Tanne ist ein Ortsteil der Stadt Oberharz am Brocken, liegt im Harz und ein staatlich anerkannter Erholungsort im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt.
Geographische Lage Tanne liegt im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt im Tal der Warmen Bode im Mittelharz. Durch den Ort führt die Bundesstraße 242, von der die Landstraßen nach Benneckenstein in südliche Richtung sowie nach Königshütte in östliche Richtung abzweigen. Südlich des Ortes erstreckt sich die Lange.
Geologie Gesteine des Erdaltertums prägen das Gebiet um Tanne. Die sogenannte Tanner Zone wurde nach Tanne benannt. Sie besteht hauptsächlich aus Tanner Grauwacke und Plattenschiefer. Nördlich und südlich der Tanner Zone treten Umlagerungssedimente älterer Gesteine zu Tage. So befinden sich in diesen Gebieten u. a. Tonschiefer des Mitteldevons, Diabase und quarzitische Gesteine des Unterdevons sowie obermitteldevonische Bunt- und Brandschiefer. Hierbei ist der Elbingeröder Komplex wegen seiner oberdevonischen und mitteldevonischen Kalkgesteine noch heute von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung. Südlich der Tanner Zone schließt sich die von Silurgesteinen und Quarziten geprägte Harzgeröder Zone an.
Geschichte Auf dem Gebiet des heutigen Ortes Tanne lässt sich die Eisen- und Kupferverhüttung bis ins frühe 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Die älteste Hütte war die Kupferhütte am Silberkulk unweit des über den Harz führenden Thüringer Weges und der Thüringer Furt an der Warmen Bode. Sie wurde erstmals 1226 als am silverkolch urkundlich erwähnt. Diese Hütte taucht im Güterverzeichnis der Grafschaft Regenstein 1262 erneut auf, diesmal als casam, que in vulgari appelatur sylverkolch (= „Hütte, die der Volksmund Silberkulk nennt“). Im Jahre 1504 wurde diese Hütte in eine Sägemühle umgewandelt; kurze Zeit später brannte sie ab.
Die erst im Jahre 1355 erwähnte, eigentliche Tanner Hütte war eine der ältesten Eisenhütten des Harzes. Belegt ist, dass am 8. November 1355 die Grafen Bernhard d. Ä. und Bernhard d. J. von Regenstein bekundeten, gewillt zu sein, die Hälfte der Jagd- und Forstgerechtigkeit auf dem Harz, de Langelge und de hutten unde tollen tor Dannen (= „die Hütte und der Zoll zur Tanne“) für eine Zahlung von 200 Brandenburger Mark pfandweise vom Bischof Albrecht II. von Halberstadt (1325 bis 1358) für 20 Jahre zu übernehmen. Dies ist die urkundliche Ersterwähnung des heutigen Ortes Tanne. Durch einen Vergleich mit den Regensteinern gelangten die Langelge, die Hütte und der Zoll zu Tanne am 13. Juni 1427 im Tausch gegen das an Anhalt verpfändete regensteinische Schloss Neinstedt wieder in den Besitz des Bischofs von Halberstadt. Der Vertrag von 1427 wurde einige Zeit später dahingehend geändert, dass Tanne vollständig in den Besitz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg gelangte und der Halberstädter Bischof eine finanzielle und territoriale Entschädigung erhielt. 1494 wurde Graf Ulrich II. von Regenstein durch den Herzog von Braunschweig mit der Hütte und dem Zoll zu Tanne sowie dem Holzrecht auf der Lange belehnt. 1515 wurde der Lehnsvertrag von den Regensteiner Grafen erneuert. Bis 1599 blieb die Hütte im Besitz der Grafen von Blankenburg und Regenstein. Als das Geschlecht der Regensteiner 1599 erlosch, fiel das Lehen an deren Lehnsherrn, den Herzog von Braunschweig, zurück. Zu den Zeiten des Fürstentums Blankenburg kam es zum Prozess der 4 Oberfaktoren, in dessen Verlauf der Oberfaktor und Hüttenpächter Christian Walther (1680–1728) zu Tode kam.
Tanne lag bis 1945 im Land Braunschweig und gehörte zum Landkreis Blankenburg. 1950 wurde der Ort dem Landkreis Wernigerode zugeordnet und liegt seit dem 1. Juli 2007 im neu geschaffenen Landkreis Harz, der aus dem Zusammenschluss der Kreise Wernigerode, Quedlinburg und Halberstadt in Sachsen-Anhalt hervorgegangen ist.
1965/66 stellte die Tanner Hütte ihren Betrieb ein, die Produktion des Hüttenwerkes wurde nach Königshütte verlagert.
Am 1. Januar 2010 schloss sich die Gemeinde Tanne mit den Gemeinden Sorge, Stiege und Elend sowie den Städten Elbingerode (Harz), Hasselfelde und Benneckenstein (Harz) zur Stadt Oberharz am Brocken zusammen.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
Politik Bürgermeister Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Tanne ab 1900 bis 1922 Heinrich Schmidt 1922–1923 Karl Buchholz 1923–1925 August Kohlrusch 1925–1930 Rudolf Wagenschwanz 1930–1933 Wilhelm Schubert 1933–1934 Oswald Schubert 1934–1942 Armin Bieber 1942–1945 Fritz Schmalz April – Juni 1945 Hermann Greese 1945–1952 Karl Herfurth 1952–1954 Sigrid Zottmann 1954–1956 Ilse Ziesenhenne 1956–1990 Friedrich Simon 1990–1994 André Großheim 1994–1995 Gunter Bahlmann 1995–2010 Frank Damsch (letzter Bürgermeister der Gemeinde Tanne)
Ortsbürgermeister von Tanne 2010–2011 Frank Damsch 2011–2019 Holger Gropp seit 2019 Christian Resow
Wappen Blasonierung: „In Silber auf grünem Dreiberg drei grüne Tannen.“
Die Gemeinde Tanne führte aus Gewohnheitsrecht ab mindestens 1925 ein Wappen, das drei Tannen zeigte. Dieses Wappenbild nahm Bezug auf ein in der Tanner Kirche angebrachtes Familienwappen der Oberfaktorenfamilie Walther von 1698. Dieses Familienwappen zeigt ebenfalls drei gleichgroße Nadelbäume, noch ohne den Dreiberg. Da die Familie Walther aus Braunlage stammte, haben beide Orte heute ähnlich aussehende Wappen. Es war dann auf allen offiziellen Dokumenten und Briefkopfbögen abgebildet. 1938 erfolgte die Aufstellung eines geschnitzten Ortswappens, ebenfalls mit drei Tannen, im Kurpark.
Das heutige offizielle Wappen nimmt Bezug auf den Ortsnamen und die uralten Fichten, die einst in der Umgebung des Ortes standen. Es wurde 1996 vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.
Verkehr mini|Bahnhof Tanne um 1890 Tanne wurde früher von drei Bahnlinien berührt und hatte dadurch die denkbar besten Bahnverbindungen. Auf dem Bahnhof Tanne endete die Harz-Zahnradbahn Blankenburg (Harz)–Tanne, welche am 15. Oktober 1886 eröffnet wurde. Die Strecke war ein Teil des Bahnnetzes der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn. Mit der Sicherung der Grenze zur BRD nach dem 26. Mai 1952 wurde der Personenverkehr stark eingeschränkt und schon 1961 überwiegend auf Busse umgestellt. Der Güterverkehr, u. a. zuletzt auch für den weiteren Ausbau der Grenzsperranlagen entlang der innerdeutsche Grenze endete am 1. Januar 1969. Die Strecke sollte dann noch als Gütergleis für den geplanten Bau der Talsperre im Tal der Warmen Bode erhalten bleiben. Mit dem Aus für das Projekt wurden die Gleise zum Abbau freigegeben und bis in den Sommer 1974 bis Königshütte zurückgebaut.
Am 23. August 1899 erhielt Tanne schließlich Anschluss an die Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage/Tanne. Der Betrieb auf der Zweigstrecke Brunnenbachsmühle–Tanne war nach 1945 durch die Zonengrenze unterbrochen. Den Restgüterverkehr zwischen Sorge und der Tanner Hütte gab es noch bis 1958, anschließend wurden die Gleise abgebaut. Nur 2 km von Tanne entfernt, beim Bahnhof Sorge, traf die Südharzbahn auf die Harzquerbahn der Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft. Dadurch bestanden gute Verbindungen nach Braunlage, Walkenried, Nordhausen und Wernigerode.
Die Gemeinde Tanne war seit 1993 Gesellschafter der Harzer Schmalspurbahnen GmbH, die Schmalspurbahn führt über das Gebiet des Ortes Tanne (am ehemaligen Bahnhof Sorge). Der Ort selbst besitzt aber keinen Bahnhaltepunkt. Dafür halten im Ortskern Busse der Harzer Verkehrsbetriebe.
Postwesen
Namensherkunft Als Erklärung für den Ortsnamen Tanne wurden verschiedene Möglichkeiten in Erwägung gezogen. Eine Möglichkeit ist, dass der Name Tanne vom mittelhochdeutschen Tann (= Fichtenwald) abgeleitet ist. Der Harz war im 13. und 14. Jahrhundert durchweg von Laubmischwäldern überzogen. Wahrscheinlich gab es schon früher im Gebiet von Tanne einen ausgeprägten Fichtenwald, welcher damals als Besonderheit galt. Der Ort kann aber auch nach einem einzelstehenden, markanten Exemplar einer Fichte (im Harz volkskundlich auch Rottanne genannt) benannt worden sein, in deren Nähe die Hütte im 14. Jahrhundert angelegt worden ist.
Namensformen von Tanne: 1355 tor Dannen 1427 to der Danne 1494 to dem Danne 1515 zum Thann 1553 zum Thanne 1640 zu Danna seit 1700 Tanne
Einwohnerentwicklung Jahr 1536 1663 1780 1800 1860 1900 1935 1948 1950 1970 1990 2000 2010 2024 Einwohner 36 72 418 521 965 891 867 1510 1225 925 806 756 607 445
Tourismus mini|Aussichtspunkt (ca. ) am Kapitelsberg Die Geschichte von Tanne als Kur- und Erholungsort reicht bis in die Zeit vor 1900 zurück. Nach der Eröffnung der Bahnlinie Tanne–Blankenburg 1886 kamen die ersten Sommerfrischler in den Ort und es entstanden die ersten Übernachtungsmöglichkeiten. Die Gründung des Harzklub-Zweigvereins Tanne im Jahre 1891 führte zur touristischen Erschließung des Gebietes mit ausgeschilderten Wanderwegen, Ruhebänken, Schutzhütten und Aussichtspunkten.
Bereits 1894 wurde Tanne als Sommerfrische für Erholungsbedürftige bezeichnet. 1906 ging eine Gebirgsquellwasserleitung in Betrieb und ab 1911 stand elektrisches Licht für den ganzen Ort zur Verfügung. Beides waren wichtige Voraussetzungen für die weitere touristische Entwicklung. 1912 erfolgte der Bau des großen Kurhauses (heute Hotel Tannenpark), gleichzeitig erhielt Tanne 1913 den Titel Luftkurort zuerkannt. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich der Tourismus entscheidend, es entstanden mehrere Hotels und Pensionen. 1925 wurde unter Bürgermeister Rudolf Wagenschwanz eine Kurverwaltung gegründet und ein Kurbetrieb aufgebaut. Außerdem erhob man erstmals eine Kurtaxe. Durch den Bau eines modernen Freibades (erbaut 1928/29, 1960 geschlossen), einer Rodelbahn (Länge 1.200 m, genutzt bis 1960) und einer Skischanze (erbaut 1926, Sprungweite bis 45 m, bis 1940 in Betrieb) wurde der Tourismus weiter ausgebaut. Ab 1926 führte der Ort den Titel „Klimatischer Höhenluftkurort und Wintersportplatz“.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 2, 1927, Seite 1444 Im Jahr 1938 standen fast 800 Gästebetten zur Verfügung, im selben Jahr kamen schon 7.500 Gäste in den Ort, es gab 64.000 Übernachtungen.Reichsadreßbuch des Fremdenverkehrs, Herausgeber: Reichsfremdenverkehrsverband 1939 zählte Tanne zu den anerkannten Luftkurorten im Harz.Richtlinien über die Preisgestaltung der Kurverwaltungen einschließlich der Begriffsbestimmungen über Heilquellen, Bäder und Kurorte nach d. Stande vom 1.1.1939, Herausgeber: Reichsfremdenverkehrsverband
Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung setzte der Fremdenverkehr ab 1950 erneut ein. Von 1952 bis 1972 lag Tanne im 5-km-Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze und konnte nur noch mit Passierschein besucht werden. Der Tourismus unterlag in dieser Zeit einer strikten Reglementierung. Für die Feriengäste des Ortes wurde ab 1960/61 ein 2 ha großer Kurpark angelegt. Etwa 5.000 FDGB-Urlauber wurden in dieser Zeit jährlich gezählt. 1989 war mit 65.000 Übernachtungen ein Rekordjahr. Nach der Wiedervereinigung sanken die Übernachtungszahlen zunächst stark ab, seit 2002 werden wieder über 30.000 Übernachtungen erreicht.
Im Jahr 1994 wurde Tanne vorläufig und ab 1999 endgültig zum „staatlich anerkannten Erholungsort“. Seit März 2019 trägt Tanne dieses Prädikat als Ortsteil von Oberharz am Brocken. Seit dem Jahr 2010 verzeichnet der Ort durchschnittlich 50.000 Übernachtungen pro Jahr und beherbergt jährlich über 20.000 Gäste.
Sehenswürdigkeiten Barocke Dorfkirche (erbaut 1693–98) mit Kanzelaltar und Flügelaltar aus dem 16. Jahrhundert Heimatstube im Bürgerhaus (ehemaliges Backhaus von 1720, Außengelände mit Wasserrädern der ehemaligen Tanner Hütte) Schaubauernhof (Harzer Rotes Höhenvieh) Hirtendenkmal Gießerdenkmal (2009 in Erinnerung an die Tanner Hütte, aus Thüster Kalkstein errichtet) Herzoglinde (1913 als Erinnerung an die Thronbesteigung des Herzogs Ernst August III. von Braunschweig gepflanzt) Kurpark mit Festplatz und Grillhütte