Die Operation Mincemeat war ein erfolgreiches britisches Täuschungsmanöver im Zweiten Weltkrieg, welches nach längerer präziser Vorbereitung am 30. April 1943 in der Platzierung eines Leichnams in britischer Offiziersuniform mit gefälschten Papieren in spanischen Gewässern mündete. Ziel war es, durch die falschen Unterlagen in der Aktentasche der Leiche die Achsenmächte zu überzeugen, dass eine alliierte Invasion Griechenlands bevorstünde, obwohl diese in Wirklichkeit gegen Sizilien (Operation Husky) geplant war.

Entgegen den Erwartungen der Briten wurde die Leiche von den Spaniern autopsiert. Dadurch auftretende Zweifel wurden beiseite geschoben, ebenso wie später bei der deutschen Abwehr. Hitler erkannte die Täuschung nicht und verstärkte die Streitkräfte in Griechenland und Sardinien.

Die Operation wurde so zu einem Erfolg. Über längere Zeit war den Deutschen und Italienern nicht klar, dass die Landung der Alliierten auf Sizilien kein Ablenkungsmanöver war.

Die Operation Mincemeat wurde nach dem Krieg als Buch veröffentlicht und später mehrmals verfilmt.

Planung des Täuschungsmanövers Nach dem Untergang der 6. Armee in der Schlacht von Stalingrad im Winter 1942/43 strebten Großbritannien und die USA die Errichtung einer zweiten Front im Westen an. Nach der Niederlage der Wehrmacht im Afrikafeldzug wandten sich die westalliierten Planer dem europäischen Festland zu. Dabei wurde Sizilien durch seine Lage zum ersten Ziel. Es bot sich als Sprungbrett für die darauffolgende alliierte Invasion in Italien an, und die Kontrolle über die Insel sollte entscheidend dazu beitragen, die alliierten Seetransporte auf dem Mittelmeer beschützen zu können. Allerdings war auch den Deutschen die strategische Bedeutung der Insel bewusst. (Churchill wird mit den Worten zitiert „Nur ein Trottel wird nicht erkennen, dass es Sizilien ist.“)“Anyone but a fool would realize it’s Sicily.” Dort befand sich folglich auch der Stützpunkt der deutschen Luftwaffe für die Angriffe auf die britische Insel Malta. Da die massiven Vorbereitungsmaßnahmen der Alliierten für die Invasion (Codename Operation Husky) mit Sicherheit nicht unbemerkt bleiben und als Anzeichen für eine bevorstehende Operation erkannt werden würden, mussten die Westalliierten die Deutschen täuschen, damit diese nicht im Gegenzug ihre Kräfte konzentrieren und die Invasion zurückdrängen konnten.

Wenige Monate zuvor hatte Flight Lt. Charles Cholmondeley von der Sektion B1(a) des MI5 die Idee gehabt, ein Funkgerät über Frankreich abwerfen zu lassen, das man am Körper eines Toten befestigt hatte, der an einem nur teilweise geöffneten Fallschirm hing, um so die Deutschen gezielt mit Desinformationen zu versorgen. Der Vorschlag wurde zunächst als unpraktisch und nicht durchführbar abgelehnt, einige Monate später aber von einem kleinen, abteilungsübergreifenden Team namens Twenty Committee wieder aufgegriffen.

Wie Autor und Mitglied des Twenty Committee, Lt. Cmdr. Ewen Montagu, Offizier des British Naval Intelligence Department, in seinem später veröffentlichten Buch beschreibt, entwickelte sich aus den Erfolgsaussichten von Cholmondeleys Idee ein besser durchzuführender Plan. Weiterhin fand das Team, dass die Dokumente von der Leiche eines Mannes mit einem ungeöffneten Fallschirm geborgen werden müssten, wie ursprünglich vorgeschlagen. Da die Deutschen jedoch wussten, dass die Alliierten niemals vertrauliche Dokumente über Feindgebiet transportierten, beschlossen sie, es so aussehen zu lassen, als hätte es einen Absturz über dem Meer gegeben. Dieses würde auch plausibel erklären, warum der Tod bereits mehrere Tage vor Auffinden des im Meer treibenden Leichnams eingetreten war. Montagu wählte von einer Codenamen-Liste „Mincemeat“ aus, das nach erfolgreichem Abschluss einer anderen Mission wieder zur Verfügung stand.Operation Mincemeat – The Man Who Never Was auf der h2g2-Website der BBC.

Vorläufer Die Idee, eine Leiche mit präparierten Dokumenten auszustatten, war nicht neu. Zwei Ereignisse, von denen Montagu wahrscheinlich Kenntnis hatte, illustrieren dies. Das erste war ein Täuschungsmanöver im August 1942, vor der Schlacht von Alam el Halfa. Dabei wurde eine mit einer präparierten Landkarte ausgestattete Leiche in einem gesprengten Spähwagen in einem der 90. leichten Afrika-Division zugewandten Minenfeld südlich von Qaret el Abd platziert. Auf der Karte war die Lage alliierter Minenfelder verzeichnet, die jedoch in der Realität gar nicht existierten. Die Deutschen fielen auf die Täuschung herein, und Rommels Panzer wurden so in ein Gebiet mit weichem Sand gelenkt, wo sie stecken blieben.Roger Morgan: Operation Mincemeat. After the Battle, Ausgabe Mai 1988, S. 4.Kevin D. Smith: Coming Into its Own: The Contribution of Intelligence at the Battle of Alam Halfa. Military Review, Ausgabe Juli–August 2002, S. 74–77. Obwohl die Verwendung einer Leiche teilweise bestritten wird, liefert Smith einen detaillierten Bericht darüber, wie Brigadier Francis de Guingand das gesamte Täuschungsmanöver vorbereitete. Ob die manipulierte Karte Rommels Entscheidungen beeinflusste, ist ebenfalls umstritten.

Das zweite Ereignis war kein Täuschungsmanöver, sondern eher ein Missgeschick. Im September desselben Jahres stürzte eine PBY Catalina vor Cádiz ab. An Bord befand sich als Kurier Paymaster-Lt. James Hadden Turner der Royal Navy. Bei der Leiche, die in der Nähe von Tarifa angespült und von den spanischen Behörden geborgen wurde, befand sich ein Brief von General Mark Clark an den Gouverneur von Gibraltar, in dem französische Agenten in Nordafrika benannt wurden und das Datum der Operation Torch als der 4. November angegeben war (die jedoch erst am 8. November stattfand). Als die Leiche an die Alliierten übergeben wurde, war der Brief noch vorhanden, und Techniker konnten feststellen, dass er auch nicht geöffnet worden war. Auch wenn die Deutschen technisch durchaus in der Lage waren, den Brief zu lesen, ohne ihn zu öffnen, betrachteten sie – so sie denn tatsächlich Zugang dazu hatten – die darin enthaltenen Informationen offenbar als falsch und reagierten nicht darauf.

Major William Martin, Royal Marines mini|Der auf Major William Martin ausgestellte Ersatzausweis, mit dem der Leichnam ausgestattet wurde Mit der Hilfe des renommierten Pathologen Sir Bernard Spilsbury konnten Montagu und sein Team genau festlegen, welche Art von Leiche sie für ihre Zwecke brauchen würden, da sie den Eindruck eines Ertrunkenen erwecken musste.Ewen Montagu: The Man Who Never Was. 1953. Mittels sehr diskreter Nachforschungen und mit Hilfe eines Leichenbeschauers von London, Sir Bentley Purchase, kamen sie in den Besitz des Körpers eines 34-jährigen Mannes, der kurz zuvor an einer Lungenentzündung gestorben war, die chemisch durch Rattengift verursacht worden war. Da der Mann an einer Lungenentzündung gestorben war, ergab die Flüssigkeit in seinen Lungen ein Bild, das mit einem Leichnam übereinstimmte, der längere Zeit im Meer getrieben war. Laut Ben Macintyre gab es keine Angehörigen.Ben Macintyre: The incredible story of Operation Mincemeat, BBC 2, 2. Dezember 2010, Minute 12

Der nächste Schritt war es, eine Legende, also eine falsche Identität, für den Mann zu erfinden: Dies war Captain/Acting Major William Martin der Royal Marines, geboren 1907 in Cardiff (Wales), den Combined Operations Headquarters angehörend. Der Rang eines acting Major wurde ihm zugewiesen, da einem Offizier mit niedrigerem Rang keine derart geheimen Dokumente überlassen worden wären, aber jemand im Alter von Mitte 30 auch zu jung erschienen wäre, um einen höheren Rang zu bekleiden. Aus Martin einen Acting Major zu machen, löste beide Probleme und ließ ihn als besonders vertrauenswürdig eingeschätzten Offizier erscheinen.

Um dieser falschen Identität zusätzliche Glaubwürdigkeit zu verleihen, statteten sie ihn außerdem mit einer Verlobten namens Pam aus (in Wahrheit einer Sekretärin beim MI5), komplett mit Fotos, Liebesbriefen und einem Brief seines Vaters, in dem dieser seine Unzufriedenheit über die Wahl der Braut ausdrückt. Des Weiteren brachten sie einen Satz Schlüssel, Abrisse von Theaterkarten für eine kurz zuvor stattgefundene Aufführung, Unterlagen seines Clubs für die Unterbringung in London und ähnliche Dinge in den Taschen des Leichnams unter. Um ihn noch glaubhafter zu machen, beschlossen Montagu und sein Team, auch eine gewisse Achtlosigkeit anzudeuten, indem sie seinen Unterlagen überfällige Rechnungen, einen Ersatzausweis anstelle eines verlorenen Ausweises (die Nummer seines „verlorenen“ Ausweises war die von Montagu), einen abgelaufenen Ausweis für das Combined Operations Headquarters (den Martin vergessen hatte, verlängern zu lassen) und einen erbosten Brief eines Bankiers der Lloyds Bank beifügten, in dem Martin für eine Kontoüberziehung von 79 £ angemahnt wird. Obwohl dieses letzte Detail der gefälschten Identität durchaus noch mehr Realismus verlieh, barg es auch die Gefahr, dass die deutsche Abwehr es verdächtig finden würde, dass einer derart achtlosen Person vertrauliche Dokumente anvertraut wurden. Wenn Montagu jedoch von dem Zwischenfall mit dem Catalina-Flugboot wusste, konnte er auch davon ausgehen, dass den Deutschen bewusst war, dass ihnen zuvor in einer ähnlichen Situation bereits ein Spionagecoup entgangen war. Aber es war auch notwendig, eine gewisse Achtlosigkeit Martins zu implizieren, da sie sicherstellen mussten, dass der Leichnam und die Aktentasche mit den Dokumenten zusammen aufgefunden wurden. Die Lösung, für die sich das Team entschied, war, die Tasche an seinem Handgelenk anzuketten und so den Eindruck eines Mannes zu erwecken, der es sich zwar auf einem langen Flug bequem machen wollte, dabei aber die Akten trotzdem jederzeit bei sich behalten wollte.

Während Montagu und sein Team dabei waren, die falsche Identität des Major William Martin zu schaffen, wurden gleichzeitig die Dokumente hergestellt, die für die eigentliche Täuschung (den Deutschen das Stattfinden der Invasion an einem anderen Ort als Sizilien zu suggerieren) notwendig waren. Dieses fingierte Szenario sah einen Angriff auf Sardinien vor, das anschließend als Stützpunkt für eine Invasion in Südfrankreich dienen sollte, gefolgt von einem zweiten Vorstoß gegen Griechenland vom Balkan her. Statt dies jedoch direkt durch offizielle Dokumente zu belegen, wurden die Kriegspläne mittels eines persönlichen Briefes von Lt. Gen. Sir Archibald Nye (Vizechef des Imperialen Generalstabes) an General Sir Harold Alexander (den Britischen Kommandeur in Nordafrika) angedeutet. Darin wurde als inoffizielle Anmerkung enthüllt, dass es zwei Operationen geben solle: Alexander würde Sardinien und Korsika angreifen, während General Sir Henry Wilson sich auf Griechenland konzentrieren würde. Letztere Operation wurde mit dem Codenamen Husky benannt, dem Namen der tatsächlich geplanten Invasion auf Sizilien. Ebenfalls wird in dem Brief ein (ebenfalls fiktiver) Täuschungsplan enthüllt, der die Deutschen davon überzeugen sollte, dass es stattdessen eine Invasion auf Sizilien geben werde. Dadurch sollte der Eindruck erweckt werden, dass die Wehrmacht einer Streitkraft gegenüberstünde, die stark genug sei, um zwei unabhängige Operationen weit abseits des wirklichen Ziels durchzuführen, um sie so dazu zu bringen, ihre Streitkräfte zu zerstreuen.