Die 1. Gebirgs-Division war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht. Der Gebirgsverband wurde im Laufe des Zweiten Weltkrieges beim Überfall auf Polen, beim Westfeldzug, im Balkanfeldzug, im Krieg gegen die Sowjetunion und ab 1943 auf dem jugoslawischen Kriegsschauplatz sowie in Griechenland eingesetzt. Die Division wurde auch Edelweiß-DivisionAuf blinde Flecken zeigen Eine Diskursanalyse soldatischer Gedenkpraktiken… (PDF; 1,1 MB) Schriftenreihe des Interdisziplinären Zentrums für Bildung und Kommunikation in Migrationsprozessen (IBKM) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Nr. 45, PDF – S. 56. und von Adolf Hitler als „seine Garde-Division“ bezeichnet und war an Kriegsverbrechen wie dem Massaker auf Kefalonia (1943) beteiligt. Im April 1945 wurde der Name in 1. Volks-Gebirgs-Division geändert.
Zusammenfassung Geschichte Aufstellung Der Großverband wurde am 1. Juni 1935 zunächst als Gebirgsbrigade mit Oberst Ludwig Kübler als Kommandeur und mit Major Max-Josef Pemsel als 1. Generalstabsoffizier (Ia) im Wehrkreis VII aufgestellt. Der Stab der Gebirgsbrigade befand sich in München, dem Sitz des vorgesetzten Generalkommandos des VII. Armeekorps. Es war beabsichtigt, den Stab der Brigade später nach Garmisch-Partenkirchen zu verlegen, der Kriegsausbruch verhinderte dies jedoch.
Zum 15. November 1935 wurde Kübler die Aufstellung zweier Gebirgs-Jäger-Regimenter sowie einer Gebirgs-Artillerie-Abteilung befohlen. Es handelte sich dabei um die Regimenter 99 und 100 mit je drei Bataillonen zu je vier Kompanien mit je einer 13. und einer 14. (Panzerabwehr-)Kompanie sowie um die Gebirgs-Artillerie-Abteilung mit drei Batterien. Am 1. Oktober 1937 wurde die Aufstellung des Gebirgs-Jäger-Regiments 98 angeordnet, mit dem die Brigade faktisch Divisionsstärke erreichte. Kübler wurde zum 1. Januar 1938 zum Generalmajor ernannt, und am 1. April 1938 wurde die Brigade in 1. Gebirgs-Division umbenannt.
Sudetenland Die 1. Gebirgs-Division nahm an der Besetzung des Sudetenlands teil.
Anschluss Österreichs Für den Anschluss Österreichs marschierte die Division dort ein.
Polenfeldzug Der Überfall auf Polen brachte die ersten Kriegstoten der Division.
Westfeldzug Im Mai 1940 gehörte der Verband zu den Angriffstruppen. Am Ende des Westfeldzug verblieb der Verband vorerst in Frankreich. Bei Besançon wurde die Division nach der Niederlage Frankreichs auf die Eroberung Gibraltars vorbereitet. Nachdem Spaniens Diktator Franco den Deutschen den Durchmarsch nach Gibraltar verweigert hatte, wurde die Division an der französischen Kanalküste zur geplanten, aber ebenfalls nicht durchgeführten Landung in England positioniert.
Balkanfeldzug 1941 folgten der Einsatz im Balkanfeldzug und im Krieg gegen die Sowjetunion.
Unternehmen Barbarossa Im Sommer 1941 gehörte die Division zur Angriffsspitze.
Kriegsverbrechen: Lemberg Die Einstellung dieses nationalsozialistischen „Eliteverbandes“ wurde bereits zu Beginn des angezettelten Krieges bei den Massakern in Lemberg deutlich.
Offensive 1942 1942 unternahm die Division einen Vorstoß über den Kaukasus zum Schwarzen Meer, der jedoch scheiterte und zu hohen Verlusten führte.
Auffrischung 1942 Die dezimierte und ausgebrannte Division musste aus dem Ostkrieg herausgelöst werden.
Besatzungstruppe Balkan Ab Frühjahr 1943 mit Besatzungsaufgaben auf dem Balkan und in Griechenland betraut.
Rückzug nach Österreich Bei Kriegsende zog sich die Division nach Österreich zurück. Kerntruppen der Division waren die Gebirgsjägerregimenter 98, 99 und 100 und das Gebirgsartillerieregiment 79.
Kriegsverbrechen In allen Einsatzgebieten dieses Aggressions- und Eroberungskrieges gab es auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit, es kam zu einer Gewöhnung und Verrohung im Laufe des Krieges und kulminierte auf dem Balkan inklusive Griechenland – siehe nachfolgend unter „Detaillierte Divisionsgeschichte“. Im Partisanen„kampf“ waren Repressalien gegen die ansässige Bevölkerung, Geiselerschießungen, Erschießungen als Partisanenhelfer Verdächtiger, das Niederbrennen von Dörfern und der Abtrieb des Viehs an der Tagesordnung, basierend auf den Sühnebefehlen der Wehrmachtführung von 1941/1942 zu zentralen „Kampfmethoden“ gegen Partisanen. 1943 wurde die Division als Teil des XXII. Gebirgs-Armeekorps unter Führung von Hubert Lanz mit der militärischen Sicherung Westgriechenlands gegen eine erwartete alliierte Landung beauftragt, es verschärften sich die Repressalien bzw. wurden die „Freiheiten“ erweitert. Die Massenerschießungen auf der Insel KefaloniaChristoph Schminck-Gustavus: Kephallonia 1943–2003. Donat, 2004, ISBN 3-934836-66-6. (italienische Soldaten) und in KommenoHermann Frank Meyer, Kommeno. Erzählende Rekonstruktion eines Wehrmachtsverbrechens in Griechenland, Köln 1999 ISBN 978-3-929889-34-5 (Zivilisten) sowie in vielen weiteren Dörfern in Westgriechenland verstießen gegen das Kriegsrecht. Unter den unzähligen Opfern der Division waren auch Frauen und Kinder, die Männer wurden entweder erschossen oder gefangen genommen und als Zwangsarbeiter nach Deutschland in die Waffenindustrie verschleppt. Die Kriegsverbrechen auf dem Balkan wurden in einem Nachfolgeverfahren der Nürnberger Prozesse verhandelt, von den Generälen konnte nur Hubert Lanz vor dieses Gericht gestellt werden, Josef Kübler kam in Ljubljana von einem Kriegsgericht und wurde hingerichtet, Walter Stettner fiel 1944 in Belgrad.
Gliederung der 1. Gebirgs-Division zum 1. April 1938 Divisionskommandeur: Generalmajor Ludwig Kübler Ia (Erster Generalstabsoffizier): Major Pemsel Ib (Zweiter Generalstabsoffizier): Hauptmann Kimbacher Divisionsarzt: Oberstabsarzt Bingler Divisionsveterinär: Oberstabsveterinär Rasberger Gebirgs-Jäger-Regiment 98, Kommandeur: Oberstleutnant Schörner, Regimentsstab, III. Batl. und 16. (Pz. Abw.) Kp. Mittenwald, I. Batl. Garmisch-Partenkirchen, II. Batl. Lenggries, ErsatzBatl. Memmingen Gebirgs-Jäger-Regiment 99, Kommandeur: Oberstleutnant Kreß, Regimentsstab, II. Batl. und 16. (Pz. Abw.) Kp Füssen, restliche Einheiten Sonthofen Gebirgs-Jäger-Regiment 100, Kommandeur: Oberstleutnant Lanz, Regimentsstab, III. Batl. und 16. (Pz. Abw.) Kp Bad Reichenhall, I. Batl. Brannenburg, II. Batl. Berchtesgaden, Ersatzbatl. Laufen Gebirgs-Artillerie-Regiment 79 Kommandeur: Oberst Wintergerst, Regimentsstab und II. Abt. Garmisch-Partenkirchen, I. Abt. Bad Reichenhall, III. Abt. Sonthofen, IV. Abt. mit 14. Batt. Murnau Panzer-Abwehr-Abteilung 44, Kommandeur: Major Lang, Standort: Murnau Gebirgs-Pionier-Bataillon 54, Kommandeur: Oberstleutnant Zimmer, Standort: Mittenwald Gebirgs-Nachrichten-Abteilung 54, Kommandeur: Oberstleutnant Kleinschroth, Standort: Oberammergau Gebirgs-Sanitäts-Abteilung 41, Kommandeur: Oberstabsarzt Bingler, Standort: Garmisch-Partenkirchen
Die Gebirgs-Jäger-Regimenter bestanden aus drei Bataillonen mit je vier Kompanien, bewaffnet mit je neun leichten und zwei schweren MGs und drei leichten Granatwerfern; zwei schwere Kompanien, davon eine mit Pionierzug und vier schweren MGs bewaffnet, die anderen mit sechs mittleren Granatwerfern und zwei leichten Infanteriegeschützen sowie einer 16. Panzerabwehr-Kompanie mit zwölf 3,7-cm-Pak.
Die leichte Artillerie der Division war hauptsächlich mit der 6,5-cm-Gebirgskanone L/17, dem 7,5-cm-Gebirgs-Infanterie-Geschütz 18, dem 7,5-cm-Gebirgsgeschütz 36 sowie mit der 10,5-cm-Gebirgshaubitze 40 ausgestattet. An schweren Artilleriewaffen verfügte die Division über schwere 15-cm-Feldhaubitzen. Die Gliederung und Bewaffnung der Artillerie änderte sich während des Krieges einerseits durch die Einführung neuer Waffen, andererseits durch den Mangel an Geschützen und die Verwendung von Beutegeräten.
Die Panzerabwehrabteilung der Division bestand aus Stab und Nachrichten-Zug (mot.) sowie aus drei Kompanien (mot.) zu je zwölf Pak. Weiter war als 4. Kompanie eine MG-Fla-Kompanie mit zwölf 2-cm-Flak-Geschützen (mot.) zugeteilt.
Das Gebirgs-Pionier-Bataillon setzte sich – neben dem Stab mit Nachrichten-Zug (mot.) und Musikkorps – aus zwei Kompanien (je 9 lMG) und einer leichten Pionierkompanie (mot.) mit neun lMG sowie einer Brückenkolonne B und C (mot.) und einer leichten Gebirgspionierkolonne (mot.) zusammen.
Die Gebirgs-Nachrichten-Abteilung setzte sich aus Stab, zwei Fernsprechkompanien, einer Funk-Kompanie sowie einer leichten Nachrichtenkolonne (mot.) zusammen.
Bei der Mobilmachung bestand der Sanitätsdienst unter dem Divisionsarzt aus der Gebirgssanitätskompanie (mot.), einem Feldlazarett und zwei Krankenkraftwagenzügen.
Zu diesen Kampf- und Unterstützungseinheiten kamen noch die Versorgungsteile. Zu den Versorgungsdiensten gehörten die Nachschubdienste, die Verwaltungsdienste, die Sanitätsdienste, die Veterinärkompanie sowie das Feldpostamt. Bei der Mobilmachung 1939 bestanden die Nachschubdienste der 1. Gebirgs-Division aus dem Stab, vier kleinen Kraftwagenkolonnen (30 t), acht Gebirgsfahrkolonnen, einer kleinen Kraftwagenkolonne für Betriebsstoff (25 m³), Werkstattkompanie (mot.), Gebirgsnachschubkompanie und einer Gebirgsträgerbataillon mit sechs Trägerkompanien.
Personell verfügte die Division gemäß dem Mobilmachungsplan 1939/40 über eine Gesamtsollstärke von 24.956 Mann (davon 640 Offiziere, 91 Beamte, 3.032 Unteroffiziere und 21.193 Mannschaften). Die Waffen-Soll-Stärke betrug: 5.708 Pistolen, 17.568 Gewehre, 396 leichte MG, 96 schwere MG, 12 Flak 2 cm, 72 Pak 3,7 cm, 81 lGrW 5 cm, 54 mGrW 8 cm, 18 leichte Gebirgsinfanteriegeschütze 7,5 cm, 36 Gebirgsgeschütze 7,5 oder 10,5 cm sowie 12 schwere Haubitzen 18 (15 cm).
An Kraftfahrzeugen waren der Division zugeteilt: 391 Solo-Kräder, 345 Beiwagen-Kräder, 374 Pkw, 793 Lkw, 84 einachsige und 6 mehrachsige Anhänger. Hinzu kamen noch 1.007 bespannte und 37 unbespannte Fahrzeuge.
Das Gesamt-Soll an Tieren betrug aufgrund ihres Verwendungszweckes im gebirgigen und unwegsamen Gelände 7.405 Tiere. Diese setzten sich aus 1.333 Reitpferden, 4.224 Tragtieren, 1.836 leichten und 12 schweren Zugpferden zusammen.
Detaillierte Divisionsgeschichte
Der „Anschluss“ Österreichs 1938 Am 11. März 1938 erließ Hitler unter dem Decknamen „Unternehmen Otto“ die geheime militärische Weisung für den Einmarsch in Österreich. Das VII. Armeekorps, zu welchem die Gebirgs-Division gehörte, erhielt den Auftrag, ohne das Gebirgs-Jäger-Regiment 98 bei Salzburg die österreichische Grenze zu überschreiten und später über Steyr, die Obersteiermark und Graz nach Kärnten zu marschieren.
Die Gebirgsartillerie marschierte nach Innsbruck, Landeck und Bludenz, während das Gebirgs-Jäger-Regiment 98 mit dem Pionier-Bataillon über den Grenzübergang Scharnitz zum Brennerpass vorrückte.
Dort überbrachte der Regimentskommandeur dem italienischen Kommandanten die Grüße des Deutschen Reiches.
Als sich der Konflikt um die Tschechoslowakei verschärfte und der Aufmarsch der deutschen Truppen für den Fall Grün auf Hochtouren lief, wurden Teile der 1. Gebirgs-Division an die österreichisch-tschechoslowakische Grenze verlegt. Das am 19. September 1938 unterzeichnete Münchner Abkommen verhinderte einen militärischen Einsatz der Division im Sudetenland.
Nach der sogenannten Zerschlagung der Rest-Tschechei im März 1939 wurde das III. Bataillon des Gebirgs-Jäger-Regiments 100 vorübergehend nach Nordmähren verlegt.
Polenfeldzug 1939