mini|Beutelspanne oder auch Beutelgestell mit Beuteln der Größe III in einem Bahnpostwagen der Deutschen Bundespost mini|Links: EMS Postbeutel, rechts: kleiner Briefbeutel der Größe I wie er fast ausschließlich als Wertbeutel eingesetzt wurde Der Postbeutel, seltener auch Briefbeutel, fälschlich auch Postsack oder Briefsack genannt, dient zum Transport von Postsendungen wie Postkarten und Briefen. Ein Vorgänger ist das Felleisen. Zu den ältesten Exemplaren im Bundespostmuseum gehören die Feldpostbeutel aus dem Dreißigjährigen Krieg,Herbert Leclerc: »Die Postabteilung des Bundespostmuseums« – Abschnitt: Briefkästen und Briefbeutel; S. 30 damit zählt er zu den ältesten noch in Gebrauch befindlichen Transportmitteln für Postsendungen. Heute wird für den Transport von Postsendungen meist auf Briefbehälter zurückgegriffen. Der Postbeutel ist von der Briefkastenleerungstasche zu unterscheiden, welche zum Leeren der Briefkästen dient. Dieser Artikel behandelt hauptsächlich die Postbeutel der Deutschen Bundespost. Postbeutel werden aber auch bei anderen Postdienstleistern verwendet.

Geschichte Die Qualität der Postbeutel machte sie im Zweiten Weltkrieg zur begehrten Kriegsbeute. Wegen der Zerstörung großer Schwerwebereien, die die Säcke herstellten, griff die Post nach 1945 zu improvisierten Speicher- und Transportmaterialien, etwa Postsäcken aus Papier. Auch Jute und Kubazucker kamen als Materialien ins Spiel. Die US-Besatzer spendierten Zeltbahnen, woraus 900.000 Postsäcke genäht wurden. In den 1950er Jahren lieferte die Schweiz Jutesäcke an die Deutsche Post, die aber bald ausschieden, weil sie bei Feuchtigkeit leicht vermoderten und zerfielen und zu viel Staub erzeugten. Durch die Einarbeitung von Hanf und Flachs (vorher auch Asbest) reduzierte sich der Staub.

Der Staub war schon Jahrzehnte vorher als Problem erkannt worden. So trat die Reichspost 1930 als Staub-Gegnerin auf der Hygieneausstellung in Dresden auf: „Kein Knasterduft verdirbt die Sphäre / Zutritt ist Hunden nicht erlaubt / nach Regeln der Gesundheitslehre / sorgfältig wird der Raum entstaubt.“ Es gab Anweisungen, die Beutel zu wenden, und Routinen, die Verteilungsstellen regelmäßig zu kehren. In den 1930er Jahren setzte die Reichspost Tische mit Löchern ein, auf denen die Postsäcke entleert wurden. Die Löcher sollten den Staub nach unten treiben, wo er von einer Saugleitung aufgefangen wurde. Das System versagte wegen der zu geringen Saugleistung. Einrichtungen mit stärkerer Saugleistung hätten den Raum abgekühlt. Daraufhin bekam die Firma Mix & Genest den Auftrag, eine Entstaubungskammer für Postsäcke zu konstruieren.

Das größte Beutelreinigungswerk wurde 1936 im Postamt O17 am Schlesischen Bahnhof in Berlin eröffnet. Hier konnten 35.000 Postbeutel und -säcke täglich entstaubt, gereinigt und geflickt werden. Dabei kamen neben der Handarbeit auch Entstaubungstrommeln, Schüttelwerke und Filteranlagen zum Einsatz.

Die Reinigung der Beutel regelte das Posttechnische Zentralamt in Darmstadt, indem es nach dem Zweiten Weltkrieg die zerstörten Beutelreinigungswerke wieder instand setzte.

Material Gewöhnliche Postbeutel bestehen meist aus strapazierfähigem Leinen, Jute oder ähnlichen Textilgeweben. Luftpost oder Express Mail Service (EMS) Beutel bestehen um Gewicht für den teuren Lufttransport zu sparen aus leichteren Stoffarten, zumeist Baumwolle. Bei neueren Beuteln werden auch strapazierfähige Kunststoffgewebe eingesetzt. Bedruckt sind die Beutel mit dem Namen des jeweiligen Postunternehmens. Früher wurden die Postsendungen oft in Bahnpostwagen sortiert und in einer sogenannten Beutelspanne, die für jede Leitregion einen Beutel besaß, verworfen. Seit der Einführung moderner Postzentren mit Postsortierstraßen werden zum Transport meist Postcontainer eingesetzt. Wenn überhaupt, findet man Postbeutel heute nur noch im internationalen Flugposttransport oder als Ablagestellenbeutel.

Beutelarten Die Form der Brief- und Paketpost, die Länge der Beförderungsstrecke, die Art der Beförderungsmittel und der Verwendungszweck bestimmten bei der Deutschen Bundespost Größe, Aufschrift und Beschaffenheit der Beutel.

Briefbeutel miniatur|Sortierkraft sortiert die Päckchen nach den Bestimmungsorten und verwirft diese in die aufgebauten Briefbeutel (1953). Sie waren die Standardbeutel und wurden in allen Bereichen außer für Luftpost und EMS eingesetzt. Je nach Beutelfahne wurden sie so zum Brief-, Päckchen-, Wert-, Einschreib-, Eilpost-, Zeitungs-, Drucksachen-, Massendrucksachen-, Versack- oder Ablagebeutel.

Es waren drei Größen in Gebrauch (Länge × Breite): 1: 70 cm × 41 cm; Diese waren wegen der geringen Größe für den Versand von gewöhnlichen Sendungen ungeeignet und wurden fast nur als Wertbeutel verwendet. Vor allem zum Versand von Barzuschüssen und Barablieferungen zwischen den Postämtern und Poststellen und der Geldsammelkasse. 2: 100 cm × 58 cm; Auch diese Größe wurde überwiegend als Wertbeutel verwendet. 3: 125 cm × 75 cm; Diese Größe war der Standardbeutel, der an den Beutelgestellen verwendet wurde. In diese wurden Briefbunde, Stückbriefsendungen, Grobsendungen und Päckchen verworfen und befördert. Wohl weit über 90 % aller Postbeutel entsprachen dieser Art und Größe. Als Textilgewebe wurde in der Regel graues Leinen verwendet. Aus Mangel an Rohstoffen waren vorübergehend (vor 1952) auch Inlandsbeutel aus Jute zugelassen, die aber wieder durch rundgewebte Leinenbeutel ersetzt wurden, die nahtlos gewebt werden konnten und deren Haltbarkeit mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von 20 Jahren fünfmal so groß ist.

Paketsack mini|Luftpostbeutel mit Abbildung eines Flugzeuges Paketsäcke waren für den Inlands- und Europaverkehr nur in einer Größe von 133 cm × 83 cm bei einem Umfang von 166 cm in Gebrauch. Die Säcke hatten rechteckige Böden, einen Rucksackverschluss mit Lochösen und zwei Handgriffen. Das Fassungsvermögen wurde der körperlichen Leistungsfähigkeit des Personals angepasst und der Umfang daher auf 102 cm reduziert. Damit wurde die Akzeptanz erhöht, da die Zusammenfassung der Pakete in Säcken die Bearbeitung beschleunigte. Seit der Einführung der Paketrollbehälter Anfang der achtziger Jahre wurden die Paketsäcke nicht mehr verwendet und ausgemustert. Unfallkasse Post und Telekom über den richtigen Umgang mit Rollbehältern

Im außereuropäischen Verkehr wurden Paketsäcke in drei Größen benutzt. 120 cm × 45 cm 120 cm × 55 cm 130 cm × 65 cm Daneben kamen aber auch Überseebeutel in der Größe III (125 cm × 75 cm), die statt Ösen zum Aufhängen über einen Wulstrand verfügen, zum Einsatz.

Luftpostbeutel

Luftpostbeutel bestanden, um Gewicht für die teure Luftfracht zu sparen, aus besonders leichtem Leinen oder festem Baumwollgewebe in hellblauer Farbe für den Postabgang ins Ausland und in grüner Farbe für den Innerdeutschen Postabgang, der über das Nachtluftpostnetz befördert wurde.

EMS-Beutel

Express-Mail-Service-Beutel bestanden aus Baumwolle in den EMS-Farben Blau und Rot. Sie gab es in vielen verschiedenen Größen und sie wurden nur von Wertstelle zu Wertstelle mit einem eigenen EMS-Ladezettel versandt.

Ablagebeutel mini|Moderner Postablagebeutel der Deutschen Post AG miniatur|Ganz rechts in Grau: ein Postablagekasten Die Zusteller können meist nicht die gesamte Postmenge eines Bezirkes auf einmal mitnehmen. Deshalb werden sogenannte Ablagen gefertigt, mit denen der Briefträger seine Taschen jeweils wieder auffüllt. Diese Ablagen befinden sich entweder in verschließbaren sogenannten Postablagekasten oder werden, wo eine Aufstellung dieser nicht möglich ist, an Ablagestellen hinterlegt. Diese Ablagestellen befinden sich bei Vertrauenspersonen, die einen Postablagevertrag mit der Post geschlossen haben, in dem sie sich verpflichten, den Beutel bis zur Abholung unter Verschluss zu halten oder zu beaufsichtigen. Da diese Beutel vorübergehend aus dem Einflussbereich der Post entfernt sind, sind diese mit einem Ablageschloss versehen, zu dem nur die Post den Schlüssel hat. Diese Beutel gibt es nur in einer Größe, sind aus Baumwolle oder ähnlich leichtem Material und werden als einzige im Bereich der deutschen Post auch heute noch hergestellt und eingesetzt. Ursprünglich wurden zu diesem Zweck normale Briefbeutel eingesetzt, wobei das Verwenden von EMS- oder Luftpostbeuteln untersagt war. Da die Luftpostbeutel zum eigentlichen Zweck nicht mehr gebraucht werden, aber immer noch in hoher Zahl vorhanden sind, werden heutzutage häufig auch diese als Ablagebeutel verwendet.

Innenbeutel Mit ihnen wurden Ladungsgegenstände, die nachgewiesen oder besonders sorgsam behandelt werden mussten, gesichert von und zur Übergabestelle befördert. Sie waren rot und bestanden aus Baumwollgarn (Nesselstoff). Von den insgesamt vier Größen wurden meist nur die Größe I (40 cm × 25 cm) und die Größe II (60 cm × 35 cm) verwendet. Sie wurden normalerweise, meist zu mehreren, in größere Beutel versackt.

Versteckbeutel Sie bestanden aus hellrotem, leichten Leinengarn oder aus Baumwolle in der Größe 50 cm × 40 cm und dienten zum Verpacken von umfangreichen und schweren Drucksachen und Warenproben, von Sendungen in Rollenform sowie von Ortsbriefbunden im Verkehr von Postämtern untereinander. Der Bedarf an Beuteln dieser Art war gering, weil für diesen Zweck meist Inlandsbeutel der Größe I benutzt wurden.

Sonderformen miniatur|Feuerrettungssack im Vergleich zum kleinsten Normalbeutel und Luftpostbeutel Ladesäcke (früher Kurssäcke) wurden für den Postenaustausch im Bahnpost- und Kraftpostdienst benutzt. Es handelte sich hierbei gewöhnlich um Briefbeutel der Größe III aus festem Leinen. Als Feuerrettungssäcke wurden auch noch brauchbare Briefbeutel oder Säcke ohne Wulstrand verwendet. Beide Sonderformen gehörten zu den Ausstattungsgegenständen der Postämter, die nachzuweisen waren.

Kennzeichnung Für die Kennzeichnung der Postbeutel der Deutschen Bundespost galt: Alle Postbeutel tragen oben links im Eck eine Bruchzahl, die obere Zahl zeigt entweder die Herstellungswoche, oder bei manchen Serien auch die postinterne Herstellernummer, die untere das Herstellungsjahr. Beutelarten, die es in verschiedenen Größen gab, hatten dahinter noch die Größenangabe. Brief- und EMS-Beutel sowie Paketsäcke trugen in schwarzer Farbe den Aufdruck Deutsche Bundespost und hatten einen eingewebten Streifen in den Bundesfarben. Luftpostbeutel trugen in schwarzer Farbe den Aufdruck Deutsche Bundespost und die Bezeichnung Luftpost bzw. später das Piktogramm eines Flugzeugs. Paketsäcke trugen die Aufschrift Paketsack, im Auslandsverkehr wurden diese mit Colis Postaux gekennzeichnet. Innenbeutel trugen nur die Aufschrift Deutsche Bundespost in schwarzer Farbe. Ablagebeutel sind dunkelblau und tragen die gelbe Aufschrift Deutsche Post Briefzustellung sowie ein Posthorn.

Verschluss mini|Die Beutelschließe, ein wiederverwendbarer Beutelverschluss