Datterode ist der flächenmäßig größte Ortsteil der Gemeinde Ringgau im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.
Geographie Das geschlossene Dorf Datterode liegt im westlichen Teil des Hochplateaus Ringau, ca. 5,6 km (Luftlinie) nordwestlich der Gemeindeverwaltung in Netra. Der Ort dehnt sich in Ost-West-Richtung aus und liegt an der engsten Stelle des Netratals, wo von Norden der Hasselbach und von Süden der Hartmuthsbach mündet. Die Netra ist ein 13,2 km langer, rechter Nebenfluss der Sontra. Die jüngere Siedlungsentwicklung erfolge im Südwesten, Norden und Nordosten. Das Gebiet des Ortsteils besteht aus der Gemarkung Datterode im Nordwesten des Gemeindegebiets mit einer Fläche von 824 Hektar, davon sind 269 Hektar Wald. In der Gemarkung liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze: Wüstung Foylraide Hof Harmuthshausen Wüstung Haselbach Wüstung Rateshagen Wüstung Rettelbach Wüstung Wiebersbach Wüstung Willemundesbach Wüstung Windorf
Die Ortslage befindet sich auf 230 bis und der höchste Punkt der Gemarkung ist der 410 Meter hohe Hippelsberg im Norden der Gemarkung. An den Ortsteil Datterode grenzen, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn, die Ortsteile Hoheneiche und Langenhain der Gemeinde Wehretal, im Osten Ringgau-Röhrda und im Süden und Westen Sontra-Wichmannshausen und Wehretal-Hoheneiche.
Durch den Ort verläuft die Bundesstraße 7 die im Westen zu Autobahn-Anschlussstelle Ringau der A 44 und im Osten weiter zu den Ortsteilen Röhrda und Netra führt.
Geschichte mini|Die Ruine der eng mit der Dorfgeschichte verbundenen Boyneburg
Ortsgeschichte Datterode ist vermutlich keine gewachsene Siedlungsgründung, sondern die Häuser wurden um eine Wehrkapelle an einer strategisch wichtigen Stelle im Netratal errichtet, sodass ein wehrbarer Innenhof entstand.Herbert Lambrecht: Die Kapelle auf der Boyneburg, in: 850 Jahre Datterode. Datterode 1991, S. 27 Der Ort wurde zum ersten Mal 1140/41 in einer thüringischen Urkunde als „Dathenrot in pago Nedere“ (Datterode im Gerichtsbezirk Netra) erwähntAus der Geschichte Datterodes auf der Webseite des Heimatvereins Datterode e. V., kurze Zeit später nochmal am 9. November 1141 in einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs Markolf von Mainz. In dieser bestätigte er dem Kloster Northeim die durch den Grafen Siegfried IV. von Northeim/Boyneburg gemachten Schenkungen und machte das Kloster zusätzlich zehntberechtigt für mehrere Orte an Wehre und Netra, unter anderem „Datdenroth“. Das Kloster besaß auch ein kleines Gut in der inzwischen von Datterode überbauten Wüstung Wiebersbach am Oberlauf des Hasselbachs. Der Besitz des Klosters Northeims ging später an das Kloster Bursfelde, das 1448 seine Güter in und um Datterode an die Boyneburger verkaufte. Das Zehntrecht des Northeimer Klosters wiederum gelangte über das Adelsgeschlecht von Nesselröden 1360 an das Kloster Germerode. Nach der Säkularisation des Klosters 1527 in der Zeit der Reformation wurden die Abgaben an die Datteröder Pfarrei übertragen.
Der Ort mit seiner Pfarrei selber war zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung im Besitz der Grafen von Northeim. Nach deren Aussterben 1144 gingen ihre Besitzungen über Hermann II. von Winzenburg und Heinrich den Löwen an die Landgrafen von Thüringen. Als Kaiser Friedrich Barbarossa eine am 13. Juni 1188 geweihte Kapelle auf der Boyneburg in Auftrag gab, erwarb er unter anderem „Tattenrode“ vom thüringischen Landgrafen Ludwig III. für diese als Unterhaltsicherung. In der Folge war der Burgkaplan auch für die Filialgemeinde in Datterode zuständig. Dieses Verhältnis drehte sich im 14. Jahrhundert, als die Geistlichen begannen, sich Pfarrer von Datterode zu nennen und die in ihrer Bedeutung gesunkene Kapelle auf der Boyneburg seelsorgerisch mit zu versorgen.
Vermutlich im 15. Jahrhundert, spätestens 1510, kamen der Ort und die Pfarrei in den Besitz der Landgrafen von Hessen. Der in der Zeit von 1501 bis 1510 bezeugte Doktor Konrad Schrendeisen, Kanoniker und Offizial am St.-Petri-Stift in Fritzlar, war zu diesem Zeitpunkt Inhaber der bislang eigenständigen Pfarrei in Datterode, stellte sie dann aber unter den Schutz des Landgrafen. Damit hörte die eigenständige Pfarrei Datterode auf zu bestehen und wurde fortan vom Landgrafen direkt verliehen. auf der Webseite des Heimatvereins Datterode e. V.
In der Zeit der Reformation wurde der Ort durch seine Zugehörigkeit zur Landgrafschaft Hessen nach der Homberger Synode protestantisch, ungefähr im Jahr 1528 nahm der erste protestantische Pfarrer seine Arbeit auf. Eine mittelbare Folge der Synode war die Einrichtung einer Dorfschule um das Jahr 1580. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurden verschiedene Vasallen des Landgrafen mit dem Dorf belehnt, erster Lehensnehmer war 1522 Werner von Trott zu Solz. Nach einer Reihe von weiteren Lehensnehmern, unter ihnen von 1576 bis 1581 der landgräfliche Kammermeister Simon Bing, behielt der Landgraf von Hessen-Kassel das Lehen Anfang des 17. Jahrhunderts für sich. In dieser Zeit wurde der Ort dem Gericht Bilstein zugeschlagen, später kam er dann zum Amt Eschwege. 1583 verlegte Landgraf Wilhelm IV. die Zollstelle an der Handelsstraße von Thüringen nach Hessen von Ulfen nach Datterode. Wegen seiner Lage an einer wichtigen Straße wurde das Dorf in den folgenden Jahrhunderten oft Durchgangsstation für durchziehende Heere.
Im Dreißigjährigen Krieg, besonders in den 1630er Jahren, wurden über die Hälfte der Höfe Datterodes zerstört oder verlassen, und die Bevölkerung musste Kriegsabgaben leisten.Karl Kollmann: Von der Ersterwähnung bis zum Dreißigjährigen Krieg, in: 850 Jahre Datterode. Datterode 1991, S. 77–82
Bei einer Zählung im Jahr 1745 betrug die Einwohnerzahl 373 in 87 Häusern. Zur Zeit des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zogen durch den sogenannten Soldatenhandel unter Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel 32 Datteröder in den Krieg nach Amerika, von denen 15 wieder heimkehrten, 10 dort blieben und 6 durch Kampf oder Krankheit verstarben.Karl Gier, Karl Kollmann, Herbert Lamprecht: Soldaten in Amerika, in: 850 Jahre Datterode. Datterode 1991, S. 107–110 Im 19. Jahrhundert, zwischen 1835 und 1872, wanderten 83 Einwohner nach Amerika aus.Karl Gier: Datteröder verlassen ihre Heimat und siedeln in Nordamerika, in: 850 Jahre Datterode. Datterode 1991, S. 111–113
20. Jahrhundert Um 1910 wurde von einer Genossenschaft eine Wasserleitung gebaut, an die sich im Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte alle Haushalte anschlossen. Dieses Leitungssystem wurde erst 1961 von der Gemeinde übernommen. In den 1910er Jahren erfolgte auch der Anschluss an das Stromnetz.Lieselotte Martini: Die Wasserversorgung, in: 850 Jahre Datterode. Datterode 1991, S. 137–138 Im Ersten Weltkrieg fielen 19 Datteröder, 3 wurden als vermisst gemeldet. Das Dorf hatte 1925 727 Einwohner in 145 Häusern. Im Zweiten Weltkrieg fielen 50 Bewohner, 16 blieben vermisst.Heinrich Ronshausen: Gemeinschaftsleistungen, Ehrenmal, in: 850 Jahre Datterode. Datterode 1991, S. 182–183 Der Ort wurde am 3. April 1945, dem Osterdienstag, von US-amerikanischen Truppen besetzt. Im Gegensatz zu Nachbardörfern wurden dabei keine Höfe in Brand geschossen, am Dorfrand wurden aber zwei fliehende deutsche Soldaten erschossen.Karl Kollmann: Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1945, in: 850 Jahre Datterode. Datterode 1991, S. 154 mini|Eine der Gemeinschaftsleistungen nach dem Krieg: Das Datteröder Ehrenmal
Nach dem Krieg lag der Ort im Zonenrandgebiet und die Einwohnerzahl sprang von 850 (im Jahr 1939) auf 1098 (1949), da viele Flüchtlinge (229 Personen) und Evakuierte (28 Personen) aufgenommen werden mussten, diese verteilten sich auf 158 Häuser. In den 1950er Jahren verwirklichte die Gemeinde einige Bauprojekte durch freiwilligen Arbeitseinsatz der Bewohner. Im Jahr 1953 entstand ein Ehrenmal, 1954 wurde das Schwimmbad gebaut und 1960 der Aussichtsturm „Berliner Turm“. In den 1950er Jahren wird auch in der gesamten Ortslage eine Kanalisation gebaut.
Datterode nach der Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin selbstständige Gemeinde Datterode am 1. April 1972 mit dem Nachbargemeinde Röhrda freiwillig zur neuen Gemeinde Netratal. Diese wurde schon zwei Jahre später, am 1. Januar 1974, mit der Gemeinde Ringgau zusammengeschlossen und bildete die Großgemeinde Ringgau. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde der Ortsteil Netra. Für alle nach Ringgau eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Im selben Jahr bekam der Ort den Titel Luftkurort verliehen. 1976 belegte Datterode den 2. Platz beim Landesentscheid des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“, später konnte noch einmal der Bezirksentscheid gewonnen werden.
Nach der Grenzöffnung 1989 verlor Datterode die bisherige Randlage, unmittelbare Folge war ein verstärktes Verkehrsaufkommen auf der Bundesstraße 7. Dies und finanziellen Probleme der Gemeinde Ringgau führte zu dem Verlust des Luftkurortprädikats.
Im Jahr 2001 rückte der Ort in das mediale Interesse, als ein seit 1946 im Dorf unter falscher Identität lebender niederländischer Kriegsverbrecher enttarnt wurde.ZDF-Pressemitteilung auf presseportal.de
Gerichte Die Gerichtsbarkeit über Datterode wurde im Mittelalter durch das Gericht Boyneburg ausgeübt. Nach langen Rechtstreirigkeitden zwischen der Herren von Boyneburg kam es 1449 zu einem Vergleich, und ab 1460 hielten die von Boyneburg die Burg und den dazu gehörigen ehemaligen Reichsbesitz als landgräflich-hessisches Erblehen. Im Jahr 1615 gehörte es dann zum Gericht Bilstein auf der Burg Bilstein bei Eschwege. Von 1627 bis 1632 gehörte das Gericht zur landgräflichen Nebenlinie von Hessen-Rotenburg.
Die weitere Zuständigkeit entwickelte sich wie folgt: 1807–1813: Friedensgericht Reichensachsen im Königreich WestphalenWeitere Gerichte siehe Justizwesen im Königreich Westphalen 1814–1821: Amt Eschwege, Gericht Bilstein 1822: Fürstlich Rotenburgisches Justizamt Bilstein (Sitz in Abterode) erste Instanz, zweite Instanz Justizkanzlei Rotenburg 1834: Justizamt Abterode (Abtrennung der Justiz) erste Instanz, zweite Instanz Obergericht für die Provinz Niederhessen 1837: Justizamt Eschwege erste Instanz, zweite Instanz Obergericht für die Provinz Niederhessen 1867: Amtsgericht Eschwege (nach der Annexion durch Preußen), zweite Instanz Kreisgericht Kassel 1879: Amtsgericht Eschwege erste Instanz (durch das Reichsjustizgesetze), zweite Instanz Landgericht Kassel
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Datterode angehört(e):
1141: Gau Neter (in pagus Nedere) Um 1430: Heiliges Römisches Reich, Gericht Boyneburg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederfürstentum, Amt Eschwege, Gericht Boyneburg ab 1615: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Eschwege, Gericht Bilstein 1627–1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Eschwege 1803–1806: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Hessen, Amt Eschwege 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Reichensachsen 1814–1821: Kurfürstentum Hessen, Amt Eschwege