Neumarkt (, italienisch: Egna) ist eine Marktgemeinde im Südtiroler Unterland in Italien. Der gleichnamige Hauptort der Gemeinde liegt unweit vom linken Ufer der Etsch.

Begründet wurde Neumarkt im Herbst 1189 durch Bischof Konrad II. von Trient als neuer Markt von Enn.Geschichte Neumarkt. Auf: Gemeinde Neumarkt, 2004. Abgerufen am 7. Januar 2012. Der Wohlstand, der durch ganzjährigen Handel erworben werden konnte, spiegelt sich noch heute im Dorfkern wider, dessen Erscheinungsbild wohl hauptsächlich auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. Die Gemeinde zählt Einwohner () und ist Sitz der Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland. Ein großer Teil des Gemeindegebiets steht im Naturpark Trudner Horn unter Naturschutz.

Geographie Lage Neumarkt befindet sich im Unterland, einem breiten Abschnitt des die südlichen Alpen durchziehenden Etschtals. Nachbargemeinden sind Salurn im Süden, Montan im Osten, Kaltern im Norden sowie Tramin, Kurtatsch, Margreid und Kurtinig im Westen. Die nächsten Großstädte sind die Südtiroler Landeshauptstadt Bozen und Innsbruck, 25 bzw. 140 Kilometer in nördlicher, sowie Trient und Verona 34 bzw. 135 Kilometer in südlicher Richtung.

Ausdehnung mini|Neumarkt von Nordosten Das Gemeindegebiet von Neumarkt erstreckt sich auf einer Fläche von insgesamt 23,67 km². Im Bereich des Talbodens verbleibt es mit vereinzelten Ausnahmen größtenteils am orografisch linken (östlichen) Ufer der Etsch. Im Norden endet das Gemeindegebiet am Fuß des Hügels von Castelfeder, im Süden reicht es bis etwa auf die Höhe von Kurtinig am rechten Etschufer. Im Osten nimmt die Gemeinde Neumarkt bedeutende Flächen des bewaldeten Berggebiets der Fleimstaler Alpen ein, die das Unterland flankieren. Die bedeutendsten Erhebungen hier sind die Königswiese () und südlich davon – durch das Aaltal voneinander getrennt – der Madruttberg ().

Gemeindegliederung Die dörflichen Siedlungen der Gemeinde bestehen neben dem Hauptort Neumarkt noch aus den Fraktionen Laag, Mazon und Vill. Der Hauptort (210–) liegt auf dem flachen Schwemmkegel des von Osten aus dem Mühlental den Unterlandler Talboden erreichenden Trudner Bachs. Gleich anschließend im äußersten Norden des Gemeindegebiets befindet sich die Vill (220–), die sich auf der rechten Seite des Trudner Bachs vom Talboden den Hangfuß hinauf ausbreitet. Direkt über dem Hauptort – auf einer von Weinbau geprägten und der Königswiese nordwestlich vorgelagerten Hangterrasse – sind die Höfe von Mazon (360–) verstreut. Deutlich vom Gemeindezentrum getrennt – etwa auf halber Strecke Richtung Salurn – liegt im Süden Laag (210–), zu dem auch der Weiler St. Florian gerechnet wird. Zudem zählen noch einige Häuser des ansonsten zu Salurn gehörenden Bergdorfs Gfrill auf einem über hohen Bergsattel südöstlich der Königswiese zu Neumarkt. Die Gemeindeanteile rechts der Etsch umfassen Richtung Tramin ein Gewerbegebiet, wo sich unter anderem der Sitz der Würth Italia befindet, sowie Richtung Margreid und Kurtinig zwei vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Gebiete.

Landschaft und Natur mini|Ansicht des Hauptorts von Süden Während das Siedlungsgebiet der Gemeinde im Etschtal nur einen relativ schmalen Streifen einnimmt, wird das Landschaftsbild Neumarkts vom Madruttberg und von der Königswiese geprägt. Beide sind im Naturpark Trudner Horn unter Schutz gestellt, an dem Neumarkt 1412 ha Anteil hat, was knapp 60 % der gesamten Gemeindefläche entspricht. Geologisch herrschen in diesen beiden Bergen die hellen Dolomitenkalke vor, während im östlichen Gemeindezipfel hin zum Weißensee der bräunlich rote Quarzporphyr überhandnimmt. Auf den überwiegend kalkhaltigen Böden der Gemeinde Neumarkt wachsen folglich vor allem Trockenrasen, Buschwald, Föhren- und Mischwälder.

In der Wildnis finden Waldmaus und Dachs im felsigen Gelände günstige Möglichkeiten für die Anlage ihres Baues, während in den trockenen Föhrenwäldern die Kiefern von Waldameisen bevölkert werden. In diesen submediterranen Buschwäldern überlebt auch die Smaragdeidechse, da sie mit Singzikaden und Gottesanbeterinnen einige ihrer liebsten Beutetiere findet. An den Nord-West-Hängen der Königswiese, wo der Wald von Buchen und Tannen beherrscht wird, kann vereinzelt auch größeres Schalenwild, vor allem Wildschweine und Hirsche, gesichtet werden. Im Geäst dieses Mischwaldes bauen auch zahlreiche Vögel ihre Nester, wobei Meisen, Kleiber, Spechte und Eulen in Baumhöhlen brüten. In den hohen Lagen über sind auch der Kolkrabe und der Schneehase anzutreffen.

Eine Vielzahl an Gebirgsbächen versorgen die Neumarkter Gemeinde mit reichlich Wasser, ehe sie am Talboden angekommen in die Etsch münden. Wichtigster Wasserlieferant unter ihnen ist der 10 km lange Trudner Bach, dessen Einzugsgebiet etwa 28 km² umfasst und von Sedimentgestein dominiert wird. Zwischen 2010 und 2019 wurde der Bach regelmäßig auf seine biologische Gewässergüte untersucht, er präsentiert sich als sehr artenreich und weist stets eine erste Klasse laut Makrozoobenthos auf. Auch die Fischfauna bestätigt den sehr guten Zustand. Die Untersuchung der Kieselalgen ergab hingegen kein so hervorragendes Ergebnis: Der Trudnerbach ober Neumarkt erreicht einen ICMi-Index der zweiten Güteklasse. Das bedeutet, dass doch eine gewisse Menge an Nährstoffen in den Bach gelangt und ihn beeinträchtigt.

Klima Das Klima in Neumarkt ist gemäßigt mit milder mediterraner Prägung in Flora und Fauna. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt rund 12,9 °C (zum Vergleich: Berlin etwa 10 °C), wobei der kälteste Monat der Januar, der trockenste der Februar, der regenreichste der Oktober und der heißeste der Juli ist. Die Winde, welche vorwiegend der Ausrichtung des Tales folgen, sind im Allgemeinen schwach bis mäßig, können aber im Sommer als Vorboten von Gewittern manchmal sehr heftig wehen. Übers ganze Jahr gesehen, sind Niederschläge aber eher selten, stattdessen dominieren mit bis zu 300 an der Zahl ganz klar die Sonnentage. Bedingt durch den meist wolkenlosen Himmel sind die Winter tagsüber sonnig und trocken, nachts dafür in der Regel eisig kalt mit Temperaturen weit unterm Gefrierpunkt. Da die Gemeinde selbst über keine eigene Wetterstation verfügt, werden auch heute noch zur allgemeinen Beschreibung des Klimas in der Regel die Daten der Wetterstation von Auer herangezogen.

Geschichte Aus der Antike ist der Name der nicht genau lokalisierten römischen Straßenstation Endidae überliefert, die in der Gegend des heutigen Neumarkt zu vermuten ist. In der Tat sind von verschiedenen Stellen des Gemeindegebiets römerzeitliche Funde bekannt.

Der heutige Ort Neumarkt wurde als burgum novum Egne im Jahre 1189 von Bischof Konrad II. von Trient gegründet, der die Marktsiedlung nach dem Vorbild Bozens mit Trienter Häuserrecht, Zoll- und Steuerfreiheit bewidmete („sicut Tridentini et Bauzanenses concives et negociatores“). Durch seine zentrale Lage im Unterland an den Handelsstraßen zwischen Norden und Süden und insbesondere durch die Etschschifffahrt erlangte das Dorf im Mittelalter hohe wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung. Davon zeugt das „Ballhaus“, wo die Waren gelagert wurden. Im 13. Jahrhundert wurde der ursprüngliche Ort durch Hochwasser zerstört und als „Neuer Markt“ wiederaufgebaut. 1309 verlieh Herzog Otto von Kärnten-Tirol dem Ort Privilegien, die bestimmten, dass alle Güter, die auf Wagen oder Schiffen nach Neumarkt kamen, hier niedergelegt und durch Bewohner von Neumarkt nach einer festgesetzten Reihenfolge weiterbefördert werden mussten.

Oberhalb des Ortskerns wurde im 12. Jahrhundert die Burg Kaldiff (auch Caldiff) erbaut. Diese besteht heute noch als relativ gut erhaltene Ruine.Walter Landi, Magdalena Hörmann-Weingartner: Caldiff. In: Magdalena Hörmann-Weingartner (Hrsg.): Tiroler Burgenbuch. X. Band: Überetsch und Südtiroler Unterland. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 2011, ISBN 978-88-8266-780-1, S. 363–386.

1340 wurden Teile des Ortes durch ein Feuer zerstört; mit einem 10-jährigen Steuernachlass des Landesfürsten konnte der Ort wiederaufgebaut werden. Der Ansitz Griesfeld, auch als „Spital“ bezeichnet, stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Neumarkt gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zur Grafschaft Tirol und damit zu Österreich-Ungarn. Innerhalb Tirols war Neumarkt der Hauptort des Gerichtsbezirks Neumarkt, der wiederum Teil des Bezirks Bozen war. Mit dem Vertrag von Saint-Germain kam Neumarkt 1920 zusammen mit dem Großteil Tirols südlich des Alpenhauptkamms zu Italien. Als 1927 auf diesen ehemals österreichischen Gebieten die beiden Provinzen Bozen und Trient entstanden, wurde Neumarkt wie auch einige andere umliegende Gemeinden der mehrheitlich italienischsprachigen Provinz Trient zugeschlagen. Erst 1948 wurde Neumarkt in die Provinz Bozen bzw. Südtirol eingegliedert.

Ortsnamen Der heutige deutsche Name Neumarkt geht auf die mittelalterliche Gründung eines mit Privilegien ausgestatteten Markts im Jahr 1189 zurück. Diese Neusiedlung scheint in den Quellen zunächst in lateinischer Übersetzung auf (in burgo novo, novum forum), ehe sie ab ca. 1300 auf Deutsch benannt wird (ze Newenmarcht). Aus dem Jahr 1500 ist die volle Nennung zw Newmarckht Ennder vnd Caldiffer gericht Trientner bistumbs belegt, die also die Gerichts- und Diözesanzugehörigkeit inkludiert.Hannes Obermair: Die Urkunden des Dekanatsarchives Neumarkt (Südtirol) 1297–1841 (Schlern-Schriften 289). Innsbruck 1993, ISBN 3-7030-0261-1, S. 134, Nr. 107, und Abb. 16.

Komplizierter ist die Geschichte des italienischen Namens Egna. Dieser entstammt dem mittelalterlichen Geschlechts- und Gerichtsname Enn, der in seiner italienischen Lautung als Bezeichnung für den Ort Neumarkt erhalten blieb. Enn könnte wiederum mit dem Namen der römischen Straßenstation Endidae in Zusammenhang stehen, die im aus dem 3. Jahrhundert stammenden Itinerarium Antonini im Raum Neumarkt verzeichnet ist.Eintrag Neumarkt // Egna. In: Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-018908-7, S. 440–441 Spekulativer ist eine Verknüpfung des Namens Enn mit dem bei Paulus Diaconus in einer Aufzählung erwähnten, um 590 zerstörten Castrum Ennemase, für dessen Lokalisierung bei Neumarkt es keine Anhaltspunkte gibt.Walter Landi: Castrum Ennemase. In: Elisa Possenti, Giorgia Gentilini, Walter Landi, Michela Cunaccia (Hrsg.): Apsat 4. Castra, castelli e domus murate. Corpus dei siti fortificati trentini tra tardo antico e basso medioevo. SAP, Mantova 2013, ISBN 978-88-87115-77-2, S. 384–386.

Politik Bürgermeister Bürgermeister seit 1952: Anton Pernter: 1952–1969 Alois Mock: 1969–1974 Hugo Seeber: 1974–1995 Alfred Vedovelli: 1995–2010 Horst Pichler: 2010–2020 Karin Jost: seit 2020

Wappen Das in Rot und Silber längsgeteilte Wappen der Gemeinde Neumarkt zeigt in der heraldisch rechten Hälfte einen silbernen Sichelmond, in der linken ein rotes Kreuz. Als Vorbild dient ein den Neumarkter Bürgern im Spätmittelalter verliehenes Siegel.

Städtepartnerschaften 1968 schloss Neumarkt mit der deutschen Stadt Rheinfelden (Baden) in Baden-Württemberg eine Städtepartnerschaft.

Bevölkerung Neumarkt ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine mehrheitlich deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen. Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen Sprache 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 60,24 % 60,80 % 61,65 % 62,70 % 60,78 % Italienisch 39,43 % 38,71 % 37,97 % 36,89 % 38,84 % Ladinisch 0,33 % 0,49 % 0,37 % 0,42 % 0,38 %

Bildung Schulen für die deutsche Sprachgruppe