mini|Dumbarton Rock vom Süden aus gesehen, Hauptort des Königreichs Strathclyde vom 6. Jahrhundert bis 870, wobei sich die Festung Alt Clut auf dem rechten Gipfel befand. mini|Hadrianswall in der Nähe von Steel Rigg Das Königreich Strathclyde (gälisch Srath Chluaidh, ursprünglicher britannischer Name Ystrad Clud („Tal des Clyde“)); in den Quellen auch unter dem Namen Alt Clut, dem britannischen Namen für Dumbarton Rock erwähnt, war ein Königreich im südlichen Schottland in der nachrömischen und frühmittelalterlichen Periode. Seine Ursprünge lagen wohl in dem durch Ptolemäus in dessen Geographia erwähnten Stamm der Damnonii.P. Hunter Blair, Roman Britain and Early England, S. 153; K. Dark, Britain and the End of the Roman Empire, S. 209

Ergebnisse der Ortsnamenforschung sowie archäologischer Forschungen deuten darauf hin, dass während der Wikingerzeit skandinavische Siedlungen von Wikingern sowohl aus Norwegen als auch aus Irland im Gebiet von Strathclyde gegründet wurden, jedoch weniger als im benachbarten Galloway. Eine geringe Anzahl Ortsnamen, die auf altenglische Wurzeln zurückzuführen sind, belegt die wenn auch begrenzte Siedlungsaktivität durch anglische Einwanderung aus Northumbria vor der Wikingerzeit. Auf Grund einer Reihe von Sprachveränderungen ist es nicht möglich festzustellen, ob im Königreich Strathclyde Ansiedlungen goidelischer Einwanderer vor dem Zeitpunkt im Hochmittelalter, in dem die schottisch-gälische Sprache eingeführt wurde, stattgefunden haben.

Nach der Plünderung des Dumbarton Rock durch eine Wikingerarmee aus Dublin im Jahre 870 kam der Name Strathclyde in Gebrauch, worin sich die Verschiebung des Machtzentrums des Königreichs nach Govan (heute ein Stadtteil Glasgows) widerspiegelt. Während dieser Periode wurde Strathclyde auch als Cumbria bezeichnet, seine Einwohner entsprechend als Cumbrier, was aber nicht unbedingt synonym für das Königreich Strathclyde gewesen sein muss, sondern auch andere Reiche im Südwesten Schottlands oder die Gesamtheit aller britannischen Herrschaften dort gemeint haben könnte. Im Hochmittelalter wurde Strathclyde vom Königreich Alba erobert, aus dem das Königreich Schottland hervorging. Das früher unabhängige Strathclyde konnte sich noch bis ins 12. Jahrhundert eine gewisse Eigenständigkeit bewahren.

Ursprung mini|Karte des nachrömischen, südlichen Schottlands mini|Ungefähre Lage Strathclydes um 500. mini|Clach nam Breatann Ptolemäus’ Geographia enthält eine Liste von Stämmen oder Gruppen von Stämmen im südlichen Schottland aus der Zeit der römischen Eroberung Britanniens im 1. nachchristlichen Jahrhundert. Ptolemäus nennt neben den Damnonii, deren Hauptstadt in Carman in der Nähe Dumbartons vermutet wird, die Otalini, deren Hauptsitz Traprain Law in East Lothian gewesen zu sein scheint, die Selgovae in den Scottish Borders und im Südwesten die Novantae in Galloway. In späteren Quellen wird auch noch eine Gruppe namens Maeatae in dem Gebiet um Stirling erwähnt.R. F. Foster, The Oxford History of Ireland, S. 4

Während der meisten Zeit, in der Britannien zum Römischen Reich gehörte, bildete der Hadrianswall die nördliche Grenze des römisch kontrollierten Gebietes. Inwieweit sich dauerhafter römischer Einfluss auch jenseits des Walles bemerkbar machte, ist unklar. Römische Kastelle befanden sich nördlich des Walles bis in die Nähe des heutigen Edinburgh, wobei manche dieser Befestigungen auch längerfristig besetzt waren. Die römische Armee unternahm Strafexpeditionen in die Gebiete, die nicht direkt der römischen Verwaltung unterstellt waren. In friedlicheren Zeiten bestand ein Handelsaustausch, wobei sich einerseits römische Händler in den Norden, andererseits Einheimische in den Süden begaben. Außerdem wurden römische Gelder an Stämme oder deren Anführer als Bestechung oder Unterstützung gezahlt. Wie weit sich der römische Einfluss auf die Bevölkerung des nördlichen Britanniens bemerkbar machte und inwieweit es Einflüsse auch in der Gegenrichtung gab, ist umstritten.W.S. Hanson, Northern England and southern Scotland: Roman Occupation

In der Spätzeit der römischen Besetzung Britanniens häuften sich Einfälle zu Land und zur See der Pikten, Scotti und Attacotti, deren Herkunft umstritten ist.Die Heimat der Attacotti ist ungesichert. Die meisten Historiker vermuten diese in Irland und setzen die Attacotti mit den Déisi gleich. Die Déisi waren eine Gesellschaftsschicht im frühen Irland. Der altirische Begriff leitet sich von „dies“ ab, was ursprünglich „Vasall“ oder „Subjekt “bedeutet, also Pächter oder Vasallen von Grundbesitzern. Später wurde Déisi der Name für Gruppen in verschiedenen Clans. Die Déisi hatten kaum verwandtschaftliche Beziehungen, obwohl sie als genetisch einheitlich gedacht wurden. Während des Frühmittelalters hatten einige Déisi-Gruppen in Teilen Irlands großen politischen Einfluss. Berühmt wurden die Dal gCais des Brian Boru aus dem County Waterford. Allerdings werden auch die Äußeren Hebriden sowie die Orkney und Shetlandinseln als Ursprungsort diskutiert. Betroffen von diesen Einfällen werden auch die Stämme des südlichen Schottlands gewesen sein. Es ist unwahrscheinlich, dass der Rückzug der römischen Streitkräfte um 410 einen militärischen Einfluss auf die Situation der Damnonii hatte; das Ausbleiben von Zahlungen der ständigen Garnison des Hadrianswalls wird allerdings einen ansehnlichen wirtschaftlichen Effekt gehabt haben.

In den Quellen werden keine eindeutig festlegbaren Grenzen des Königreichs Alt Clut angegeben, doch können auf Grund von Erkenntnissen der Ortsnamenforschung und der Topografie Anhaltspunkte gegeben werden. Am nördlichen Ende des Loch Lomond befindet sich Clach nam Breatann, der Fels der Britannier, von dem angenommen wird, dass er seinen Namen der Tatsache verdankt, dass er die nördliche Grenze des Königreichs Alt Clut markierte. Die Campsie Fells und das Moorgebiet zwischen Loch Lomond und Stirling scheinen eine andere Grenze gewesen zu sein. Weiter südlich erstreckte sich Alt Clut am Clyde entlang bis nach Ayr.A.D.M. Barrell, Medieval Scotland, S. 44, geht davon aus, dass das Gebiet der Diözese von Glasgow, die von David I. von Schottland 1128 gegründet wurde, mit dem Gebiet des Königreichs Strathclyde übereinstimmt.

Der Alte Norden

Für die Geschichte der Jahrhunderte, die unmittelbar auf das Ende der römischen Herrschaft folgten, ist man größtenteils auf irische und walisische Quellen angewiesen, von denen jedoch nur der kleinste Teil zeitgenössisch zu nennen ist. Irische Quellen nennen das Königreich, das sich um Dumbarton konzentrierte, nur, wenn es Bezug auf irische Ereignisse hatte. Die verfügbaren walisischen Quellen, die sich mit den Ereignissen im südlichen Schottland befassen, wurden zu einem späteren Zeitpunkt verfasst, wobei Gildas’ Jeremiade De Excidio Britonum aus dem 6. Jahrhundert und die Gedichte Taliesins und Aneirins, besonders dessen Y Gododdin, von dem angenommen wird, dass es im Schottland des 6. oder 7. Jahrhunderts verfasst wurde, die Ausnahme bilden. In den Werken des angelsächsischen Mönchs Beda († 735) werden Britannier kaum erwähnt, und wenn, dann wenig schmeichelhaft.

In wenig später zu datierenden Quellen werden die Namen zweier Könige genannt. Coroticus oder Ceretic, von dem bekannt ist, dass er der Empfänger eines Briefes des Heiligen Patrick warZitiert bei Norman Davies, S. 64, und der in einer Quelle des 7. Jahrhunderts als König der Höhe des Clyde, d. h. Dumbarton Rock, erwähnt und in das 5. Jahrhundert datiert wird. Aus dem Brief des Heiligen Patricks wird deutlich, dass Ceretic Christ war und dass auch die Angehörigen der Oberschicht im Königreich wenigstens nominell Christen waren. Sein Nachkomme Rhydderch Hael, der im 6. Jahrhundert lebte, wird in Adomnáns Leben des Heiligen Columban erwähnt. Zeitgenossen Rhydderchs waren Áedán mac Gabráin von Dalriada und Urien von Rheged, mit denen ihn Überlieferungen und Erzählungen in Verbindung bringen. So wird Rhydderch (ca. 580–618) als einer der vier Könige identifiziert, die in den 70er Jahren des 6. Jahrhunderts unter der Leitung Uriens König Theodric von Bernicia erfolglos Lindisfarne belagerten.Nennius, HB, 63; N. Higham, The Kingdom of Northumbria, S. 98f Weiter südlich in Whithorn wurde eine Inschrift aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts gefunden, die an die Weihe einer neuen Kirche erinnert. Die genaueren Umstände dieser Weihe sind allerdings nicht bekannt. Anders als über Columban ist über den Heiligen Kentigern, den vermutlichen Apostel der Britannier von Strathclyde, wenig bekannt; seine Lebensbeschreibung von Jocelyn of Furness aus dem 12. Jahrhundert ist zu spät verfasst und ihre Authentizität damit zweifelhaft.

Das Königreich von Alt Clut mini|Ungefähre Lage Strathclydes um 800 Die Ereignisse des nördlichen Britanniens nach 600 und damit der Britannier von Alt Clut sind etwas besser dokumentiert. Unter Historikern herrscht allerdings Uneinigkeit, wie die Quellen interpretiert werden sollen, wobei sich verschiedene einander widersprechende Theorien herausgebildet haben.Alfred Smyth konzentriert sich in Warlords and Holy Men auf die nördlichen Britannier und meint, dass diese das einflussreichste Element im nachrömischen Nordbritannien gebildet hätten. Andere weisen diese Rolle dem irischen Königreich Dalriada zu oder betonen den Einfluss der Angelsachsen, insbesondere des Königreichs Northumbria, während Leslie Alcock in Kings and Warriors einen Mittelweg sucht.

Zu Beginn des 7. Jahrhunderts war Áedán mac Gabráin der mächtigste König im nördlichen Britannien und das Königreich Dalriada auf dem Höhepunkt seiner Macht. Der ihm in späterer walisischer Poesie gegebene Beiname Fradawg (der Treulose) weist darauf hin, dass er unter den Britanniern einen schlechten Ruf genoss. Es scheint, dass er die Kontrolle über Alt Clut erlangt hatte. Seine Herrschaft endete 603, als er und seine Armee, in der sich auch andere irische Könige sowie Verbannte aus Bernicia befanden, vom northumbrischen König Æthelfrith in der Schlacht von Degsastan geschlagen wurde.Beda, HE, I, 34; ASC, s. a. 603

Von Æthelfrith und seinem Nachfolger Edwin wird angenommen, dass sie ihren Einfluss danach in das südliche Schottland ausgedehnt haben, wenn auch die Hauptrichtung der northumbrischen Expansion, die Eroberung Elmets, Feldzüge in Wales und gegen Mercia eher für südliche Expansionsbestrebungen in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts sprechen. Die Annalen von Ulster erwähnen für das Jahr 638 eine Schlacht bei Glenn Muiresan und die Belagerung von Etin (gemeint ist Din Edyn, das spätere Edinburgh),Annalen von Ulster, s. a. 638 woraus man schloss, dass Din Edyn vom northumbrischen König Oswald eingenommen wurde. In den Annalen wird jedoch weder die Einnahme Din Edyns noch die Beteiligung Northumbrias genannt, so dass die Herannahme dieses Eintrags als Indiz für die Ausdehnung Northumbrias nach Schottland zumindest als fragwürdig zu gelten hat.In den Annalen der vier Meister wird König Domnall Brecc von Dalriada mit diesen Ereignissen in Zusammenhang gebracht.

Im Eintrag in den Annalen von Ulster für das Jahr 642 wird berichtet, dass die Britannier von Alt Clut, angeführt von Eugein I., bei Strathcarron ein Heer Dalriadas besiegten und dessen König Domnall Brecc töteten.Annalen von Ulster, s. a. 642 Dieser Sieg wird auch in einem Einschub in Y Gododdin erwähnt.Aneirin, Y Gododdin, lxxx In späteren walisischen Quellen wird der Ort dieser Schlacht als Bannawg wiedergegeben, ein Name, von dem angenommen wird, er sei mit dem Namen Bannockburn verwandt und bezeichne die ausgedehnten Marsch- und Sumpfgebiete zwischen dem Loch Lomond und dem Fluss Forth sowie den Hügeln und Lochs im Norden, die das Gebiet der Britannier von dem des Königreichs Dalriada und den Pikten trennte.