Die Stadtwerke Neumünster (SWN) sind ein regionales Energieversorgungs- und Dienstleistungsunternehmen in Neumünster. Geschäftsfelder sind Energiedienstleistungen, die Versorgung mit Elektrizität, Gas, Fernwärme und Wasser sowie Telekommunikationsdienstleistungen.

Vorgeschichte Im Oktober 1899 wurde in Neumünster auf Initiative der AG Elektricitätswerke vormals O. L. Kummer & Co. und eines Bankhauses die Licht-, Kraft- und Wasserwerke AG gegründet. Bereits 1902 kam es zu einer Fusion mit der Baltischen Elektrizitäts-AG in Kiel, aus der die Umfirmierung in Baltische AG für Licht-, Kraft- und Wasserwerke sowie die Verlegung des Sitzes nach Kiel resultierten. Wohl wegen ausbleibendem unternehmerischen Erfolg wurden bis 1914 die einzelnen Werke verkauft, zumeist an die durch sie versorgten Kommunen.Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 19. Ausgabe 1914/1915, Band 2, S. 761.

Konzernstruktur Die Stadtwerke als bis dahin bestehende städtischen Eigenbetriebe wurden Anfang 2002 in separate GmbHs ausgegliedert. Sie firmieren heute wie folgt: SWN Stadtwerke Neumünster GmbH, Versorgungsunternehmen für Strom, Gas, Wasser, Fernwärme und Telekommunikation SWN Verkehr GmbH, Verkehrsunternehmen für den Stadtbusverkehr SWN Bäder und Freizeit GmbH SWN Entsorgung GmbH SWN Natur GmbH Alle Unternehmen sind vollumfänglich Tochtergesellschaften der Konzernmutter SWN Stadtwerke Neumünster Beteiligungen GmbH, deren Alleingesellschafter die Stadt Neumünster ist.

Die SWN Entsorgung GmbH ist eine Gesellschaft ohne operatives Geschäft. In ihr hält SWN als Mehrheitsgesellschafter die Anteile der gemeinsam mit der Remondis-Gruppe betriebenen MBA Neumünster GmbH.

Geschäftsfelder Energie und Energiedienstleistungen, Fernwärme mini|links|Thermische Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage der SWN in der Stadtmitte Im Geschäftsfeld Energie fungiert SWN in der Stadt Neumünster als Grundversorger. Die Stromerzeugung erfolgt über eine in der Stadt gelegene thermische Ersatzbrennstoffverwertungsanlage (TEV), die zugleich zur Erzeugung von Fernwärme genutzt wird. Befeuert wird sie überwiegend mit Ersatzbrennstoff, der in der im südlichen Neumünster gelegenen mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) gewonnen wird. Die MBA ist eine der größten Einrichtungen dieser Art Deutschlands. Ihr Betriebsgelände im Stadtteil Wittorf umfasst auch eine 2014 stillgelegte Mülldeponie. Das auf der Deponie austretende Methan wird in einem Blockheizkraftwerk zur Stromerzeugung verwendet. mini|Einfahrt zum SWN-Wertstoffzentrum in Wittorf

Neben der TEV unterhalten die Stadtwerke auf dem Gelände an der Bismarckstraße ein Heizkraftwerk, das mit Steinkohle betrieben wird, um in Spitzenlastzeiten ausreichend Fernwärme zu erzeugen. Eine Umstellung von Steinkohlebetrieb auf Gasbefeuerung im Zuge des Kohleausstiegs ist in Planung.

Verstärkt werden neuerdings energienahe Dienstleistungen wie die Vermittlung von Elektroautos und der Vertrieb von Wandladestationen für die Elektromobilität unter der Marke nonoxx angeboten.

Telekommunikation Im Jahr 2009 erweiterte sich das SWN-Leistungsangebot auf Telekommunikationsdienstleistungen. Unter dem Namen GIGA5 werden Telefonie-, Internet- und TV-Dienste über Glasfaser angeboten. SWN unterhält im Kerngebiet Neumünster und Umgebung ein eigenes Glasfasernetz. In anderen Teilen Schleswig-Holsteins (u. a. die Kreise Segeberg, Dithmarschen und Steinburg) hat das Unternehmen umfassend Netze für Breitband-Zweckverbände geplant und gebaut. Anschließend werden diese Netze für mehrere Jahrzehnte gepachtet und betrieben. Im Mai 2020 konnte die Fertigstellung des Netzes in Steinburg vermeldet werden. Als einer der ersten Landkreise bundesweit wird dieser von SWN flächendeckend mit Glasfaserleitungen versorgt. Rund 95 Prozent der Einwohner sind in der Lage, einen Glasfaseranschluss bei SWN zu buchen.https://www.zfk.de/digitalisierung/breitband/artikel/531eefbfdecbed332d9a9c489f83cbd2/swn-95-prozent-der-einwohner-des-kreises-steinburg-mit-glasfaser-versorgt-2020-05-29/. SWN ist mit rd. 50.000 Kunden in Schleswig-Holstein und 25 % der versorgten Landesfläche zu einem der größten landesweiten Anbieter solcher Dienste avanciert. Bundesweit engagiert sich das Unternehmen als Mitglied der Verbände BREKO und Buglas für die Verbesserung der Infrastruktur mit Glasfaser.

Stadtverkehr Seit Januar 2015 wird der Stadtbusverkehr in Eigenregie der SWN Verkehr GmbH durchgeführt. Mit 35 Niederflurbussen werden auf 21 Buslinien insgesamt 75 Haltestellen bedient. Rund 2,6 Mio. Fahrgäste jährlich nutzen den Service.Allgemeine Informationen zu SWN Verkehr auf www.stadtwerke-neumuenster.de, abgerufen am 26. August 2018. Es gilt der Schleswig-Holstein-Tarif.

On-Demand-Verkehr Hin&Wech Unter der Marke Hin&Wech wird seit 2020 zusätzlich ein On-Demand-Mobilitäts-Angebot unterhalten, das über eine Mobile App oder nach vorheriger Anmeldung über Telefon geordert werden muss. Es gilt der normale SH-Tarif ohne Zuschlag, das Deutschlandticket wird anerkannt.

Folgende Fahrzeiten dieses Mobilitätsangebots bestehen seit dem 8. August 2023:hinundwech.net, abgerufen am 3. September 2024. montags bis donnerstags: abends 20:30 – 1:00 Uhr außerdem in Tungendorf und Gadeland auch tagsüber 5:00 – 21:00 Uhr freitags: abends 20:30 – 2:00 Uhr sonnabends: morgens 4:00 – 9:00 Uhr und abends 18:30 – 24:00 Uhr sonn- und feiertags: ganztags 0:00 – 24:00 Uhr Wegen des ganztägigen Angebots von Hin&Wech verkehren sonn- und feiertags keine Stadtlinienbusse (außer den stündlich vom/zum Hauptbahnhof verkehrenden „Sommerlinien“ S1 zum Einfelder See und S4 zum Bad am Stadtwald, Tierpark und den Holstenhallen vom 29. März bis zum 3. Oktober 2024) in Neumünster mehr. Auch der Abend- und Spätverkehr sonnabends findet nur noch mit Hin&Wech statt.Fahrplan / Aktuelles stadtwerke-neumuenster.de, abgerufen am 3. September 2024.

Historische Entwicklung des Stadtverkehrs Am 1. August 1920 wurde die erste Kraftomnibuslinie von Neumünster über Brachenfeld nach Bornhöved durch die Kraftverkehrs-Gesellschaft Union in Betrieb genommen. Die Konzession zur Benutzung des Busses für Fahrten innerhalb der Stadt zwischen dem Staats- und dem Südbahnhof erhielt die KVG Union aufgrund der dringenden Nachfrage übergangsweise bereits 18. August 1920. Den eigentlichen Stadtbusverkehr in Neumünster übernahm am 10. September 1920 die Städtische Kraft-, Wasser- und Verkehrswerke mit zwei Akkumulatorbussen. Während der Inflationszeit wurde der Betrieb mehrmals unterbrochen und 1926 schließlich eingestellt. Der Stadtbusverkehr wurde nun von der Flensburger Automobil-Betriebs-Genossenschaft durchgeführt. 1928 wurde sie in Allgemeine Flensburger Automobil-Betriebs-Gesellschaft (AFAG) und 1930 in Allgemeine Kraftfahrzeug-Betriebs-Gesellschaft (AKB) umfirmiert. Die AKB ging 1932 konkurs, der Busverkehr wurde nun von dem Unternehmen Mathias Peters übernommen. Nach Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb 1945 vollständig eingestellt. Die britische Besatzungsmacht beauftragte im Oktober 1945 das Unternehmen Glau & Habild mit der Betriebsdurchführung des Stadtverkehrs.Die Chronik des Nahverkehrs in Neumünster, im VHH-Blog Gastbeitrag auf vhhbus.de vom 15. Dezember 2014, abgerufen am 11. August 2018.

Im Mai 1952 betrieb die Firma Glau & Habild den Stadtverkehr Neumünster mit folgenden Buslinien:Blitzo-Kursbuch · Gültig ab 18. Mai 1952, mit sämtlichen Autobus-Linien in Schleswig-Holstein, Verlag Christian Wolff, Flensburg 1952, S. 150–152. Einfeld – Waldschlößchen – Hauptbahnhof – Rathaus (Waldschlößchen nur mo–fr –) Hauptbahnhof – Gadeland (nur werktags) Stover – Gartenstadt – Hauptbahnhof – Wittorf Mitte Hauptbahnhof – Südbahnhof (Ehndorfer Platz – Am Teich hier kein Spätverkehr –) Hauptbahnhof – Böcklersiedlung Ehndorfer Platz – Hansaring – Am Teich – Jungmannstr. – Alsenplatz Hauptbahnhof – Großflecken – Friedhof – Wilhelmsruh – Brachenfeld/Waldwiese (nur werktags, kein Spätverkehr) (Großflecken –) Hauptbahnhof – Roonstr. – Siedlung – Hahnknüll, Altersheim (nur Einzelfahrten di und fr) Neben den meist stündlich durchgeführten Fahrten auf diesen Stadtlinien gab es damals auch noch von Glau & Habild seltener befahrene Überlandbuslinien: Neumünster Hbf – Großflecken – Boostedt Neumünster Hbf – Rathaus – Bornhöved – Schmalensee Neumünster Hbf – Nortorf – Innien (nur werktags) Neumünster Hbf – Bordesholm Bf (nur werktags morgens, mittags und abends)

Nach einem Rechtsstreit um die Konzessionsvergabe vor dem Oberverwaltungsgericht verfügte der Minister für Wirtschaft und Verkehr 1956, dass die Überlandbuslinien von Neumünster aus an Peters, die Stadtbuslinien bis spätestens 1959 an die Stadt Neumünster abzugeben seien. Die Stadt verkaufte die Rechte am 29. Juni 1956 an die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH), die den Stadtbusverkehr in Neumünster ab dem 5. Juli 1956, zunächst mit den alten Bussen von Glau & Habild betrieben. Schon sehr bald kamen neue Busse in der rot-schwarzen Lackierung der VHH (Mercedes-Benz O 321 H und HL) hinzu. Es gab Einmannbetrieb, 30-Minuten-Takt auf den Hauptlinien und geänderte bzw. neue Linien mit Liniennummern zwischen 51 und 68. Die VHH übernahm zum Sommerfahrplan 1957 den Ortsverkehr Bordesholm vom Verkehrsunternehmen Werner Gram, gab ihn 1958 aber wieder ab. Im März 1958 wurde ein neuer Tarif mit Umsteigeberechtigung und Zahlgrenzen eingeführt. Im Juni 1958 hatte die VHH 25 neue Busse und noch sechs von Glau & Habild in Neumünster in Betrieb.

Ende 1961 gab es folgende Buslinien der VHH in Neumünster:Fahrplan In und um Neumünster, Winter 1961/62, gültig vom 1. Oktober 1961 bis zum 26. Mai 1962, Verlag Kurt Leuschner, Neumünster 1961, S. 4–43. (Streckenabschnitte in Klammern wurden nur zeitweilig bedient) 51 Einfeld – Waldschlößchen – Kieler Str. – Hauptbahnhof – Großflecken (Linienlänge 7,0 km) 52 Stover – Gartenstadt – Hauptbahnhof – Großflecken – Wittorf (Linienlänge 6,3 km) 53 Alsenplatz – Am Teich – Kleinflecken – Falderastr. – Husumer Str. (Linienlänge 7,5 km) 54 Böckler-Siedlung – Beethovenstr. – Hauptbahnhof – Am Teich – Kleinflecken – Falderastr. – Ehndorfer Platz, Flensburger Str. (Linienlänge 6,0 km) 55 Einfeld-Siedlung, Vierecksplatz – Waldschlößchen – Kieler Str. – Hauptbahnhof – Großflecken (– Kaserne – Gadeland) (Linienlänge 10,0 km; kein Spätverkehr) 56 (Tungendorf, Dorf –) Pestalozzi-Schule – Großflecken – Kaserne – Gadeland (Linienlänge 8,7 km) 56a Großflecken – Pestalozzi-Schule – Tungendorf, Dorf – Groß-Harrie – Negenharrie (Linienlänge 14,3 km; nur Einzelfahrten an Schultagen; am 26. September 1977 durch VKP übernommen) 57 Böckler-Siedlung – Beethovenstr. – Hauptbahnhof – Am Teich – Sachsenring – Haartkoppel – Friedhof (Linienlänge 5,2 km; kein Spätverkehr; erst ab 27. Mai 1962) 59 Windstärke 10 – Freesenburg – Kleinflecken – Am Teich – Hauptbahnhof (Linienlänge 4,2 km) 60 Hauptbahnhof – Großflecken – Friedhof – Brachenfeld, Waldwiesenweg (Linienlänge 2,9 km; kein Spätverkehr) 61 (Großflecken –) Hauptbahnhof – Hahnknüll (– Altersheim) / (– Tiergarten) (nur Einzelfahrten) 63 Hauptbahnhof – Großflecken – Holstenschule – Südbf. – Altersheim – Wittorf – Padenstedt (– Ehndorf) / (– Arpsdorf) (Linienlänge 10,8 km; kein Spätverkehr) 65 Neum. Hauptbahnhof – Großflecken – Gadeland – Groß Kummerfeld – Klein Kummerfeld – Latendorf – Heidmühlen (– Wahlstedt, Eiche nur mo+do) (Linienlänge 29,3 km, nur Einzelfahrten; am 1. Mai 1977 durch Fa. Max Mietrach übernommen) 66 Neum. Hauptbahnhof – Großflecken – Boostedt Bf. – Großenaspe – Bimöhlen-Wrage – Bad Bramstedt (im Auftrag der AKN; Linienlänge 23,7 km, nur Einzelfahrten mi+sa) 67 Neum. Hauptbahnhof – Großflecken – Hardebek – Hasenkrug – Brokstedt – Armstedt – Fuhlendorf – Bad Bramstedt Bf. (Linienlänge 28,5 km; nur werktags, kein Spätverkehr; nur bis Mai 1975) 68 Neum. Hauptbahnhof – Großflecken – Boostedt (– Boostedt, Depot) (im Auftrag der AKN; erst ab 1963)