mini|Museumswegweiser in Basel

Als Museen in Basel wird eine Reihe von Museen in der Schweizer Stadt Basel und ihrem Einzugsgebiet zusammengefasst. Sie decken ein weites Sammlungsspektrum ab, ihr Schwerpunkt liegt auf der bildenden Kunst. Sie beherbergen zahlreiche Bestände von internationaler Bedeutung. Mindestens drei Dutzend Häuser, die heimatkundlichen Sammlungen in den Vororten nicht mitgerechnet, stellen eine ausserordentlich hohe Museumsdichte im Vergleich mit Stadtregionen ähnlicher Grösse dar. Sie haben jährlich gegen eineinhalb Millionen Besucher.

Die Museen, die einen wesentlichen, identitätsstiftenden Teil der Basler Kultur und Kulturpolitik ausmachen, gründen in einer eng verflochtenen privaten und staatlichen Sammlungstätigkeit und Kulturförderung, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Die staatlichen Museen des Kantons Basel-Stadt sind aus dem 1661 erfolgten Ankauf des privaten Amerbach-Kabinetts durch Stadt und Universität Basel entstanden und damit die älteste ununterbrochen bestehende Museumssammlung eines bürgerlichen respektive öffentlichen Gemeinwesens der Welt. Seit den 1980er-Jahren sind mehrere Sammlungen in Neubauten zugänglich gemacht worden, die als avantgardistische Museumsarchitektur Bekanntheit erlangt haben.

Museumslandschaft

Der Sammlungsschwerpunkt der Basler Museen liegt auf der bildenden Kunst – Malerei, Zeichnung und Plastik. Über ein Dutzend Museen decken ein Spektrum ab, das vom Altertum bis zur Gegenwart reicht und sowohl historisches und etabliertes als auch noch pionierhaftes Kunstschaffen zeigt. Besonders letzteres ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten in neu eröffneten Museen zugänglich gemacht worden. Lokale und regionale Bestände sind präsent, doch ist ein wichtiges Merkmal vor allem der grossen Häuser ihre internationale Ausrichtung und Ausstrahlung. Dazu beigetragen haben eine lange und im Gegensatz zu vielen mitteleuropäischen Museen von den Kriegen des 20. Jahrhunderts unberührte Sammlungstradition sowie die herkömmlich gute Vernetzung des Standorts Basel mit dem Kunsthändler- und Kunstsammlermarkt, etwa durch die Art Basel.

Zahlreiche Museen beschäftigen sich mit verschiedensten kulturgeschichtlichen und ethnologischen Themen. Es bestehen auch technische und naturwissenschaftliche Sammlungen. Die Museen sind nach wie vor an den wissenschaftlichen Aufgaben des Sammelns, Erhaltens und Ausstellens sowie des Forschens und Bildens ausgerichtetSo insbesondere die grossen kantonalen Museen in Basel-Stadt: «Die Museen haben die Aufgabe, kulturelle Werte zu sammeln, zu bewahren, zu dokumentieren, zu erforschen und zu vermitteln.» Museumsgesetz vom 16. Juni 1999, § 3. oder verstehen diese im Mindesten als Teil ihres Wirkens. Wie anderswo auch hat sich aber seit den 1960er-Jahren das traditionelle Selbstbild aufgelöst. Neben den neuen Formen des Publikumskontakts (Museumspädagogik beziehungsweise -didaktik) sind institutionelle Mischformen entstanden, die aktiv eine gesellschaftspolitisch relevante Rolle anstreben und in denen der Museumsbetrieb nur eine, wenn auch wichtige Facette eines umfassenderen Kulturbetriebs formt.

Die Museumsarchitektur gewann mit der zunehmenden Ästhetisierung der Lebenswelt seit den 1980er-Jahren an Stellenwert. Eine postmoderne und dekonstruktivistische Formensprache hat auffällig oft bei Ausstellungsbauten Anwendung gefunden. Auch in und um Basel sind Neu-, An- oder Umbauten entstanden, die von national und international erfolgreichen Architekten (Renzo Piano, Zaha Hadid, Frank O. Gehry, Steib+Steib, Herzog & de Meuron, Mario Botta) entworfen worden sind und als avantgardistische Museumsarchitektur Anerkennung finden. Bei einigen Museen ist die Bausubstanz hingegen alt bis sehr alt, da es sich um ehemalige Wohn- und Geschäftshäuser oder um Klöster und Kirchen handelt, die zu Ausstellungszwecken umfunktioniert worden sind.

Die Museen sind ein zentraler Gesichtspunkt der touristischen Attraktivität Basels und damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Basler Museen sind teils öffentliche Einrichtungen, in ihrer Mehrheit allerdings privatrechtliche und dann meist von Stiftungen getragene. Neben der hohen Museumsdichte im Vergleich mit anderen Städten und städtischen Einzugsgebieten ähnlicher Grösse«Bisher wurden mit dem Begriff ‹Museumsstadt Basel› in erster Linie die wertvollen Sammlungen und zahlreichen Sonderausstellungen der staatlichen und privaten Museen verbunden, die hier in einmaliger Dichte vorhanden sind.» (Raphael Suter: «Ist das erste Museologie-Studium der Schweiz bereits am Ende?». In: Basler Jahrbuch 1994. S. 109.) «Städte mit vergleichbarer Einwohnerzahl besitzen in der Regel höchstens ein Kunsthaus, und dies allenfalls von regionaler Bedeutung. Als Standort für Kunstmuseen ist Basel, gemessen an seiner Grösse, einmalig.» (Maria Becker: Die kleine Stadt der grossen Kunstschiffe. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. Juni 2008.) haben diese privaten Sammlungen nicht zuletzt zur hohen Museumsqualität beigetragen. Die privaten Sammlungen sind fast alle erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Die öffentlichen Museen gehen andererseits meist auf die Zeit davor zurück. Die Sammlungen der fünf staatlichen Museen des Kantons Basel-Stadt haben sogar eine mehrhundertjährige Entwicklungsgeschichte.

Die Grenzlage der Stadt am Basler Dreiländereck und die kleinräumige Gliederung der Basler Region bringen es mit sich, dass zwar der Hauptteil der Basler Museen in der Stadt Basel und somit im Kanton Basel-Stadt ist, einige Museen aber im Kanton Basel-Landschaft zu finden sind. Zur Basler Museumslandschaft gerechnet werden können zudem Museen der Basler Agglomeration, so diejenigen in nahegelegenen Städten Lörrach (Deutschland), Saint-Louis (Frankreich) und Weil am Rhein (Deutschland), die im Fall des Weiler Vitra Design Museums auch regelmässig in die jährliche Basler Museumsnacht einbezogen sind. Angesichts der kommunalen, regionalen und nationalen Verwaltungseinheiten, die hier aufeinander treffen, sowie der übergelagerten AgglomerationVergleiche die Darstellung der verschiedenen Gebietsdefinitionen auf der Website des gibt es keine eindeutig festlegbare Anzahl von Basler Museen, doch sind es auch bei einem eng gefassten Perimeter wenigstens drei Dutzend Häuser, die Sammlungen beherbergen und zugänglich machen. Die Basler Museen sind auch dem 1999 eingeführten, deutsch-französisch-schweizerischen «Museums-PASS-Musées» angeschlossen; dieser ist indessen viel weiter gefasst als die Basler Region und reicht von Bern und Thun über Strassburg und Karlsruhe bis nach Mannheim, Worms und Mainz.Karte mit dem Verbreitungsgebiet des Oberrheinischen Museumspasses

Entwicklung der Museen Museen in der Stadt Frühe Sammlungen mini|Karikatur des Basler Universitätsprofessors Johann Jakob d’Annone (1728–1804), der sein Naturalien- und Antiquitätenkabinett der öffentlichen Sammlung im Haus zur Mücke vermachte

Die Entstehung der ersten öffentlichen Sammlung hängt eng mit der Universität Basel und mit den frühneuzeitlichen Bücher-, Kunst- und Naturalienkabinetten zusammen, von denen es in Basel einige gab. Insbesondere die Buchdruckerfamilie Amerbach sammelte während des 16. Jahrhunderts eine sehr grosse Zahl von Büchern, Gemälden, Goldschmiedearbeiten, Münzen und Naturalien. Dem Amerbach-Kabinett stand 1661 nach einem Kaufangebot aus Amsterdam, dem damaligen europäischen Zentrum für den Handel mit Sammlungsobjekten, die Auflösung bevor. Durch den Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein angestossen, beschlossen Stadt und Universität, die Sammlung gemeinsam zu erwerben und so in Basel zu halten. Ab 1671 im Haus zur Mücke beim Münsterplatz aufgestellt, bildete die Sammlung allerdings kein eigentliches Museum. Der Hauptzweck der Einrichtung war der einer Bibliothek für den Universitätsbetrieb, nur einige Stuben im ersten Stock waren für die Kunst- und Naturalienobjekte reserviert. Zwei Bibliothekare verwalteten die ganze Sammlung.

mini|links|Münsterplatz mit Haus zur Mücke (Bildmitte, links der Ziffer 18) und ehemaligem Kloster in der Augustinergasse, dem Standort des ersten eigentlichen Museumsbaus von 1849 (unten, bei der Ziffer 12)

Nach der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wuchsen der Bücher- und der Objektbestand im Zuge der aufklärerischen Bildungsbemühungen stark an. Bedeutende Bestände an Antiquitäten, Münzen, Versteinerungen und Naturalien gelangten durch Kauf, Schenkung oder Vermächtnisse privater Sammler in das Haus zur Mücke. Ein besonders wichtiger Zugang war 1823 das Museum Faesch, eine Basler Sammlung des 17. Jahrhunderts. Die erste zusammenhängende ethnologische Sammlung kam mit dem «mexikanischen Kabinett», das der Kaufmann Lukas Vischer 1828–1837 während seiner mittelamerikanischen Reisen schuf. 1821 löste man die Naturalien aus den Beständen im Haus zur Mücke und gründete im «Falkensteiner Hof», ebenfalls am Münsterplatz, ein eigenes naturhistorisches Museum, zu dem auch die Apparatenkabinette der physikalischen und der chemischen Anstalt gehörten.

Der eigentliche Kunsthort der Stadt war das Basler Rathaus, dessen reiche Ausschmückung und Instandhaltung seit dem frühen 16. Jahrhundert eine städtische Daueraufgabe waren und zahlreichen Künstlern Aufträge verschafften. Eine «museale Ecke» dürfte es seit dem 16. Jahrhundert im städtischen Zeughaus gegeben haben. Obwohl hier wie anderswo die kriegsuntauglich gewordenen Waffen zur Beseitigung ausgemustert wurden, blieb eine bedeutende Anzahl davon erhalten, was sich nur dadurch erklären lässt, dass die Zeughauswarte nutzlos gewordene Militaria aus dem Mittelalter oder der Frühen Neuzeit aufgrund ihres Gedächtniswerts magazinierten. Denkwürdig waren in erster Linie die echten und vermeintlichen Trophäen der Burgunderbeute von 1476, die Basel zugefallen waren und noch Jahrhunderte später Schaulustigen gezeigt wurden. Demgegenüber trug die Aufbewahrung des Basler Münsterschatzes, der mit der Reformation jeden liturgischen Wert verloren hatte, keinen musealen Charakter; denn die über drei Jahrhunderte hinweg in der Münstersakristei verschlossenen Kultobjekte blieben bis 1833 jeder Betrachtung entzogen und erschienen allein als Buchwert in den Staatshaushalten.

Erster Museumsbau mini|Das Museum an der Augustinergasse Basel, Blick in Richtung Münsterplatz, 19. Jh.

Noch 1767 hatte der Universitätsprofessor Johann Jakob d’Annone die Bilder und andere Sehenswürdigkeiten im vorher leeren Erdgeschoss des Hauses zur Mücke unterbringen lassen, um im ersten Stock mehr Platz für die Bücher zu bekommen, und für eine systematischere Anordnung gesorgt; doch einige Jahrzehnte später genügten das Gebäude und dessen Infrastruktur dem stärkeren Publikumsverkehr (ab 1829 wurde an immerhin vier Wochentagen geöffnet) und der im Zuge der Aufklärung etablierten modernen Wissenskultur nicht mehr. Ein vollständiges Verzeichnis der Bestände fehlte und war «bisher bei der mangelhaften Räumlichkeit, wo manche Stücke seit Jahrzehnden in finsteren Winkeln unter zolldickem Staub begraben lagen, rein unmöglich».Festschrift zur Einweihung des Museums in Basel am 26. November 1849. Basel 1849, S. 3.