Der Flugplatz Finsterwalde/Schacksdorf ist ein ehemaliger Sonderlandeplatz für die allgemeine Luftfahrt und ehemaliger Militärflugplatz der Luftwaffe der Wehrmacht und der sowjetischen Luftstreitkräfte südöstlich von Finsterwalde in Brandenburg. Er wurde für Werks- und Geschäftsflugverkehr genutzt. Alljährlich fand hier eines der größten Hot-Rod-Rennen Deutschlands und die Niederlausitzmesse statt.
Zulassung und Flugzeuge Der Flugplatz war für alle Hubschrauber, Motorsegler, Segelflugzeuge, Ballone und Luftschiffe, Regionalverkehrs- und Zubringerflugzeuge bis 14.000 kg maximalem Abfluggewicht erlaubt. Auf der Grasbahn durften nur Flugzeuge bis 2.000 kg landen.
Geschichte hochkant|mini|Der Tower heute mit Fliegercafé Der Flugplatz wurde 1935 als Fliegerhorst Finsterwalde mit der Einrichtung einer Fliegerhorstkommandantur eröffnet. Auf ihm waren ab 1939 die FFS C Finsterwalde (Flugzeugführerschule) und ab 1943 die LNS Halle/Saale (Luftwaffennachrichtenschule) stationiert. Die folgende Tabelle zeigt eine Auflistung ausgesuchter fliegender aktiver Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe die hier zwischen 1935 und 1945 stationiert waren.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 Germany (1937 Borders). S. 177–179. Abgerufen am 15. September 2014.
Von Bis Einheit AusrüstungOktober 1935April 1939II./KG 153 (II. Gruppe des Kampfgeschwaders 153)Junkers Ju 52Dornier Do 23Junkers Ju 86Dornier Do 17 ZMai 1939Mai 1939II./KG 3Dornier Do 17 ZFebruar 1944September 1944I./KG 200September 1944Oktober 1944Stab, II./JG 300 (Stab und II. Gruppe des Jagdgeschwaders 300)Focke-Wulf Fw 190 ASeptember 1944September 1944II./JG 27Messerschmitt Bf 109 GOktober 1944Oktober 1944II./JG 5Messerschmitt Bf 109 GOktober 1944November 1944IV./JG 4Messerschmitt Bf 109 GJanuar 1945Januar 1945Stab, II., III./SG 2 (Stab, II. und III. Gruppe des Schlachtgeschwaders 2)Focke-Wulf Fw 190 AJanuar 1945Februar 1945I./JG 301Focke-Wulf Fw 190 AFocke-Wulf Ta 152 HFebruar 1945April 1945III./TG 3Junkers Ju 52
Am 21. April 1945 erfolgte die Besetzung durch die Rote Armee, die den Platz unter Einbeziehung der deutschen Struktur übernahm und bis zum Abzug der sowjetischen Truppen im Jahre 1993 nutzte. 1951/52 erfolgte ein erster Ausbau, unter anderem wurde eine befestigte Start- und Landebahn von zunächst 2050 m Länge angelegt. In den 1960er Jahren wurde der Flugplatz erweitert, die Start- und Landebahn wurde verlängert, Flugzeugbunker errichtet und die Infrastruktur vergrößert. Bis 1956 waren in Finsterwalde verschiedene Schlacht- und Bombenfliegereinheiten stationiert. Von diesem Zeitpunkt wurde das 559. JagdbombenfliegerregimentSowjetische Truppen in Deutschland 1945 bis 1994, Gedenkalbum, Ausgabe Moskau, Verlag «Junge Garde», 1994, ISBN 5-235-02221-1, S. 21. (16. Luftarmee) Hauptnutzer. Es flog hauptsächlich MiG-17- und Su-7-Jagdflugzeuge-/Jagdbomber. Später erfolgte die Umrüstung auf MiG-27. Das 559. IBAP verlegte am 22. März 1993 aufgrund des Truppenabzuges der sowjetischen Streitkräfte nach Morosowsk.
Vermutlich im Jahr 1962 wurde auf dem Flugplatzgelände das Sonderwaffenlager Finsterwalde für nukleare Abwurfmunition errichtet. Es bestand im Kern aus einem zwei-etagigen, monolithischen Lagerbunker vom Typ Basalt.GSSD Sonderwaffenlager FinsterwaldeSonderwaffenlager Finsterwalde, 2952 RTB WWS Im Mai 1993 übergaben die sowjetischen Truppen das Areal an die deutschen Behörden. Das Flugplatzgelände war neben den Hangars und Bunkern mit Schwimmbad, Bahnhof, Casino und Feuerwache ausgerüstet, sie wurden stillgelegt. Die Hangars und der Tower blieben im Zuge der Sanierung von 1999 bis 2003 erhalten. Die Betonbahn wurde während der Sanierung des Flugplatzes von 2400 auf 1200 Meter verkürzt.
In einzelnen Hangars befanden sich ein Luftsportverein und die Flugzeugwerft Aircraft Maintenance & Consulting GmbH (AM&C). Sie wartete und reparierte Flugzeuge bis 5000 kg und bildete unter anderem an einer ausgemusterten Transall C-160 Techniker aus.Finsterwalde hebt ab. auf: lr-online.de, 16. Dezember 2005. Die Hardened Aircraft Shelter waren teilweise ungenutzt oder dienten als Abstellräume. Im Jahr 2011 siedelte sich unter anderem die Air Tempelhof hier an, die mit Charterflügen den Raum Berlin-Dresden-Leipzig-Cottbus bediente.Von Finsterwalde in die ganze Welt. auf: lr-online.de, 14. Dezember 2011.
Im Tower befand sich neben mietbaren Büroräumen ein Fliegercafé.Tower-Café im neuen Glanz. auf: lr-online.de, 6. August 2011. Neben dem Hot-Rod Treffen fand jährlich die Niederlausitzmesse für Verbraucher im September statt.18. Niederlausitzmesse in Finsterwalde am Freitag eröffnet. auf: lr-online.de, 18. September 2010.Niederlausitzmesse 2012. auf: messen.de Am Flugplatz stehen außerdem fünfgeschossige, fast unbewohnte Wohnblöcke.
Die Genehmigung für den Flugplatz Finsterwalde/Schacksdorf wurde mit Bescheid der Gemeinsamen Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg vom 18. Februar 2025 widerrufen und der Flugplatz somit geschlossen.
Galerie
Literatur
Weblinks
Website des Flugplatzes
Einzelnachweise
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