mini|Das von Karl Friedrich Schinkel entworfene Schulgebäude Unter den Linden 74 wurde 1823 fertiggestellt mini|Die 1876 bezogenen Bauten an der Hardenbergstraße in Charlottenburg
Die Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule war eine am 4. November 1816Anderen Quellen nach wurde der Ausbildungsbetrieb bereits 1814 aufgenommen. gegründete und bis 1907 separat existierende Ausbildungsstätte für Offiziere der Artillerie- und Pioniertruppe der Preußischen Armee in Charlottenburg bei Berlin. Sie gilt als eine der Vorläuferinstitutionen der heutigen Technischen Universität Berlin.Zur 5000. Lokomotive gab es Bachforelle und Hummer. In: TU intern, Januar 2000.
Lage Die ursprüngliche Hauptanschrift der Schule war Unter den Linden (damals Nr. 14). Nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel bekam die Schule 1823 Unter den Linden (Mitte) 74 / Ecke WilhelmstraßeDie Staatskräfte der Preussischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III. Band: (Der) Militairstaat. books.google.at ein neues Hauptgebäude und 1876 erneut in der Hardenbergstraße 32A / Fasanenstraße 87 gegenüber der königlichen Baumschule.Bild, Stadtmuseum BerlinEine Gebäudezeile entlang der Hertzallee blieb vom Standort Fasanenstraße erhalten und wurde bis in das späte 20. Jahrhundert von der TU genutzt.
Entstehung Vor der Gründung der preußischen Militärschule erfolgte die Ausbildung für die Artillerie und die Ingenieurtruppe an separaten Schulen. Die Ausbildung der Artilleristen erfolgte an der Artillerieschule in Hannover und die ursprüngliche Forderung für die Gründung einer Ausbildungsstätte für Ingenieuroffiziere stellte Oberstleutnant Georg Josua du Plat, Chef des kurhannoverschen Ingenieurkorps, aufgrund der Erfahrungen aus dem Siebenjährigen Krieg, in dem sich das bereits 1729 aufgestellte Korps als „überaltert“ und unzureichend ausgebildet herausstellte.Lars U. Scholl: Ingenieurschule 1786 bis 1803. In: Ingenieure in der Frühindustrialisierung / Staatliche und private Techniker im Königreich Hannover und an der Ruhr (1815–1873). S. 52 ff. (Reihe Studien zu Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft im neunzehnten Jahrhundert, Band 10; zugleich Dissertation, Technische Universität Hannover, Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften, 1977).
Zuvor erfolgte die technische Ausbildung der Ingenieuroffiziere in der Truppe durch ausgewählte Artillerieoffiziere, Offiziere anderer Waffengattungen, sowie durch in- und ausländische Zivilsachverständige. Vorbilder für die 1788 in Potsdam gegründete königliche Ingenieurakademie waren insbesondere die französische École Nationale des Ponts et Chaussées in Paris, die École royale du Génie de Mézières und die Artillerieschulen der französischen Artilleriebrigaden. Die preußische Ingenieurakademie kam aber vor allem wegen des Krieges gegen Frankreich Ende des 18. Jahrhunderts nicht über das Versuchsstadium hinaus und wurde letztendlich 1803Anderen Quellen nach im Jahr 1806. aufgelöst.
Ausbildung Die Neugründung der Vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin wurde 1816 vor allem durch den Chef des Ingenieurkorps und Generalinspekteur der preußischen Festungen, den Generalleutnant Gustav von Rauch, vorangetrieben. Rauch erhielt dabei die Unterstützung des Chefs der preußischen Artillerie, des Prinzen August von Preußen. Die Ausbildung für die Leutnante, die bereits zuvor die Kriegsschulen besucht und darauf ein zwei- bis dreijähriges Truppenpraktikum absolviert hatten, fand ab jetzt in einjährigen Kursen statt. Die Ausbildung war mit Bestehen der Abschlussprüfung und Zuteilung des Examens beendet.
Die Lerninhalte wurden zunehmend erweitert und beinhalteten später die Fächer Artillerie- und Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Chemie, Physik, Terrainlehre, Taktik, Kriegsgeschichte, Pferdekenntnis, Zeichnen, Englisch, Französisch, sowie Übungen im Terrainaufnehmen und Besuche der technischen Artillerie-Institute.
Die Teilnahme an der Ausbildung war für die Absolventen freiwillig, der Unterrichtsbesuch für das Bestehen allerdings erforderlich, zumal vom Bestehen der Prüfungen wiederum entsprechende Beförderungen abhängig gemacht waren. Einigen Absolventen wurde auch der Besuch großer Industriewerke ermöglicht.
Während die Unterrichtung militärübergreifender Fächer als einmalig galt, stieß die gemeinsame Unterrichtung von Pionier- und Artillerieoffizieren wegen der waffengattungsspezifisch abweichenden Interessen immer wieder auf Kritik. Daher wurden den Ingenieuroffiziersanwärtern zunächst zusätzliche Fächer angeboten, ab 1834 deren Ausbildung an die neu gegründete Militärakademie verlegt.Lars Ulrich Scholl: Ingenieure in der Frühindustrialisierung. 1978, ISBN 3-525-42209-1. 1907 wurde die Schule mit der Militärtechnischen Akademie vereinigt und unter deren Namen fortgeführt.
Kommandeure Dienstgrad Name DatumDermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815–1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815–1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1990, ISBN 3-7648-1780-1, S. 23–25. Generalmajor Anton Christian von Strampff 19. Dezember 1816 bis 18. Juni 1820 Oberst Johann Christoph Neander von Petersheiden 19. Juni 1820 bis 5. Oktober 1821 unbesetzt Oberst Johann Philipp von Rohde 29. Oktober 1821 bis 11. April 1823 Oberst Damm 12. April 1823 bis 25. April 1827 Oberst Friedrich von Loos 26. April 1827 bis 1827 Oberst Johann Christian Friedrich Liebe 1827 bis 17. November 1831 Oberst Johann Carl Plümicke 18. November 1831 bis 30. Januar 1832 Oberstleutnant Karl August Wittich 31. Januar 1832 bis 3. November 1851 Oberst Moritz von Prittwitz und Gaffron 4. November 1851 bis 12. Mai 1852 Oberst Albert Lademann 13. Mai 1852 bis 15. Mai 1857 Oberst Karl Julius Kayser 16. Mai 1857 bis 2. September 1859 Oberst Theodor von Troschke 3. September 1859 bis 17. April 1865 Oberst Hermann Maximilian Bernhard von Rozynski-Manger 18. April bis 1. Oktober 1865 Oberstleutnant Hermann von Kameke 2. Oktober 1865 bis 9. Oktober 1866 Oberstleutnant Anton The Losen 10. Oktober 1866 bis 1. August 1867 Oberst Adolph Sokolowski 2. August 1867 bis 20. April 1868 Oberst Justus von Dresky und Merzdorf 21. April 1868 bis 5. April 1872 Oberstleutnant Rudolf von Roerdansz 6. April 1872 bis 5. Juni 1874 Oberstleutnant Karl Jacobi 9. Juni 1874 bis 1. Mai 1875 Oberst Wilhelm Hugo Schmeltzer 2. Mai 1875 bis 23. Juni 1879 Oberstleutnant Emil Weinberger 24. Juni 1879 bis 19. Juni 1882 Oberst Hermann von Burchard 20. Juni 1882 bis 10. Dezember 1884 Oberst Friedrich Arthur Köhler 11. Dezember 1884 bis 21. März 1888 Oberst Otto Leo 22. März 1888 bis 13. Oktober 1890 Oberst Paul von Abel 14. Oktober 1890 bis 26. Januar 1892 Oberst Alexander von Gentzkow 27. Januar 1892 bis 15. März 1893 Oberst Olivier von Hoffmann 16. März 1893 bis 26. Januar 1897 Oberst Wilhelm Brennecke 27. Januar 1897 bis 26. März 1898 Oberstleutnant Bruno von Mudra 27. März 1898 bis 17. April 1899 Oberstleutnant Karl Delius 18. April 1899 bis 17. Mai 1901 Oberst Hermann Seer 18. Mai 1901 bis 20. Mai 1906 Oberstleutnant Fritz Hofmeister 21. Mai 1906 bis 1907
Berühmte Schulangehörige Dozenten Hermann Aron Siegfried Heinrich Aronhold Friedrich August Wilhelm von Beetz Karl Gustav von Berneck Meno Burg Rudolf Clausius Karl von Decker Max Dennstedt Otto Linné Erdmann Friedrich Christoph Förster Lazarus Immanuel Fuchs Gotthilf Hagen Emil Körner Heinrich Gustav Magnus Georg Simon Ohm Ernst Robert Schneider Daniel Friedrich Gottlob Teichert Friedrich Adolf von Willisen
Weitere nennenswerte Schulangehörige Zu den bekanntesten Schulabsolventen zählt Werner von Siemens ebenso wie der Schöpfer der Schweren Artillerie, Generalleutnant Gustav Adolf von Deines.
Weitere Artillerie- und Ingenieurschulen Eine vergleichbare Schule war die 1857 gegründete Artillerie- und Ingenieur-Schule der Bayerischen Armee in München und die französische École d'application de l'artillerie et du génie in Metz.
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