Das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg mit Deutschbaltischer Abteilung (seit 2010) erinnert an die Geschichte, Kunst und Kultur, aber auch an Landschaft und Tierwelt Ostpreußens und des Baltikums. Zudem ist es seit März 2026 mit dem neuen Kant-Museum der zentrale Erinnerungsort für Immanuel Kant.

Vorgänger in Königsberg Das erste Ostpreußische Landesmuseum entstand nach dem Ersten Weltkrieg im Königsberger Schloss. Gleich nach der Novemberrevolution setzte sich der Schlossbaumeister Otto Lindemann dafür ein, die königlichen Räume als Museum zu erhalten. Darüber hinaus regte der Provinzialkonservator Richard Dethlefsen an, im Schloss ein Ostpreußisches Landesmuseum einzurichten, denn die Unterbringung der drei Königsberger Sammlungen war mangelhaft. Nach dem Gesetz vom 8. Mai 1920 wurden die Gemäldegalerie, das Ostpreußische Provinzialmuseum und das Prussia-Museum unter dem Begriff Ostpreußisches Landesmuseum zusammengefasst und in die staatliche Schutzliste eingetragen. Hans Gerlach, Eduard Anderson und Friedrich Lahrs trieben die Planungen voran. Am 18. Januar 1921 eröffnete Manfred Graf von Brünneck-Bellschwitz den ersten Teil der Galerie im Krönungsgang. Unter einem Museumsdirektor, dem Kunsthistoriker Alfred Rohde, zusammengelegt wurden die drei Abteilungen erst 1927.Das Schloss wird zum Ostpreußischen Landesmuseum. In: Wulf D. Wagner, Heinrich Lange: Das Königsberger Schloss. Eine Bau- und Kulturgeschichte. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-1953-0, S. 385–407.

Das Museum Das Museum in Lüneburg sammelt Kulturgut aus Ostpreußen und dem Baltikum, um diesen Teil deutscher Geschichte zu bewahren, zu erforschen und im nationalen wie internationalen Rahmen zu vermitteln. Da das historische Ostpreußen heute zu Litauen, Polen und Russland gehört und die Deutsch-Balten auf den Gebieten der heutigen Republiken Estland und Lettland lebten (und wieder leben), pflegt das Museum einen Austausch mit Kultureinrichtungen dieser Länder. Träger des Ostpreußischen Landesmuseums ist die Ostpreußische Kulturstiftung. Das Museum wird durch die Bundesregierung auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und durch das Land Niedersachsen auf Grundlage des § 96 BVFG institutionell gefördert. Für die Förderung durch den Bund war lange Jahre die oder der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zuständig, seit November 2025 wie zur Gründerzeit schon erneut das Bundesministerium des Innern; für Niedersachsen erfüllt diese Aufgabe das Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Das an das Museum angegliederte Kulturreferat widmet sich den Themen Ostpreußen und historisches Baltikum, um über die Kultur und Geschichte der Deutschen in diesen Gebieten zu informieren und sie einem breiten Publikum bekannt zu machen. Über das Kulturreferat finden regelmäßige Veranstaltungen wie Vorträge, Seminare, Tagungen, Lesungen, Buchvorstellungen, Filmvorführungen und Konzerte statt. Zudem organisiert das Kulturreferat – oftmals in Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen in Deutschland, Polen, Russland, Estland, Lettland und Litauen – Schulprojekte, Lehrerfortbildungen und Studienfahrten, um Menschen miteinander in Dialog zu bringen.

Im Rahmen grenzüberschreitender Kulturarbeit werden jedes Jahr mehrere Ausstellungen des Ostpreußischen Landesmuseums in Museen in Polen, Russland und den drei baltischen Staaten präsentiert und Studienreisen oder internationale Schulprojekte durchgeführt. Gemeinsame Veranstaltungen sollen die gegenseitigen Vorurteile abbauen und damit zu einem besseren Verständnis zwischen den Deutschen und ihren östlichen Nachbarn beitragen. Ziel ist es, einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten.Leitbild des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg

Der Schwerpunkt der Spezialbibliothek mit mehr als 15.000 Titeln liegt auf Publikationen zu Ost- und Westpreußen, dem deutsch-baltischen Siedlungsgebiet, zum Deutschen Orden, der Geschichte Ostpreußens und den Themen der nach 1945 erfolgten Integration und Bewahrung der kulturellen Identität der aus Ost- und Westpreußen Vertriebenen. Sie umfasst Biographien, Prosa und Lyrik von Menschen, Schriftstellern und Dichtern, die ihre Heimat in Ost- und Westpreußen hatten. Sie kann über den Hamburger Universitätskatalog recherchiert werdenBibliothek, auf ostpreussisches-landesmuseum.de, abgerufen am 14. November 2020 und im Lesesaal des Nordostinstituts genutzt werden.Nordost-Institut - Sondersammlung Ostpreußisches Landesmuseum, auf sub.uni-hamburg.de, abgerufen am 14. November 2020 Seit 2021 baut das Museum ein Archiv für Ostpreußen auf, um die umfangreichen Dokumente und Fotografiebestände zu verzeichnen und zu publizieren.

Das Museum wurde 2011 vom Museumsverband Niedersachsen/Bremen im Rahmen der Museumsregistrierung zertifiziert. 2019 wurde das Museumsgütesiegel für weitere sieben Jahre ausgestellt.

Geschichte Niedersachsen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Hauptansiedlungsgebiet von Millionen Vertriebener aus den deutschen Ostgebieten jenseits von Oder und Neiße. In der Lüneburger Region waren Anfang der 1950er Jahre so viele Ostpreußen ansässig, dass man hier zeitweilig vom „Klein-Ostpreußen“ in der Heide sprach.Landeszeitung für die Lüneburger Heide, 9. Februar 1950. Bei allen Erfordernissen des Neuanfangs und der Integration in die westdeutsche Gesellschaft bemühten sich viele Vertriebene zugleich um die Bewahrung ihrer kulturellen Identität.

1958 entstand so aus der Initiative des 1906 in Tilsit geborenen Forstmeisters Hans-Ludwig Loeffke und anderer Ostpreußen das ehrenamtlich geführte „Ostpreußische Jagdmuseum – Wild, Wald und Pferde“ im Lüneburger Alten Kaufhaus am Alten Kran. Ein Jahr später fiel es einer Brandstiftung zum Opfer.Der Spiegel (1960) Siegfried Lenz schildert diesen Brand in seinem 1978 erschienenen Roman Heimatmuseum. Anders als im Roman richtete sich die Lüneburger Brandstiftung nicht gegen das Museum. Der Schaden war groß, nur vereinzelte Exponate konnten gerettet werden. 1964 konnte es am neuen Standort in der Lüneburger Salzstraße neu eröffnet werden. alt=Das 1985 errichtete Museumsgebäude, Ansicht Ritterstr.|mini|Das 1985 errichtete Museumsgebäude, Ansicht Ritterstr. Anfang der 1980er Jahre erfolgte eine Umbenennung in „Ostpreußisches Jagd- und Landesmuseum“. Dies geschah aufgrund der von der Bundesregierung 1982 erarbeiteten „Grundsatzkonzeption zur Weiterführung der ostdeutschen Kulturarbeit“, welche die Gründung von „Landesmuseen der großen ostdeutschen Regionen“ vorsah. Das Ostpreußische Landesmuseum war das erste dieser Art. In einem mehrstöckigen Neubau wurde es 1987 zum Ostpreußischen Landesmuseum umgestaltet. Seitdem wird die Museumsarbeit mit hauptamtlich beschäftigten Wissenschaftlern betrieben. Gründungsdirektor war Friedrich Jacobs.

mini|Außenansicht Scharffsches Haus mit dem Eingang zum Ostpreußischen Landesmuseum von der Heiligengeiststraße Bereits in der Eröffnungsphase stellte sich heraus, dass die Museumsfläche den Anforderungen eines Landesmuseums nicht genügte. Seit den 1990er Jahren wurden unterschiedliche Erweiterungskonzepte verhandelt, die u. a. die Integration einer Deutschbaltischen Abteilung beinhalteten, welche 2010 formal beschlossen und als zusätzliches Satzungsziel aufgenommen wurde. Diesbezüglich war schon 2008 von der Deutschbaltischen Kulturstiftung mit Unterstützung des Landes Niedersachsen das in der Heiligengeiststraße, dem zentralen Platz „Am Sande“ nahe gelegene „Scharffsche Haus“ erworben worden. Das ehemalige Brau- und Bürgerhaus aus dem 15. Jahrhundert dient inzwischen als Sitz der Museumsverwaltung; im Erdgeschoss befindet sich das Museumscafé. Auch konnte so der Museumszugang in die Lüneburger Altstadt verlegt werden.

Im Rahmen der Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen von 2013 bis 2018 wurde hinter dem „Scharffschen Haus“ ein Neubau als Museumsfoyer- und Sonderausstellungsbau errichtet. Er stellt auch den Zugang für das benachbarte Brauereimuseum dar. Zugleich wurde die Dauerausstellung vollständig überarbeitet, thematisch erweitert und mit einer Dauerleihgabe aus dem 2016 geschlossenen Museum Stadt Königsberg in Duisburg ergänzt. Neben der Deutschbaltischen Abteilung wurden Themen nach 1945 wie etwa die „Integration der Vertriebenen nach 1945“ sowie „Bewahrung des deutschen Kulturerbes im früheren Ostpreußen und dem Baltikum heute“ in die ständige Präsentation aufgenommen. Die überarbeitete Dauerausstellung wurde am 26. August 2018 fertiggestellt, Landeszeitung vom 28. August 2018. und in Anwesenheit von Staatsministerin Monika Grütters, dem niedersächsischen Minister Björn Thümler sowie den Botschaftern aller drei baltischen Staaten vor knapp 1000 Gästen eröffnet.

2018 wurde bekannt, dass Bund und Niedersachsen Gelder für einen weiteren Schritt eingeplant hatten. Auf einem angrenzenden Parkplatz entsteht ein Neubau als Lückenschluss in der Ritterstraße, in dem auf ca. 600 Quadratmetern eine Dauerausstellung zum Philosophen Immanuel Kant realisiert werden sollte. Der Projektstart erfolgte Ende 2022 mit offiziellem Spatenstich unter Anwesenheit des niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur, Falco Mohrs. Die erste Dauerausstellung in Deutschland zu Kant sollte zum 300. Geburtstag Kants im Jahr 2024 eröffnet werden,Auf dem Weg zur [email protected] (Landeszeitung für die Lüneburger Heide), 11. August 2019, abgerufen am 5. September 2024 aber der Eröffnungstermin musste wegen der Corona-Pandemie, dem Ukraine-Krieg, Kostensteigerungen und daraus folgenden Umplanungen sowie einer nun notwendigen Sonderausstellung zu Kants Jubiläum nach und nach auf März 2026 verschoben werden.Ostpreußisches Landesmuseum Lüneburg würdigt Philosophen Kant. (Stand: 8. Dezember 2022) @ndr.de, abgerufen am 5. September 2024dynamische Quellen: Weltendenker Immanuel Kant (Kantmuseum)@ostpreussisches-landesmuseum.de, abgerufen am 5. September 2024;

Dauerausstellung Auf drei Etagen über 2000 Quadratmetern werden in mehreren Kapiteln Themen rund um die Landschaft, Geschichte und Kultur Ostpreußens und der Deutschbalten präsentiert. Die Darstellung folgt einer groben Chronologie von der Frühzeit bis in die Gegenwart, die von epochenübergreifenden Querschnittsthemen wie „Bernstein“ oder „Literatur“ unterbrochen wird.

Landesgeschichte

Die Präsentation ist von seltenen und aussagestarken Stücken geprägt, mit denen Macht und Herrschaft, aber auch die Ideen bzw. die technischen Entwicklungen vom Mittelalter über die Aufklärung, von der 1848er Revolution bis zum Nationalismus abgebildet werden. Die spezifische Darstellung der Region ist wiederholt in gesamtdeutsche oder europäische Erzählungen eingebettet, wobei auch Geschichtsinterpretationen und Narrative aus Polen und Russland Erwähnung finden. Für die Darstellung der letzten 80 Jahre werden Zeitzeugenvideos verwendet.

mini|Bereich Herzogtum in der historischen Abteilung der Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums Die Landesgeschichte ist unterteilt in folgende Kapitel: Ur- und Frühgeschichte (Prußen) Der Staat des Deutschen Ordens in Preußen Das Herzogtum und spätere Königreich Preußen bis zu den Befreiungskriegen Die Provinz Ostpreußen im 19. Jahrhundert Ostpreußen im Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik Ostpreußen im Nationalsozialismus 1933 bis 1945 Flucht, Vertreibung, Ankunft und Integration in der Nachkriegszeit Erinnerungskultur heute: in Deutschland und in der Zielregion

Naturkunde und Jagd