mini|Vier Goodyear-Blimps Goodyear ist ein traditionsreiches Unternehmen im Luftschiffbau und -betrieb. Der Betrieb kann dabei auf eine ununterbrochene Geschichte der Luftschifffertigung, unter anderem in Zusammenarbeit mit Zeppelin, zurückblicken und hatte im Prallluftschiffbau eine ähnliche Bedeutung wie Zeppelin im Starrluftschiffbau. Nach eigenen Angaben fertigte die Firma von 1917 bis 1995 mehr als 347 Luftschiffe, 239 davon auf der Wingfoot-Lake-Luftschiffbasis.

Geschichte Anfänge Die Goodyear Tire & Rubber Company wurde 1898 von Frank Seiberling gegründet und nach Charles Goodyear, dem Erfinder vulkanisierten Gummis, benannt.

Die Firma Goodyear baute den ersten Ballon 1912. Im selben Jahr fertigte es auch die Hülle für das Luftschiff Akron, das jedoch wenig später fünf Männer in den Tod reißen sollte abgerufen am 31. Dezember 2016 Seite 14. Im folgenden Jahr begann Goodyears lange Geschichte in Ballonbau und -fahrt. 1916 kaufte Goodyear etwas Land südöstlich von Akron, um es als Produktionsstätte und Flugfeld zu nutzen. Der Bau von US-Militärluftschiffen begann 1917, als die US-Marine 16 Prallluftschiffe des Typs B bestellte. Neun davon baute Goodyear, fünf Goodrich und zwei wurden von Connecticut Aircraft gebaut.

Ein berühmter Angestellter zu Beginn der 1920er Jahre war der US-amerikanische Luftschiffpionier Thomas Scott Baldwin.

Als Urahn aller modernen Prallluftschiffe gilt der zivile Blimp „Pilgrim“, der 1925 gebaut wurde. Er hatte ein Volumen von 1560 m³ und einen Sternmotor im Gondelheck. Die Gondel war direkt am Rumpf angebracht. Mit „Pilgrim“ wurden 4765 Fahrten durchgeführt, dann wurde sie in das Smithsonian-Museum überstellt.

Goodyear-Zeppelin Corporation Im Jahr 1924 wurde mit der deutschen Luftschiffbau Zeppelin GmbH das Gemeinschaftsunternehmen Goodyear-Zeppelin Corporation gegründet, an dem Goodyear zu zwei Dritteln beteiligt war. Bei Gründung der Gesellschaft wurden alle Luftschiffpatente der Firma Zeppelin an das neu gegründete Joint Venture übertragen.K. Clausberg: Zeppelin: Die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolges. Augsburg 1990, S. 172.

Bis 1941 hatte Goodyear eine Flotte von elf zivilen Prallluftschiffen aufgebaut. Sie wiesen Hüllenvolumen von bis zu 5200 m³ auf und konnten sechs bis zehn Passagiere befördern. Zwischen 1925 und 1941 beförderten diese Schiffe bei 151.800 Fahrten in 93.000 Fahrtstunden auf einer Strecke von 6,75 Millionen Kilometern unfallfrei 405.500 Passagiere. Sie dienten auch der Flugausbildung, Materialtests oder der Erarbeitung von Abläufen des Flugbetriebes. Die Luftschiffe besuchten viele Städte und verfügten bereits über sich bewegende Leuchtwerbung am Rumpf. Sie überwachten den Verkehr, halfen Fischern und wurden bei Waldbränden und Überschwemmungen eingesetzt.

1928 erhielt die Goodyear-Zeppelin Co. den Auftrag für den Bau von zwei Großluftschiffen, der USS Akron und USS Macon, im Wert von acht Millionen Dollar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Mitte der 1940er Jahre protegierte das Unternehmen ein Transkontinental-Luftschiffprojekt. Neben einer Luxusversion für 112 und einer regulären Version für 288 Passagiere wurde auch eine Version als Transportluftschiff angedacht, welche innerhalb des Luftschiffdecks bis zu 90 Tonnen Fracht transportieren sollte.J. Bleibler: Die fünfziger und sechziger Jahre – Großluftschiffprojekte in Deutschland und den USA. In: W. Meighörner (Hrsg.): Luftschiffe die nie gebaut wurden. Friedrichshafen 2002, S. 152 f. Im Jahr 1947 wirkte gar Hugo Eckener als Berater sieben Monate für dieses Projekt mit. Die Idee kam durch einen Mangel an staatlicher Förderung jedoch über die Konzeptionsphase nie hinaus.W. Meighörner (Hrsg.): Luftschiffe die nie gebaut wurden. Friedrichshafen 2002, S. 90 (Farbabbildungen).

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg fertigte Goodyear weiter Militärluftschiffe für die US-Marine. Goodyear baute unter anderem das weltgrößte Prallluftschiff ZPG-3W. Ein Luftschiff dieses Typs, von dem insgesamt vier gebaut wurden, war das letzte militärische Luftschiff, das Goodyear am 4. April 1960 nach Lakehurst auslieferte.

Danach wurden nur noch zivile Luftschiffe gebaut, die als „Goodyear-Blimps“ bekannt geworden sind. Kein anderes Luftschiff ist so eng mit der Bezeichnung „Blimp“ verbunden. Diese kleinen Werbeluftschiffe waren Gast in diversen Filmen und sind häufig bei Großveranstaltungen zu sehen, wo sie auch die Funktion von Relaisstationen und Kameraplattform für Rundfunkübertragungen innehaben. Goodyear betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu acht Luftschiffe gleichzeitig.

Im Mai 1959 machte das Unternehmen von sich reden, indem eine Studie eines mit Atomkraft betriebenen Prallluftschiffs vorgestellt wurde, welches eine hohe Reichweite aufweisen sollte und vornehmlich für Überwachungszwecke hätte eingesetzt werden können. Eine zweistöckige Luftschiffgondel wäre am Bug befestigt worden, der Atomreaktor hingegen in der Mitte des Schiffs. Die Studie wurde jedoch nicht weiter verfolgt und das Luftschiff daher nicht realisiert.J. Bleibler: Die fünfziger und sechziger Jahre – Großluftschiffprojekte in Deutschland und den USA. In: W. Meighörner (Hrsg.): Luftschiffe die nie gebaut wurden. Friedrichshafen 2002, S. 156 f.

Verkauf der Luftschifffertigung Die „Goodyear Aerospace Corporation“ wurde 1987 an Loral (Loral Defence Systems Inc.) und Anfang der 1990er-Jahre inklusive der Typenzertifikate für die GZ-20- und GZ-22-Luftschiffe an Lockheed Martin verkauft. Die vorhandenen Goodyear-Luftschiffe werden von der Goodyear Tire & Rubber Company weiter gewartet und von Zeit zu Zeit aufgearbeitet. Es werden jedoch keine neuen Schiffe mehr gebaut.

2005 waren in Nordamerika drei Goodyear-Blimps vom Typ GZ-20 stationiert, die „Stars and Stripes“, getauft am 18. Juni 1998, die „Spirit of America“ (Typ: GZ-20A) wurde am 5. September 2002 in Akron, Ohio getauft und die „Spirit of Goodyear“ (Typ GZ-20A-N3A), wurde am 15. März 2000 getauft.

Kauf von Zeppelin NT-Luftschiffen mini|300px|Der Zeppelin NT Wingfoot One, kurz vor der Taufe Anfang 2011 gab Zeppelin bekannt, dass Goodyear drei Zeppelin NT bestellt habe, die die Werbeluftschiffflotte von Goodyear wieder verstärken und ältere Luftschiffe ersetzen sollen. Damit wurde auch eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen Zeppelin und Goodyear wiederbelebt. Der erste Zeppelin Wingfoot One machte seinen Jungfernflug am 17. März 2014. Er ersetzt an der Wingfoot-Lake-Luftschiffbasis den Goodyear-Blimp Spirit of Goodyear vom Typ GZ-20A, der im Oktober 2013 seinen Dienst beendete.

Wingfoot Two wurde am 8. April 2016 im Wingfoot-Lage-Hangar der Öffentlichkeit vorgestellt.stieg erstmals am abgerufen am 13. September 2016

Luftschiffflotte Goodyear-Blimps mini|Die „Puritan“ 1933 mini|Goodyear-Blimp N2A Europe 1972 mini|N3A „Stars & Stripes“ 1995 Die folgende Auflistung enthält eine unvollständige Auflistung von Luftschiffen, die zivil genutzt wurden und werden. Teilweise wurden auch Blimps an das Militär abgegeben oder zurückerhalten. Durch Umbauten und Weiterverwendungen von Gondeln und Hüllen an anderen gleichartigen Luftschiffen ist die Historie der Namensvergabe und deren Kontinuität nicht immer vollständig nachvollziehbar oder auch in den Quellen widersprechend. Hinzu kommt, dass die Luftschiffe teilweise auch abhängig von ihrem Einsatzort umbenannt wurden. Für Militärluftschiffe siehe: US-Militärluftschiff.

Die „Wingfoot Air Express“ geriet bei ihrer dritten Fahrt über Chicago in Brand. Vier der fünf Personen an Bord trugen Fallschirme, drei überlebten den Absprung. Die Kraftstofftanks fielen brennend auf eine Bank mit 150 Angestellten. Insgesamt 11 Tote und 28 Verletzte.Chicago Tribune vom 22. Juli 1919 Seite 1–3; online unter http://archives.chicagotribune.com/1919/07/22/page/1/article/blimp-burns-kills-ii abgerufen am 12. September 2016 Goodyear Pony Blimp 1920–1923; Länge: 95 Fuß, Antrieb durch einen Ford-Modell-„T“-Motor. Motor, Pilot und bis zu zwei Passagiere waren in einer offenen, unter der Hülle aufgehängten, Gondel untergebracht.Flight, A SPORTING DIRIGIBLE; Ausgabe: vom 15. April 1920; Seite 413–415; online als PDF-S.413, PDF-S.414 und PDF-S.415 abgerufen am 26. Dezember 2016http://www.catalinagoose.com/pacificmarine.html Bilder und Goodyear-Werbung zum Pony Blimp; abgerufen am 26. Dezember 2016 Traggas: WasserstoffBLIMPS; Aviation; Ausgabe vom Oktober 1940 Seite 49; online hinter Anmeldeschranke im Archiv von Aviation.com; abgerufen am 19. Dezember 2016. Der Begriff Pony Blimp taucht auch im Zusammenhang mit weiteren kleinen Luftschiffen dieser Zeit auf. „Pilgrim“ 1925–1931, erster Goodyear-Werbe-Blimp; erstes kommerzielles heliumgefülltes Luftschiff „Puritan“ 1928; zweiter Goodyear-Werbe-Blimp; erstes Luftschiff der Goodyear Zeppelin CorporationFotografie der Navy Lakehurst Historical Society gemeinsam mit LZ126 im Hangar in Lakehurst, online unter THE GOODYEAR "PURITAN"; Flight; 25. Oktober 1928 Seite 942; Online-Archiv: https://www.flightglobal.com/pdfarchive/view/1928/1928%20-%201020.html?search=puritan abgerufen am 21. Dezember 2016 „Volunteer“ NC-8A Jungfernfahrt: 27. April 1929; 128 Fuß lang, D=36 Fuß, Volumen 86.000 cft helium. bis Ende 1929; danach Umbau mit größerer Hülle und stärkerem Motor; später weiterer Umbauten und Hüllenänderungen.https://vintageairphotos.blogspot.de/2015/03/volunteer-at-rest.html abgerufen am 24. Dezember 2016 „Resolute“ 1929, ab 1942 mit der US-Marine-Bezeichnung L-4 „Enterprise“ Trainingluftschiff zur Zeit des Zweiten Weltkriegs bei der US-Marine, dort L-Klasse: L-5 „Defender“ 1929, ab 5. Oktober 1935 verkauft an die US-Marine; dort mit der Bezeichnung G-1; am 8. Juni 1942 bei einer Kollision mit L-1 verlorengegangen.Kite Balloons to Airships...the Navy's Lighter-than-Air Experience; (Ausgabe zu 75 Jahren US-Marineluftschiffahrt); Published by the Deputy Chief of Naval Operations (Air Warfare) and the Commander, Naval Air Systems Command, Washington, D.C., Edited by Roy A. Grossnick, Designed by Charles Cooney, U.S. Government Printing Office: 1983-187-029; Seite 34 „Reliance“ Trainingluftschiff zur Zeit des Zweiten Weltkriegs bei der US-Marine, dort L-Klasse: L-5 „Rainbow“ Trainingluftschiff zur Zeit des Zweiten Weltkriegs bei der US-Marine, dort L-Klasse: wahrscheinlich L-7 „Ranger“ (NC-10A); verkauft an die US-Marine am 1. Februar 1941, dort L-Klasse: L-2 „Neponset“ „Vigilant“ Mayflower „Mayflower“, getauft: 22. Mai 1929 von Frau Arnstein, Frau von Karl Arnstein nach einer Yacht aus dem Americas Cup. Am 4. November 1930 nahmen die Goodyear-Blimps Pilgrim, Neponset, Vigilant, Mayflower, Defender und Puritan an einer Luftschiffparade teil. „Mayflower IV“, Hüllennummer D-219; fertiggestellt am 24. Mai 1948; die Hülle stammte von L-8 „Mayflower II“ 1960; 132.500 cftFlight International, Toodvear Aircraft Corp; Ausgabe: vom 19. August 1960; Seite 249; online als PDF, abgerufen am 26. Dezember 2016. „Mayflower“ (neues Schiff von 1963, Bild 1973 mit Kennung N1A, Typ GZ-19A) „Mayflower“ (Schiff bei Dreharbeiten zu „Help“ auf den Bahamas vom Februar 1965 mit Kennung N4A) „America“ (N10A) Jungfernfahrt: 25. April 1969; getauft am 23. September 1969 von Mrs. Charles Hooks, Jr. of Houston; Hülle Nr. D-640 mit 202.700 cft; Gondel von L-8 umgebaut zum GZ-20-Standard; fuhr bis Ende 1973; danach wurde eine neue Hülle (D-643) montiert und der Flugbetrieb bis Mitte 1982 fortgesetzt. Danach wurde das Schiff abgerüstet und durch N3A"America ersetzt. „Columbia“ 1968–1992 (N4A), seit dem 25. Januar 1968, stationiert in der Goodyear-Luftschiffbasis in Carson/Kalifornien.http://blogs.dailybreeze.com/history/2011/05/11/the-goodyear-blimp/ abgerufen am 12. September 2016 „Eagle“ 1992–2002, stationiert in Carson/Kalifornien; die Eagle löste die „Columbia“ ab und wurde selbst von der „Spirit of America“ abgelöst. „Stars & Stripes“ (N3A), wurde 1998 durch die gleichnamige „Stars & Stripes“ mit der Kennung N1A ersetzt