 15. Juni 2006. um die Harmonisierung und Verbesserung von Artikelstammdaten,Birgitt Loderhose: GS1 bestimmt bei Sinfos mit. In: Lebensmittel Zeitung, 4. März 2005.Artikelpass adieu? In: Regal, Nr. 06–07/2016, 29. Juni 2016. um RFIDSiehe beispielsweise Neue Informationsplattform von GS1 Germany. Optimismus bei Zulieferern. Praxisorientierte Antworten zum Thema RFID. In: Beschaffung aktuell, Heft 2, 2006. Ferner Robert Prazak: Handel hofft auf RFID, aber Datenschutz bleibt wichtig. Lieferkette: EU-Kommission drängt auf Beachtung der Privatsphäre bei Einsatz der RFID-Technologie. In: Wirtschaftsblatt, 28. September 2009. Siehe auch GS1-Experte Markus Müller über den RFID-Boom im Modehandel: „Omnichannel ist der Treiber“. In: Textilwirtschaft (Online), 27. März 2019. sowie um RückverfolgbarkeitSiehe BVL und GS1 Germany arbeiten an übergreifenden Standards. In: Allgemeine Fleischer-Zeitung, 6. Dezember 2006. Vergleiche auch Wolfgang Friedrich: Einzig das Vertrauen zählt. In: Die Handelszeitung, 29. Juni 2016. und Nachhaltigkeit.Siehe Stephan Schaller: Nachhaltigkeit als Ziel der Branche. In: Lebensmittel Zeitung, 31. August 2012. Siehe auch Nachhaltigkeit auf einen Blick. In: Fleischwirtschaft, Heft 5, 22. Mai 2019.
Prognosen und Studien