mini|hochkant=1.2|Das arabische Alphabet (rechte Säule) in ursprünglicher Abdschad-Ordnung im Vergleich zum lateinischen, griechischen, phönizischen und hebräischen Alphabet. Verwandte Buchstaben sind im gleichen Farbton hinterlegt.

Die Geschichte der arabischen Schrift umfasst die Entwicklung einer aus dem arabischen Kulturraum stammenden Alphabetschrift von der Frühgeschichte bis zur Gegenwart. Nicht nur das Arabische, sondern auch andere Sprachen, wie das Persische, werden in dieser Schrift mit leichten Modifikationen geschrieben. Weitere Sprachen, wie das Türkische, die Jahrhunderte in arabischer Schrift geschrieben wurden, werden heute in lateinischer Schrift geschrieben. Es wird angenommen, dass das arabische Alphabet ursprünglich vom nabatäischen entlehnt wurde, einer Variante der aramäischen (oder vielleicht der syrischen) Schrift, welches aus dem phönizischen Alphabet entstanden ist. Aus dem Phönizischen wiederum entstand das hebräische und das griechische Alphabet und daraus das kyrillische und lateinische Alphabet.

Ursprünge Das arabische Alphabet entwickelte sich entweder aus dem nabatäischen oder (gilt als unwahrscheinlicher) aus dem syrischen Alphabet. Die Tabelle veranschaulicht die Veränderungen der Buchstaben ausgehend vom aramäischen Original hin zur nabatäischen und syrischen Form. Arabisch ist mittig angeordnet, also nicht chronologisch zur Sprachentwicklung.

Es scheint, dass das arabische Alphabet aus dem nabatäischen Alphabet entstand: Im 6. und 5. Jh. v. Chr. immigrierten nordsemitische Stämme und gründeten ein Königreich um die Stadt Petra, im heutigen Jordanien. Diese Stämme (jetzt als Nabatäer bezeichnet, nach dem Namen eines Stammes, Nabau) sprachen vermutlich eine Form des Arabischen. Im 2. Jh. n. Chr. sind die ersten bekannten Schriftfunde des nabatäischen Alphabets entstanden, in aramäischer Sprache (der damaligen Verkehrssprache), aber mit einigen arabischen Spracheigenschaften: die Nabatäer schrieben nicht die Sprache, die sie sprachen. Sie schrieben in einer Form des aramäischen Alphabets, welches sich fortlaufend entwickelte; es trennte sich in zwei Formen: die erste wurde vorwiegend für Inschriften verwendet (bekannt als „Monumentalnabatäisch“) und die andere Form war eine Schreibschrift, die schneller und einfacher mit verbundenen Buchstaben zum Schreiben auf Papyrus geeignet war. Diese Schreibschrift beeinflusste die monumentale Form mehr und mehr und änderte sich allmählich bis zur arabischen Schrift.

Vorislamische Inschriften Die ersten arabischen Schriftfunde stammen aus dem Jahr 512 n. Chr. Das älteste Fundstück ist eine dreisprachige Inschrift in Griechisch, Syrisch und Arabisch, gefunden in Zabad in Syrien. Diese Version des arabischen Alphabets verwendet nur 22 Buchstaben, mit nur 15 unterschiedlichen Graphemen, um 28 Phoneme aufzuschreiben:

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Eine ausreichende Anzahl von arabischen Inschriften überlebte die vorislamische Ära, aber sehr wenige verwenden das arabische Alphabet. Einige sind in Arabisch verfasst oder in dessen nächst verwandten Schwestersprachen: Thamudische, lihyanische, und safaitische Inschriften im Norden. Nabatäische Inschriften in aramäisch und arabisch. Inschriften in anderen Sprachen, wie z. B. syrisch. Vorislamische arabische Inschriften in arabischer Schrift: dies sind nur sehr wenige; nur fünf gelten als sicher. Diese verwenden meist keine phonemunterscheidenden Punkte, was die Übersetzung sehr schwierig macht, da viele Buchstaben in einem Graphem zusammenfallen.

Die Tabelle zeigt eine Liste arabischer und nabatäischer Inschriften, die die Anfänge des Arabischen verdeutlichen. NameFundortDatumSpracheAlphabetText & AnmerkungenAwdatNegev in Israelzwischen 88 und 150 n. Chr.4 Zeilen aramäisch, dann 2 Zeilen arabischnabatäisch mit einigen BuchstabenverbindungenDankgebet zu Obodas I., der nach seinem Tod (85 v. Chr.) als Gott verehrt wurdeUmm al-Dschimalwestlich des Hauran Gebirges in Syrienungefähr Ende des 3. Jh. n. Chr.aramäisch-nabatäischnabatäisch, viele Buchstabenverbindungenauch griechisch, mehr als 50 FragmenteRaquschMada'in Salih in Saudi-Arabien267 n. Chr.Mischung aus Arabisch und Aramäisch, 1 vertikale Zeile in Thamudischnabatäisch, einige Buchstabenverbindungen. Hat wenige diakritische Punkte.Letzte Inschrift in nabatäischer Sprache. Epitaph des Raqush, einschließlich Anleitung gegen Grabräuber.an-Namara100 km südöstlich von Damaskus328–329 n. Chr.arabischnabatäisch, mehr Buchstabenverbindungen als zuvorEin umfangreiches Epitaph des berühmten arabischen Dichters und Kriegshelden Imru' al-Qais, beschreibt seine Heldentaten.Dschabal Ram50 km östlich von Aqaba3. Jh. oder eher spätes 4. Jh. n. Chr.3 Zeilen in Arabisch, 1 gebogene Zeile in Thamudischarabisch. Verwendet einige diakritische Punkte.Im Tempel von Allat.Sakakain Saudi-Arabienundatiertarabischarabisch, einige nabatäische Einflüsse, und diakritische Punkte.kurz; Interpretation unklarSakakain Saudi-Arabien3. or 4. Jh. n. Chr.arabischarabisch„Hama Sohn des Garm“Sakakain Saudi-Arabien4. Jh. n. Chr.arabischarabisch„B-`-s-w ibn `Abd-Imru'-al-Qais ibn Mal(i)k“Umm al-Dschimalwestlich des Hauran Gebirges in Syrien4. oder 5. Jh. n. Chr.arabischähnlich zu ArabischDieses (Schriftstück) wurde von Kameraden von 'Ulayh Sohn des `Ubaydah, Schreiber der Cohorte Augusta Secunda Philadelphiana erstellt; möge derjenige zur Hölle gehen, der es vernichtet.Zabadin Syrien, südlich von Aleppo512 n. Chr.arabischarabischAuch griechisch und syrisch. Christliche Widmung. In Arabisch steht „Gottes Hilfe“ und 6 weitere Namen. „Gott“ ist geschrieben , siehe Allah.Dschabal Usaisin Syrien528 n. Chr.arabischarabischAufzeichnung des Kriegzugs von Ibrahim ibn Mughirah auf Weisung Königs al-Harith (vermutlich al-Harith ibn Jabalah (Aretas in Griechisch), König der Ghassaniden, Vasall des Byzantinischen Reichs)Harranim Leija Gebiet, südlich von Damaskus568 n. Chr.arabischarabischAuch griechisch. Christliche Widmung an einem Martyrion. Es beschreibt den Bau des Denkmals durch Sharahil ibn Zalim ein Jahr nach der Zerstörung von Khaybar.

Die nabatäische Schreibschrift veränderte sich allmählich in die arabische Schrift. Das geschah wahrscheinlich in der Zeit zwischen der an-Namara-Inschrift und der Dschabal-Ramm-Inschrift. Die meisten Zeugnisse waren vermutlich auf vergänglichem Material, wie beispielsweise Papyrus. Da es sich um eine Schreibschrift handelte, unterlag sie größeren Veränderungen. Schriftfunde aus dieser Zeit sind sehr selten: Nur fünf vorislamische Inschriften gelten als gesichert, einige andere sind umstritten.

Diese Inschriften sind auf islamic-awareness.org dargestellt.

Die nabatäische Schrift wurde entworfen, um 22 Phoneme niederzuschreiben; jedoch besitzt das arabische 28 Phoneme. Daher mussten 6 Buchstaben des Nabatäischen für die Darstellung von je zwei arabischen Phonemen genutzt werden: d steht auch für ḏ, ḥ steht auch für ḫ1, ṭ steht auch für ẕ, ʿain steht auch für ġ1, ṣ steht auch für ḍ, t steht auch für ṯ.

1 Anmerkung: Die Zuordnung war stark etymologisch beeinflusst, so wurden aus den semitischen Lauten ch und gh im Hebräischen H und Ayin.

Die geschriebene nabatäische Schrift entwickelte sich hin zur arabischen Schrift, die Buchstaben wurden immer stärker miteinander verbunden. Einige der Buchstaben wurden identisch mit anderen Buchstaben, was zu erheblichen Missverständnissen führte, wie in der Grafik verdeutlicht.

Datei:Arabe arch.png

Dort werden die arabischen Buchstaben in der traditionellen Abdschad-Anordnung aufgelistet, sind jedoch, der Einfachheit halber, in der heutigen Form dargestellt. Buchstaben mit demselben Graphem sind mit farbigem Hintergrund markiert. Der zweite Lautwert eines Buchstabens, der mehr als ein Phonem ausdrückt, folgt nach dem Komma. In dieser Tabelle steht das ǧ für englisches j (dsch) wie z. B. in „June“.

In der arabischen Sprache hat sich in der späten vorislamischen Zeit der g-Laut ganz hin zum dsch verändert. Dies scheint bei den zwei Stämmen, die Ägypten erobert haben und sich dort ansiedelten, noch nicht der Fall gewesen zu sein. Im Ägyptisch-Arabischen steht der Buchstabe Dschim auch heute noch für den g-Laut.

Buchstaben am Wortende erhielten oft eine Endschleife, so dass sich für viele arabische Buchstaben zwei und mehr Grapheme entwickelt haben.

b, n und t wurden gleich. y wurde gleich wie b, n und t außer am Wortende. dsch und ḥ wurden gleich. z und r wurden gleich. s und sch wurden gleich.

Daraus ergaben sich lediglich 17 Buchstaben mit unterschiedlichen Schriftbildern. Ein Graphem stellte bis zu 5 Phoneme dar (b t th n und manchmal auch y), eines stellte 3 Phoneme dar (j ḥ ch), und jeweils 4 stellten 2 Phoneme dar. Vergleiche dazu auch das hebräische Alphabet, wie in der Tabelle:

Datei:Hebreu hist arabe.png

(Ein ähnlicher Sachverhalt ergab sich in der Lateinschrift bei den großgeschriebenen Buchstaben I und J im deutschen Fraktursatz: Dort haben beide Buchstaben in gängigen Druckschriften dasselbe Schriftbild, sind aber offiziell unterschiedliche Buchstaben (z. B. Sortierreihenfolge).)

Frühislamische Veränderungen mini|Vergleich der nabatäischen und syrischen Formen des /d/ und /r/ Im 7. Jh. n. Chr. ist das arabische Alphabet in seiner klassischen Form nachgewiesen. PERF 558 zeigt das früheste existierende islamisch-arabische Schriftstück.

Im 7. Jh. n. Chr., wahrscheinlich in den jungen Jahren des Islam, während der Koran niedergeschrieben wurde, wurde festgestellt, dass alleine aus dem Kontext nicht alle Mehrdeutigkeiten beim Lesen der arabischen Schrift gelöst werden konnten. Eine gute Lösung musste gefunden werden. Schriften im nabatäischen und syrischen Alphabet hatten teilweise bereits diakritische Punkte, um diejenigen Buchstaben zu unterscheiden, die im Graphem zusammengefallen waren. Ein Beispiel wird in der Tabelle rechts dargestellt. Analog dazu wurde auch für die arabische Schrift ein System diakritischer Punkte eingeführt, um die 28 Buchstaben des klassischen arabisch unterscheiden zu können. Teilweise wurden die resultierenden neuen Buchstaben in der alphabetischen Sortierung nach dem nicht gepunkteten Originalbuchstaben einsortiert und teilweise auch am Ende.

Das älteste erhaltene Schriftzeugnis, das unbestritten diese diakritischen Punkte verwendet, ist auch das älteste erhaltene arabische Papyrus, datiert auf April 643 n. Chr. Die Punkte waren zunächst noch nicht verpflichtend, das kam erst viel später. Wichtige Texte, wie beispielsweise der Koran wurden sehr häufig rezitiert; auf diese Praxis, die heute noch lebendig ist, sind wahrscheinlich auch die vielen Mehrdeutigkeiten der alten Schrift zurückzuführen wie auch auf den Mangel an Schreibmaterial in Zeiten, in denen der Buchdruck noch gänzlich unbekannt war und jede Abschrift eines Buches noch von Hand erfolgen musste.

Das Alphabet hatte danach 28 Buchstaben in einer festen Reihenfolge und konnte so ebenfalls für die Ziffern von 1 bis 10, dann von 20 bis 100, dann von 200 bis 900 und schließlich 1000 verwendet werden (siehe Abdschad). Für diese numerische Anordnung wurden die neuen Buchstaben am Ende des Alphabets angeordnet, daraus resultierte die Reihenfolge: alif (1), b (2), dsch (3), d (4), h (5), w (6), z (7), ḥ (8), ṭ (9), y (10), k (20), l (30), m (40), n (50), s (60), ayn (70), f (80), ṣ (90), q (100), r (200), sch (300), t (400), th (500), ch (600), dh (700), ḍ (800), ẓ (900), gh (1000).

Das Fehlen von Vokalzeichen in der arabischen Schrift führte zu weiteren Mehrdeutigkeiten: z. B. ktb im klassischen Arabisch kann sowohl kataba („er schrieb“), kutiba („es war geschrieben“) als auch kutub („Bücher“) bedeuten.