Kurt Horwitz (* 21. Dezember 1897 in Neuruppin; † 14. Februar 1974 in München) war ein deutscher Schauspieler, Theaterregisseur und Theaterintendant.

Leben

Er wuchs in Düsseldorf auf und erhielt ab 1919 Schauspielunterricht bei Ferdinand Gregori in Berlin. Im gleichen Jahr wechselte er nach München zu Otto Falckenberg an die Münchner Kammerspiele, wo er bis 1933 zum Ensemble gehörte.

In Falckenberg-Inszenierungen spielte er unter anderem Licht in Der zerbrochne Krug (1922), Tersites in Troilus und Cressida (1925), Claudius in Hamlet (1930, mit Ewald Balser in der Titelrolle), St. Just in Dantons Tod (1926), General Möllendorf in Neidhardt von Gneisenau (1926, nach Wolfgang Goetz), Dr. Schön in Lulu (1928), Kuckuck in Cyankali (1930), Ricaut in Minna von Barnhelm (1931), Mephisto in Urfaust (1931) sowie Mechelke in Die Ratten (1932). Er war auch in den Uraufführungen der Brecht-Stücke Trommeln in der Nacht (1922) und Leben Eduards des Zweiten von England (1924) zu sehen.

Unter der Regie von Hans Schweikart verkörperte er 1929 Mackie Messer in Brecht/Weills Die Dreigroschenoper, außerdem bot er eigene Inszenierungen und gastierte an der Berliner Volksbühne. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 emigrierte Horwitz in die Schweiz.

Von 1933 bis 1938 und erneut von 1940 bis 1946 war er Schauspieler und Regisseur am Schauspielhaus Zürich, dazwischen wirkte er 1938 bis 1940 am Theater Basel. In der Schweiz sah man Horwitz als Titelfigur von Professor Mamlock (1934), Julius Caesar und König Johann (beide 1941), Wallenstein (1943) sowie als Helmer in Nora oder ein Puppenheim und Jupiter in Die Fliegen (beide 1944). 1945 inszenierte er die Uraufführung von Max Frischs Nun singen sie wieder.

1946 wurde er Direktor des Stadttheaters Basel, 1950 kehrte er für drei Jahre als Schauspieler und Regisseur nach Zürich zurück. 1947 brachte er in Zürich Friedrich Dürrenmatts Es steht geschrieben zur Uraufführung. Neben zahlreichen sonstigen Inszenierungen führte er besonders oft bei Stücken Molières Regie, worin sein Freund Ernst Ginsberg stets die Hauptfigur verkörperte.

Ende 1952 berief man Horwitz zum Intendanten des Bayerischen Staatsschauspiels in München. 1953 berief Horwitz Hans-Reinhard Müller zu seinem persönlichen Mitarbeiter und 1954 zum stellvertretenden Intendanten. Bis August 1958 übte Horwitz dieses Amt aus und machte Fritz Kortner zu seinem Hauptregisseur, unter dem er 1956 die Titelfigur in Heinrich VI. spielte. Anschließend blieb er als Schauspieler und Regisseur ohne feste Bindung in München. 1959 erhielt er für seine Inszenierung von Der Menschenfeind die Kainz-Medaille. 1962 brachte er in Zürich erstmals Dürrenmatts Die Physiker auf die Bühne. Am 9. Mai 1961 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden. 1975 wurde er mit dem Ehrenpreis des Schwabinger Kunstpreises ausgezeichnet.Schwabinger Kunstpreis auf München.de (abgerufen am 5. August 2011)

Beim Film und Fernsehen sah man Horwitz nur in vergleichsweise wenig bedeutsamen Rollen.

Er wurde auf dem Münchner Nordfriedhof bestattet.

Filmografie 1922: Mysterien eines Frisiersalons 1932: Die Herrgottsgrenadiere 1932: Die verkaufte Braut 1932: Peter Voß, der Millionendieb 1932: Ein Mann mit Herz 1932: Fürst Seppl 1933: Was Frauen träumen 1933: Muß man sich gleich scheiden lassen 1954: Der letzte Sommer 1954: Sauerbruch – Das war mein Leben 1955: Die Heiratskomödie 1955: Apoll von Bellac 1957: Die Panne 1957: Das große ABC 1958: Die Alkestiade 1959: Ruf ohne Echo1959: Spiel im Schloß 1961: Unerwartet verschied...(Regie) 1965: Der seidene Schuh (Mehrteiler) 1966: Italienische Nacht 1966: Baumeister Solness 1966: Portrait eines Helden 1967: Das Attentat - L.D. Trotzki 1968: Othello 1968: Keine Angst vor der Hölle 1969: Der Rückfall 1970: Die 13 Monate 1970: Der Papierblumenmörder (Serie Der Kommissar) 1970: Mein Freund Harvey 1971: Das provisorische Leben 1974: Der kleine Doktor – Ein Toter fällt vom Himmel

Hörspiele 1954: Leonhard Frank: Die Ursache (Gerichtsvorsitzender) – Regie: Walter Ohm (Hörspiel – BR) 1959: Friedrich Schiller: Kabale und Liebe (Präsident) – Regie: Walter Knaus (Hörspiel – SDR)

Literatur

C. Bernd Sucher (Hg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 1995, 2. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 323. Kay Weniger: 'Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …'. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. S. 251 f., ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8 Horwitz, Kurt, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. München: Saur, 1983, S. 542f.

Weblinks

Einzelnachweise

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