mini|Steffi Weismann, Solo-Performance „Bandi-Bandi“ (Berlin) Steffi Weismann (* 13. Mai 1967 in Zürich) ist eine Schweizer Künstlerin im Bereich Performance, Intermedia, Videokunst und Klangkunst.
Leben Steffi Weismann studierte an der Hochschule für Kunst und Design Zürich sowie an der Universität der Künste Berlin: Bühnenkostüm/Bühnenbild bei Martin Rupprecht, experimentelle Musik bei Dieter Schnebel und visuelle Kommunikation bei Maria Vedder. Die Mitgründung der Freien Performance-Klasse 1989 führte sie zur Performance, insbesondere zur Fluxus-Tradition der 1960er Jahre.
Seit 1993 ist sie Mitglied des Ensembles Die Maulwerker (gegründet von Dieter Schnebel). Sie war in der Performancegruppe ex machinis (1995–2001) und der Berliner Produktionsgemeinschaft Fernwärme – The Making of Performing Arts (2001–2007) aktiv. Von 2013 bis 2015 bildete sie zusammen mit Antje Vowinckel, Liz Allbee, Anouschka Trocker und Margarete Huber das Komponistinnen-Kollektiv XLR-Female.SINK OR SWIM, Website der Sophiensäle Berlin
Nach dem Fall der Berliner Mauer war sie Mitbegründerin des Kunsthauses KuLe (Kunst und Leben), einer Künstlerkommune an der Auguststrasse 10 in Berlin-Mitte, wo sie bis 2002 lebte und darüber hinaus diverse Veranstaltungen co-kuratierte (u. a. Labor Sonor). Als Herausgeberin veröffentlichte sie 2016 in Zusammenarbeit mit Ursula Maria Berzborn eine umfangreiche Publikation zur KuLe und ihren Netzwerken, die den fortdauernden Versuch einer gelebten Utopie dokumentiert. Von 2015 bis 2018 betreute sie im Team den künstlerischen Projektraum im Kunsthaus KuLe. Seit 2019 ist sie Mitglied bei Errant Sound, Berliner Projektraum für Klangkunst, wo sie auch kuratorisch tätig ist.https://errantsound.net/
Weismann erhielt Stipendien 2004 in Brüssel (NADINE – Zentrum für Performance und Neue Medien); 2007 in Johannesburg/Südafrika (Kin:Be:Jozi, gefördert von der Schweizer Kulturstiftung proHELVETIA), 2008 in Los Angeles (Artist in Residence der Villa Aurora), 2009–2011 in Braunschweig (Dorothea-Erxleben-Stipendium der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig im Bereich Klangkunst-Performance) und 2014 im quartier 21 – Museumsquartier Wien. neuer Link: Artist in Residence, Steffi Weismann
Es folgten Lehraufträge an der Akademi for Scenekunst (Norwegen), an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee 2007/2008 und an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig 2009–2011. Weismann lebt in Berlin.
mini|Solo-Performance „Calling Victoria“ (Brüssel)
Werk Die Künstlerin ist eine Grenzgängerin zwischen Performance, Video und Musik. Ihr Werk unterteilt sich in Solo-Performances und Kooperationsarbeiten.
Ihre Solo-Arbeit basiert auf der dialogischen Situation, dem Spiel mit Kommunikation in einem Dreiecksverhältnis zwischen Mensch, Maschine und Publikum. Dabei „zielen ihre performativen Kommunikationsexperimente mit Maschinen weniger auf das Testen technologischer Potentiale, als dass sie auf den Menschen selbst zurückführen“ (Verena Kuni).vis-a-vis Werkkatalog Steffi Weismann. 2008, S. 7. Zentrale Elemente ihrer Solo-Performances sind der Zufall, die Irritation der Wahrnehmungssituation sowie Techniken der medialen Erweiterung hinsichtlich der eigenen körperlichen Präsenz (Videodialog Service), beziehungsweise hinsichtlich virtueller Existenzen (Videoperformance Calling Victoria). In der Zusammenarbeit mit dem Klangkünstler Georg Klein führte sie die kommunikative Situation weiter als interaktive Installation im öffentlichen Raum (pickup 2005 und takeaway 2006), hier jedoch mit einer unsichtbaren, körperlosen Stimme, die die Passanten in ein „ungewisses Geschehen verwickelt“ (Sabine Sanio.)Katalog sonambiente. 2006, S. 84.
mini|SCRAP von Weismann, Rodriguez und Neumann Während sie in der Performance Video als kommunikativ-reflexives Mittel einsetzt, wird dieses Medium in der Situation des Konzerts quasi zu einem visuellen Instrument, das als eigene „musikalische“ Stimme wie auch als räumliches Gestaltungsmittel fungiert. Diese Werke sind überwiegend Kooperationsarbeiten mit improvisierenden Musikern, Komponisten und Performern. Der konzertante Einsatz visueller Bildtechniken tritt dabei sowohl live in einer Closed-Circuit-Situation als auch in Form live getriggerter Videoclips auf (zum Beispiel Videokonzert SCRAP von 2004).
Seit 2012 entwickelt sie vermehrt audiovisuelle Kompositionen und klangbasierte Performances, die sich situativ in den Raum ausdehnen und das akustische Potential von Alltagsobjekten in sinnlich-ästhetische Erfahrungen übersetzt. Das Genre der Soundperformance wird als Modell einer hörenden Ko-Existenz für Mensch-Ding und Mensch-Raum-Beziehungen begriffen. Ihre künstlerische Arbeit in diesem Themenfeld verbindet sich dabei zunehmend mit der kuratorischen Praxis in Zusammenarbeit mit Janine Eisenächer, die sich in der 6-teiligen Veranstaltungsreihe "Ready Making – zu Klanghandlungen mit Dingen" bei Errant Sound manifestiert (2019–2022).https://www.researchcatalogue.net/profile/?person=1783016
Werke Service – ein Videofongespräch. Solo-Performance, 1996 1x1 – Solo-Performance mit Zufallsfaktoren, 2001 „ja es ist plötzlich wärmer geworden“, Musiktheater in Koop. mit Christian Kesten, 2003 Calling Victoria, Videoperformance mit Spracherkennungssoftware, 2003 Links gehen – Rechts stehen, Videokonzert in Koop. mit A. M. Rodriguez, 2004 SCRAP, Videokonzert in Koop. mit Andrea Neumann und A. M. Rodriguez, 2004 pick up – Interaktive Installation und Performance in Koop. mit Georg Klein, 2005 takeaway – Interaktive Installation in Koop. mit Georg Klein, 2006 le vol – Audiovisuelle Performance in Koop. mit Annette Krebs, 2006 Car Event – Solo-Performance im öffentlichen Raum, 2007 False Friends – Audiovisuelle Komposition in Koop. mit Antje Vowinckel, 2007 venture doll – Performance und Video in Koop. mit Georg Klein, 2008 Berge versetzen – eine suggestive Übung, 2009 LapStrap – Solo für Stimme und mobile Audiotechnik, 2010 Unfollow. This is me – für 2 Performerinnen, Objekte, Sprachsamples, Stimmen und 6 Lautsprecher, 2012 FLUPSI – Text-Sound-Komposition für 2 Performerinnen, Live-Cam, Objekte und Lautsprecher, in Koop. mit Emma Bennett, 2013 Ortung im Trüben – für 5 Performerinnen, Soundobjekte, bewegliche Lautsprecher und 3-Kanal-Video, 2014 folie – Komposition für 6 Stimmen und Objekte, 2016 Auditive Poesie, KONTRAKLANG permeiamo – interaktive Hörinstallation mit 5 Lichtlautsprechern und einem Telefonhörer, Koop. mit Georg Klein, 2016 Fountain – Komposition für 5+x Performer, 10+y Plastikbecher und 1 Flasche Wasser, 2017 Touch Amplifiers – Performance mit mikrofonierten Sandpapieranzügen, in Koop. mit Özgür Erkök Moroder, 2018 Generation S – audiovisuelle Komposition für Live-Stimme, Objekte, Interviews, Field Recordings, Mikroskopkamera und Videoprojektion, 2018 Kaltes Glühen – audiovisuelle Komposition in Koop. mit Annette Krebs 2019 Scherben – Video, Installation, Performance, in Koop. mit Çigdem Üçüncü, Kunstverein Tiergarten, Berlin, 2020 Link zur Ausstellung Downtime – Soloperformance für Objekte, Stimmen und einen zu schleudernden Lautsprecher, Live-Mix, Sound Design: Elif Gülin Soğuksu (25', 2021) Uncanny Motions – Klangperformance (solo), 2022 mini|Maulwerker mit „Glossolalie“ von Dieter Schnebel
Ausstellungen/Aufführungen seit 2003 (Auswahl) super bien! Berlin, Gewächshaus für zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum, 2022, Ausstellung: related to transition #3 BAM! Berliner Festival für aktuelles Musiktheater 2022, Volksbühne Berlin READY MAKING #5, Resonating bodies and media apparatuses, Errant Sound & Flutgraben Berlin, 2022 Programm Ready Making 5 Generation S, Field Kitchen Academy (2020) Vorschlag neuer Link, abgerufen am 3. Januar 2022 Calling Victoria, Textur Denkraum Schreibmaschine, SCOTTY, Berlin (2019) Ostrava Days 2019 New and Experimental Music Institute and Festival Tschechien Heroines of Sound, Festival Berlin, HAU2, 2018 aktueller Archiv-Link Performance Arcade Wellington (NZ), 2018 Vorschlag neuer Archiv-Link Weismann, Lapstrap 9. Performancereihe Neu-Oerlikon, Zürich, 2018, Artists 2018 (Archiv) Lady Dada Kalam, Kunsthaus KuLe, 2017 Extended Compositions, Kunstquartier Bethanien Berlin, 2015 The Voice Observatory, Errant Sound Berlin 2015 Correnti Seddutive, Urban Sound Art in Taranto (Süditalien 2013/14)http://www.correnti-seduttive.com/ LapStrap, Solo für Stimmen und mobile Audiotechnik, Performance, aufgeführt u. a. beim 2018 im Kunstraum General Public am 15. Mai 2012 zur Buchveröffentlichung Floating Gapshttps://www.generalpublic.de/nc/archive/eventsarchive/article/73/floating-gaps.html, auf dem queerfeministischen Audiokunstfestival quear am 31. August 2013 in Berlin und am 16. November 2013 im Rahmen der Veranstaltungsreihe EMIHAL – elektronische Musik im Haus am Lützowplatzhttps://www.hal-berlin.de/veranstaltung/corvo-records/. Berlinische Galerie Hören Sehen 2.0 von Klangnetz e. V. (2009)http://klangnetz.org/index.php?img=60&pro=5 TESLA Berlin (2005/2006/2007) Drill Hall, JOUBERT Park Project, Johannesburg, Südafrika (2007) sonambiente – internationales festival für hören und sehen Berlin (2006) Lem-Festival Barcelona (2006) Zentrum für Kunst und Medientechnologie ZKM Karlsruhe (2006, 2012) Festival Neue Musik Rümlingen Schweiz (2005) MaerzMusik – Festival für aktuelle Musik Berlin (2005) Museum Moderner Kunst MUMOK, Festival Jeunesse, Wien (2005) NGBK Berlin (2004) Schweizerisches Institut Rom (2004) Kaskadenkondensator Basel (2003/2005/2007) Museum KUBUS Hannover (2003) Museum für Kommunikation Berlin (2004) Trampoline – Festival für Live-Art und Medienkunst Berlin (2004/2006) KKL Luzern (2006) Festival Kontraste Krems (2006) Goethe-Institut Buenos Aires (2004)
mini|Car-Performance in Johannesburg, Südafrika, 2007
Einzelnachweise
Literatur KuLe. Kunst und Leben. Ein Haus in Berlin-Mitte seit 1990. Revolver Publishing Berlin 2016, ISBN 978-3-95763-307-1 Abecedarium Bestiarium. Antonia Baehr & Friends. S. 105–111, far° Festival des Arts Nyon, Switzerland Dez. 2013, ISBN 978-2-9700886-1-5 VIS-A-VIS. Intermedia Performances/Audiovisual Works. Künstler-Monographie Steffi Weismann, inkl. DVD. Nürnberg 2009. ISBN 978-3-941185-16-6 Le Journal des Laboratoires Aubertvillier. RIRE Antonia Baehr, Partituren S. 104–109 sonambiente 2006. Katalog zum internationalen Klangkunstfestival' in Berlin. Heidelberg 2006. (Deutsch/englisch) ISBN 978-3-936636-93-2 „Selbst ist die Kunst“ – Kunstvermittlung in eigener Regie. Kaskadenkondensator Basel 2004. ISBN 978-3-906086-68-2 across the border. Performancetage Hannover 2003. USE_Medienkunst@HdK. + Video. Berlin 1995. (Deutsch)
Weblinks
Website der Künstlerin Artikel Schweizer Künstler-Lexikon SIKART Webseite Kunsthaus KuLe Produktionsgemeinschaft FERNWÄRME Ensemble für Vokalperformance DIE MAULWERKER SONAMBIENTE Klangkunstfestival 2006
Kategorie:Performancekünstler (Schweiz) Kategorie:Videokünstler (Schweiz) Kategorie:Künstler der feministischen Kunst Kategorie:Stipendiat der Villa Aurora Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1967 Kategorie:Frau