rechts|175px Die thüringische Gemeinde Breitungen/Werra feierte vom 16. bis 25. Mai 2008 ihr 1075-jähriges Bestehen.

Mittelalter Um 450 soll von den Alemannen die Siedlung Altenbreitungen, der älteste Teil von Breitungen, links und rechts der Werra gegründet worden sein.

Etwa 300 Jahre später siedelten sich auch Franken in dem Gebiet an. In dieser Zeit entstanden Burg- und Königsbreitungen. Während am linken Ufer der Werra Königsbreitungen durch eine fränkische Ville gegründet wurde, entstand Burgbreitungen am rechten Werraufer durch eine Königspfalz. Um 915 wurde die königliche Pfalz durch die Ungarn während ihrer Raubzüge im Frankenreich zerstört. mini|Die Ersterwähnungsurkunde aus dem Jahr 933: Tausch der Orte Breitungen gegen die Dörfer Wiehe und Burgdorf an der Unstrut mini|Herrenbreitungen Am 1. Juni 933 wurde Breitungen das erste Mal urkundlich in einer Urkunde des Königs Heinrich I. als „Bretinga“ erwähnt.Monumenta Germaniae Historica. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Band 1. Hannover, Hahnsche Buchhandlung 1879, S. 70, Nr. 35. Das königliche Schriftstück beschreibt die Grenzen der Mark Bretinga, die an einer wichtigen Werra-Furt lag und ein Gebiet von etwa 280 Quadratkilometern umfasste. Mit dieser Größe, dem Verwaltungssitz des Gerichts und der Mutterkirche war Bretinga im 10. Jahrhundert politischer und kultureller Mittelpunkt der Region. Nachdem im Jahr 1016 das Breitunger Waldgebiet urkundlich erwähnt wurde, verlieh Kaiser Heinrich II. dem Kloster Hersfeld den „Wildbann“ in einem genau umgrenzten Gebiet bei Bretinga. Im Jahre 1049 wurde in der Herrenbreitunger Abtei eine Grundstücksschenkung an das Kloster Fulda „in monasterio breitingen“ beurkundet. Damit gilt die Existenz des Klosters Burgbreitungen als sicher.

1112 erbte Pfalzgraf Siegfried von Orlamünde die Reste der königlichen Pfalz und die Vogtei Burgbreitungen und veranlasste die Weihe der Basilika, des Hauptgebäudes des neu gegründeten Benediktinerklosters. Damit wurde Burgbreitungen zu Herrenbreitungen. Breitungen wurde mehr und mehr ausgebaut, bis Königsbreitungen schließlich 1114 von Kaiser Heinrich V. auf Bitte der Abtei Hersfeld das Marktrecht verliehen bekam. Somit wurde Königsbreitungen Zoll- und Münzstätte der Abtei Hersfeld.

Im Jahr 1137 gründete der Leutpriester Heinrich, ein Pfarrer der Mutterkirche Königsbreitungen, im Auftrag der Abtei Hersfeld das Armenhospital Spittel. Vom gleichen Jahr stammte die erste Erwähnung der Klosterbrücke zwischen Burg- und Königsbreitungen. 1150 gestattete Abt Heinrich von Hersfeld den Brüdern des Hospitals, sich zu einem Prämonstratenserkloster zu konstituieren. Drei Jahre später zogen auch Nonnen in das Augustinerkloster ein. Nach der Gründung dieses Nonnenklosters wurde der Ort Königsbreitungen wahrscheinlich zu Frauenbreitungen umbenannt. Im Jahr 1187 übernahm der Thüringer Landgraf Hermann I. die Verwaltung der Vogtei Herrenbreitungen.

1247 wurde das Doppelkloster der Prämonstratenser ausschließlich ein Nonnenkloster und nahm einen raschen wirtschaftlichen Aufstieg. Im Zusammenhang mit diesem Kloster erschien 1285 erstmals der Ortsname Frauenbreitungen. Im Jahr 1301 schenkte Landgraf Albrecht von Thüringen Graf Berthold VII. von Henneberg-Schleusingen die Vogtei Altenbreitungen. Zur selben Zeit wurden die Henneberger mit der Vogtei Frauenbreitungen durch den Abt Berthold I. von Hersfeld belehnt. 1326 wurde auch Burgbreitungen als Herrenbreitungen in einer Urkunde erstmals offiziell erwähnt. Elf Jahre später wurde die Vogtei Herrenbreitungen Hennebergisches Lehen. Damit unterstanden alle drei Ortsteile, nun mit ihren endgültigen Namen, der Verwaltung der Henneberger Grafen und blieben dies auch bis zum Aussterben dieses Geschlechts.

Im Jahr 1460 kam es zum ersten Nachweis der Gerichtsbarkeit in Herrenbreitungen durch das „Weisthum zu Herrenbreitungen“. 1494 wurde das erste Mal Leinen zu Speise- und Beleuchtungszwecken sowie als Rohstoff zur Bekleidungsherstellung angebaut.

Neuzeit 225px|mini|Schloss Herrenbreitungen 1525 tobte in der Region der Bauernkrieg. Durch die zunehmende Verelendung der Bauern kam es vielerorts zum Aufstand, die Region war Aktionsgebiet des Werrahaufen, der sich in Breitungen auch gegen die Klöster richtete. Drei Jahre später kam es zur Säkularisation des Prämonstratenserklosters durch den Grafen Wilhelm IV. von Henneberg. Frauen- und Herrenbreitungen, um 1300 zu Lehen des Klosters Hersfeld geworden, wurden nach Aufhebung der Klöster als Vogtei und als Amt von Henneberger Grafen und Meininger Fürsten regiert. So wurde im Jahr 1542 in Frauenbreitungen ein Vogteiamt auf dem Gelände des früheren Klosters eingerichtet, dem 4 Dörfer und 11 Höfe unterstanden. Zehn Jahre danach erfolgte im Verlauf der Reformation der Niedergang des Benediktinerklosters. Der Abt Kilian Vogel verließ mit den letzten drei Mönchen das Kloster in Herrenbreitungen.

1554 schloss Graf Wilhelm IV. von Henneberg am 1. September mit den Herzögen von Sachsen den Kahlaer Erbvertrag. Die Ernestiner erlangten durch die Übernahme der Schulden der Henneberger die Anwartschaft auf deren gesamten Besitz. 1559 setzte Graf Georg Ernst von Henneberg in einer Dorfordnung das Einzugsgeld für nach Herrenbreitungen ziehende fremde Personen fest. In den nächsten Jahren begann Graf Poppo XII. von Henneberg, aus Teilen des Klosters ein Residenzschloss zu bauen, und nahm dort mit seiner Gemahlin Sophie seinen Wohnsitz. Es wurden auch bauliche Veränderungen an der Klosterbasilika vorgenommen, zum Beispiel erhielt der Turm zwei weitere Geschosse und einen runden Giebelabschluss. Weiterhin wurde die Basilika als evangelische Schlosskirche genutzt.Lageplan des Klosters Herrenbreitungen und seiner Nachfolgebauten 1574 starb Graf Poppo XII. von Henneberg, ohne Nachkommen zu hinterlassen.

Am 31. August 1583 schlossen Georg Ernst, letzter Graf von Henneberg, der Landgraf Wilhelm von Hessen und Vertreter des ernestinischen Sachsen den so genannten Salzunger Vertrag. Demnach erhielt nach dem Aussterben der Hennebergischen Linie der Landgraf von Hessen das Schloss, mit Wohnrecht für Graf Poppos Witwe Sophie, und die Vogtei Herrenbreitungen samt dem Abtswald. Gerichtsbarkeit und Jagdgerechtigkeit erhielt das Haus Sachsen. Frauen- und Altenbreitungen sowie die Wildbahn vom Pleß bis zur Rosa und Werra wurden dem sächsischen Hause überlassen. Damit wurde die politische Trennung der Ortsteile herbeigeführt. Noch im gleichen Jahr starb Georg Ernst von Henneberg, und die Vereinbarungen des Salzunger Vertrags traten in Kraft. Im Jahr 1590 wurde die erste Schule neben der Kirche in Frauenbreitungen erwähnt.

mini|225px|Die Frauenbreitunger Marienkirche 1598 begannen in Breitungen die Hexenprozesse. Aufzeichnungen finden sich im Kirchenbuch Frauenbreitungen. In den Hexenverfolgungen wurden 17 Personen angeklagt, mindestens elf hingerichtet, der Ausgang einiger Prozesse ist unbekannt. Die letzte Verbrennung fand am 17. August 1700 statt: Catharina Burckhardt, des Büttners Frau.Kai Lehmann: Unschuldig. Hexenverfolgung südlich des Thüringer Waldes, über 500 recherchierte Fälle aus dem 16. und 17. Jahrhundert, Untermaßfeld 2012, S. 106f.; Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Frauenbreitungen, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 236 und 240.

1615 und 1616 wurde die Marienkirche in Frauenbreitungen unter Einbeziehung des romanischen Kirchturms der Vorgängerkirche neu gebaut.

Nach dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges fügten zwischen 1634 und 1640 sowohl Truppen der katholischen Liga als auch der protestantischen Union dem Ort schwere Schäden zu.

Am 10. Juni 1640 wurde Herrenbreitungen ein Opfer der Flammen. Das Renaissanceschloss, das Pfarrhaus, Scheunen und verschiedene Stallungen wurden durch das Feuer stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Dach, der Dachstuhl und das Querschiff der romanischen Basilika wurden zerstört.

In den folgenden Jahren konnte sich Breitungen aber erholen, und 1654 waren schließlich viele Handwerker in Breitungen tätig. Dazu zählten beispielsweise Schneider, Müller, Leineweber, Büttner, Bäcker, Metzger, Schreiner, Hufschmiede und Wagner. Im Jahr 1659 wurde begonnen, Tabak anzubauen. Dieser wurde Haupteinnahmequelle der Landbesitzer und wichtiges Mittel zur Ernährung der landlosen Bevölkerung.

1661 fielen Alten- und Frauenbreitungen an Herzog Ernst den Frommen von Gotha. 1662 wurde die Basilika in Herrenbreitungen zur weiteren Nutzung als evangelische Schlosskirche zu ihrer heutigen Gestalt hergerichtet. 1680 ging das Amt Frauenbreitungen an Herzog Bernhard I. von Sachsen-Meiningen, dem 3. Sohn von Herzog Ernst den Frommen von Gotha, über. 1686 wurde auf Anordnung der Landgräfin Hedwig Sophie von Hessen gegenüber der Kirche in Herrenbreitungen ein neues Pfarrhaus errichtet. Im Jahr 1721 wurde das Erdgeschoss der „Kapelle“, dem heutigen Wahrzeichen Altenbreitungens, auf den Fundamenten eines früheren Gebäudes aus spätromanischer Zeit errichtet. Ein Jahr später baute Altenbreitungen ein eigenes Schulhaus und stellte einen Schulmeister ein.

mini|225px|Die Herrenbreitunger Michaeliskirche 1731 wurde die romanische Michaeliskapelle abgerissen und der Grundstein zum Neubau der Dorfkirche in Herrenbreitungen unter Wiederverwendung des Kirchturmes der ehemaligen Kapelle gelegt. Im Jahr 1753 wurde in Herrenbreitungen ein Gemeindebrauhaus errichtet. Fünf Jahre später wurden auch Kartoffeln in Breitungen erstmals angebaut.

Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 erlebte Herrenbreitungen ständig Einquartierungen, besonders französische Truppen, die mit der Erpressung von Geld und Wegzehrung verbunden waren. Am 25. April 1760 erschienen kaiserliche Husaren, erpressten Proviant und nahmen den Schulzen Valentin Hoffmann bis zur Ölmühle mit, wo er für drei Taler und 18 Kreuzer wieder freikam. 1780 wurde das Pfarrhaus in Frauenbreitungen im fränkischen Fachwerkstil errichtet.

1799 wurden in Frauenbreitungen bei der ersten großen Bevölkerungszählung 70 Häuser und 410 Einwohner gezählt. Am 13. Mai 1825 erhielt der Apotheker Wilhelm Rhodemann auf sein Ersuchen von Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen das Recht zur Errichtung einer Apotheke im herzoglichen Amte Frauenbreitungen. Von 1842 bis 1846 wurde der Werralauf beim Bußhof begradigt. 1846 begann der Neubau einer Schule in Altenbreitungen, die am 13. April 1847 eingeweiht wurde. 1848 kämpften in der Region Bauern für bessere wirtschaftliche Verhältnisse. Um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, fällten sie die Pappeln an der Bußhofallee. Auch heute stehen bei der Straße zwischen Breitungen und Bußhof keine Bäume mehr.

Von 1856 bis 1858 wurde die Eisenbahnlinie Eisenach-Lichtenfels, Werrabahn genannt, gebaut. Breitungen erhielt am 20. Juli 1886 eine Haltestelle auf der Strecke dieser Bahnlinie. Im Jahr 1865 wurde eine steinerne Brücke über die Truse für 242 Taler gebaut. 1866 kämpfte im preußisch-österreichischen Krieg Hessen an der Seite Österreichs. Da Österreich verlor, ging Herrenbreitungen an Preußen über.

Moderne Kaiserreich Nach den Angaben des Herzogs Georg II. von Meiningen entstand in den Jahren 1886/87 auf dem Pleßberg das herzogliche Jagdschlösschen. 1890 wurde die Darlehenskasse gegründet und nahm im Gebäude in der Schillerstraße ihre Handels- und Banktätigkeit auf. Im Jahr 1894 wurde eine neue Schule in der Gartenstraße in Frauenbreitungen gebaut.

In den folgenden Jahren kam es zu einer Vielzahl von Fabrikneubauten, vorrangig Metallwarenfabriken. 1902 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 26 Männer erklärten sich durch ihre Unterschrift mit dem Statut einverstanden. 1903 wurde eine steinerne Brücke zwischen Alten- und Frauenbreitungen mit staatlicher Unterstützung errichtet. Es erfolgte ebenfalls der Bau der Wasserleitung vom Bußhof nach Frauenbreitungen.