Versicherungsmedizin ist ein Teilgebiet der Sozialmedizin, auf der Website der Schweizer SUVA das sich nicht mit der Behandlung von Krankheiten bzw. Unfallfolgen befasst, sondern mit den Beziehungen zwischen den Versicherungsnehmern, den medizinischen Leistungserbringern, und den Versicherungsunternehmen. Die untersuchten Fragen sind nicht nur medizinischer, sondern auch juristischer und soziologischer Natur. Es bestehen inhaltliche Verbindungen zur Rechts- und Arbeitsmedizin.Brigitta Danuser: Arbeitsmedizin – Versicherungsmedizin, Gemeinsamkeiten und Unterschiede. (PDF) ASIM Basel 2006

Versicherungsmediziner gibt es in der Versicherungswirtschaft seit den 1840er Jahren, als Versicherer begannen, Ärzte für die Risikoeinschätzung von erhöhten Krankheitsrisiken zu konsultieren. Das Tätigkeitsfeld des Versicherungsmediziners erstreckt sich in verschiedene Sparten wie Krankenversicherung, Lebensversicherung, Sachversicherung bzw. Berufsunfähigkeit.

In der Sozialversicherung erstellen sogenannte Vertrauensärzte medizinische Gutachten für Behörden oder Sozialversicherungsträger. Sie untersuchen arbeitsunfähige Versicherte in Hinblick auf Dauer und Art ihrer Arbeitsunfähigkeit, entscheiden über Heilverfahren und sind als Rentengutachter tätig.Pschyrembel (Medizinisches Wörterbuch) Private Versicherungen beauftragen sogenannte GesellschaftsärzteS. Becher: Alternative ärztliche Berufsfelder - im Dienst der Privatassekuranz. In: Dtsch Arztebl, 2008, 105(23), S. 1305. unter anderem mit der Begutachtung von Personenschäden oder bei Lebensversicherungen. Die Tätigkeit des Gesellschaftsarztes unterscheidet sich teilweise von der Tätigkeit der Sozialmediziner. (PDF) Univ. Basel Überschneidungen existieren beispielsweise durch die Begutachtungen auf Arbeitsunfähigkeit. Gegenwärtig werden Gutachten bei Privatversicherungen von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen ohne spezielle Zusatzausbildung erstellt. Von Fachärzten innerhalb der Sozialversicherungen (MDK, DRV) wird in Deutschland normalerweise das Additivfach Sozialmedizin der Bundesärztekammer erwartet.

Internationales und Forschung Für die versicherungsmedizinische Tätigkeit gibt es kein vorgeschriebenes Curriculum oder eine Facharztweiterbildung. Stattdessen ist eine langjährige Berufserfahrung und vor allem versicherungsmedizinische Expertise erforderlich. Darüber hinaus bedarf es guter versicherungsmedizinischer Kenntnisse und der Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit mit Fachleuten aus dem Leistungs- und Vertragsbereich sowie mit Juristen und Mathematikern.R. Hakimi: Gesellschaftsarzt in der privaten Krankenversicherung: Die medizinische Instanz. In: Dtsch Arztebl, 2012; 109(6), S. A-251 Derzeit ist die Versicherungsmedizin noch nicht besonders evidenzbasiert.R. Hakimi: Evidenzbasierte Ausrichtung auch in der Versicherungsmedizin. In: Dtsch. Arztebl., 2002; 99(19), S. 1290 Die Evidenzbasierung nimmt jedoch zu. Es gibt mittlerweile Bestrebungen, die Versicherungsmedizin als interdisziplinär forschende Fachrichtung an Universitäten zu etablieren.N Gyr, Y Bollag: Versicherungsmedizin – ein universitäres Fachgebiet? (PDF) In: Schweizerische Ärztezeitung, 2005, 86(23): S. 1400–1401

Die Universität Lübeck gründete im Oktober 2018 den ersten Lehrstuhl für Versicherungsmedizin an einer deutschen Universität. Unter der Leitung von Joachim Breuer fokussiert der Lehrstuhl in seinen Forschungsschwerpunkten die Auswirkungen von Bezahlsystemen sowie die Leistungsdefinitionen und Zielbestimmungen im Versicherungsbereich. Ökonomische wie soziale Folgewirkungen von Gesamtsystemen wie auch Modellgestaltungen (z. B. Return to Work Programme, Anreizsysteme) gehören mit zum Arbeitsschwerpunkt.

In Basel befindet sich die Academy of Swiss Insurance Medicine als weitere universitäre Einrichtung im deutschsprachigen Raum. In den Niederlanden existiert eine Forschungskooperation auf dem Gebiet der Versicherungsmedizin. Hieran nehmen die Freie Universität Amsterdam, die Universität von Amsterdam, die Universität Groningen und die TNO teil.Advies Onderzoek Verzekeringsgeneeskunde. (PDF; 1,5 MB) Raad voor Gezondheidsonderzoek, Den Haag 2004; Englische Zusammenfassung auf Seite 5Homepage des Kenniscentrums Verzekeringsgeneeskunde In Belgien ist die Katholieke Universiteit Leuven Forschungsstätte für Versicherungsmedizin. Dort ist auch der Sitz der wissenschaftlichen Vereinigung für Versicherungsmedizin in Flandern.

Die Universität Basel bietet seit 2008 eine zweijährige Masterausbildung als erste Einrichtung im deutschsprachigen Raum an. Ebenfalls besteht eine 2-jährige Masterausbildung in Belgien.

In den Niederlanden gibt es Facharztausbildungen zum Versicherungsmediziner mit einer Dauer von vier Jahren; stark sozialmedizinisch ausgerichtet. Ferner ist eine Ausbildung zum Facharzt für Versicherungsmedizin in Tschechien möglich.Peter Donceel, Rienks Prins: EUMASS. Informationen unter „Tasks and Training“. In Belgien wurde im Jahre 2007 eine eigene Facharztausbildung für Versicherungsmedizin und medizinische Expertise eingeführt. (PDF; französisch, niederländisch) AM Rijkenberg, F Vervoort: Der Facharzt für Versicherungsmedizin - die Weiterbildung in Flandern. In: Versicherungsmedizin, 2011 Dec.1, 63(4), S. 191–193, PMID 22486051. In Italien wird die Versicherungsmedizin wiederum zur Rechtsmedizin gezählt. In der EU-Richtlinie 2005/36/EGRichtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen. Amtsblatt der Europäischen Union 30. September 2005 L 255/22 erscheint diese Facharztrichtung nicht; eine Migration der Fachärzte innerhalb Europas dürfte daher schwierig sein. Die Einzige Ausnahme dürfte die Niederlande darstellen. Dort erscheint der Titel „arbeid en gezondheid - verzekeringsgeneeskunde“ unter der Rubrik Arbeitsmedizin. Ein niederländischer Versicherungsmediziner darf sich darum in den anderen EU-Ländern Facharzt für Arbeitsmedizin nennen.Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen. Amtsblatt der Europäischen Union 30. September 2005 L 255/22

Weblinks Vereinigungen:

BSDonline / Berufsverband deutscher Sozialversicherungsmediziner Swiss Insurance Medicine / Schweizer Berufsverband für Versicherungsmedizin UEMASS / Vereinigung der europäischen Sozialversicherungsärzte ICLAM / Internationale Vereinigung der Gesellschaftsärzte NVVG / Verband niederländischer Sozialversicherungsmediziner GAV / Verband der niederländischen Ärzte in Privatversicherungen

Wissenschaftliche Einrichtungen:

Lehrstuhl für Versicherungsmedizin am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der Universität zu Lübeck Versicherungsmedizinisches Institut in Basel Kenntniszentrum Versicherungsmedizin (niederländisch) Akademisches Zentrum für private Versicherungsmedizin (niederländisch)(englisch) Wissenschaftliche Vereinigung der Versicherungsmediziner in Flandern (niederländisch)

Masterausbildungen:

(englisch) Master in Versicherungsmedizin (Swiss TPH / Universität Basel)

Fachzeitschriften

Journal of Insurance Medicine (in Englisch) Versicherungsmedizin (in Deutsch) (niederländisch)

Einzelnachweise

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