Der Julius-Reich-Preis war ein österreichischer Kunst- und Literaturpreis der Zwischenkriegszeit.
Stifter Julius Reich Der private Literaturpreis wurde von Kommerzialrat Julius Reich (1859–1922) durch eine Testamentsverfügung gestiftet. Der Glasfabrikant stammte aus Mähren und war Jude. Im Alter konnte er kaum noch hören und er beschäftigte sich folglich viel mit Bildender Kunst und Literatur. Er sammelte insbesondere Alt-Wiener Bilder. Aus dem Erlös der Versteigerung seiner Kunstsammlung und seiner Bibliothek wurde zunächst die „Julius-Reich-Künstlerstiftung“ und bald darauf die „Julius-Reich-Dichterstiftung“ eingerichtet.
Auswahlverfahren Die Zinsen des Vermögens der Julius-Reich-Künstlerstiftung sollten zu einem Drittel für den Julius-Reich-Preis für Kunst und zu zwei Dritteln für Kunstankäufe zugunsten öffentlicher Sammlungen verwendet werden. Das Auswahlkuratorium der Julius-Reich-Künstlerstiftung bestand aus jeweiligen Amtsträgern bedeutender Wiener Kunstinstitutionen: dem Rektor der Akademie der bildenden Künste, dem Präsidenten des Künstlerhauses, dem Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere und dem Präsidenten der Secession. Weiters gehörte dem Kuratorium Emil Reich, der Bruder des Stifters, an.
Den Literaturpreis konnten Autoren aller Gattungen erhalten. Im Kuratorium der Julius-Reich-Dichterstiftung saßen drei Schriftsteller und zwei Schriftsteller, beispielsweise Walther Brecht und wiederum Emil Reich. Außerdem sollte der jeweilige Direktor des Burgtheaters beigezogen werden.
Preisträger Bildende Künstler 1924: Michael Drobil, Gustav August Hessl, Oskar Laske, Emil Strecker 1925: Anton Faistauer, Otto Hofner, Heinrich Krause, Ferdinand Kitt, Karl Stemolak, Franz Windhager 1926: Josef Dobrowsky, Josef Floch, Anton Kolig, Hans Schachinger, Alfons Walde 1927: Hugo Darnaut, Edwin Grienauer, Albert Janesch, Robert Philippi, Friedrich Radler, Bartholomäus Stefferl, Franz Windhager, Fritz Zerritsch 1928: Robin Christian Andersen, Arnold Clementschitsch, Anton Endstorfer, Wilhelm Frass, Wilhelm Legler, Franz Lerch, Thomas Leitner, Otto Rudolf Schatz, Egge Sturm-Skrla 1929: Franz Elsner, Benjamin Ferenczy, Thomas Leitner, Robert Philippi, Friedrich Radler, Heinrich Revy, Karl Scholz, Franz Wacik 1930: Arnold Clementschitsch, Wilhelm Frass, Rudolf Konopa, Georg Merkel, Anton Nowak, Fritz Rojka, Frieda Salvendy, Erich Wagner 1932: Josef Baumgartner, Theodor Detter, Ernst Eck, Theodor Klotz-Dürrenbach, Franz Lerch, Ekke Ozlberger, Karl Strobl, Theodor Stundl 1933: Robin Christian Andersen, Adolf Curry, Herbert Dimmel, Wilhelm Frass, Wilhelm Legler, Georg Merkel, Robert Pajer-Gartegen, Ferdinand Opitz, Robert Philippi, Fritz Silberbauer 1934: Ernst Eck, Johannes Fischer, Ekke Ozlberger, Leo Perlberger, Fritz Rojka, Gustav Schütt, Robert Streit, Alfred Wickenburg, Fritz Zerritsch 1935: Alfred Buchta, Josef Dobner, Ernst Eck, Johannes Fischer, Robert Kohl, Robert Philippi, Hans Ruzicka-Lautenschläger, Karl Strobl, Egge Sturm-Skrla, Franz Zülow 1936: Leopold Birstinger, Alfred Buchta, Ernst Eck, Johannes Fischer, Otto Laserz, Karl Müller, Heinrich Revy, Franz Santifaller, Leopold Schmid, Gustav Schütt, Anton Wrabetz 1937: Ernst Eck, Franz Elsner, Maximilian Florian, Oskar Laske, Max Neuböck, Ekke Ozlberger, Robert Philippi, Igo Pötsch, Oswald Roux, Hans Ruzicka-Lautenschläger, Wolfgang Schaukal, Franz Windhager
Darüber hinaus wurden aus dem Stiftungsvermögen Werke folgender Künstler angekauft: Robin Christian Andersen, Rudolf Böttger, Hugo Darnaut, Ernesto de Fiori, Leo Delitz, Josef Dobrowsky, Michael Drobil Vilma Eckl, Rudolf Hermann Eisenmenger, Franz Elsner, Carl Fahringer, Maximilian Florian, Hans Frank, Wilhelm Frass, Max Frey, Edwin Grienauer, Albert Paris Gütersloh, Franz Hagenauer, Anton Hanak, Alois Hänisch, Richard Harlfinger, Ernst Huber, Ludwig Heinrich Jungnickel, Ferdinand Kitt, Reinhold Ludwig Krassnigg, Heinrich Krause, Erwin Lang, Wilhelm Legler, Thomas Leitner, Franz Lerch, Erich Miller-Hauenfels, Anton Nowak, Maria Pauli-Rottler, Sergius Pauser, Leo Perlberger, Igo Pötsch, Lois Pregartbauer, Franz Santifaller, Fritz Schwarz-Waldegg, Karl Sterrer, Rudolf Wacker, Erich Wagner, Hans Weber-Tyrol, Alfred Wickenburg, Franz Windhager und Fritz Zerritsch. Die Ankäufe kamen der Österreichischen Galerie Belvedere, ferner der Albertina zugute.
Literaten 1925: Adele Gerhard, Philipp Langmann, Anton Wildgans 1926: Franz Theodor Csokor, Oskar Maurus Fontana, Hans Leifhelm, Friedrich Lichtneker 1927: Ernst Fischer, Max Fleischer, Paula Ludwig 1928: Richard Duschinsky, Walther Eidlitz, Eberhard Wolfgang Möller, Ernst Scheibelreiter 1929: Bruno Brehm, Mela Hartwig, Manfred Hausmann, Theodor Kramer 1930: Heinrich Hauser, Erika Mitterer, Karl Heinrich Waggerl, Josef Weinheber 1931: Robert Braun, Kurt Heuser, Rose Meller, Hubert Mumelter 1932: Rudolf Brunngraber, Hans Haidenbauer, August Scholtis, Friedrich Torberg 1933: Ludo Gervald, Hilde Spiel, Adolf Unger, Ernst Waldinger 1934: Robert Lantz, Hedwig Rossi, Friedrich Sacher, Herbert Strutz 1935: Rudolf Felmayer, Walter Sachs, Friedrich Schreyvogel, Edith Zellweker 1936: Fritz Brainin, Theo L. Goerlitz, Alma Holgersen, Hans Leb 1937: Wilhelm Franke, Erich Landgrebe, Ernst Schönwiese, Julius Vogel
Liquidierung In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Betrieb der Julius-Reich-Künstlerstiftung, da ihr Gründer Jude war, zunächst eingeschränkt und die Stiftung letztlich am 14. Februar 1939 aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt. Über den Verbleib des Vermögens der Julius-Reich-Dichterstiftung ist nichts bekannt. Dokumente zur Arisierung wurden im Wiener Stadt- und Landesarchiv nicht gefunden.
Siehe auch Liste der österreichischen Literaturpreise
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Österreichische Auszeichnung (Bildende Kunst) Kategorie:Literaturpreis (Österreich) Kategorie:Erstverleihung 1924 Kategorie:Historische Auszeichnung (Österreich)