mini|Ernst Pittschau jun., Privatfoto, 1908 mini|Anders als die Andern, Poster, 1919 mini|Ernst Pittschau jun., Privatfoto etwa 1912 Ernst Pittschau (* 5. Oktober 1883 in AltonaStandesamt Altona Nr. 2861, 10. Oktober 1883; † 2. Juni 1951 in Berlin-SchönebergStandesamt Schöneberg, Nr. 1062) war ein deutscher Theater- und Filmschauspieler.
Leben Ernst August Carl Christoph Pittschau, Sohn des Theaterschauspielers Ernst Pittschau und dessen erster Ehefrau Caroline Binder, genoss eine kaufmännische Ausbildung und handelte mit zahnärztlichen Bedarfsartikeln. Er entschied sich aber bald für den Beruf seines Vaters und erhielt sein erstes Engagement Ende 1905 in Koblenz.
1910 trat er in New York auf, 1911 wurde er Bühnenschauspieler in Berlin. Bereits ein Jahr später übernahm er Rollen bei der noch geringgeschätzten Kinematographie. Pittschau verkörperte elegante Liebhaber und war unter anderem Partner von Hanni Weisse und Henny Porten.
In den 1920er Jahren wurden seine Filmrollen kleiner, danach erhielt er kaum noch Aufgaben. Er spielte nun vor allem am Theater am Kurfürstendamm, an der Komödie und an der Tribüne war aber auch wiederholt am Wiener Deutschen Volkstheater zu sehen, so z. B. als Sohn Egon in MüllersNeues Wiener Tagblatt, 2.8.1927 oder als Gustav Lindemann in KlubleuteNeues Wiener Tagblatt, 21.8.1927 von Fritz Friedmann-Frederich.
1929 heiratete Pittschau Irmgard Laasch (geb. 1909). Zu Beginn der 1930er Jahre am Berliner Theater tätig, scheint Ernst Pittschau bei einer Gastspieltournee mit Ernst Deutsch und Maria Eis nach Den Haag, Amsterdam, Brüssel und Antwerpen auf, bei der Bernard Shaws Der Teufelsschüler und Édouard Bourdets Die Gefangene auf dem Programm standen, worüber sogar das Neue Wiener Journal berichteteNeues Wiener Journal Nr. 13.742, 24. Mai 1931, S. 33..
1935 wurde Ernst Pittschaus Ehe vom Landgericht Berlin geschieden. In den 1940er Jahren lebte er in Armut und war auf die Unterstützung der Goebbels-Stiftung „Künstlerdank“ angewiesen. Kleinstrollen beim Film in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs sorgten für ein geringes, finanzielles Zubrot.
Nach Kriegsende holte der italienische Regisseur Roberto Rossellini den fast vergessenen Schauspieler noch einmal vor die Kamera. In dem Überlebensdrama Deutschland im Jahre Null mimte er 1948 den bettlägerigen Familienvater.
Sein Bruder Walther Pittschau (1889–1946) war ebenfalls Theater- und Filmschauspieler, Regisseur und in den 1930er Jahren bis zum 1. September 1944 (kriegsbedingte Schließung aller deutschen Theater laut Erlass von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels) Intendant des Schauspielhauses der Residenzstadt Potsdam. Sein Halbbruder aus der ersten Ehe seines Vaters war der sehr erfolgreiche Bühnen- und Filmschauspieler Werner Pittschau (1902–1928), der bei einem Autounfall ums Leben kam.
Filmografie 1912: Um Haaresbreite 1912: Die Zigeunerin 1913: Ein Mädchen zu verschenken 1913: Die schwarze Kugel oder Die geheimnisvollen Schwestern 1915: Der Erbe von Walkerau 1915: Zofia 1915: Der Tag der Vergeltung 1915: Der 14. Gast 1915: Mädels im Arrest 1915: Schloss und Hütte 1915: Schlemihl 1916: Der Fall Grehn 1916: Der Fall Klerk 1916: Gräfin Lukani 1916: Die silberne Kugel 1916: Mein ist die Rache 1916: Lux, der Spürhund von Stratford 1917: Der Fall Routt…! 1917: Der Weg ins Freie 1917: Königliche Bettler 1917: Des Goldes Fluch 1917: Mein ist die Rache 1917: Das Bildnis des Dorian Gray 1917: Das Verhängnis einer Nacht 1917: Seltsame Menschen 1917: Lumpengrete 1918: Es werde Licht!, 2. Teil 1918: Des Vaters Schuld 1918: Das Kainszeichen 1918: Pique Dame 1918: Das Tagebuch einer Verlorenen 1918: Die tolle Heirat von Lalo 1918: Es werde Licht!, 3. Teil 1918: Dida Ibsens Geschichte 1918: Der ewige Zweifel 1918: Mr. Wu 1919: Verlorene Töchter 1919: Anders als die Andern 1919: Brüder 1919: Das Schicksal der Maria Keith 1919: Der Harlekin 1919: Der Kampf um die Ehe (2 Teile) 1919: Der Teufel und die Madonna 1919: Gepeitscht 1919: Kaiser Wilhelms Glück und Ende 1919: Fräulein Colibri 1920: Der Meisterschuss 1920: Können Gedanken töten? Gefesselte Menschen 1920: Die Frau im Delphin oder 30 Tage auf dem Meeresgrund 1920: Sein letzter Trick 1920: Wenn Colombine winkt 1921: Das Geheimnis der Santa Margherita 1921: Der Mann im Schrank 1921: Du bist das Leben 1921: Cocain 1922: Die vom Zirkus 1922: Lucrezia Borgia 1922: Lola Montez, die Tänzerin des Königs 1922: Die fünf Frankfurter 1922: Jeremias – Regie: Eugen Illés 1924: Der zweite Schuß 1924: Die Radio-Heirat 1925: Namenlose Helden 1925: Aschermittwoch 1925: Motor, Liebe, Leidenschaft 1925: Reveille, das große Wecken 1925: Das stolze Schweigen 1925: Lena Warnstetten 1926: Aus des Rheinlands Schicksalstagen 1926: Ich hatt’ einen Kameraden 1928: Der Biberpelz 1929: Trust der Diebe 1930: Lumpenball 1931: Viktoria und ihr Husar 1931: Der Liebesarzt 1942/44: Philharmoniker 1944: Die Zaubergeige 1944: Die Degenhardts 1944: Die Affäre Roedern 1944: Junge Adler 1948: Deutschland im Jahre Null (Germania anno zero)
Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 251 f.
Weblinks
Ernst Pittschau bei cyranos.ch
Einzelnachweise
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