Unter der Badischen Revolution von 1848/1849 versteht man den regionalen Ablauf der fast ganz Mitteleuropa erfassenden revolutionären Unruhen dieser Jahre im Großherzogtum Baden.

Als Teil der bürgerlich-liberalen „Märzrevolution“ in den Staaten des Deutschen Bundes war die Revolution im südwestdeutschen Baden wesentlich getragen von radikaldemokratischen Einflüssen: Sie erstrebte eine badische – im übergeordneten Kontext auch deutsche – Republik unter der Souveränität des Volkes und richtete sich gegen die Fürstenherrschaft.

Ihre Höhepunkte waren der Heckeraufstand im April 1848, der Struve-Putsch im September 1848 und der auch als „Mai-Revolution“ bezeichnete, bürgerkriegsähnliche Ausmaße annehmende Aufstand im Rahmen der Reichsverfassungskampagne ab Mai 1849. Die Revolution endete am 23. Juli 1849 mit der militärischen Niederschlagung der letzten Erhebung und der Einnahme der Festung Rastatt durch Bundestruppen unter preußischer Führung.

Historischer Überblick mini|hochkant|Verklärendes Bild Friedrich Heckers (1811–1881), links stehend Mit dem Hambacher Fest 1832 wurden die Tendenzen des Vormärz ersichtlich. Teilnehmer am Hambacher Fest war unter anderen Johann Philipp Becker. Nach Ausbruch der Februarrevolution 1848 in Paris und der Ausrufung der Zweiten Republik in Frankreich sprang der revolutionäre Funke zunächst auf Baden über, bevor es in weiteren Staaten des Deutschen Bundes zu revolutionären Unruhen und Aufständen kam. mini|links|hochkant|Gustav Struve Die deutsche Märzrevolution begann nicht nur in Baden, sondern endete auch hier, als am 23. Juli 1849 die Festung Rastatt als letzte Bastion der Revolutionäre durch preußische Truppen eingenommen wurde.

Die Badische Revolution lief in zwei Phasen ab: Zwischen Anfang März 1848 und September 1848 gab es mit dem Heckerzug und der Erhebung Gustav Struves in Lörrach zwei Versuche, von Südwestdeutschland aus eine Republik durchzusetzen.

Vier Revolutionärs-Züge machten sich in der zweiten April-Hälfte auf.Roland Kroell und Markus Vonberg: Republik oder Tod! Lebenswege nach der Revolution. In: Südkurier. 21. April 2018, S. 24. Der Hecker-Zug von Friedrich Hecker von Konstanz aus vom 13.–20. April 1848, der in dem Gefecht auf der Scheideck bei Kandern scheiterte. Der Sigel-Zug von Konstanz aus vom 15.–24. April 1848, der im Gefecht bei Günterstal am 23. und beim Sturm auf Freiburg am 24. April 1848 unterlag. Der Weißhaar-Zug von Jestetten aus vom 17.–20. April, der am 20. April in Steinen (Baden) endete. Der Herwegh-Zug von Kleinkems am Rhein aus vom 24.–27. April 1848, der im Gefecht bei Dossenbach unterging. Mit der Niederlage Friedrich Heckers und seiner Anhänger bei Kandern und dessen Flucht ins Exil sowie der Verhaftung Gustav Struves im September war diese erste Phase beendet.

Die zweite Phase begann – nach der Ablehnung der Paulskirchenverfassung durch die meisten Fürstenhäuser des Deutschen Bundes – mit den Maiaufständen von 1849, die nicht nur in Baden, sondern auch in anderen deutschen Staaten (insbesondere auch in der bayrischen Rheinpfalz) einen Versuch darstellten, eine Durchsetzung der Verfassung doch noch zu erzwingen (Reichsverfassungskampagne). Diese zweite Phase endete in Baden mit der Niederschlagung der Revolution nach letzten Kämpfen im Juli 1849 in Rastatt.

Kennzeichnend für die Badische Revolution im Unterschied zu den anderen Erhebungen im Deutschen Bund war, dass in ihr die Forderung nach einer demokratischen Republik am konsequentesten vertreten wurde. Demgegenüber favorisierten die Gremien und Revolutionsparlamente der anderen Fürstentümer des Deutschen Bundes mehrheitlich eine konstitutionelle Monarchie mit einem Erbkaisertum.

Radikaldemokratische und frühsozialistische Revolutionäre waren in Baden stark vertreten. Einige der profiliertesten Köpfe waren Friedrich Hecker, Gustav Struve und seine Frau Amalie, Gottfried Kinkel, Georg Herwegh und seine Frau Emma. Des Weiteren war Wilhelm Liebknecht, der zu dieser Zeit noch relativ unbekannte spätere Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), der Vorläuferpartei der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands), im September 1848 am Aufstand in Lörrach beteiligt und im Mai 1849 als Adjutant Struves Teilnehmer der Badischen Revolution. Auch der Sozialist Friedrich Engels, der während der Märzrevolution für die von Karl Marx in Köln herausgegebene „Neue Rheinische Zeitung“ schrieb, nahm 1849 in der Endphase der Badischen Revolution aktiv an den Kämpfen gegen konterrevolutionäre preußische Truppen teil. Schließlich stießen aus Köln auch die Eheleute Fritz und Mathilde Franziska Anneke zu den badischen Freischärlern.

Die Basis der Revolution in Baden bildeten die vielerorts gegründeten Volksvereine.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Zusammenhänge zwischen der Revolution in Baden, den Vorgängen im Deutschen Bund und in Europa auf, soweit diese in der Wikipedia beschrieben sind.

Periode Großherzogtum Baden Deutscher Bund Europa1847AprilBerlin: KartoffelrevolutionMaiTübinger BrotkrawallSeptemberOffenburger Versammlung 1847OktoberHeppenheimer TagungNovemberSchweiz: Sonderbundskrieg1848Badische RevolutionDeutsche Revolution 1848/49Italien: Erster Unabhängigkeitskrieg (1848–1849); März 1848 bis Juli 1849 Ungarn: Ungarische Revolution 1848/1849; März 1848 bis August 1849FebruarMannheimer VolksversammlungFrankreich: Februarrevolution 1848; Februarrevolution 1848 im ElsassMärzHeidelberger Versammlung der 51; Offenburger Versammlung 1848Märzrevolution; Siebenerausschuss Berlin: Märzrevolution 1848 in Berlin; Märzgefallene; Wien: Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich; Revolution in Sigmaringen; Revolution von 1848 im Großherzogtum HessenFrankreich/Deutschland: Deutsche Democratische Gesellschaft in ParisDeutsche Demokratische LegionAprilHeckerzug Gefecht auf der Scheideck; Gefecht bei Günterstal; Sturm auf Freiburg; Gefecht bei DossenbachVorparlament; Fünfzigerausschuss; SiebzehnerausschussMaiFrankfurter Nationalversammlung (bis Mai 1849)JuniPrager PfingstaufstandFrankreich: Juniaufstand und KonterrevolutionSeptemberStruve-Putsch Gefecht um StaufenVolksaufstand in FrankfurtSlowakei: Slowakischer Aufstand bis November 1849; Schweizer Bundesverfassung 1848OktoberWiener Oktoberaufstand 18481849AprilPrümer ZeughaussturmMaiBadische Revolution (Militäraufstand); bis Juli 1849, Offenburger Versammlung 1849; Badische Revolutionsregierung (1849); Badische verfassunggebende Versammlung von 1849; Festung Rastatt; Militärrevolte 1849 in LörrachReichsverfassungskampagne; Kaiserdeputation Dresdner Maiaufstand; Pfälzischer Aufstand; Iserlohner Aufstand von 1849; Elberfelder Aufstand; Ober-Laudenbacher GefechtJuniGefecht bei Waghäusel; Gefecht bei Durlach; Gefechte an der Murglinie; Gefecht in GernsbachRumpfparlamentJuliRückzug der badischen Revolutionsarmee in die Schweiz;Belagerung der Festung Rastatt vom 30. Juni bis 23. JuliUngarischer Unabhängigkeitskrieg#Der Sommerfeldzug 1849;Italienische Unabhängigkeitskriege#Entwicklung in Venedig, der Toskana und auf Sizilien;Schweiz: Büsinger-Handel

Zeittafel der Badischen Revolution mini|Flugblatt vom September 1847 mit den „Forderungen des Volkes“, den bei der Offenburger Versammlung formulierten Zielen der Radikaldemokraten mini|Karte des vom Aprilaufstand 1848 betroffenen Gebietes mini|Zeitgenössische Lithographie des Gefechts bei Kandern aus der Perspektive der Revolutionäre am 20. April 1848, bei der der Heckeraufstand niedergeschlagen wurde mini|Gedenkstein auf der Kanderner Scheideck für General Friedrich von Gagern und die gefallenen Soldaten und Revolutionäre

12. September 1847: In der Offenburger Versammlung der entschiedenen Verfassungsfreunde trägt Friedrich Hecker die 13 „Forderungen des Volkes in Baden“ nach Bürgerrechten, sozialer Sicherheit und Gleichheit vor, die Gustav Struve auf vier „dringliche Forderungen an die Deputierten in Carlsruhe“ zusammenzieht: 1. Volksbewaffnung mit freien Wahlen der Offiziere. 2. Unbedingte Preßfreiheit. 3. Schwurgerichte nach dem Vorbilde Englands. 4. Sofortige Herstellung eines teutschen Parlaments. 27. Februar 1848: Die Mannheimer Volksversammlung nimmt die 13 Forderungen des Volkes wieder auf und richtet sie als Petition an die Zweite Kammer der Badischen Landstände. 28. Februar 1848: In Freiburg im Haus „Zur Tannen“ wählt die Versammlung einen Volksausschuss, stellt einen Katalog revolutionärer Forderungen zusammen und sendet damit eine Delegation nach Karlsruhe. Die Abordnung trifft am 1. März in der Landeshauptstadt ein. 1. März 1848: 20.000 Menschen demonstrieren vor dem Ständehaus des Landtags. Einige Demonstranten dringen in das Gebäude ein. Hecker verlangt die Beseitigung der Adelsprivilegien und die Befreiung der Bauern, somit die Aufhebung der Überreste des mittelalterlichen Feudalsystems. 2. März 1848: Die Erste Kammer (Ständekammer) verabschiedet eine Gesetzesvorlage zur Abschaffung der Reste des Feudalwesens, zur Vereidigung des Heeres auf die badische Verfassung und zur religiösen Gleichstellung von Angehörigen nichtchristlicher Bekenntnisse. 4. März 1848: Bauernerhebung in Nordbaden. Die Revolution greift auf andere Staaten des deutschen Bundes über. 19. März 1848: Große Volksversammlung in Offenburg mit 20.000 Teilnehmern. Hecker und Struve sprechen zur Menge. Sie werfen der badischen Regierung vor, den 13 Forderungen des Volkes vom September des vergangenen Jahres unter dem Eindruck der Volksbewegung Anfang März zwar zugestimmt zu haben, aber mit deren verzögerter Umsetzung nur Zeit für die Rücknahme der Zugeständnisse bei nächster Gelegenheit gewinnen zu wollen. 26. März 1848: Karl von Rotteck junior eröffnet in Anwesenheit Struves eine Volksversammlung in Freiburg, an der die Veranstalter die Sicherstellung der persönlichen Freiheit durch ein besonderes Gesetz („habeas-corpus-Akte“) und die vollständige Trennung von Kirche und Staat fordern. Im Rausche der Begeisterung genehmigt die Versammlung auf dem Münsterplatz einen Brief an den preußischen König, worin Struve Friedrich Wilhelms Verhalten in den Märztagen als „königlicher Schauspieler und Bürgertöder“ brandmarkt. 12. April 1848: In Konstanz rufen Hecker und Struve die Republik aus und das Volk im Namen einer provisorischen Regierung zu einer bewaffneten Erhebung auf. Der „Heckerzug“ macht sich Richtung Rheinebene auf, wo er sich mit einem Zug Georg Herweghs, der „Deutschen Demokratischen Legion“ aus Frankreich, vereinigen will, um zur Landeshauptstadt Karlsruhe zu marschieren. 20. April 1848: Gefecht auf der Scheideck. Bei Kandern im Schwarzwald werden die Aufständischen des Heckerzuges von hessischen Truppen besiegt und zerrieben. Friedrich Hecker flieht ins Exil, was ihn zunächst in die Schweiz und schließlich in die USA führt. 24. April 1848: Freischaren unter Franz Sigel marschieren auf das von Aufständischen besetzte Freiburg zu, um den Belagerungsring der Regierungstruppen zu durchbrechen. Der Entsatzangriff misslingt. Stattdessen stürmen die Regierungstruppen die letzte Barrikade am Schwabentor und richten anschließend unter den Freischärlern ein Blutbad an. 27. April 1848: Herweghs 900 Mann starke „Deutsche Legion“ wird im Gefecht bei Dossenbach von württembergischem Militär besiegt. 21. September 1848: Bei einem Aufstand in Lörrach ruft Struve unter der Devise „Wohlstand, Bildung, Freiheit für alle!“ erneut eine Republik aus, doch kommt er auf seinem anschließenden Zug gegen Norden lediglich bis Staufen. Im Gefecht um Staufen schlagen badische Truppen die Aufständischen. Struve wird wenige Tage später inhaftiert (vgl. Struve-Putsch).