Die Anschläge von Casablanca vom 16. Mai 2003 waren aufeinander abgestimmte Selbstmordanschläge auf jüdische Einrichtungen und Orte westlichen Lebensstils in Casablanca (Marokko).
Tathergang Zwölf Selbstmordattentäter aus den Slums von Casablanca töteten am Freitag des 16. Mai 2003 33 Menschen und sich selbst. Elf Bomben in Rucksäcken explodierten (wie geplant) zeitgleich um 21:30 Uhr an verschiedenen Zielen in der Innenstadt von Casablanca. Dabei wurden 43 Menschen getötet, die meisten Marokkaner und Muslime. Über 100 Menschen, davon 97 Muslime, wurden verletzt. Ursprünglich sollten 14 junge Männer in fünf Gruppen den Anschlag ausführen. Die Ziele waren ein spanisches und ein italienisches, von einem marokkanischen Juden geführtes, Restaurant, ein jüdisches Sozialzentrum und der jüdische Friedhof. Von den 14 Männern zündeten nur 11 ihre Bomben. Der Organisator der Gruppe, Mohamed Omar, und zwei weitere hatten ihre Rucksäcke weggeworfen und rannten weg, bevor ihre Bomben explodierten. Omaris hatte seinen Rucksack vor dem Hotel Farrah abgeworfen.
Täterschaft Zwei weitere Attentäter konnten festgenommen werden. Alle 14, der Polizei vor nicht bekannt gewesene, Terroristen marokkanischer Staatsbürgerschaft, die sich aus Thomas, einem Elendsviertel des im östlichen Casablanca liegenden Stadtteils Sidi Moumen, kannten, agierten in ihrem Viertel als Religionswächter. Vor den Anschlägen hielten sie sich zusammen in einer von dem 24-jährigen Parkplatzwächter und die Casablancer Terrorzelle organisatorisch leitenden Mohamed Omari gemieteten Wohnung auf. Vier weitere Mittäter wurden zum Tode verurteilt, weitere 30 erhielten lebenslange Haftstrafen wegen der Vorbereitung weiterer Anschläge.
Die Anschläge waren islamistisch motiviert; sie werden der Gruppierung Salafiya Jihadia zugerechnet.
Folgen/Einordnung Wenige Tage zuvor hatte Al-Qaida ähnliche Selbstmordattentate in Riad verübt.Michael Thumann, Jochen Bittner: Ground Zero in Arabien. Die Anschläge in Riad und Casablanca gehen auf das Konto einer neuen Al-Qaida-Generation. Sie bombt gegen muslimische Regime. In: Die Zeit. Die Attentate veränderten die politische Atmosphäre in Marokko. In einer Reaktion auf die Attentate bezeichnete der marokkanische König Mohammed VI. den Kampf gegen den Terrorismus und die Demokratisierung und Modernisierung des Landes als gleichgewichtige Aufgaben. Es wird befürchtet, dass Marokko auch weiterhin eine Rekrutierungsbasis für terroristische Gruppen bleibt. Die Sicherheitsbehörden haben mehrere terroristische Netzwerke aufgedeckt, die zum Teil auch mit Vertretern des marokkanischen Militärs, der Polizei und der Gendarmerie verbunden waren.
Im März und April 2007 sprengten sich in Casablanca sieben Attentäter in die Luft. Ein Mensch starb, etwa 40 wurden verletzt.
Literatur Souad Mekhennet, Claudia Sautter, Michael Hanfeld: Die Kinder des Dschihad. Die neue Generation des islamistischen Terrors in Europa. Piper, München 2006, ISBN 3-492-04933-8; aktualisierte Taschenbuchausgabe ebenda (Juni) 2015, ISBN 978-3-492-30858-8, S. 130–134 (Die Anschläge von Casablanca).
Weblinks "Imam mit Seife" - Marokko: Radikale Islamisten predigen schon lange (WoZ 22. Mai 2003) 41 Tote bei Terror-Anschlägen / Festnahmen in Casablanca – FAZ.net 18. Mai 2003 Analysis: Casablanca bombings (PDF) ERRI Briefing with description of attack Terror blasts rock Casablanca – BBC Moroccans march against terror – BBC
Fußnoten
Casablanca Kategorie:Geschichte des Islam in Marokko Kategorie:Casablanca Kategorie:Katastrophe 2003 Kategorie:Politik 2003 Kategorie:Katastrophe 2007 Kategorie:Kriminalfall 2007 Casablanca Kategorie:Politik 2007 Casablanca Kategorie:Terroranschlag 2003