Gurre (auch Gorre) ist eine im heutigen Deutsch bis auf Reste verschwundene althochdeutsche Bezeichnung für ein einzelnes weibliches Pferd.

Noch im Alt- und Mittelhochdeutschen bezeichnete „stuot“ (Stute) eine Herde weiblicher Pferde. Erst Anfang des 15. Jahrhunderts setzte sich die Bezeichnung Stute in ihrer heutigen Bedeutung durch.

Wortherkunft und Bedeutungen Gurre bedeutete auf mittelhochdeutsch „schlechte Stute“ oder schlechtes Pferd.Gurre. In: Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. woerterbuchnetz.de Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23.Gurre. In: Benecke, Müller, Zarncke: Mittelhochdeutsches Wörterbuch. woerterbuchnetz.de Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23. Der Eintrag Gurre der Oeconomischen Encyclopädie von Johann Georg Krünitz (1773–1858) lautet: „Gurre, (die) im g. L. eine Benennung einer Stute von geringer und schlechter Art, und eines jeden schlechten Pferdes überhaupt, welches man auch wohl eine Mähre zu nennen pflegt. In einigen Mundarten lautet dieses Wort Gorre, im Meklenburg. Zorre, in Irland Garron, alle in der Bedeutung eines schlechten Pferdes.“

Max Jähns stellte 1872 das Wort Gurre als neutrales Synonym für Stute vor.Max Jähns: Roß und Reiter in Leben, Sprache, Glauben und Geschichte der Deutschen. Band 1. F. W. Grunow, Leipzig 1872, S. 382; digitale-sammlungen.de Im Deutschen Wörterbuch wird neben der pejorativen Bedeutung Gurre als Synonym für Pferd angegeben.

Im Elsässischen wurde Gurre für alte Gäule, ungeliebte alte weibliche Tiere, schlechte Weibspersonen und Mädchen verwendet.Gurre. In: Wörterbuch der elsässischen Mundarten. 1897; woerterbuchnetz.de Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23.

Die Redensart Gurre wie Gaul, hat die Bedeutung beides ist gleich, einerlei.Der Teutschen Weissheit – Das ist: Außerlesen kurtze, sinnreiche, lehrhaffte vnd sittige Sprüche vnd Sprichwörter in schönen Reimen oder schlecht ohn Reim, von allerley Geistlichem vnd Weltlichem Wesen vnd Handel des gantzen Menschlichen Lebens, wie man sie im gemeinen Brauch hat, oder in gelehrter Leut Büchern findet. Friedrich Karl Wilhelm Petri, Coburg; mdz-nbn-resolving.de Landesbibliothek, Cas A 602, Scan 597.

Wappen 80px|rechts|Wappen Haag Seit etwa 1200 zierte das Wappen der Reichsritter Gurren von Haag eine weiße Gurre auf rotem Grund. Als 1245 der letzte Gurre von Haag ohne männlichen Nachkommen starb, übertrug Kaiser Friedrich II. die Reichsgrafschaft Haag dem mit Elisabeth Gurre von Haag verheirateten Ritter Sigfrid von Fraunberg. Die Gurre im Wappen der Haager Grafen bleibt unter den Fraunbergern erhalten und wurde in das heutige Wappen von Haag in Oberbayern übernommen.Markt Haag i.OB. Haus der Bayerische Geschichte.

80px|rechts|Wappen Erding Im 1953 festgelegten Wappen des Landkreises Erding erscheint eine rote, goldbewehrte Haager Gurre auf weißem Grund mit (heraldischen Normen entsprechendem) aufsteigendem Schweif.Landkreis Erding. Haus der Bayerische Geschichte.

Bissgurre „Bissgurre“ ist ein Kompositum mit „beißen“. Es ist seit dem 16. Jahrhundert als abwertende, oft auch altersdiskriminierende auf Frauen bezogene Tiermetapher für das Konfliktverhalten von Stuten belegt.Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. de Gruyter, 1995. In manchen süddeutschen und österreichischen Gegenden hat sich der Ausdruck „Bissgurre“ (auch „Bissgurn“) erhalten.Bissgurn. duden.deGurre. In: Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch. München 1872. Handwörterbuch von Bayerisch-Franken. 2. Auflage. Bamberg 2007. Im Bairischen ist das Wort im heutigen Alltag noch gebräuchlich.Bissgurre. Google-Ngram-Viewer.

Weitere Bedeutungen „Bissgurre“ ist eine veraltete Bezeichnung für die Fischgattung Schlammbeißer.C. fossilis Lin. Bissgurre, Schlammpitzger. In: Carl Theodor Ernst von Siebold: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig 1863. deutschestextarchiv.de

Siehe auch Stutenbissigkeit

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bezeichnung für Pferde Kategorie:Weibchen