Radebeuler Lößnitz () bezeichnet eine Großlage im deutschen Weinbaugebiet Sachsen in der gleichnamigen Landschaft Lößnitz. Sie gehört zur Stadt Radebeul und liegt im Bereich Meißen direkt an der Sächsischen Weinstraße sowie am Sächsischen Weinwanderweg. Die Weinberge sind von etwa 50 Kilometer Weinwanderwegen durchzogen.

Die die Landschaft prägenden Steillagen aus Syenitverwitterungsböden mit ihren trockengesetzten Syenit-Weinbergsmauern sind nicht nur als Landschaftsschutzgebiet Lößnitz ausgewiesen, sondern auch insgesamt als Denkmalschutzgebiet Historische Weinberglandschaft Radebeul geschützt. Diese Weinberglandschaft der Lößnitz wird durch das Lößnitzlied von Herbert Schweiniger verewigt. Die über die gesetzlich festgelegten Rebflächen definierte Großlage Lößnitz macht etwa 3,3 % der Flächen der als Lößnitz bekannten Landschaft aus.

Der Wein in der Lößnitz wird von acht Weinbaubetrieben angebaut. Dazu zählen das ehemals Kurfürstlich-Sächsische, heute städtische Weingut Hoflößnitz im Stadtteil Oberlößnitz, das Sächsische Staatsweingut auf Schloss Wackerbarth im Stadtteil Niederlößnitz, sowie die über 200 gemeinschaftlich organisierten Nebenerwerbs- und Privatwinzer der Lößnitz. Die Steillagenwinzer gliedern sich in die Weinbau-Gemeinschaft Zitzschewig, die Weinbau-Gemeinschaft Niederlößnitz sowie den Weinbau-Verein Oberlößnitz. mini|hochkant|Das Wappen Radebeuls zeigt im oberen Teil eine grüne Weintraube mit Laub

Klima und Geologie mini|Ursprungsgemeinden Radebeuls und heutige Stadtteile, braun eingezeichnet die Hangkante mit den Steillagen nach Süden Die Lößnitz liegt im Elbtal im Norden der Elbe und profitiert damit vom mildernden Einfluss dieses Flusses. Aufgrund der klimatischen Bedingungen auf der Südseite des Steilanstiegs des Elbhangs ist in Radebeul Edelobst- und Weinanbau möglich. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 9,2 °C. Die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer, gemessen am Klimadiagramm der ehemaligen Wetterwarte Wahnsdorf, liegt mit 1634 Stunden über dem bundesdeutschen Schnitt von 1541 Stunden. (ZIP; 42 kB), abgerufen am 10. März 2013.

Da Radebeul im Elbtal das mildeste Klima von Sachsen hat, wird es auch Sächsisches Nizza genannt, zurückgehend auf einen Ausspruch des sächsischen Königs Johann um 1860.

Die Lößnitz steigt von der Elbaue über die Elbterrasse bis zum Steilanstieg des Elbhangs, der als Teil der Lausitzer Verwerfung aus Syenitverwitterungsböden besteht und in die Hochfläche der Lausitzer Platte übergeht. Sie wird durch mehrere Kerbtäler zerschnitten, von denen der Lößnitzgrund mit dem Lößnitzbach dauerhaft Wasser führt, während die anderen Täler, der Fiedlergrund, der Kroatengrund und der Rietzschkegrund durch sogenanntes Verlorenes Wasser gebildet werden, das nach Erreichen des wasserdurchlässigen Sandbodens der Elbterrassen versickert und wieder ins Grundwasser übergeht.

Wegen der Steilheit vieler Lagen oberhalb der Elbmittelterrasse mit ihren 30 % bis maximal über 100 % Steigung ist die Bodenschicht aus Verwitterungsprodukten des Unterbodens recht dünn. Die Reben müssen deshalb häufig im Terrassenbau mit Trockenmauern angebaut werden.

Rebsorten Während der sächsische Anbau im Mittelalter hauptsächlich vom Gemischten Satz geprägt war, dominiert seit Anfang des 17. Jahrhunderts der sortenreine Anbau („nach württemberger Art“). Hauptsächlich verbreitet sind Müller-Thurgau, Riesling, Weißburgunder, Ruländer, Traminer, Kerner, Spätburgunder und Scheurebe. Der Goldriesling wird in Deutschland lediglich in Sachsen angebaut. 14px Angebaute weiße und rote Rebsorten (Hauptsorten fett dargestellt) 15px Bacchus

Elbling

Gewürztraminer (Traminer) Goldriesling Grauburgunder (Ruländer) Gutedel

Kerner

Morio-Muskat Müller-Thurgau (Rivaner)

Riesling

Scheurebe Silvaner

Solaris

Weißer Burgunder Domina Dornfelder Frühburgunder

Lemberger Portugieser

Regent Spätburgunder

Zweigelt Der unterhalb des Zechsteins in Zitzschewig entlangführende Zechsteinweg ist der Lehrpfad des sächsischen Weinbaus. Hier werden alle im oberen Elbtal angebauten Rebsorten mit kurz gefasster Charakteristik und ihren jeweiligen Anbauansprüchen präsentiert. Am 15. Juni 2008 fand dort die 1. Internationale Weltmeisterschaft im Weinkorkenweitwurf statt,, abgerufen am 10. März 2013. die unter anderem vom Winzer des Meinholdschen Weinguts veranstaltet wurde.

Lagen und Weinberge mini|Hoflößnitz mit der Lage Goldener Wagen sowie Bismarckturm und Spitzhaus Die drei Lagen der Lößnitz tragen alle die Ortsbezeichnung Radebeul. Von den insgesamt etwa 85 ha Rebfläche (circa ein Fünftel der sächsischen Anbaufläche) liegen 30 ha in Steillagen von über 30 %, maximal werden 47 Grad Steigung (über 100 %) erreicht. Diese Steillagen machen etwa die Hälfte aller sächsischen Steillagen aus. Seit dem 13. Jahrhundert sind in der Lößnitz rund 450, zum Teil historische, Weinbergsnamen überliefert.

Goldener Wagen Die Lage Radebeuler Goldener Wagen befindet sich in Oberlößnitz und erstreckt sich von der östlichen Stadtgrenze bis zum Lößnitzbach. Sie umfasst ca. 31 ha.

Zu den zusammen etwa 11 ha Steillagen gehören die folgenden Weinberge: Goldener Wagen Spitzhaus Hermannsberg Ravensberg Albrechtsberg

Steinrücken mini|Friedensburg mit Trockenmauersanierung und anschließender Neuaufrebung (2008) im Steinrücken Der Radebeuler Steinrücken befindet sich in Niederlößnitz. Er reicht vom Lößnitzbach nach Westen bis zur Moritzburger Straße, der Verbindung vom Anger von Kötzschenbroda an Lindenau vorbei nach Friedewald. Er umfasst ungefähr 23 ha.

Zu den insgesamt circa 12,6 ha Steillagen gehören die folgenden Weinberge: Bussardberg Steinrücken Friedensburg Gemssteig Minckwitzscher Weinberg Terrassenberg Auf den Bergen (auch: Paradies)

Johannisberg mini|Park von Schloss Wackerbarth mit Belvedere in der Lage Johannisberg (historischer Weinberg Fliegenwedel), oberhalb der Jacobstein Die Lage Radebeuler Johannisberg befindet sich in Niederlößnitz, Naundorf und Zitzschewig. Sie reicht von der Moritzburger Straße westwärts bis über die Stadtgrenze hinaus. Sie umfasst etwa 31 ha.

Zu den zusammen circa 6,7 ha Steillagen gehören die folgenden Weinberge: Talkenberg Paulsberg Krapenberg Zechstein Wettinshöhe Wackerbarth Jacobstein

Der der Lage den Namen gebende Weinberg Johannisberg ist eher flachgeneigt.

Besonderheiten mini|Deutsche Weinkönigin 2007/2008: Evelyn Schmidt Als Besonderheiten dieser Landschaft finden sich der Kötzschber und der Schieler. Kötzschber war über Jahrhunderte die Bezeichnung für Wein aus Kötzschenbroda, aus seinem Kötzschbergischen Weingebirge. Er wird von Martin Luther 1520 in einem Brief an den Meißner Bischof für seine Güte gelobt. Da die Weinbauflur heute hauptsächlich zu Niederlößnitz gehört, bot den Kötzschber lange Jahre nur noch das Weinhaus Förster aus Kötzschenbroda Oberort oberhalb der Steillagen des Radebeuler Steinrücken als Weißwein, Rotwein und Rotling an., abgerufen am 10. März 2013. SchielerAngabe von Weinarten, abgerufen am 10. März 2013. ist eine alte sächsische Bezeichnung für den aus weißen und roten Trauben gekelterten Wein aus einem Weinbau mit einem gemischten Satz. Es finden sich zwei Erklärungsversuche: Die sächsische Aussprache für (Fürsten-)Schüler wird vermutet, da sich diese nur diesen preiswerten Wein als Zechwein leisten konnten im Gegensatz zu den Prädikatsweinen der Herren. Und als Zweites die Eigenschaft, dass der Wein im Glas schillert. In Württemberg heißt dieser Wein auch Schillerwein.

Jedes Jahr findet in der Regel am letzten Septemberwochenende das Herbst- und Weinfest auf dem Anger von Altkötzschenbroda statt. In der Saison 2007/08 kam die Deutsche Weinkönigin, Evelyn Schmidt, aus der Lößnitz, sie arbeitete bis Dezember 2008 auf Schloss Wackerbarth. Die Sächsische Weinkönigin 2002/2003 und Deutsche Weinprinzessin 2003/2004, Antje Wiedemann, kommt aus der Lößnitz (Weingut Drei Herren, Weinberg Hermannsberg).

Geschichte mini|links|Oeder, Tafel IX, Ausschnitt Lößnitz (Achtung: Süden ist hier oben!) mini|Haus Lotter Die nördlich des Angers von Kötzschenbroda liegende und zu Kötzschenbroda gehörende Flur wurde bereits 1271 als Kötzschbergisches Weingebirge erwähnt, als Dietrich von Zlauschwitz dem Kloster Sitzenroda 12 Fuder Wein lieferte. Teile dieser Flur mit ihren vereinzelten, separat dem Amt Dresden unterstehenden Herren- oder Eigentümerbergen wurden mit der Gemeindegründung im Jahre 1839 zur Landgemeinde Niederlößnitz. Im selben Jahr war bereits um die Hoflößnitz herum die Gemeinde Oberlößnitz gegründet worden.

Die erste schriftliche Erwähnung des Lezenitzberges (Lößnitz) findet sich in einer Urkunde, in der der Meißner Bischof Withego I. das Dresdner Maternihospital mit diesem oberhalb von Haus Reinhardtsberg gelegenen Weinberg belehnte.

1373 ließ der Meißner Bischof Konrad II. von Kirchberg-Wallhausen auf dem Zitzschewiger Bischofsberg (Hohenhaus) eine Weinpresse mit Weinkeller (Bischofspresse) errichten, die bis zur Säkularisation 1539 ebenso wie der Weinberg im Besitz der Bischöfe verblieb. Es handelt sich damit um eines der ältesten in der Lößnitz nachweisbaren Anwesen.

1401 übernahm während der Dohnaischen Fehde der Markgraf von Meißen, Wilhelm I. der Einäugige, von den Burggrafen von Dohna das Presshaus und umliegendes Gelände der Hoflößnitz. Damit konzentrierten die Wettiner den Weinbau der Umgebung für fast fünf Jahrhunderte auf dieses Hofgut. Nach der Reformation übernahmen die Wettiner weiteren umfangreichen Weinbergsbesitz von der Kirche und den Klöstern. Aus 15 Weinbergen im Jahr 1547 wurden bis zum Jahr 1630 allein in der Lößnitz 23 Weinberge, die sich im Besitz der Wettiner befanden.

Als überregionale Wegeverbindung auf der hochwassersicheren Heidesandterrasse am Fuß des Steilhangs kartierten Matthias Oeder und Balthasar Zimmermann in der 1586 begonnenen Ersten Kursächsischen Landesaufnahme einen Wegezug, der heute in Radebeul der Straßenführung Winzerstraße/Augustusweg entspricht. Dort fanden sich über 20 Gebäude, die mit dem Weinbau in Zusammenhang standen. In der ersten Kursächsischen Landesaufnahme finden sich unter anderem bereits Haus Breitig und Haus Lotter. Die Lößnitz findet auf der Karte ihre Erwähnung als „Die weinberge in der Lösnitz“.

Erstes Weinbau-Regelwerk mini|Johann Paul Knohll: Klein Vinicultur-Büchlein

Kurfürst Christian I. erließ am 23. April 1588 ein erstes Weinbau-Regelwerk, die Weingebürgsordnung. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden Württemberger Weinbau-Fachleute an die Elbe geholt, um Anbaumethoden „nach Württemberger Art“ einzuführen, so zum Beispiel die Terrassierung der Steillagen durch Trockenmauern 1616 durch den Winzer Jacob Löffler. Der Hoflößnitzer Weinbergsschreiber Johann Paul Knohll schrieb 1667 mit seinem Werk Klein Vinicultur-Büchlein, einem Auftragswerk des Kurfürsten, einen Kommentar zur Weingebürgsordnung, der bis in das 19. Jahrhundert ein Standardwerk sächsischer Winzerei war.

Da der Weinanbau bis in die Niederungen der Elbe betrieben wurde und dort sogar die Nahrungsmittelproduktion verdrängt hatte, erließ 1684 Kurfürst Johann Georg III. das Verbot weiteren Weinanbaus in der Niederung durch sein Edikt „Wo der Pflug gehen kann, soll kein Weinstock stehen“.

1717 erwähnte Christian Gerber die Hoflößnitz:

Durch ihren späteren Direktor, den kurfürstlichen Oberlandweinmeister und Besitzer des Paulsbergs in Zitzschewig, Johann Martin Fleischmann, sowie den späteren Bergverwalter der Hoflößnitz, Johann Gottlob Cadner, wurde 1739 in Meißen die Sächsische Weinbaugesellschaft als erste deutsche Weinbaugesellschaft gegründet. Diese von etwa 60 Weinbergsbesitzern getragene Gesellschaft richtete 1810 bei Zaschendorf eine Winzerschule ein. Als eine der ersten Schulen dieser Art in Europa 1840 veranstaltete diese das Winzerfest in der Lößnitz, einen der Vorgänger des heutigen Herbst- und Weinfestes auf dem Anger von Kötzschenbroda.