Die uruguayische Rugby-Union-Nationalmannschaft () ist die Nationalmannschaft Uruguays in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Sie hat den Spitznamen („die Teros“), nach dem Bronzekiebitz (Vanellus chilensis), dem Nationalvogel des südamerikanischen Landes. Die organisatorische Verantwortung trägt der im Jahr 1951 gegründete Verband Unión de Rugby del Uruguay (URU). Vom Weltverband World Rugby wird die uruguayische Nationalmannschaft in die zweite Stärkeklasse () eingeteilt. Das Team gilt als die viertbeste Nationalmannschaft auf dem amerikanischen Doppelkontinent (nach Argentinien, den Vereinigten Staaten und Kanada). Bisher wurde ein uruguayischer Nationalspieler in die World Rugby Hall of Fame aufgenommen.
Das erste Test Match fand 1948 gegen Chile statt. Bisher nahm Uruguay an fünf Weltmeisterschaften teil, bei denen die Mannschaft jeweils in der Vorrunde ausschied. Die Mannschaft errang bisher fünf Titel bei Südamerikameisterschaften und klassierte sich 27-mal auf dem zweiten sowie achtmal auf dem dritten Platz. Seit 2016 nimmt Uruguay an der jährlichen Americas Rugby Championship teil, zusammen mit der zweiten Mannschaft Argentiniens, Brasilien, Chile, Kanada und den USA. Traditionell spielt Uruguay in himmelblauen Trikots mit weißen Farbakzenten, weißen Hosen und blauen Socken – also in den Farben der Flagge Uruguays.
Organisation
Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Uruguay ist die Unión de Rugby del Uruguay (URU). Der Verband wurde 1951 gegründet und ist seit 1989 Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Er war außerdem im Jahr 1988 Gründungsmitglied des südamerikanischen Kontinentalverbandes CONSUR (Confederación Sudamericana de Rugby; heute Sudamérica Rugby, SAR).
Die höchste Rugby-Union-Liga des Landes ist die seit 1950 bestehende Campeonato Uruguayo de Rugby mit elf Mannschaften, die meisten aus der Hauptstadt Montevideo. Einst kamen die meisten Spieler der Nationalmannschaft aus dieser Liga und waren Amateure. Seit 2020 gehören sie jedoch überwiegend dem Team Peñarol an, das an der Profiliga Super Rugby Americas teilnimmt. Diese umfasst auch Teams aus Argentinien, Brasilien, Chile und Paraguay. Weitere Spieler sind vor allem in Frankreich oder in der nordamerikanischen Major League Rugby als Profisportler tätig.
Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die URU weitere Auswahlmannschaften zusammen. Uruguay A bildet die zweite Mannschaft Uruguays und nimmt seit 2016 an der World Rugby Americas Pacific Challenge teil. Wie andere Rugbynationen verfügt Uruguay über eine U-20-Nationalmannschaft, die an den entsprechenden Weltmeisterschaften teilnimmt. Hinzu kommt Uruguay Sevens, die Nationalmannschaft für Siebener-Rugby. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung.
Geschichte
Einführung und Verbreitung von Rugby In den Nachbarländern Argentinien und Brasilien spielten im späten 19. Jahrhundert vor allem britische Einwanderer Rugby. Es gilt als ziemlich sicher, dass dies in Uruguay ebenso der Fall war, doch ist die Quellenlage unklar. Von Engländern gegründete Cricketclubs brachten Rugby mit nach Südamerika, das in diesen Ländern wesentlich länger überdauerte als die eigentliche Hauptaktivität dieser Vereine.Richards: A Game for Hooligans: The History of Rugby Union. S. 54. Der Montevideo Cricket Club (MVCC) beansprucht für sich, 1865 erstmals ein Rugbyspiel in Uruguay veranstaltet zu haben. Das erste dokumentierte Rugbyspiel fand 1880 zwischen uruguayischen und britischen Mitgliedern des MVCC statt. Der MVCC ist nach eigenen Angaben der älteste Rugbyclub außerhalb Europas und hat trotz seines Namens keine Cricket-Abteilung mehr.
Ein Beobachter, der offenbar die Vermischung der Briten mit den „Eingeborenen“ () ablehnte, befand das Spiel von 1880 folgendermaßen:
Es ist zwar nicht bekannt, welche Mannschaften das erste Rugbyspiel in Uruguay austrugen, aber es ist allgemein anerkannt, dass britische Einwanderer den Sport im 19. Jahrhundert mit nach Uruguay brachten und dass seine Verbreitung vor allem von katholischen Schulen der irischstämmigen Christian Brothers ausging. Demzufolge verfügt Uruguay über eine der ältesten Rugbytraditionen außerhalb der Britischen Inseln. Allerdings blieb Rugby lange Zeit ein Sport der gesellschaftlichen Eliten, während die Unterschicht sich dem Fußball zuwandte.
Erste Jahre der Nationalmannschaft Die uruguayischen Rugbyvereine pflegten untereinander einen informellen Spielbetrieb und verzichteten ganz im Sinne des Amateurismus weitgehend auf feste Strukturen. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das vor allem dank der Bemühungen von Carlos E. Cat, der in den 1920er Jahren in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires für den CA San Isidro gespielt hatte. Er half 1950 dabei, die Campeonato Uruguayo de Rugby ins Leben zu rufen. Die Einführung der nationalen Meisterschaft verlief erfolgreich, worauf im Januar 1951 der Verband Unión de Rugby del Uruguay (URU) gegründet wurde, dessen erster Präsident Cat bis 1957 war.Richards: A Game for Hooligans: The History of Rugby Union. S. 164. Das Verbandsemblem zeigte von Anfang an einen Bronzekiebitz, der im Spanischen Tero genannt wird.
mini|Uruguay gegen Chile bei der Südamerikameisterschaft 1951 Bereits drei Jahre vor der Verbandsgründung einigten sich die führenden Vereine des Landes darauf, eine offizielle Nationalmannschaft zu bilden und dafür Spieler zur Verfügung zu stellen. Uruguays internationales Debüt war am 5. August 1948 ein Freundschaftsspiel (Test Match) gegen Chile. Es fand auf neutralem Boden in Buenos Aires statt und endete mit einer 3:21-Niederlage. Das erste Heimspiel in Montevideo folgte am 11. September 1950 und brachte einen 8:6-Sieg der Gastgeber über Brasilien. Im Februar 1951 hätten die Teros, wie die Mannschaft nach ihrem Emblem genannt wurde, an den ersten Panamerikanischen Spielen in Buenos Aires teilnehmen sollen, doch das Rugbyturnier kam aus organisatorischen Gründen nicht zustande. Es wurde auf September verschoben und nun als ABCU-Turnier bezeichnet (nach den vier Teilnehmerländern). Beim ersten Rugby-Kontinentalwettbewerb Südamerikas überraschten die Uruguayer mit dem zweiten Schlussrang. Sie siegten knapp gegen Chile und Brasilien, mussten jedoch gegen die deutlich erfahreneren Argentinier eine empfindliche 0:62-Niederlage hinnehmen. Sieben Jahre später wurde das Turnier nachträglich als erste Südamerikameisterschaft anerkannt.
In den folgenden Jahren standen lediglich zwei Freundschaftsspiele gegen Brasilien und Chile auf dem Programm. 1958 nahm Uruguay an der ersten von Anfang an offiziellen Südamerikameisterschaft teil. Nach klaren Niederlagen gegen Chile und Argentinien gelang zum Abschluss ein 10:6-Sieg über Peru. 1960 empfing Uruguay erstmals eine der bedeutenden Rugbynationen Europas und unterlag den durch Südamerika tourenden Franzosen mit 0:59, wobei der französische Verband dem Spiel wegen des großen Klassenunterschieds nicht den Test-Match-Status zuerkannte. Bei der Südamerikameisterschaft 1961 gelang Uruguay im ersten umkämpften Spiel gegen Brasilien ein 11:8-Sieg, danach unterlag die Mannschaft jedoch Chile und Argentinien deutlich. Die Südamerikameisterschaft 1964 ergab einen Sieg über Chile sowie Niederlagen gegen Argentinien und – etwas überraschend – Brasilien. An der Südamerikameisterschaft 1967 nahmen nur drei Mannschaften teil, wobei Uruguay sowohl Argentinien als auch Chile unterlag. Genauso verlief die Südamerikameisterschaft 1969.
Allmähliche Etablierung Im Rahmen der Südamerikameisterschaft 1971, der ersten mit fünf Teilnehmern, traf Uruguay erstmals auf Paraguay und setzte sich mit 56:3 durch. Es folgten ein Sieg über Brasilien sowie Niederlagen gegen Chile und Argentinien, wobei die drittplatzierten Teros erstmals überhaupt eine positive Punktedifferenz aufwiesen. Die bis dahin beste Leistung beim kontinentalen Wettbewerb zeigte Uruguay mit dem zweiten Schlussrang bei der Südamerikameisterschaft 1973, als es Brasilien, Chile und Paraguay bezwang; erneut stellte Argentinien eine unüberwindliche Hürde dar. Die Südamerikameisterschaft 1975 schlossen die Teros mit je zwei Siegen und Niederlagen ab. Zum Auftakt ihrer Südamerikatour 1976 waren die All Blacks aus Neuseeland im Estadio Centenario in Montevideo zu Gast. Das Spiel, das keinen Test-Match-Status hatte, ging mit 3:64 verloren. Siege über Brasilien, Chile und Paraguay gelangen den Teros bei der Südamerikameisterschaft 1977, was den zweiten Schlussrang ergab; gegen Argentinien blieben sie erneut chancenlos und verloren überaus deutlich mit 0:70. Im ersten Spiel der Südamerikameisterschaft 1979 gelang ihnen gegen Argentinien beinahe eine Sensation, als sie sich lediglich mit 16:19 geschlagen geben mussten.
mini|Uruguay gegen Argentinien bei der Südamerikameisterschaft 1983 Wie in den übrigen Rugbynationen waren die uruguayischen Beziehungen zum Apartheid-Regime Südafrikas zwiespältig. Um das Verbot sämtlicher Spiele gegen südafrikanische Teams zu umgehen, bildete sich 1980 unter argentinischer Führung eine „Schattenmannschaft“ namens Sudamérica XV (auch Jaguares Sudamericanos genannt). Ihr gehörten Spieler aus fünf südamerikanischen Ländern an, wobei die Argentinier mehr als die Hälfte stellten. Sie wurde von den beteiligten Verbänden zwar nicht offiziell anerkannt, aber stillschweigend geduldet. Im Verlaufe der nächsten vier Jahre trat die Sudamérica XV achtmal gegen die südafrikanische Nationalmannschaft, die Springboks an, konnte aber nur ein Spiel für sich entscheiden (am 3. April 1982 in Bloemfontein).Garcia: La fabuleuse histoire du rugby. S. 611–612.
Argentinien, der ungeschlagene Gewinner aller bisherigen Kontinentalmeisterschaften, verzichtete 1981 auf eine Teilnahme an der Südamerikameisterschaft. Das eröffnete den anderen Teilnehmern die Möglichkeit, erstmals den Meistertitel zu erringen. Uruguay setzte sich in allen drei Partien gegen Paraguay, Brasilien und Chile deutlich durch und feierte den bis dahin größten Erfolg der Verbandsgeschichte. Zwei Jahre später nahm Argentinien wieder teil und Uruguay blieb wieder nur der zweite Platz, dasselbe Endergebnis belegte das Team auch 1985. Im Juni 1985 stattete Frankreich zum Abschluss einer Südamerikatour den Uruguayern einen Besuch ab und setzte sich mit 34:6 durch; diese Partie zählte ebenfalls nicht als Test Match. Der International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby), der damals noch sehr exklusiv war und nur acht Mitglieder zählte, beschloss im selben Jahr die Einführung der Weltmeisterschaft. Für die erste Austragung 1987 vergab der IRFB neun Startplätze durch Einladungen, wobei Uruguay unberücksichtigt blieb.
Auf dem Weg zur ersten WM-Teilnahme Am 2. August 1987 war mit Spanien die erste europäische Mannschaft zu Besuch, die Uruguay den Test-Match-Status zuerkannte; das Spiel endete 16:8 für die Gäste. Bei den Südamerikameisterschaften 1987 und 1989 belegten die Teros erneut den zweiten Platz hinter Argentinien. Im September 1988 konnten sie gegen Belgien den ersten Sieg über ein europäisches Team feiern (39:13). Einen Monat später war die URU in Asunción eines der Gründungsmitglieder des Kontinentalverbandes CONSUR (Confederación Sudamericana de Rugby; heute Sudamérica Rugby, SAR); die anderen waren Argentinien, Brasilien, Chile und Paraguay. Im April 1989 wurde er Vollmitglied des International Rugby Football Board. Ein halbes Jahr später erfolgte die erste Begegnung mit den Vereinigten Staaten, wobei die Teros deutlich mit 6:60 unterlagen. An der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1991 nahm Uruguay nicht teil.