Die Geschichte British Columbias umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der kanadischen Provinz British Columbia von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Die Nachkommen der frühesten Bewohner gehören heute zu zahlreichen, als First Nations bezeichneten Indianergruppen. Insgesamt erkennt die zuständige Behörde heute fast 200 Stämme in der Provinz an,Vgl. . Im Oktober 2014 waren es genau 198 Stämme (First Nations), die anerkannt waren, fast ein Drittel der in ganz Kanada anerkannten Stämme. zu denen 130.000 Menschen zählen. Damit lebt beinahe jeder fünfte Indianer Kanadas in dieser Provinz. Als die ersten Europäer im 18. Jahrhundert die Region erreichten, lebte hier vielleicht jeder zweite Indianer Kanadas.

mini|British Columbia und Kanada 1592 erreichte der Seefahrer Juan de Fuca die Küsten des heutigen British Columbia, jedoch erst 200 Jahre später kam es zu einem größeren Kontakt der Einheimischen mit Europäern. Dies führte zu einem Massensterben durch eine Pockenepidemie im Süden, in einer Region, in der etwa die Hälfte aller kanadischen Indianer gelebt hat. Die Bevölkerung brach binnen weniger Jahrzehnte von einer halben Million auf 30.000 zusammen.Vgl. John Douglas Belshaw: Cradle to Grave. A Population History of British Columbia. University of British Columbia Press 2008, ISBN 978-0-7748-1545-1. Andererseits kam es durch die Kontakte zu einem gewinnträchtigen Handel mit Pelzen von Vancouver Island bis nach Alaska, bei dem wenige Stämme den Handel monopolisierten. Russen, Amerikaner, Spanier und Briten konkurrierten um Einfluss, einigten sich aber 1790 in der Nootka-Konvention darauf, keine Handelsniederlassungen an der Westküste zu gründen. Die Provinzhauptstadt Victoria geht auf ein 1843 gebautes Fort der Hudson’s Bay Company (HBC) zurück, der größten Handelsgesellschaft, die im Westen von 1821 bis 1871 vorherrschte.

Die geringe europäische Bevölkerung wuchs sprunghaft durch mehrere Goldfunde zwischen etwa 1858 und 1898 an. Das Gebiet wurde zudem durch Eisenbahnverbindungen erschlossen, die die Bedingung für den 1871 vollzogenen Beitritt zu Kanada dargestellt hatten. Die verstärkte Zuwanderung löste, ähnlich wie bei den ersten Kontakten, schwere Epidemien bei den Ureinwohnern aus, die sie weiter dezimierten. Die Überlebenden wurden wenig später in selbst für kanadische Verhältnisse kleine Reservate abgedrängt, wenn es ihnen auch gelang, eine bedeutende Rolle in der Wirtschaft der Provinz zu spielen. Den meisten Stämmen wurden Verträge vorenthalten, die Provinz erkannte als einzige die Landrechte der Stämme nicht an.

Schon die HBC hatte die Zuwanderung aus Europa als Gegengewicht gegen die Annexionspläne der USA gefördert, dazu kamen Zuwanderer aus Asien, vor allem aus China. Die Wirtschaft war stark Richtung Pazifik orientiert, so dass eine enge Verflechtung mit den westlichen US-Staaten, insbesondere Kalifornien und Washington entstand. Dabei übernahm British Columbia die Rolle des Rohstofflieferanten, vor allem Holz und Energie, doch verlagert sich das wirtschaftliche Schwergewicht in der jüngsten Vergangenheit auf andere Gewerbe, wie etwa Informationstechnologie und Tourismus. Diese Wirtschaft konzentrierte sich jedoch nicht in der Hauptstadt, sondern im Großraum Vancouver, in dem jeder zweite Bewohner der Provinz lebt.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts etablierten sich in der Provinz Parteien, doch wurden Liberale und Konservative während des Kalten Krieges von der Social Credit Party verdrängt, die von 1952 bis 1992 die dominierende Kraft darstellte. Ihr folgte für knapp ein Jahrzehnt die New Democratic Party. Seit 2001 stellt die Liberale Partei die Regierung der Provinz mit dem höchsten Anteil an Minderheiten.

Ur- und Frühgeschichte Erste menschliche Spuren

Für die Südwanderung der ersten Bewohner Amerikas ist der Küstenweg, neben dem eisfreien Korridor ostwärts der Rocky Mountains, eine der beiden meist diskutierten Routen. Schon während der letzten Eiszeit könnten an der Westküste Menschen gelebt haben, denn auf und um die Vancouver-Insel finden sich mehrere Refugia genannte, dauerhaft eisfreie Gebiete.In der Port Eliza Cave, einer Höhle an der nördlichen Westküste, fanden sich zudem 16.000 bis 18.000 Jahre alte Überreste von Mammuts, Bergziegen, dazu verschiedene Pollenarten, die auf eine Vegetation mit Gras und Bäumen hinweisen. Vgl. den Beitrag der Simon Fraser University: Port Eliza Cave. Auch genetischeVgl. Mitochondrial Population Genomics Supports a Single Pre-Clovis Origin with a Coastal Route for the Peopling of the Americas. In: The American Journal of Human Genetics 82/3 (3. März 2008) 583–592. und klimageschichtlicheVgl. Renée Hetherington, Andrew J. Weaver, Álvaro Montenegro: Climate and the migration of early peoples into the Americas. Geological Society of America Special Papers 2007, 113–132. Untersuchungen stützen diese These.

In der Charlie Lake Cave, einer Höhle nahe Fort St. John im Nordosten British Columbias, fand man Werkzeuge aus der Zeit ab etwa 10.500 v. Chr. Zu dieser Zeit wanderten von Süden Bisonherden in das entstehende Grasland ein, mit ihnen Jäger, die Projektilspitzen vom Clovis-Typ verwendeten. Diese Funde lassen eine Süd-Nordwanderung vermuten. In der Höhle fanden sich zudem zwei beerdigte Raben – einer mit Beigaben –, die vor 9000 bzw. 10.000 Jahren beigesetzt wurden.Vgl. Beitrag der Simon Fraser University, bzw. das Interview mit Dr. Jon Driver.

Einer der ältesten sicheren Funde aus dem Nordwesten stammt aus einer Höhle im Tongass National Forest (entdeckt im Jahr 1996) auf Prince of Wales Island; er wird auf ein Alter von 10.300 Jahren datiert.Associated Press meldete die Rückgabe dieser Funde an die Tlingit, genauer an die beiden Gemeinden Craig und Klawock: US officials return ancient remains to indigenous Tlingit tribes after scientific testing. In: Herald Tribune. 19. Oktober 2007. Ähnlich weit zurückreichende Spuren weist das ostwärts nahe der Küste gelegene Dundas Island mit der Fundstätte Far West Point auf, das datierte Funde von 9690 ± 30 BP aufweist, und damit die ältesten an der britisch-kolumbianischen Küste.

Ausgrabungen bei Namu auf dem Festland und bei Lawn PointKnut R. Fladmark: Lawn Point and Kasta. Microblade Sites on the Queen Charlotte Islands, British Columbia. In: Canadian Journal of Archaeology 10 (1986) 37–58. auf Graham Island im Haida-Gwaii-Gebiet, zeigen, dass die frühesten bekannten Bewohner um 8000 bis 9000 v. Chr. hier lebten.Roy Carlson, Luke Dalla Bona: Early Human Occupation in British Columbia. University of British Columbia Press 1996, ISBN 0-7748-0535-8.

Archaische Phase, ca. 8000 bis 4000 v. Chr.

Die Südwestliche und die Nordwestliche Küstenkultur lassen sich mindestens bis 8000 v. Chr. und damit bereits in der Archaischen Phase nachweisen. Aus welcher Richtung die Besiedlung erfolgte, ist jedoch unklar. Die älteste Fundstätte auf Vancouver Island, die Bear Cove (ca. 6000 v. Chr.),Catherine C. Carlson: The Early Component at Bear Cove. In: Canadian Journal of Archaeology. 3, 1979, S. 177–209. deutet auf eine starke Orientierung auf die Jagd auf Meeressäuger hin, während im Hinterland bereits Lachs die Lebensgrundlage bildete.Auffällig sind die winzigen Klingen, die gleichfalls dort gefunden wurden. Vgl. (PDF, 144 kB): Aubrey Cannon: . Die älteste ortskonstante Gruppe stellen die Haida auf Haida Gwaii dar, die spätestens um 7500 v. Chr. besiedelt wurden. mini|Der Vulkan Mount Edziza lieferte bereits vor zehn Jahrtausenden Obsidian Auch auf dem Plateau lassen sich erste Spuren seit ca. 9000 v. Chr. nachweisen. Das Leben im trockeneren Hinterland basierte allerdings nur partiell auf Fischfang. Hier kamen der Jagd und dem Sammeln größere Bedeutung zu. Der älteste Obsidian-Handel reicht bis 8000 v. Chr. zurück und basierte auf einer Lagerstätte am Mount Edziza in Nord-British-Columbia.Vgl. vom Royal British Columbia Museum. Allgemein zum ur- und frühgeschichtlichen Handel in British Columbia: Roy L. Carlson: Trade and Exchange in Prehistoric British Columbia. In: Timothy G. Baugh, Jonathon E. Ericson (Hrsg.): Prehistoric exchange systems in North America. Plenum Press, New York 1994, S. 307–362. Das Verbreitungsgebiet reicht von den Queen-Charlotte-Inseln bis nach Alaska (Ground Hog Bay, ca. 7000 v. Chr.) und den oberen Yukon, von West-Alberta (Brule Lake, ca. 1000 bis 1820) bis zum Kwatna Inlet an der zentralen Küste British Columbias.Timothy G. Baugh, Jonathon E. Ericson: Prehistoric Exchange Systems in North America.Plenum Press, New York 1994, S. 352f. In der Provinz existierten sechs weitere Obsidianfundstätten.

Der Norden gehört bereits dem subarktischen Kulturareal an, das erst sehr spät fassbar wird. Hier lebten die Vorfahren der Taku, die zu den Tlingit zählen, der Tagish, der Dease River (Tahltan) und der südlichen Tutchone.

Ab etwa 4000 v. Chr. Plateau

Die Mittlere Plateau-Kultur zwischen den Rocky Mountains und dem pazifischen Küstengebirge entwickelte um 2500 v. Chr. das so genannte Pit House („Grubenhaus“), das teilweise in die Erde gegraben wurde. Zugleich basierte die Ernährung zunehmend auf Lachs. Daneben spielten Muscheln und Wild, bis hin zu Skunks eine gewisse Rolle. Die heutigen Küsten-Salish werden mit dieser Kultur eng in Verbindung gebracht. Um 500 v. Chr. kamen Eyak-Athapaskisch-Sprecher, wie Chilcotin und Dakelh in die Region. Als wichtigste Veränderung gilt der Übergang zu einer Halbsesshaftigkeit mit festen Winterdörfern und sommerlichen Wanderzyklen, entsprechend den Jagd- und Sammelerfordernissen, sowie dem Berühren von Punkten mit hoher ritueller Relevanz (um 2000 v. Chr.).

Die späte Plateau-Kultur war durch Kleinräumigkeit gekennzeichnet. Erdlöcher dienten der Vorratshaltung, heiße Steine zum Backen und Kochen, was Kochgefäße nicht erforderlich machte. Tierförmige Schnitzereien scheinen zugenommen zu haben, ebenso der Handel mit den Küstenvölkern. Die Dörfer wurden größer und die Bevölkerung nahm zu, doch waren manche dieser bis in die Mittlere Plateau-Kultur zurückreichenden Großdörfer nur kurzzeitig bewohnt, andere über tausend Jahre lang (z. B. Keatly Creek Site,Keatly Creek …a look into the past, Simon Fraser University 1996 20 km oberhalb von Lillooet). Bei den Kutenai im Südosten British Columbias wurde der Einfluss der Plainskulturen erst mit der Einführung des Pferdes stärker.Thomas H. Richards, Michael K. Rousseau: Late prehistoric cultural horizons on the Canadian Plateau. Simon Fraser University, Department of Archaeology 1987. Das Pit House hat extensivere Bevorratung ermöglicht und so die Ernährung besser gesichert. Insgesamt entwickelte sich eine Gesellschaft, die auf Familienverbänden, stammesübergreifenden Verwandtschaften und einer Hierarchisierung basierte.

Küstenkulturen

An der Küste bildeten sich Siedlungsschwerpunkte um den Skeena River im Norden, im zentralen Norden und an der zentralen Südküste, dann an der Westküste von Vancouver Island das mit den Nuu-chah-nulth in Beziehung stehende frühe und mittlere Yuquot, an der Straße von Georgia und am unteren Fraser sowie auf den Golfinseln und schließlich am Fraser Canyon. Die Gesellschaftshierarchie prägte sich deutlicher aus, Reichtum wurde angehäuft und der Handel nahm zu. Lachs, Kerzenfisch und Schalentiere wurden zu den wichtigsten Lebensmitteln. Daher tauchen zahlreiche, als shell middens bezeichnete Hügel auf, in denen große Mengen organischer Artefakte überdauerten.

An vielen Stellen ist es sehr wahrscheinlich, dass lokale Funde bestimmten Stämmen derselben Region zugeordnet werden können, wie etwa den Tsimshian, die spätestens 2000 v. Chr. um den späteren Prince Rupert Harbour lebten. Am Nitinat Lake und bei den verwandten Makah in Washington sindIch folge hier Alan D. McMillan: Early Nuu-chah-nulth Art and Adornment: Glimpses from the Archaeological Record. In: Alan L. Hoover: Nuu-chah-nulth. 230–256. die ältesten Fundstücke gefunden worden, die sich eindeutig der Tradition der Nuu-chah-nulth zuweisen lassen.