mini|hochkant|Stadtkirche mini|Blick in die Lange Straße mini|Luftaufnahme der Stadt (2014)
Hagenow ist eine Kleinstadt im Westen Mecklenburg-Vorpommerns, rund 30 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Schwerin gelegen. Hagenow ist eines der 18 Mittelzentren des Landes sowie Sitz des Amtes Hagenow-Land, darin jedoch nicht selbst amtsangehörig.
Das historische Zentrum steht beispielhaft für eine kleinere mecklenburgische Landstadt mit Fachwerkhäusern und anderen Baudenkmalen vom 17. bis 19. Jahrhundert.
Geografie Geografische Lage Hagenow befindet sich im Westen des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Die nächstgelegenen größeren Städte sind im Nordosten Schwerin (ca. 30 km) und Wismar (ca. 65 km), und im Westen Hamburg (ca. 80 km) und Lübeck (ca. 85 km).
Die Stadt wird von der Schmaar durchflossen, die in der Innenstadt zu einem Mühlenteich aufgestaut ist.
Stadtgliederung Zu Hagenow gehören neben der Kernstadt die Ortsteile Granzin, Hagenow Heide, Scharbow, Viez, Zapel und die Siedlung Sudenhof.
Geschichte Name Der Name begegnet erstmals 1194 als Hachenowe, später Haghenow(e) (1316, 1326), dann Hagenowe und schließlich Hagenow. Obwohl die westslawische Genitivendung -owe (Ort des … ) eine polabische Herkunft des Namens vermuten lässt, geht die ToponomastikErnst Eichler, Hans Walther: Städtenamenbuch der DDR. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1988, ISBN 3-323-00007-2. von einer Zusammensetzung aus dem germanischen Wort Hagen und der ebenfalls germanischen Endung ö(g), öch für Aue, Wiesenland aus. Der Name bedeutete dann sinngemäß so viel wie Eingezäuntes Wiesenland.
Dorf im Mittelalter Hagenow wurde erstmals im Isfriedschen Teilungsvertrag von 1194 urkundlich erwähnt. Schon damals hatte Hagenow eine Burg und eine Kirche. 1201 ging die weltliche Herrschaft über den Ort von den Grafen von Ratzeburg an die Grafen von Schwerin über. Die Kirche wird 1230 im Ratzeburger Zehntregister erwähnt, welches die damals zum Bistum Ratzeburg gehörenden Kirchgemeinden geordnet nach Kirchspielen auflistet. Noch im Jahr 1326 war Hagenow ein Dorf, als die Gräfin Merislave von Schwerin das zu ihrem Leibgedinge gehörende „dorp tu Haghenowe“ ihrem Vetter, dem Grafen Heinrich von Schwerin, überließ. 1358 kam Hagenow an die Herzöge von Mecklenburg. 1370 wurde der Ort bereits als oppidum, also als Stadt bezeichnet, blieb jedoch auch als Stadt wohl noch lange unbedeutend, da es in dem Landestheilungsregister des Jahres 1520 noch Dorf genannt wird.Georg Christian Friedrich Lisch: Die Kirche zu Hagenow und die Stadt Hagenow. 1855 (liberarius.de).
Landstadt in der Frühen Neuzeit Die Jahre 1538, 1748 und 1766 prägten große Brände, die mehrmals fast die gesamte Bebauung zerstörten. Das älteste noch existierende Gebäude der Stadt stammt daher erst aus dem Jahr 1720. Ebenfalls bedingt durch die Brände ist letztlich auch die typische mecklenburgische Landstadtarchitektur, die die Innenstadt dominiert. 1746 wurde Hagenow als Marktflecken bezeichnet, 1754 wurde der Status als Stadt durch die offizielle Vergabe der Stadtrechte bestätigt.Ernst Eichler und Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1 Hagenow wurde eine Landstadt in Mecklenburg und war bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.
Seit etwa 1760 siedelten sich mit landesherrlicher Erlaubnis jüdische Familien an, die sich einen Friedhof errichteten und 1828 die Synagoge (heute Alte Synagoge genannt) erbauten. Der letzte Gottesdienst fand 1907 statt, die letzte Bestattung 1935.
Wirtschaftlicher Aufschwung im 19. Jahrhundert Später erhielt das Amt im Mecklenburgischen Kreis des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin den Namen der Stadt. Die Größe des 8500 Einwohner zählenden Amts betrug 4,15 Quadratmeilen. Die Stadt Hagenow selbst hatte 3400 Einwohner. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts begann allmählich das Wachstum, ab 1846 gefördert durch die nahegelegene Trasse der Berlin-Hamburger Bahn.
Hagenow spielte im mecklenburgischen Vormärz mit der Ausweisung des Armenarztes Ernst Raber ab 1842 eine wenig rühmliche Rolle, dennoch wurde er für Hagenow 1848 in die Mecklenburgische Abgeordnetenversammlung gewählt. Hagenows Zeit im Vormärz wird regionalgeschichtlich in Mecklenburg als Hagenower Wirren bezeichnet.Anja Alert: Die Hagenower Wirren 1847. In: Helmut Reinalter (Hrsg.): Aufklärung – Vormärz – Revolution (= Jahrbuch der Internationalen Forschungsstelle Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa von 1770–1850 an der Universität Innsbruck. Band 16/17). Lang, Frankfurt/M. / Berlin / Bern / New York / Paris / Wien 1999, ISBN 3-631-46850-4.
Bis 1900 entstanden eine Volksschule, eine städtische Badeanstalt sowie eine Sparkasse und mehrere Zeitungsverlage. Nagelschmieden, Marktschuhmacherei, Brauerei, Brennerei, Tabakfabrikation, Färberei und Leinweberei gaben ein Einkommen. Um 1900 kamen eine Dachpappenfabrik, Dampfmahl- und Sägemühlen für die holzverarbeitende Industrie sowie eine Dampfmolkerei, die Käse herstellte, hinzu. Die Einwohnerzahl stieg auf 4109.
Hagenow im 20. Jahrhundert Im Jahr 1933 wurde Hagenow Kreisstadt des ab 1938 gleichnamig bezeichneten Landkreises Hagenow.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Synagoge in der Hagenstraße während der Novemberpogrome 1938 in Brand gesetzt; das Feuer wurde von Nachbarn gelöscht, die um ihre eigenen Häuser besorgt waren. Anschließend diente sie bis zum Beginn der Sanierung 2001 verschiedenen Zwecken, unter anderem als Lagerhalle. Von der jüdischen Gemeinde lebten nach den Pogromen von 1938 noch eine Familie, ein Arzt sowie ein weiterer Mann in Güstrow. Die beiden Männer waren mit Nichtjüdinnen verheiratet; die Familie wurde 1942 in das KZ Auschwitz deportiert.Bernd Kasten: Verfolgung und Deportation der Juden in Mecklenburg 1938–1945. Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.), Schwerin 2008, S. 38–40, ISBN 978-3-940207-16-6
Der Lehrer Karl Becker aus Lüttenmark im Kreis Hagenow gehörte bis 1933 der SPD an und blieb ein ständiger Kritiker des NS-Staates. Im Sommer 1944 erfolgte seine Festnahme durch die Gestapo. Becker ist am 17. August 1944 in der Haft umgekommen.
Bereits ab 1935 wurde vor den Toren Hagenows bei Sudenhof der Fliegerhorst Hagenow der Deutschen Luftwaffe in den Abmaßen 1150 mal 1005 Meter mit zwei Graslandebahnen, Flugzeughangars, Kasernen und einem Offizierskasino gebaut. Ab 1936 gab es eine Flugzeugbeobachter-Schule. 1937 konnten 1137 Soldaten auf dem Gelände kaserniert werden. Eine Fliegerübungsschule war von 1937 bis 1939 in Betrieb. Verschiedenste Fliegerkampfgeschwader waren zeitweise auf Fliegerhorst stationiert. Im Dezember 1943 richtete sich die Flugzeugführerschule B 35 hier ein, 1944 folgte dann noch die Jagdfliegerschule 115. (Siehe auch Flugplatz Schwerin-Görries). Zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 besetzten Soldaten der US-Armee den Fliegerhorst in Hagenow. Sie wurden später von den Sowjettruppen abgelöst. Nach 1945 waren in den Kasernen Panzer-Streitkräfte der Roten Armee bis in die 90er Jahre stationiert.
Bekannt wurde der Ort durch den Titel „Fru Püttelkow ut Hagenow“ der plattdeutschen Mundartgruppe „De Plattfööt“. In der Schriftenreihe „Fiek’n hätt schräb’n ut Hagenow“, die der Ortschronist Kuno Karls herausgab, wurden lokalgeschichtliche Ereignisse beschrieben.
Von etwa 1968 bis 1988 wurden die großen Wohngebiete Neue Heimat mit 1454 Wohnungen und Kietz mit 1032 Wohnungen in Plattenbauweise erstellt. Neben der Landwirtschaft waren Sägewerke, Ziegeleien und die Käsefabrik Wirtschaftsgrundlage. 1985 wurde auf dem Bahnhof Hagenow Land ein moderner Rangierbahnhof mit 10 Richtungsgleisen und einem halbautomatischen Gleisbremsbetrieb mit Elektrodynamischen Gleisbremsen gebaut. Nach der Wiedervereinigung gab es keinen Bedarf der Kessel- und Güterwagenregulierung mehr, die Fläche der ehemaligen Ablaufanlage der DB wird seit 2023 renaturiert. 1988 betrug die Einwohnerzahl 11.600.
Nach der politischen Wende wurden ab 1991 der historische Stadtkern und seit 1996 der Kietz (Stadtumbau) im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. Das Panzergrenadierbataillon 401 der Bundeswehr befindet sich seit dem 1. April 1991 in der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne.Bundeswehrstandort Hagenow
Von 1952 bis 1994 war Hagenow Kreisstadt des gleichnamigen Kreises (bis 1990 im DDR-Bezirk Schwerin, danach im Land Mecklenburg-Vorpommern). Es war der flächenmäßig größte Kreis der DDR. 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Ludwigslust eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt die Stadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Granzin bei Hagenow, Scharbow, Viez und Zapel eingemeindet.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 14.012 1995 12.579 2000 12.272 2005 12.235 2010 11.745 2015 11.697 Jahr Einwohner 2020 12.245 2021 12.146 2022 12.070 2023 12.031 2024 12.022
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres,Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik
Stadtvertretung mini|Rathaus Die Stadtvertretung von Hagenow besteht aus 25 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 52,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019. S. 172/173 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 30,4 % 7 30,2 % 8 AfD 10,9 % 3 22,9 % 6 Vorwärts Altkreis Hagenow (VAH) – – 15,9 % 4 SPD 19,0 % 5 13,9 % 3 Die Linke 27,2 % 7 13,3 % 3 FDP 12,6 % 3 3,7 % 1 Insgesamt 100 % 25 100 % 25
Bürgermeister Wilhelm Sager, 21. Juli 1945 bis 31. Dezember 1950 Richard Brauer, 1. Januar 1951 bis 31. Dezember 1951 Herbert Pohl, 1. Januar 1952 bis 19. September 1952 Kurt Hübner, 19. September 1952 bis 15. April 1960 Gerhard Pacholke, 1. Juni 1960 bis 31. August 1964 Werner Lenz, 1. September 1964 bis 31. März 1970 Erhard Feuereiß, 1. April 1970 bis 30. März 1979 Gerhard Christen, 1. April 1979 bis 24. Juli 1985 Gerhard Zimmermann, 25. Juli 1985 bis 31. Dezember 1989 Karl-Heinz Becker (amtierender Bürgermeister), 1. Januar 1990 bis 10. Mai 1990 Horst Stieg, 1. Juni 1990 bis 18. August 1993 Wilfried Brüch (amtierender Bürgermeister), 19. August 1993 bis 5. Juli 1994 Fritz Katlun, 6. Juli 1994 bis 30. Oktober 2001 Gisela Schwarz, 1. November 2001 bis 31. Oktober 2015 Thomas Möller, seit 1. November 2015
Möller wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 14. Juni 2015 mit 57,8 Prozent der gültigen Stimmen gewählt.Linke-Kandidat Möller wird Bürgermeister in Hagenow. In: Schweriner Volkszeitung. 14. Juni 2015 (svz.de). Am 8. Mai 2022 wurde er mit 54,6 Prozent der gültigen Stimmen für weitere sieben Jahre in seinem Amt bestätigt.
Wappen, Flagge und Dienstsiegel Heutiges Wappen
Historische Wappen
Flagge links|mini|hochkant|20px Flagge der Stadt Hagenow
„Die Flagge ist Rot – Gelb (1:1) längs gestreift. Der rote Streifen ist im Obereck mit der Figur des Stadtwappens in flaggengerechter Tingierung belegt: mit dem Brustbild eines hersehenden, weiß behaarten Bischofs mit rot verzierter gelber Mitra und gelbem Gewand. Die Figur nimmt fast die Höhe des roten Streifens ein. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich zur Länge wie 2:3.“
Die Flagge wurde von dem Barsbütteler Heraldiker Hans-Frieder Kühne gestaltet und am 15. März 1996 durch das Ministerium des Innern genehmigt.
Dienstsiegel Das große und kleine Dienstsiegel zeigen das Wappen der Stadt mit der Umschrift .Hauptsatzung der Stadt (PDF; 0,2 MB)
Partnerstädte Mölln in Schleswig-Holstein Säffle in Schweden
Sehenswürdigkeiten und Kultur
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Bauwerke