mini|Stark verwitterte Grabplatte Jakob Baegerts in Neustadt an der Weinstraße (2010): „P. JACOBUS BAEGERT S.J., OBIIT DIE 29. SEPT. 1772“ Christoph Johannes Jakob Baegert, auch: Begert (* 22. Dezember 1717 in Schlettstadt; † 29. September 1772 in Neustadt an der Haardt) war ein deutscher Jesuit, Missionar und Verfasser eines bedeutenden ethnologischen Werkes.
Leben und Wirken
Herkunft und Ordenseintritt
Jakob Baegert kam als Sohn der im elsässischen Kaysersberg beheimateten Eheleute Johannes Michael Baegert und Maria Magdalena geb. Scheydeck, in Schlettstadt zur Welt. Der Vater übte den Beruf eines Handschuhmachers aus. Als junger Mann trat Baegert am 17. September 1736 zu Mainz in den Jesuitenorden ein und studierte dort Philosophie. Von 1740 bis 1743 lehrte er am Jesuitenkolleg in Mannheim, studierte bis 1747 Theologie in Molsheim und empfing die Priesterweihe.
1747 und 1748 unterrichtete Pater Baegert als Professor in Hagenau. Ende 1748 schickte man ihn nach Bockenheim/Elsass (heute Sarre-Union), wo er sich auf die Entsendung als Amerikamissionar vorbereitete.Englische Quelle mit genauen Daten zum Werdegang Jakob Baegerts
Missionar in Kalifornien Von Bockenheim brach er am 10. Januar 1749 in die „Neue Welt“ auf. Per Postkutsche reiste der Priester über Ettlingen, Augsburg, Innsbruck und Mailand nach Genua, wo er am 20. März des Jahres eintraf. 10 Wochen später fuhr er über das Mittelmeer nach Cádiz. Am dortigen „Hospitium de las Indias“ erhielt Pater Baegert die letzten Unterweisungen, schiffte sich am 16. Juni 1750 nach Mexiko ein und landete am 23. August in Vera Cruz. Am Collegio San Gregorio in Mexiko-Stadt beschloss er seine ordensinterne Probezeit und reiste am 16. November 1750 nach Kalifornien ab. Über diverse Zwischenstationen erreichte Jakob Baegert am 28. Mai 1751 seine neue Wirkungsstätte in der entlegenen Missionsstation San Luis Gonzaga Chiriyaqui. Hier wirkte er bis zu seiner Vertreibung durch die spanischen Kolonialherren 1767.
Rückkehr und Tod
Nach dem sogenannten Madrider Hutaufstand (1766) hatte man mit Dekret vom Juni 1767 die Jesuiten aus Spanien und dessen Kolonien ausgewiesen. Auf der Rückreise über Spanien geriet Baegert dort in eine achtmonatige Gefangenschaft. Ab April 1769 wieder in der Heimat, hielt sich der Priester erst kurzfristig in seinem Geburtsort Schlettstadt auf, siedelte aber schon bald nach Neustadt an der Haardt über. Dort arbeitete er bis zu seinem Tod als Seelsorger in der von den Jesuiten verwalteten Stiftskirchenpfarrei, wo er besonders als erfahrener Beichtvater, Spiritual der Ordenskommunität, sowie als Lehrer am Jesuitenkolleg wirkte. Pater Baegert wurde in der Jesuitengruft zu Neustadt bestattet, seine einfache Grabplatte bei deren Auflösung, Ende des 19. Jahrhunderts, an die Außenmauer der kath. Marienkirche versetzt. Sie ist an der nordöstlichen Chorseite, unter dem Epitaph von Pfarrer Bernhard Magel eingelassen, aber durch die Witterungseinflüsse inzwischen stark beschädigt und nur noch schwer leserlich.
Die gedruckten Missionserinnerungen
Hier am letzten Tätigkeitsort, im damals kurpfälzischen Neustadt, verfasste der Priester in Buchform seine Missionserinnerungen aus Kalifornien, welche erstmals 1771 im nahen Mannheim publiziert wurden. Eine 2. Auflage, jedoch ohne Verfasserangabe, überarbeitete Pater Baegert noch selbst. Sie erschien in seinem Todesjahr 1772, ebenfalls zu Mannheim. mini|hochkant|Titelblatt von Jakob Baegerts Kalifornischer Landesbeschreibung.
In diesen stark autobiographischen „Nachrichten von der Amerikanischen Halbinsel Californien“ berichtete er über Land und Leute, besonders auch über die Indianer, deren einfachen Lebensstil er mit offener Sympathie beschrieb. Das Werk enthält auch eine Einführung in die dortige Indianerkultur bzw. -sprache sowie deutsch-indianische Übersetzungen von gängigen Gebeten, außerdem einen Anhang mit Berichtigung weit verbreiteter Vorurteile über Amerika und die Tätigkeit der Missionare.Nachrichten von der Amerikanischen Halbinsel Californien. Mannheim 1772 und 1773
Pater Baegerts Buch wurde ins Englische und Spanische übersetzt. In Amerika erlebte es mehrere Neuauflagen bzw. Reprints und Auszugsabdrucke, bis in die Gegenwart hinein. Es gilt dort als landeskundlich-heimatgeschichtliches Standardwerk und wird als wichtige geographische, ethnologische, entdeckungs- und missionsgeschichtliche Darstellung gewertet; in seinem Heimatland ist es fast gänzlich vergessen. Lediglich das neuzeitliche Buch Deutsche in der Fremde: Assimilation – Abgrenzung – Integration von Torsten M. Kühlmann und Bernd Müller-Jacquier bringt einige wenige Auszüge, welche sofort erkennen lassen, welch eindrucksvolle historisch-landeskundliche Schilderung hier im Entstehungsland noch auf ihre gebührende Würdigung wartet:Neuzeitliche Textauszüge von Pater Baegerts Kalifornienbeschreibung
Die damals in Deutschland noch weitgehend unbekannten Bananen beschreibt der Priester so:
Baegert konstatiert in seinem Bericht auch, dass er während des Aufenthaltes in Kalifornien ca. 500 Skorpione allein in seinem Pfarrhaus erlegt habe und er gibt eigene Erlebnisse mit hier nicht vorkommenden Arten, wie z. B. dem Stinktier zum Besten:
Außerdem existiert noch eine Sammlung von kalifornischen Briefen des Jesuitenpaters an seinen Bruder Franz Xaver Baegert, Pfarrer in Dürningen. Die Originale sind in der Stadtbibliothek Straßburg archiviert, in Amerika existiert eine englische Buchausgabe davon.
Pater Baegerts Buch Nachrichten von der Amerikanischen Halbinsel Californien wurde bereits zeitgenössisch in Auserlesene Bibliothek der neuesten deutschen Litteratur, Band 6, erschienen bei der Meyerschen Buchhandlung, Lemgo, 1774 ausführlich rezensiert.Zeitgenössische, deutschsprachige Rezension zu Pater Baegerts Buch
Erinnerungen an Jakob Baegert In der alten Missionsstation San Luis Gonzaga Chiriyaqui, im Mexikanischen Bundesstaat Baja California Sur, ist die von Pater Jakob Baegert erbaute Missionskirche erhalten und gilt als wichtiges kulturgeschichtliches Denkmal der Region. Trotz ihrer situationsbedingten Primitivität erinnert die Fassade, mit ihren beiden Türmen und dem dazwischenliegenden Frontgiebel, in ihrer Grundstruktur deutlich an Pater Baegerts Heimatkirche St. Fides, im elsässischen Schlettstadt.Webseite zu der Missionsstation von Pater Baegert, mit Foto der KircheAußenaufnahme der von Pater Jakob Baegert erbauten Missionskirche in San Luis Gonzaga Chiriyaqui, mit der alten Missionsstation
Zu Ehren von Pater Baegert erhielt 1917 die in dieser Gegend entdeckte Unterart einer Meeresschnecke den wissenschaftlichen Namen „Turbonilla Baegerti“.Webseite zur nach Pater Baegert benannten MeeresschneckeWeitere Webseite zu dem nach Pater Baegert benannten Tier
Werkauswahl Nachrichten von der Amerikanischen Halbinsel Californien. Mannheim 1772 und 1773, neue span. Ausg. Mexiko 1942, engl. Los Angeles 1952. Komplettscan der deutschen Originalausgabe.
Literatur
Thomas Adam: „Germany and the Americas; Culture, Politics and History“, 2005, Seite 111; Scan der Seite mit englischer Würdigung von Jakob Baeger und seinem Werk.
Weblinks
Jakob Baegert in der „Catholic Encyclopedia“ von 1907 Seite über den ermordeten Missionar Heinrich Ruhen, eines Begleiters von Pater Baegert, der öfter im Text erwähnt wird. Englische Abhandlung zum Wirken von Jakob Baegert S.J. in Kalifornien
Einzelnachweise
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