Manfred Igo Schuster (* 4. November 1919 in Villach;Geburtsbuch Villach-St. Nikolai, tom. XVIII, fol. 128 (Faksimile), abgerufen am 21. Januar 2024 † 30. November 1994 in Berlin) war ein österreichischer Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher.

Leben Manfred Schuster wurde am 4. November 1919 als Sohn des Kaufmanns Simon Schuster (* 27. September 1888 in Emmersdorf bei Rosegg (Pfarre Lind ob Velden); † 20. Juli 1965 in VillachTrauungsbuch Villach-St. Nikolai, tom. VIII, fol. 83 (Faksimile), abgerufen am 21. Januar 2024) und dessen Ehefrau Theresia (geborene Schauer; * 12. Oktober 1890 in Stallhof bei Stainz; † 21. Dezember 1975 in VillachGeburtsbuch Stainz, tom. VI, fol. 234 (Faksimile), abgerufen am 21. Januar 2024) in Villach geboren und am 20. November auf den Namen Manfred Igo getauft. Seine Eltern hatten am 5. Juni 1912 in der Pfarre Villach-St. Nikolai geheiratet. Sein zweiter Vorname stammt von seinem Onkel Igo Schuster, einem Beamten der Oesterreichisch-ungarischen Bank., abgerufen am 21. Januar 2024

Nach über einem Jahrzehnt Theaterarbeit begann Schuster seine Filmkarriere 1949 mit dem österreichischen Drama Duell mit dem Tod (auch Am Rande des Lebens) von Paul May. Seitdem war er recht selten in Film und Fernsehen zu sehen; bis in die 70er Jahre lassen sich dafür viele Rollen in Theaterstücken an Wiener, Hamburger und Berliner Bühnen nachweisen. 1958 war Schuster Hauptdarsteller im türkischen Film Karasu, 1982 zeigte er sich in der Berliner Fernsehproduktion Single liebt Single an der Seite vieler bekannter Synchronschauspieler und ein Jahr später spielte er den kaiserlichen Minister Franz Anton Graf von Kolowrat-Liebsteinsky im Kinofilm Frühlingssinfonie von Peter Schamoni an der Seite von Rolf Hoppe und Nastassja Kinski.

Manfred Schuster war zudem sehr umfangreich in der Synchron- und Hörspielbranche tätig. Zwischen 1954 und 1992 war er in über 100 Filmen und Serien zu hören, darunter in seiner größten Rolle als Graf Orsini-Rosenberg in der ersten Synchronisation des Klassikers Amadeus. Zumeist war Schuster nur in Kleinst- und Nebenrollen (als sogenannter Take-Löhner) zu hören, sehr oft unter der Regie von Dietmar Behnke und Horst Balzer bei der Berliner Synchron GmbH (BSG). Zu den prominentesten Schauspielern, denen Schuster seine Stimme lieh, gehören Lee Van Cleef (in Cannonball-Fieber), Jean-Pierre Aumont (in F wie Fälschung) und John van Dreelen (in Hart aber herzlich). Daneben sprach er einen Rechtsanwalt in Hitchcocks Thriller Frenzy, einen Sklavenhalter in Fellinis Satyricon, Richter bzw. Reporter in Frances bzw. Gandhi und war in Episodenrollen in Serien wie Twilight Zone, Mit Schirm, Charme und Melone, Remington Steele und Die Bill Cosby Show zu hören. Zudem lieh Schuster deutschen Schauspielern, die nachsynchronisiert werden mussten, seine Stimme, darunter einem bayerischen Touristen in der Heinz-Erhardt-Komödie Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern oder Kurd Pieritz in zwei Szenen des Bryan-Edgar-Wallace-Films Das Ungeheuer von London-City.

Das Haupttätigkeitsfeld Manfred Schusters war jedoch für fast fünf Jahrzehnte die Welt des Hörspiels. Spätestens seit 1945 arbeitete er für den ORF, sein Umzug nach West-Berlin um 1960 führte dann zur kontinuierlichen Mitarbeit an Produktionen des RIAS und des SFB. Für heutige Hörer hervorzuheben sind seine Auftritte in den kommerziellen Produktionen des Berliner Labels Kiosk, vor allem Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg. Am bekanntesten dürfte seine wiederkehrende Rolle als Schuldirektor der Junghexe Bibi Blocksberg sein. Schusters markante und warme Stimme besitzt nicht zuletzt aufgrund seines österreichischen Dialektes einen sehr hohen Wiedererkennungswert.

Manfred Schuster beendete seine Karriere vermutlich 1992. Seine letzten dokumentierten Arbeiten waren Nebenrollen in Kinderhörspielen unter der Regie von Ulli Herzog, z. B. Am Sonntag ist Tina-Sonntag, und zwei kleine Sprechrollen in der Synchronisation von Rache ist süß (1941) mit Rosalind Russell und Walter Pidgeon.

Manfred Schuster starb am 30. November 1994 im Alter von 75 Jahren in Berlin und fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof Zehlendorf.

Filmografie 1949: Duell mit dem Tod 1955: 08/15 Zweiter Teil 1956: Pulverschnee nach Übersee 1958: Caféhaus Payer (TV) 1958: Karasu 1964: Das Ungeheuer von London-City (Stimme) 1964: Mit den besten Empfehlungen (TV) 1965: Das Fernsehgericht tagt (Fernsehserie, 2 Episoden) 1968: Sein Traum vom Grand Prix (Fernsehserie, 2 Episoden) 1970: Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern (Stimme) 1971: Liliom (TV) 1972: Typisch Tantchen (Fernsehserie) 1972: Das Jahrhundert der Chirurgen (Fernsehserie, Episode Reine Hände) 1976: Die Hebamme (TV) 1980: Wenn's nach mir ginge (Fernsehserie, Episode Staatliche Dienste – Private Dienste) 1980: Drei Damen vom Grill (Fernsehserie, Episode Der Musterpatient) 1982: Single liebt Single (TV) 1983: Frühlingssinfonie 1988: Geheime Reichssache (TV-Mehrteiler, Episode Zwei aus dem Weg)

Synchronrollen (Auswahl) 1962: Von Stadt zu Stadt – Snapper 1965: Das zehnte Opfer – Nachrichtensprecher 1967: Barfuss im Park – Frank 1967: für Eric Sykes in Der Spion mit der kalten Nase – Wrigley 1967: für Tim Barrett in Die tödlichen Bienen – Harcourt 1973: Die Schlange – Gilles de la Rue 1975: für Ford Rainey in Tödliche Diagnose – Dr. Patterson 1975: für John Davis Chandler in Capone – Hymie Weiss 1976: für William Bryant in Sag' ja zur Liebe – Colonel 1980: für Gary Allen in Meine liebe Rabenmutter – Jimmy 1984: für Charles Kay in Amadeus – Graf Orsini-Rosenberg 1984: für John van Dreelen in Hart aber herzlich – Henri Beaumont 1989: für Georg Kövary in Recht, nicht Rache – Baron

Hörspiele (Auswahl) Benjamin Blümchen 1977: Benjamin, der erste Wetterelefant (1) – Stadtrat 1977: Benjamin rettet den Zoo (2) – Ulrich Umsatz 1981: Benjamin im Krankenhaus (13) – Oberarzt 1981: Benjamin im Urlaub (15) – Mann 1981: Benjamin träumt (16) – Ottos Mathematiklehrer 1981: Benjamin auf Skiurlaub (17) – Verkäufer 1982: Benjamin und Bibi Blocksberg (20) – Pilot 1983: Benjamin als Koch (23) – Geschäftsführer 1983: Benjamin auf dem Bauernhof (27) – Bauer Humpe 1983: Benjamin als Feuerwehrmann (31) – Feuerwehrmann

Bibi Blocksberg 1980: Hexen gibt es doch! (1) – Polizist 1980: Hexerei in der Schule (2) – Schuldirektor 1980: Die Zauberlimonade (3) – Mann am Limonadenstand 1980: Bibi und der Bankräuber (4) – Bankdirektor 1980: Ein verhexter Urlaub (5) – Hoteldirektor 1982: Die Kuh im Schlafzimmer (6) – Bauer 1983: Die schwarzen Vier (15) – Schuldirektor 1983: Das Schulfest (16) – Schuldirektor 1985: Die Schnitzeljagd (26) – Schuldirektor 1986: Bibi darf nicht hexen (34) – Versteigerer 1987: Bibi und die Weihnachtsmänner (38) – Willi, österreichischer Weihnachtsmann

Jan Tenner 1981: Gefahr aus dem All (4) – Mailer 1981: Gefährliche Insel (5) – Fischer 1983: Der wahnsinnige Professor (10) – 2. Leibwächter 1983: Entführung ins All (12) – Gruber Miller 1982: Fluch der Silberkugel (13) – Gary

Professor van Dusen 1979: Die Perlen der Kali (6) – Lord Wildermere 1987: Professor van Dusen und der schwarze Ritter (46) – Professor Lancelot

Sonstige 1945: Im weißen Rössl (NWDR) 1946: Tartuffe (NWDR) 1946: Der Bauer als Millionär (ORF) 1949: Götz von Berlichingen (ORF) 1952: Die Cocktail-Party (ORF) 1956: Der Hochzeitsgast (ORF) 1967: Wir sind noch einmal davongekommen (RIAS) 1971: Der Weg ins Freie (RIAS) 1972: Das Diadem (RIAS) 1975: Die gar köstlichen Folgen einer mißglückten Belagerung (SFB/WDR/HR) 1979: Tam Tam ganz groß (SFB) 1981: Die kleinen Detektive – Der Überfall 1983: Tennis-Match zu dritt (ORF) 1986: Vernissage im Souterrain (SDR) 1986: Erik und Roderik (SFB) 1987: Guten Tag, lieber Wal (SFB) 1987: Für Mama zum Muttertag (SFB) 1987: Am Ende des Weges – Die Reise von Günter Anders (SFB) 1988: Anarchie bei der BBC oder Der große Rock'n Roll-Schwindel (RIAS) 1991: Am Sonntag ist Tina-Tag (SFB)

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Einzelnachweise

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