Die Straßenbahn in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, ist die am westlichsten gelegene Straßenbahn Russlands und die einzige noch existierende Straßenbahn in der Oblast Kaliningrad, dem Nordteil des früheren Ostpreußen. Es handelt sich um die älteste elektrische Straßenbahn auf dem heutigen Territorium Russlands (die Bahn besteht seit 1895). Die Straßenbahn in Kaliningrad ist neben der in Pjatigorsk die einzige in Russland in Meterspur.

Über Jahrzehnte in der deutschen und sowjetischen bzw. russischen Geschichte der Stadt war die Straßenbahn ein wichtiger Bestandteil des städtischen Nahverkehrs, hat aber aktuell keine große Bedeutung mehr. Nachdem die Stadtverwaltung seit 1999 fast alle Linien stillgelegt und durch Busse ersetzt hat, verkehren nur noch die Linien 3 und 5, deren Zukunft und damit die der Straßenbahn in Kaliningrad überhaupt ungewiss ist.

Geschichte Königsberger Straßenbahn AG mini|links|Pferdebahn vor dem Königsberger Schlossturm, vor 1900 mini|Vorzugsaktie der Königsberger Pferdeeisenbahn-Gesellschaft vom 25. September 1898 Vorgänger der elektrischen Straßenbahn in Königsberg war eine Pferdebahn, deren erste Linie am 26. Mai 1881 vom Steindamm/Ecke Poststraße (heute Leninskij pr./ul. Schewtschenko) in die Hufen (Restaurant „Julchental“, heute Zentraler Kultur- und Erholungspark) eröffnet wurde. Das Depot der Bahn befand sich am Heumarkt westlich des Steindamms etwa auf halbem Weg zwischen Poststraße und Hansaplatz. Ab dem 5. Juni 1881 fuhr eine zweite Linie von der Kronenstraße (heute südlichstes Teilstück des Leninskij pr.) durch die Vorstadt bis zur Krämerbrücke. Sie wurde am 16. Mai 1882 über den Kaiser-Wilhelm-Platz (heute Leninskij pr./Moskowskij pr.), den Gesekusplatz und den Steindamm zum Steindammer Tor (heute Platz des Sieges) verlängert und befuhr zwischen Poststraße und Steindammer Tor die bestehende Strecke der ersten Linie. Die dritte Linie verkehrte ab dem 29. Juni 1881 vom Steindammer Tor über Poststraße, Münzplatz (heute ul. Schewtschenko/Proletarskaja ul.), Roßgärter Markt (heute ul. Frunse/ul. Schewtschenko) und Königstraße (ul. Frunse) zum Königstor. Schließlich ging am 11. Oktober 1881 auch die Linie zu den Bahnhöfen (Süd- und Ostbahnhof) in Betrieb, deren neue Strecke von der Vorstadtlinie abzweigte und durch die Sattlergasse (ul. Polotkaja) führte. Die vorerst letzte Linie wurde Anfang 1882 eröffnet und verband Kronenstraße und Königstor über eine neugebaute Strecke vom Kaiser-Wilhelm- zum Münzplatz durch die Kant- und Schloßstraße. Auf dieser Strecke mussten aufgrund der starken Steigung Vorspannpferde eingesetzt werden. Alle Linien fuhren im 10-Minuten-Takt. Betrieben wurde die Pferdebahn von der Königsberger Pferdeeisenbahn-Gesellschaft.

Die Pferdebahn entwickelte sich schnell, ihr Netz wurde bald erweitert. Am 15. November 1886 ging eine neue Strecke vom Roßgärter Markt durch die Straße Hinterroßgarten (heute Klinitscheskaja ul.) zum Roßgärter Tor (heute pl. Marschala Wasilewskogo) in Betrieb, die von der Linie vom Steindammer Tor bedient wurde. Ab dem 10. Juni 1887 verkehrte eine neue Linie von der Kronenstraße zum Schützenhaus (Rhesastraße) über Kaiser-Wilhelm-Platz, Poststraße, Paradeplatz und Hintertragheim (heute ul. Sergeewa). Zwischen Börse und Brodbänkenstraße hatte die Bahngesellschaft eine beidseitig angeschlossene Schleife über die Köttelbrücke vorbei am Rathaus gebaut. 1895 gab es somit in Königsberg fünf Pferdebahn-Linien:

Kronenstraße – Vorstadt – Kaiser-Wilhelm-Platz – Steindammer Tor Kronenstraße – Vorstadt – Kaiser-Wilhelm-Platz – Paradeplatz – Hintertragheim (heute ul. Sergeewa) – Schützenhaus (Rhesastraße) Ost- und Südbahnhof – Vorstadt – Kaiser-Wilhelm-Platz – Münzplatz – Roßgärter Markt – Königstor Steindammer Tor – Münzplatz – Roßgärter Markt – Hinterroßgarten (heute Klinitscheskaja ul.) – Roßgärter Tor Steindamm/Poststraße – Steindammer Tor – Tiergarten – Julchental/Luisenwahl (heute Zentraler Kultur- und Erholungspark)

Das Liniennetz wurde in den folgenden Jahren umgestaltet, sodass nach der Eröffnung der Verlängerung vom Königstor nach Kalthof am 17. August 1897 acht Linien im Einsatz waren. Inzwischen war von der Stadt Königsberg 1895 die elektrische Straßenbahn in Betrieb genommen worden. Sie hatte keine Gleisverbindung zur bestehenden Pferdebahn, da sie in Meterspur gebaut war, während die Pferdebahn normalspurig war. Für eine Genehmigung zur Elektrifizierung verlangte die Stadt nun die Umspurung der Pferdebahnstrecken in Meterspur. Die Gesellschaft weigerte sich und so blieb der Pferdebahnbetrieb zunächst bestehen. Erst 1900 erklärte man sich zur Umspurung bereit und die Gesellschaft konnte am 11. Mai 1900 die erste Strecke in Meterspur und elektrisch betreiben. Es war die Linie von der Poststraße in die Hufen (Restaurant „Julchental“), die gleichzeitig über Amalienau und Ratshof nach Juditten verlängert wurde. Am selben Tag ging eine Neubaustrecke in Betrieb, die am Cranzer Bahnhof (später Nordbahnhof) von der Hufen-Strecke abzweigte und über die Beethovenstraße und Hermannsallee (später Hagenstraße) nach Hammer (Luisenallee) führte. Kurz darauf wurde auch die Strecke von der Poststraße zum Schützenhaus elektrifiziert und umgespurt. Sie wurde dabei aus der Straße Hinter Tragheim herausgelöst und durch Mittel Tragheim und die Schönstraße geführt. Die Pferdebahngesellschaft wurde zum 1. April 1901 in Königsberger Straßenbahn AG (KÖSAG) umbenannt.

Nachdem die Konzession der Pferdebahn abgelaufen war, übernahm die Stadt am 18. Juni 1901 den noch verbleibenden Pferdebahnbetrieb, mit Ausnahme der bereits umgespurten und elektrifizierten Linien von der Poststraße nach Juditten und zum Schützenhaus. Die restliche Pferdebahn wurde dann von der Stadt zügig umgespurt. Das letzte Mal fuhren Pferdebahnen schließlich Ende 1901 über die Straßen Königsbergs. Das alte Pferdebahndepot am Heumarkt wurde dann stillgelegt und an der Strecke nach Hammer in Höhe der späteren Hindenburgstraße ein neues Depot eröffnet. Die KÖSAG ging mit ihren Linien erst zum 1. April 1909 in das Eigentum der Stadt über. Die Strecken wurden in das städtische Netz integriert.

Städtische Straßenbahn bis 1922

Die Eröffnung der städtischen elektrischen Straßenbahn in Königsberg fand am 31. Mai 1895 statt. Ihre erste Linie ging vom Pillauer Bahnhof (schon zu deutscher Zeit abgerissen, befand sich an der Lizentgrabenstr. / ul. Mariupolskaja) über den Kaiser-Wilhelm-Platz, wo die Pferdebahn gekreuzt wurde, bis zum damaligen Neuen Markt (am heutigen Moskowskij-Prospekt in Höhe der neuen Pregelbrücke). Hier befand sich im Mühlenberg (heute überbaut) das Elektrizitätswerk und das erste Depot der elektrischen Straßenbahn. Die Strecke wurde am 22. Juni 1895 zur Augustastraße (ul. Griga) verlängert, die Endstelle lag nördlich der Königstraße (ul. Frunse) an der Friedrichstraße. Der Betrieb firmierte als Städtische Elektrische Straßenbahn Königsberg.

Die zweite Linie führte ab 6. März 1898 von Oberlaak (am Volksgarten) über die Schmiedebrücke, Dom, Honigbrücke, Weidendamm, Hohe Brücke, Viehmarkt, Aweider Allee zum Schlachthof. Hier entstand an der Schönfließer/Aweider Allee ein zweites Depot. Außerdem wurde am 1. Mai 1898 die Strecke über die Holzbrücke sowie die Zweigstrecke vom Viehmarkt über Unterhaberberg und Alter Garten (ul. Bagrationa) zum Brandenburger Tor eröffnet, auf der zwei Linien, zum Neuen Markt und zum Kaiser-Wilhelm-Platz, verkehrten. Am 15. September 1899 ging die Zweigstrecke von der Sackheimer Straße zum Sackheimer Tor in Betrieb. Am 8. August 1900 wurde die Linie zum Brandenburger Tor über die Berliner Straße (heute ul. A. Suworowa) zur Brauerei Schönbusch (heute ul. A. Suworowa/Kamskaja ul.) verlängert.

1899 gab es in der Stadt vier elektrische Straßenbahnlinien, 1902 waren es acht, 1904 elf, und 1927 hatte die Anzahl der Straßenbahnlinien fünfzehn erreicht. Jede Linie hatte eine eigene Erkennungsfarbe, erst 1910 wurden Liniennummern eingeführt. Nach der Übernahme der KÖSAG-Pferdebahnstrecken begann sofort die Umspurung und Elektrifizierung dieser Strecken. Am 21. Dezember 1901 war dies mit der Strecke von der Poststraße über Münzplatz und Königstor nach Kalthof abgeschlossen.

Am 22. Juni 1902 verlängerte die Städtische Straßenbahn ihre erste Linie über den Pillauer Bahnhof hinaus vorbei am Holländerbaum nach Cosse. 1905 wurde dann in Cosse die neue Hauptwerkstatt der Straßenbahn und ein Betriebshof eröffnet. Am 14. Dezember 1906 eröffnete die Bahn eine Neubaustrecke vom Wrangelturm zum Ottokarplatz in Maraunenhof, die am 14. Mai 1913 bis zur Endstelle Maraunenhof an der Cranzer Allee verlängert wurde. Die Strecke nach Schönbusch wurde am 30. September 1908 nach Ponarth zum dortigen Bahnhof verlängert. Außer diesen Strecken entstanden mehrere Verbindungsstrecken in der Altstadt.

Bereits vor 1910 war die Strecke von Unterlaak nach Oberlaak stillgelegt worden. Mit der Übernahme der KÖSAG 1909 benannte die Stadt den Betrieb in Elektrizitätswerke und Straßenbahn Königsberg AG um.

1910 waren folgende Linien in Betrieb (noch ohne Liniennummern): grün: Cosse – Holländerbaumtor – Lizentbahnhof – Laak – Kaiser-Wilhelm-Platz – Münchenhofplatz – Neuer Markt – Sackheimer Tor (alle 15 Minuten) grün-weiß: Lizentbahnhof – Laak – Kaiser-Wilhelm-Platz – Münchenhofplatz – Neuer Markt – Augusta-/Friedrichstraße (alle 15 Minuten) weiß mit blauem Strich (Licht blau-weiß): Tiergarten – Cranzer Bahnhof – Steindammer Tor – Wrangelstraße – Mitteltragheim – Münzplatz – Schmiedebrücke – Dom – Honigbrücke – Weidendamm – Viehmarkt – Friedländer Tor – Rosenau/Schlachthof (alle 10 Minuten) weiß: Amalienau (Korinthenbaum) – Lawsker Allee – Tiergarten – Cranzer Bahnhof – Steindammer Tor – Poststraße – Kaiser-Wilhelm-Platz – Vorstadt – Unterhaberberg – Viehmarkt (etwa alle 7 Minuten) weiß mit roten Streifen (Licht weiß-rot): Kaiser-Wilhelm-Platz – Vorstadt – Alter Garten – Brandenburger Tor – Nassengärter Tor – Schönbusch – Ponarth, Bahnhof (alle 10 Minuten) gelb-rot: Hammerweg – Tiergarten – Cranzer Bahnhof – Steindammer Tor – Poststraße – Münzplatz – Roßgärter Markt – Königstor (alle 7 Minuten) blau: Maraunenhof, Ottokarplatz – Wrangelturm – Schützenhaus – Mitteltragheim – Münzplatz (alle 20 Minuten) grün-rot: Hauptbahnhöfe – Bahnhofstraße – Vorstadt – Kaiser-Wilhelm-Platz – Poststraße – Paradeplatz – Mitteltragheim – Schützenhaus – Roßgärter Tor – Roßgärter Markt – Neuer Markt – Münchenhofplatz – Holzbrücke – Weidendamm – Kaiserbrücke – Jahrmarktsplatz – Kaiserstraße – Hauptbahnhöfe (Ringlinie in diese Richtung) (alle 7 Minuten) grün mit rotem Rand (Licht grün-rot): Ringlinie in die entgegengesetzte Richtung (alle 7 Minuten) gelb: Hauptbahnhöfe – Bahnhofstraße – Vorstadt – Kaiser-Wilhelm-Platz – Münzplatz – Roßgärter Markt – Königstor – Kalthof (alle 7 Minuten) blau-gelb: Hauptbahnhöfe – Kaiserstraße – Vorstadt – Kaiser-Wilhelm-Platz – Poststraße – Steindammer Tor – Cranzer Bahnhof – Samlandbahnhof – Beethovenstraße (ul. Kirowa) – Hermanns-/Luisenallee (alle 10 Minuten) gelb-weiß: Poststraße – Steindammer Tor – Cranzer Bahnhof – Tiergarten – Markthalle – Bahnhof Mittelhufen – Hardershof – Bahnhof Vorderhufen – Samlandbahnhof – Cranzer Bahnhof – Steindammer Tor – Poststraße (Ringlinie in beide Richtungen, jeweils alle 20 Minuten) rot: Juditten – Ratshof – Amalienau – Lawsker Allee – Tiergarten – Cranzer Bahnhof – Steindammer Tor – Poststraße (alle 20 Minuten)

Nach 1910 wurde noch eine Zweigstrecke von der Hufenallee über die Claaßstraße zu den Friedhöfen (in der Nähe des heutigen Kinderkrankenhauses) eröffnet und die Strecke zur Hermannsallee (später Hagenstraße) wurde nach Hammer verlängert. Einige Strecken, nämlich die Querverbindung vom Tiergarten nach Hardershof, die Strecke zu den Friedhöfen, die Verbindung von der Poststraße über Schloßplatz, Dom zur Honigbrücke sowie die Strecke in der Augustastraße, wurden bis Anfang der 1920er Jahre wieder stillgelegt.

Zwischen den Weltkriegen