mini|300px|Katasterplan der Stadt Hersfeld aus dem Jahr 1730. Süden ist auf dieser Karte oben Diese Liste von Straßen und Plätzen in Bad Hersfeld führt Bedeutungen und Umstände der Namengebung auf. Von den Straßennamen enthält diese Liste nur jene, deren Bedeutung nicht banal ist, und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie beinhaltet eine Erläuterung der Verkehrsinfrastruktur mit den angeschlossenen Bundesautobahnen und Bundesstraßen und bezieht sich auf die Stadt Bad Hersfeld.
Auf einer bebauten Fläche von etwa 550 Hektar hat die Innenstadt 205 Straßen, Gassen und Plätze. Weitere 247 Straßen liegen in den Stadtteilen.
Aktuell gültige Straßenbezeichnungen sind in Fettschrift angegeben, nach Umbenennung oder Überbauung nicht mehr gültige Bezeichnungen in Kursivschrift.
Namensherkünfte mini|Straßenschild in Fraktur mini|Straßenschild Schwarz auf Weiß mini|Aktuelles Straßenschild Weiß auf Blau mini|Straßenschild mit Erklärung
Straßennamen in Bad Hersfeld sind, wie die anderer Städte, eine Mischung aus Benennungen nach Orten innerhalb und außerhalb von Bad Hersfeld, nach ehemals deutschen Städten und Landschaften, meist im Osten, nach alten Flurnamen, nach Persönlichkeiten mit Bezug zu Bad Hersfeld oder von nationaler/internationaler Bedeutung, nach historisch verbürgten und legendären Personen, nach Pflanzen und Tieren, nach Regionen, Bergen und Gewässern.
Erwähnenswert sind „Namensnester“ wie der Stadtteil Hohe Luft mit vielen Straßen, die nach alten Tuchmacherberufen benannt wurden, der Stadtteil Johannesberg mit weitgehend nach Bäumen und Sträuchern benannten Straßen, der Stadtteil Eichhof mit Straßennamen nach osteuropäischen Regionen und Städten, die bis 1945 zu Deutschland gehörten.
Schilder Die älteren Schilder aus den 1950er und 1960er Jahren haben eine weiße Schrift auf blauem Grund und sind noch aus Emaille gefertigt. Einige dieser Schilder sind noch in der Schriftart Fraktur geschrieben. Danach verwendete man Schilder mit schwarzer Schrift auf weißem Grund. Sie sind ausnahmslos in einer serifenlose Antiqua geschrieben und sind heute in der Stadt noch weit verbreitet. Die neueren Schilder haben wieder die weiß-blaue Farbgebung mit einer serifenlosen Antiqua.
Schreibweise von Straßennamen Bad Hersfeld hält sich in aller Regel an die vom Duden-Verlag herausgegebenen Richtlinien zur Schreibweise von Straßennamen. Die wichtigsten Regeln lauten: Das erste Wort eines Straßennamens wird großgeschrieben, z. B. Von-Harnack-Straße , Überm Dorf. Zusammen schreibt man Straßennamen, die aus einem Substantiv (beziehungsweise einem Namen) und einem für Straßennamen typischen Grundwort wie z. B. Straße, Gasse, Weg, Platz bestehen: Bahnhofstraße, Gerwigstraße, Hindenburgplatz. Ist der erste Bestandteil ein Adjektiv, so wird nur zusammengeschrieben, wenn das Adjektiv ungebeugt ist, wie z. B. in Neumarkt, Hohlweg. Ist es gebeugt, wird getrennt geschrieben: Alte Straße, Vorderer Steingraben. Die Getrenntschreibung gilt auch für adjektivische Ableitungen von Orts- und Landesnamen: Gothaer Straße, Frankfurter Straße, Brandenburger Straße. Aber Vorsicht: Nicht immer ist die Endung -er eine Ableitung, manchmal gehört sie fest zum Bestimmungswort dazu! So etwa bei Brüdergasse (zu Brüder), bei der Lutherstraße (zu dem Nachnamen Luther) oder bei der Seilerweg (zu dem alten Beruf der Seiler). Da es sich hier um nichts anderes handelt als um eine Zusammensetzung aus Name und Grundwort, muss zusammengeschrieben werden! Den Bindestrich setzt man, wenn die Bestimmung zum Grundwort aus mehreren Wörtern besteht. Also Simon-Haune-Straße, Heinrich-von-Stephan-Straße, L’Hay-les-Roses-Platz.
Straßen und Plätze Stadtring, Ein- und Ausfallstraßen Der Stadtring führt, in weiten Teilen über das Gelände des früheren Stadtgrabens und der äußeren Stadtmauer (Zwingermauer), um die etwa 40 Hektar umfassende Altstadt herum. Der Stadtring wird, beginnend von der Achse Breitenstraße und Frankfurter Straße im Uhrzeigersinn, von den acht Straßen Bismarckstraße, Hainstraße, Eichhofstraße, Nachtigallenstraße, Simon-Haune-Straße, Meisebacher Straße, Dippelstraße, Reichsstraße und Bismarckstraße gebildet.
mini|hochkant=0.8|Frankfurter Straße, die Bundesstraße 324 und weiter südlich die Bundesstraße 27 Der 2,6 Kilometer lange Stadtring leitet den Verkehr um die Altstadt herum und führt auf die Ein- und Ausfallstraßen. Dies ist im Südwesten der Altstadt die 2,1 Kilometer lange Frankfurter Straße (siehe dazu auch unter Breitenstraße), die im Stadtgebiet ein Teil der Bundesstraße 27 ist und etwas weiter südlich zur Autobahnauffahrt „Bad Hersfeld“ auf der A 4 führt. Dem Uhrzeigersinn folgend, zweigt vom Stadtring die 690 Meter lange Berliner Straße ab, die auf die Bundesstraße 62 führt. Weiter folgt auf der nordwestlichen Seite der Altstadt die Meisebacher Straße (Landstraße 3159), die nach Kirchheim führt. Im Norden der Altstadt, zweigt die Wehneberger Straße vom Stadtring ab und führt auf die Bundesstraße 324 (Homberger Straße), die zur Autobahnauffahrt „Bad Hersfeld West“ auf die A 7 führt. Im Nordosten schließlich zweigt die 2,1 Kilometer lange Friedloser Straße (Landstraße 3159), vom Stadtring ab, die im Zellersgrund auf die Bundesstraße 27 trifft.
mini|hochkant=0.5|Grabstein von Kaufmann Georg August Christian Traugott Dippel Die Dippelstraße befindet sich am nördlichen Rand der Altstadt (Länge: etwa 560 Meter): Die Straße wurde nach dem Kaufmann Georg August Christian Traugott Dippel (* 11. Februar 1806; † 15. September 1869) benannt. Dippel wurde in Hoheneiche geboren. Die Schule besuchte er in Hersfeld und erlernte den Beruf eines Kaufmanns in Münden. Lange arbeitete er als Reisender für ein Seidenwarengeschäft im Barmen und reiste so durch ganz Europa. Als Rentner zog er wieder nach Hersfeld und lebt hier zurückgezogen und sparsam, bis zu seinem Tod. Sein Vermögen, das er vor allem durch Wertpapierspekulation vermehrte, stiftete er der Stadt Hersfeld. Die A. T. Dippel Stiftung konstituierte sich am 3. November 1869 und sollte sich um die Armenversorgung kümmern. Die Stiftung verfügte zu diesem Zeitpunkt über 77.000 Taler, die größtenteils in Eisenbahnaktien angelegt waren.
In der Dippelstraße steht eine Fachwerkmühle, die seit 2007 von der Stadt restauriert und zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut wird. Die Mauermühle wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut und 1747 das erste Mal erwähnt. Umbauten erfolgten 1806, 1841, 1913 und 1940 bzw. 1941. 1860 gehörte sie zur Garnfabrik Rehn und 1892 wurde sie für die Gerberei verwendet. Ihr Name richtet sich in dieser Zeit nach den jeweiligen Besitzern. So hieß sie erst Bolendermühle und ab etwa 1900 wurde sie nach dem letzten Müller, Rössingsmühle benannt. Erst seit dem Umbau von 2007, wird die Mühle nach dem Straßennamen, Dippelmühle genannt. Dies ist vom historischen Standpunkt allerdings nicht korrekt, da Dippel nie Besitzer dieser Mühle war.
mini|hochkant=0.5|Hainstraße Die Hainstraße befindet sich am südlichen Rand der Altstadt (Länge: etwa 485 Meter): Die Straße entstand auf dem Gelände der äußeren Stadtmauer (Zwingermauer). Der Hang zwischen Stadtmauer und dem Stadtgraben war mit Hecken und Büschen bewachsen, was es Angreifern schwer machte, bis zur Mauer vorzudringen. Demzufolge gab es hier Flurnamen wie „Hinter’m Hain“ oder „Hinter dem Hain“.Katasterkarte 1847/1849 Als hier zwischen dem Johannesthor und dem Petertor, im Jahr 1839 der Stadtgraben zugeschüttet wurde, wurde die Straße angelegt, die nach den Flurnamen ihren Namen erhielt. Das Gleiche passierte mit dem nahen Hainchenweg, der seinen Namen von der Flur „Hinter dem Hainchen“ hat.
Die Simon-Haune-Straße befindet sich am westlichen Rand der Altstadt (Länge: etwa 270 Meter): Erinnert an den Ritter Simon von Haune aus dem Geschlecht derer von Haune mit Stammsitz in Burghaun. Er gehörte dem Sternerbund an und überfiel zusammen mit anderen Sterneren und Truppen des Abtes in der Vitalisnacht 1378 die Stadt. Simon von Haune vereitelte jedoch den Erfolg dieses Angriffes, in dem er am Tag zuvor einen Fehdebrief an die Stadt schickte und dadurch die Bürger warnte. Die Straße beginnt am Ausgang einer tief eingeschnittenen Erosionsrinne, die sich hier vom Tageberg herunter zieht. Sie hieß früher Finstertal und der Flurname zwischen dem Ausgang der Rinne und der Stadtbefestigung hieß „Im Finstertal“. Teilweise gehört diese Flur heute zur Leonhard-Müller-Anlage.
Aus dieser Rinne, die von der Stadt aus nur schwer einzusehen ist, erfolgte der Angriff der Sterner. Straßen in der Nähe erinnern mit ihren Namen auch an dieses Ereignis aus dem Jahr 1378. Dies sind die Sternerstraße, die Vitalisstraße, die Gerwigstraße und die Brückenmüllerstraße. Heute wird die Erosionsrinne „Alpen“ genannt.
Plätze In der Stadt gibt es acht Plätze. Der Kirchplatz, L’Hay-les-Roses-Platz, Linggplatz, Marktplatz, Mährisch-Schönberg/Šumperk-Platz, Neumarkt, Schillerplatz und der Theodor-Heuss-Platz (bis 2007 Hindenburgplatz).
mini|Marktplatz Der älteste und zugleich größte Platz ist der etwa 1,3 Hektar große Marktplatz, auf dem sich seit den 1950er Jahren ein Parkplatz befindet. Für die Größe dieses Platzes, die für die Region untypisch ist, hat man keine urkundlichen oder archäologischen Belege. Man erklärt man sich das heute dadurch, dass es hier im frühen Mittelalter einen fränkischen Königshof gegeben haben könnte (analog zur Stadt Fulda). Danach baute man das Kloster an die westliche Seite und die entstehende Marktsiedlung an die östliche Seite dieser „Curtis“. Eine weitere Erklärung ergibt sich dadurch, dass die Siedlung in einiger Entfernung vom Kloster entstand und der Zwischenraum die Domfreiheit bildete. Die dritte Erklärung reicht in das 9. Jahrhundert zurück, als es im Reich wegen der Ungarneinfälle zu vermehrtem Festungsbau kam. Dies ist auch für das Kloster Hersfeld urkundlich nachweisbar, als die Klosterbefestigungen ausgebaut wurden. In diesem Zuge könnte auf dem heutigen Platz auch eine Fluchtburg entstanden sein, in der die örtliche Bevölkerung Schutz finden konnte. Von einem Burgenbau, an einem Platz, wo Männer und Frauen Zugang hatten, wird im Jahr 936 in der „Miraculi Sank Wigberti“ berichtet. Das heißt, dass die Burg außerhalb des Klosterbezirkes und damit auch außerhalb der Klausur gestanden haben muss. Damit könnte sich die Marktsiedlung, die sich im 11. Jahrhundert entwickelte, nach dieser Fluchtburg ausgerichtet haben. Die im Kern gotischen Gebäude (im Stil der Renaissance umgebaut), zum Beispiel die ehemalige Münze der Reichsabtei im Nordosten des Marktplatzes, aber auch die Häuser von Ministerialen, im westlichen Bereich des Platzes (im klassischen Stil umgebaut), könnten zu den ersten Steinhäusern in der Marktsiedlung gehört haben.
Der älteste überlieferte Namen für diesen Platz ist Ebenheit. Dieser Name leitet sich von althochdeutschen Wort „almeinde“ ab, was so viel wie Gemeinbesitz bedeutet. Über verschiedene Zwischenstufen, zum Beispiel den mundartlichen Wörtern „Emnet“ und „Ebnet“, kam es dann zu dem Namen Ebenheit, der damit mit dem Wort Ebene keine Beziehung hat.
Im 17. Jahrhundert verlegte man Teile des Marktes auf die Ebenheit, da der Neumarkt zu klein wurde. Aus dieser Zeit stammt auch der heutige Name des Platzes. Seit dem 20. September 1810 findet der Wochenmarkt, auf dem Linggplatz statt.