mini|Gedenktafel an Anton Wilhelm Amo in Halle Anton Wilhelm Amo (; * wohl vor 1701 in Nkubeam bei Axim,Schon zeitgenössisch teilweise verwechselt mit Aksum in Äthiopien; Paulin J. Hountondji: African Philosophy. Myth and Reality. 2. Auflage Indiana University Press, Bloomington / Indianapolis 1996, S. 114. Goldküste; † nach 1753 vermutlich im heutigen Ghana, vielleicht am 3. März 1756,So Edmund Abaka: Amo, William Anton. In: F. Abiola Irele, Biodun Jeyifo (Hrsg.): The Oxford Encyclopedia of African Thought, Bd. I. University Press, Oxford 2010, S. 70f, bes. S. 71 (ohne Angabe der Quelle). laut Grabstein bei Shama † 1784) war der erste bekannte Philosoph afrikanischer Herkunft in Deutschland, der an den Universitäten Wittenberg, Halle und Jena lehrte. In Jena bot Amo Kurse in Astrologie und Geheimschrift an, in Afrika, wohin er 1747 zurückgekehrt war, stand er im Ruf eines Wahrsagers.

Obwohl eine frühe Studienarbeit Amos Über die Rechtsstellung der Mohren in Europa nicht erhalten ist, wird ihr in der Presse immer wieder eine kritische Tendenz zugeschrieben, Amo gilt sogar als ein „Vordenker des Antirassismus“.

Leben mini|Gedenktafel an Amos Wohnung an der Jenergasse in Jena Anton Wilhelm Amo stammte aus dem Gebiet in der westlichen Region im heutigen Ghana und gehört der Bevölkerungsgruppe der NzemaIngeborg Kittel: Mohren als Hofbediente und Soldaten im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel. In: Braunschweigisches Jahrbuch 1965 46 (1965), S. 78–103, bes. S. 85, wohl nach Norbert Lochner (1958). an. Die genauen Umstände seiner frühen Kindheit und seiner Überführung nach Europa sind nur bruchstückhaft überliefert. Eine von Burchard Brentjes dokumentierte lokalen mündlichen TraditionWilliam E. Abraham: The Life and Times of Anton Wilhelm Amo. In: Transactions of the Historical Society of Ghana 7 (1964), S. 60–81, bes. S. 64, vermutet, er habe zum Prediger der niederländischen reformierten Kirche ausgebildet werden sollen, was voraussetzen würde, dass er bereits in seiner Heimat getauft wurde; deswegen skeptisch Ottmar Ette: Mobile Preußen. Ansichten jenseits des Nationalen. J. B. Metzler, Stuttgart 2019, S. 1–36, bes. S. 5. wurde er „von seiner Mutter zu deren Schwester nach Amsterdam geschickt, um ‚ausgebildet‘ zu werden, und war zugleich Geisel für die Einhaltung eines Handelsvertrags zwischen dem ‚Löwenstamm‘ von Nkubem mit der Niederländisch-Westindischen Kompagnie.“Monika Firla: Anton Wilhelm Amo (Nzema, heute Republik Ghana) Kammermohr - Privatdozent für Philosophie - Wahrsager, in: Tribus 51.2002, Seite 59 (Link siehe Literaturverzeichnis). So kam er 1707, wohl noch als Kind, aus seinem Geburtsort in Begleitung eines Sergeanten Christian Bodel (1671–1708)Aus Rochlitz, diente als niederländischer Gouverneur im Fort St. George del Mina (bei Elmina), in Kurland und in Braunschweig; Grabinschrift bei Caspar Heinrich Graun, Samuel Gottlieb Heine (Hrsg.): Historische Beschreibung der alten Stadt und Grafschafft Rochlitz in Meissen. J. C. Martini, Leipzig 1719, S. 55 (Google-Books); Stephen Menn, Justin E. Smith: Anton Wilhelm Amo’s Philosophical Dissertations on Mind and Body. University Press, Oxford 2020, S. 14f und 38. auf einem Schiff der Niederländisch-Westindischen Gesellschaft nach Europa. Von Amsterdam wurde er an den Hof der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel gebracht.

In Wolfenbüttel Am 29. Juli 1708 wurde Amo in der Schlosskapelle Salzdahlum (nahe Wolfenbüttel) evangelisch getauft„Den 29. Juli ist ein Kleiner mohr in der Salzthal-Schloss Cappell getaufft u. Anthon Wilhelm genannt worden. Die geVatern waren die hiesige Sämbtl. Hochfürstl. Herrschaft.“; Kirchenbucheintrag nach Burchard Brentjes: Anton Wilhelm Amo. Der schwarze Philosoph in Halle. Koehler & Amelang, Leipzig 1976, S. 29f (mit Faksimile nach S. 33) = Dwight Kenneth Lewis jr.: Anton Wilhelm Amo’s Philosophy and Reception. University of South Florida, Saint Petersburg 2019, S. 17. und vielleicht 1721 konfirmiert.Nach Ingeborg Kittel: Mohren als Hofbediente und Soldaten im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel. In: Braunschweigisches Jahrbuch 46 (1965), S. 78–103, bes. S. 85, bezieht sich der Konfirmationseintrag 1721 für „Anthon Wilhelm Rudolph Mohre“ jedoch auf „den Sohn Anton Wilhelm des schwarzen Kammerdieners Rudolf August Mohr“. Seine Taufpaten und Namensgeber waren Herzog Anton Ulrich (der 1709 zum Katholizismus konvertierte) und dessen Sohn August Wilhelm. Der Name Amo entstammte vermutlich seiner Muttersprache.

Zwar vermuten einige Forscher, dass Amo von 1717 bis 1721 die Ritterakademie Rudolph-Antoniana in Wolfenbüttel besuchte,William Emmanuel Abraham: Anton Wilhelm Amo. In: Kwasi Wiredu (Hrsg.): A Companion to African Philosophy. Blackwell Publishing, Malden / Oxford 2004, S. 191–199, bes. S. 192 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau); Edmund Abaka: Amo, William Anton. In: F. Abiola Irele, Biodun Jeyifo (Hrsg.): The Oxford Encyclopedia of African Thought, Bd. I. University Press, Oxford 2010, S. 70f, bes. S. 71. indessen fehlt sein Name in der Matrikel. Vielmehr wird Amo in den braunschweigischen Kammerrechnungen von 1716/17 und 1720/21 (eigenhändig unterschriebene Quittung für Besoldung und Kostgeld vom 23. April 1720) in der Umgebung des Hofes in Wolfenbüttel aufgeführt.Ingeborg Kittel: Mohren als Hofbediente und Soldaten im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel. In: Braunschweigisches Jahrbuch 46 (1965), S. 78–103, bes. S. 85. Im braunschweigisch-wolfenbüttelerischen Hofkalender (einer Art Adressbuch) wird „Anthon Wilhelm Amo, der Mohr, Log(is) aufm Schloß“ 1721 unter den „Hertzogl. Laqveyen“ und 1725 als „Mohr, Anthon Wilhelm, bey Ihro Durchl. dem regierenden Hertzog Cammer-Bediente“ genannt.Jacob Wilhelm Heckenhauer (Hrsg.): Adress-Calender, der Hoch-Fürstlichen Braunschweig Lüneburgischen Haupt- und Residentz-Städte Wolffenbüttel und Braunschweig … auf das Jahr Christi 1721. Wolfenbüttel 1721, S. 9; Heckenauer, Jakob Wilhelm (1929): Wolfenbütteler Adressbuch von 1725, hrsg. von Paul Zimmermann. (Sonderveröffentlichungen der Ostfälischen Familienkundlichen Kommission  3). Nachdruck der Ausgabe Wolfenbüttel 1725. Degener, Leipzig 1929, unter dem Buchstaben „M“.

Studium und Lehre mini|Titelseite von Amos Dissertation In der Matrikel und anderen Unterlagen der braunschweigischen Landesuniversität in Helmstedt, an der er sein Universitätsstudium begonnen haben soll, ist Amo nicht nachweisbar.Burchard Brentjes: Anton Wilhelm Amo. Der schwarze Philosoph in Halle. Koehler & Amelang, Leipzig 1976, S. 32. Ein Zeugnis der philosophischen Fakultät in Wittenberg erwähnt lediglich, dass er vor Aufnahme seiner Studien Latein gelernt hatte. Im Juni 1727 schrieb „Amo Æthiops“ sich jedoch zunächst an der Friedrichs-Universität im preußischen Halle für Philosophie ein und belegte in diesem Zusammenhang offenbar auch rechtswissenschaftliche Kollegien. Noch am 3. Juli 1729 bezeichnete er sich als „Student beider Rechte und der Phylosophie [sic!] sowie herzoglicher Bibliothekar und Hofsekretär“.J[uris] U[triusque] & phylos[ophiae] Stud[iosus] nec non eiusdem Serenissim[i] Duc[is] Bibliothecar[ius] & Secretar[ius] Aulic[us]. Halae, 3. Julii 1729.; Nach der Land-ersprießlichen und Hocherfreulichen Wiedergenesung Sr. Regierenden Hertzogl. Durchleuchtigkeit Aug. Wilhelm Seines genädigsten Hertzogen und Herrn … Halle 1729; Monika Firla: Drei Texte aus A. W. Amos Feder in deutscher Sprache 1729–37. (AfriTüDeGelb 4). AfriTüDe-Geschichtswerkstatt, Stuttgart 2020, S. 8–30, bes. S. 9 (mit Abb.). Im November 1729 hielt er eine Disputation über das Thema ().Eine Übersicht zum Inhalt findet sich bei Gottfried Ludwigs Universal-Historie Fünfter Theil. Friedrich Lanckischens Erben, Leipzig 1744, Eintrag zum November 1729, Seite 251 (digitale-sammlungen.de). Am 2. September 1730 immatrikulierte er sich an der Philosophischen Fakultät der Universität Wittenberg und erhielt schon sechs Wochen später den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie, der ihm erlaubte, Vorlesungen anzubieten, während derer er gleichzeitig seine Studien fortsetzte.

Bei einem Besuch des neuen Kurfürsten Friedrich August II. im Mai 1733 nahm Amo eine prominente Rolle in den mehrtägigen Begrüßungszeremonien ein.Johann Gottfried Mittag: Leben und Thaten Friedrich Augusti III. August Martini, Leipzig 1737, S. 118 (Google-Books). 1734 ließ ihn die Universität nach öffentlicher Verteidigung einer Dissertation am 17. AprilActa academica praesentem academiarum, societatum litterarium, gymnasiorum et scholarum statum illustrantia, Bd. III. Johann Christian Langenheim, Leipzig o. J. [1733/34], S. 123; vgl. auch S. 159 zur Disputation von Amos Schüler Johann Theodor Meiner am 29. Mai 1734 (Google-Books); Nicolaus Hieronymus Gundling, Christian Friedrich Hempel (Hrsg.): Vollständige Historie der Gelahrtheit, Bd. IV. Wolfgang Ludwig Spring, Frankfurt am Main 1736, S. 5601 (Google-Books). über das Leib-Seele-Problem mit dem Titel () als zu, was ihn ermächtigte, eigenständig Studenten zu betreuen und bei deren Disputationen den Vorsitz zu führen. Auf dem Titelblatt dieses Druckes erscheint Amo als Magister und als Kandidat beider Rechte. An Amos akademischer Promotion in Wittenberg wirkte der Philosoph Samuel Christian Hollmann mit, der wenige Monate später an die neu eröffnete Universität Göttingen berufen wurde.Johann Friedrich Blumenbach: Einige naturhistorische Bemerkungen bey Gelegenheit einer Schweizerreise. Von den Negern. In: Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte 4,3 (1787), S. 1–12, bes. S. 9–11 (Google-Books) = (englische Übersetzung) Observations on the Conformation and Capacity of the Negroes. In: The Monthly Magazine, and American Review 1,6 (1799), S. 453–456 (Google-Books) = Joseph Jekyll (1754–1837): Letters of the late Ignatius Sancho, an African. 5. Auflage Wills and Taylor, London 1803, S. xv f (Google-Books). Mit dem Leib-Seele-Problem beschäftigte sich auch die Disputation seines Schülers Johann Theodor Meiner aus Rochlitz, der Amo 1734 in Wittenberg vorsaß.