hochkant=0.5|mini|Das Wappen von Bensheim

Die Geschichte der Stadt Bensheim umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der hessischen Stadt Bensheim von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Die inzwischen größte Stadt des Landkreises Bergstraße hat sich aus einem im 8. Jahrhundert erstmals erwähnten Dorf entwickelt. Im 14. Jahrhundert erhielt Bensheim die Stadtrechte. Am 26. März 1945 wurden weite Teile der Altstadt durch Brandbomben zerstört. Heute leben über 40.000 Einwohner in Bensheim und seinen Stadtteilen.

Siedlungsgeschichte Der südhessische Raum war schon früh besiedelt. Die zahlreichen Ausgrabungsfunde reichen bis in die Zeit der Ackerbau und Viehzucht treibenden Band- und Schnurkeramiker (ca. 2500 bis 1500 vor Christus) zurück.

Auf der Stadtgemarkung wurde ein römischer Gutshof des 1. Jh. n. Chr. lokalisiert und untersucht. Ferner weist ein fränkisches Gräberfeld aus der Zeit um 700 n. Chr. unmittelbar bei der Altstadt auf eine damalige Besiedlung des heutigen Stadtgebiets hin.

Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung von Bensheim erfolgte 765 im Lorscher Codex, als ein gewisser Udo, Sohn des Lando, sein Hab und Gut zu seinem Seelenheil dem Kloster Lorsch schenkte. 795 erfolgte die Schenkung der Mark Heppenheim durch Karl den Großen an das Reichskloster Lorsch. Damit wurde das Kloster aufgewertet und so dem Zugriff der Diözesen Mainz und Worms entzogen. Die Mark Heppenheim umschloss den größten Teil des heutigen Landkreises Bergstraße und große Teile des Odenwaldkreises. In der Grenzbeschreibung von 773 wird Bensheim noch nicht erwähnt. Im Zusammenhang mit dieser Schenkung entwickelten sich Grenzstreitigkeiten zwischen dem Kloster Lorsch und der Diözese Worms, die 795 zur Einberufung eines Schiedsgerichtes auf dem Kahlberg bei Weschnitz führten, einer alten Versammlungs- und Gerichtsstätte unweit der heutigen Walburgiskapelle. Als Ergebnis dieses Schiedsgerichtes wurde eine neue Grenzbeschreibung festgelegt, die nun auch die wichtigsten Orte innerhalb der Grenzen der Mark Heppenheim benannte, nämlich Furte (Fürth), Rintbach (Rimbach), Morlenbach (Mörlenbach), Birkenowa (Birkenau), Winenheim (Weinheim), Heppenheim, Besinsheim (Bensheim), Urbach (Auerbach), Lauresham (Lorsch) und Bisestat (Bürstadt).

Der Name Basinsheim könnte auf Basinus, um das Jahr 700dem von Karl Härter vermuteten Gründungsdatum Bensheims ("Bischof Basinus (Basin), zwischen den Jahren 697/698 und etwa 705 Bischof von Trier, gehörte diesem Clan [„der Lampertiner/Wideonen“] an und „war womöglich der Gründer von Basinsheim“. Härter datierte das Gründungsdatum auf die Zeit um 700." Bergsträßer Anzeiger vom 12. Mai 2014) Bischof von Trier, zurückgehen.

Der Name veränderte sich von Basinsheim über Basinusheim und Besensheim schließlich zu Bensheim. Markant ist die frühe Verleihung des Marktrechtes durch König Otto I. am 5. März des Jahres 956. Aus dem Urkundentext ist zu entnehmen, dass Otto I. anlässlich eines Aufenthalts in Frankfurt am Main auf Intervention seiner Frau Adelheid das älteste Marktprivileg der Abtei Lorsch vergibt. Der im Original publicae mercationes genannte Begriff bezeichnet den Ort, an dem öffentliche Kaufhandlungen stattfinden dürfen. Von einem regelrechten Jahrmarkt oder Wochenmarkt ist zu dieser Zeit noch nicht auszugehen. Große Teile wurden bei der Belagerung der Stadt 1301 durch König Albrecht I. zerstört.

Als Friedrich II. das Territorium der inzwischen heruntergekommenen Reichsabtei Lorsch Erzbischof Siegfried III. von Eppstein zu Lehen gibt, wird Bensheim 1232 kurmainzisch und erhält wahrscheinlich bereits einige Dekaden später Stadtrechte, die sich jedoch erst durch eine Bestätigungsurkunde aus dem Jahre 1320 nachweisen lassen.

Frühe Neuzeit mini|Bensheim um 1612 mini|Bensheim im Jahr 1646 mini|Bensheim im Jahr 1710 (Kupferstich von Gabriel Bodenehr dem Älteren)

In den heutigen Stadtteilen Auerbach und Schönberg grenzt Bensheim an die Obergrafschaft der Grafen von Katzenelnbogen und Gebiete der Schenken von Erbach. Mit dem Aussterben der Katzenelnbogener 1479 wird die Landgrafschaft Hessen Nachbar im Norden. 1532 werden die Erbacher zu Grafen erhoben und die Grafschaft Erbach wird Nachbar im Osten.

In der Zeit der Verpfändung an die Pfalzgrafen bei Rhein von 1461 bis 1650 erlebte Bensheim eine Blütezeit, wurde als pfälzische Stadt im Jahre 1504 jedoch in den Landshuter Erbfolgekrieg verwickelt und elf Tage lang von dem mit dem Vollzug der Reichsacht beauftragten Landgrafen von Hessen und seinen Verbündeten, den Herzögen Heinrich von Braunschweig und Heinrich von Mecklenburg, erfolglos belagert. Seit diesem Jahr sind zwei Jahrmärkte und ein Wochenmarkt nachweisbar, ein dritter Jahrmarkt kam 1619 hinzu.

Mit Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen 1526 und in der Grafschaft Erbach 1544 bekam Bensheim neben den Territorialgrenzen nun auch eine Konfessionsgrenze mit diesen Nachbarn.

Allen positiven Entwicklungen setzte dann der Dreißigjährige Krieg ein Ende. Am 20. November 1644 wurde Bensheim von französischen und schwedischen Truppen besetzt, die am 2. Dezember von bayerischen Einheiten vertrieben wurden. Später entstand die Sage von der Fraa vun Bensem. 1650 wurde Bensheim dann nach knapp 200-jähriger Verpfändung an die Kurpfalz wieder vom Erzbistum Mainz eingelöst.

Im Jahr 1787 führte Kurmainz eine Verwaltungsreform durch, bei der Bensheim eine eigene Amtsvogtei erhielt. Die „Amtsvogtei Bensheim“ war dem „Oberamt Starkenburg“ des „Unteren Erzstifts“ im „Kurfürstentum Mainz“ unterstellt.

Moderne Bensheim wird hessisch links|mini|Der Bensheimer Marktplatz im Jahr 1869 (Lithographie von F. Rau)

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Als Folge der Napoleonischen Kriege wurde bereits 1797 das „Linke Rheinufer“ und damit der linksrheinische Teil von Kurmainz durch Frankreich annektiert. In der letzten Sitzung des Immerwährenden Reichstags in Regensburg wurde im Februar 1803 der Reichsdeputationshauptschluss verabschiedet, der die Bestimmungen des Friedens von Lunéville umsetzte und die territorialen Verhältnisse im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) neu regelte. Durch diese Neuordnung wurde Kurmainz aufgelöst, das Oberamt Starkenburg und mit ihm Bensheim kam zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die es dem „Fürstentum Starkenburg“ zuordnete. Das „Amt Bensheim“ wurde als hessische Amtsvogtei weitergeführt, das Oberamt aber 1805 aufgelöst.

Am 14. August 1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, gegen Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich und den Beitritt zum Rheinbund, von Napoleon zum Großherzogtum erhoben, anderenfalls drohte er mit Invasion. Nach der endgültigen Niederlage Napoléons regelte der Wiener Kongress 1814/15 die territorialen Verhältnisse in Deutschland, dabei wurde die Zugehörigkeit des „Fürstentums Starkenburg“ zum Großherzogtum bestätigt, daraufhin dieses Gebiet in Provinz Starkenburg umbenannt.

1821 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Ämter in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums aufgelöst und für die Aufgaben der Verwaltung Landratsbezirke eingeführt, für die Aufgaben der Rechtsprechung Landgerichte. Bensheim wurde Mittelpunkt des Landratsbezirks Bensheim. Zuständiges erstinstanzliches Gericht war nun das Landgericht Zwingenberg.

Diese Reform ordnete auch die Verwaltung auf Gemeindeebene neu. So war die Bürgermeisterei in Bensheim eine von 12 Bürgermeistereien im Landratsbezirk, wobei seit 1820 die Bürgermeister durch die Gemeinde gewählt wurden und eine Einsetzung staatlicher Schultheißen nicht mehr stattfand. Neben der Stadt Bensheim war die Bürgermeisterei auch für Fehlheim zuständig. 1832 wurden die Verwaltungseinheiten weiter vergrößert und Kreise geschaffen. Nach der am 20. August 1832 bekanntgegebenen Neugliederung sollte es in Süd-Starkenburg künftig nur noch die Kreise Bensheim und Lindenfels geben; der Landratsbezirk von Heppenheim sollte in den Kreis Bensheim fallen. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde diese aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels neben dem Kreis Bensheim der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet wurde.

Darüber hinaus wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, wobei die bisherigen Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim vereinigt wurden. Bereits vier Jahre später, im Laufe der Reaktionsära, kehrte aber die alte Einteilung in Kreise zurück. Neben den Kreisen Bensheim und Heppenheim wurden die Kreise Lindenfels und Wimpfen neu gegründet.

Bei der Reform von 1821 ging die erstinstanzliche Rechtsprechung in Bensheim auf das neu eingerichtete Landgericht Zwingenberg über, ab 1879 war das Amtsgericht Zwingenberg zuständig. 1902 wurde ein eigenes Amtsgericht Bensheim gegründet, das auch für die Stadt Bensheim zuständig war.

1822 kam es zu einem Großbrand, bei dem 16 Gebäude zerstört und 15 weitere schwer beschädigt wurden. 1837 erhielt Bensheim, nach der Intervention von Bürgern beim Oberpostamt Darmstadt, eine eigene Postexpedition. Zusammen mit ihr wurde die Fahrpostverbindung zwischen Darmstadt, Bensheim und Heppenheim und später zwischen Bensheim und Worms gegründet. Vorher war die Verteilung von Paketen und Briefen von Bickenbach und Heppenheim aus organisiert worden. In Bickenbach gab es eine große Posthalterei mit etwa 100 Pferden. 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den Grundzügen heute noch existiert.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Bensheim:

Mit der Inbetriebnahme der Teilstrecke Langen (Hessen)–Darmstadt–Heppenheim der Main-Neckar-Bahn am 22. Juni 1846 wurden große Fortschritte in der Infrastruktur erreicht.Die deutschen Eisenbahnstrecken in ihrer Entwicklung 1835–1935. Berlin 1935 = Handbuch der deutschen Eisenbahnstrecken. ND Mainz 1984, S. 19f (Nr. 7). Aus dieser Zeit stammt auch der Bahnhof Bensheim. Mit der endgültigen Inbetriebnahme der Strecke am 9. Oktober 1846 waren drei damalige deutsche Staaten, nämlich Preußen mit Frankfurt am Main, das Großherzogtum Hessen und das Großherzogtum Baden, eisenbahntechnisch verbunden. Im Jahr 1869 wurde die Eröffnung der Nibelungenbahn von Worms über Lorsch nach Bensheim gefeiert, damit hatte Bensheim zwei Bahnhöfe. Nach einiger Zeit wurden die Fahrpläne der beiden Gesellschaften aufeinander abgestimmt, aber erst 1872 wurden die beiden Strecken miteinander verbunden.Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007. Main-Neckar-Bahn bringt „Fortschritt“, S. 3.

Seit dem 1. April 1863 verkehrte eine „amtliche Personenpost“ von Bensheim durch das Lautertal nach Lindenfels. Anfangs mit Pferdekutschen betrieben, war die Verbindung nur für zahlungskräftige Bürger geeignet. Ab 1905 wurden die Pferde durch Omnibusse ersetzt, die anfangs privat betrieben wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die Reichspost die Strecke und verlängerte sie bis nach Michelstadt. In der in Lindenfels eingerichteten Kraftfahrstelle waren dafür 40 Postbedienstete beschäftigt.Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007: „Eine Personenpost für Gutbetuchte“, S. 11.