mini|hochkant=1.8|Schwarzgefärbtes Fohlenfell

Die schweren dickledrigen Felle ausgewachsener Pferde, sogenannte Rosshäute, wurden immer fast ausschließlich zu Pferdeleder verarbeitet. Für die Pelzverarbeitung werden vor allem die Felle junger Fohlen verwendet. Sie stammen überwiegend aus halbwilden Herden der ehemaligen Sowjetunion und Südamerikas.

Derzeit werden Fohlenfelle kaum noch für Pelzzwecke genutzt und nur noch in geringem Umfang gehandelt. Zum einen ist das auf einen Wandel innerhalb der Pelzmode zurückzuführen. Zum anderen ist vom mengenmäßigen Anfall her auch künftig nicht mit einer Rückkehr der Mode zu Fohlenpelzen zu rechnen, da die Felle ein Nebenprodukt der in der Vergangenheit ständig verringerten Fohlen-Fleischproduktion sind. Hinzu kommt eine veränderte gesellschaftliche Einstellung gegenüber dem Pferd: Sein ökonomischer Zweck als landwirtschaftliches Nutztier tritt gegenüber der Freizeitnutzung als Reittier immer weiter zurück (vergleiche Pferdefleisch).

Alte, heute nicht mehr gebräuchliche und auch nicht mehr zulässige Handelsbezeichnungen sind Fohlon, Fohlette oder Gaulette.

Fell Das charakteristische Merkmal der Unpaarhufer ist der sogenannte „Rossspiegel“ in der Höhe des Hüfthöckers oberhalb der Hinterbeine. Auch auf der Fleischseite der Felle frisch getöteter Tiere ist er mit seiner dunkleren Färbung deutlich zu erkennen, → Cordovan-Leder. Er ist bis zu 2 1/2 mm dicker und fester als die übrige Haut; der Farbunterschied verschwindet bei der Zurichtung (Gerbung). In dieser Körperpartie ändert sich der Haarlauf, dies dient zum besseren Wasserablauf bei in ungeschützter Umgebung lebenden Tieren. Die geringste Ausdehnung hat der Spiegel beim neugeborenen Fohlen, im Vergleich dazu ist er bei einem anderen Unpaarhufer, dem Zebra, wesentlich großflächiger. Eine Fachkunde für Pelzverkäufer bezeichnet die beiden Fohlenspiegel fachsprachlich auch als „Diechenreflexe“.C & A Brenninkmeyer (Hrsg.): Pelze. September 1986, S. 41. Ein weiteres Kennzeichen ist der am Hinterkopf meist schon erkennbare Mähnenansatz.

Die leicht zu verwechselnden Kalb- und Rindsfelle haben keine Spiegel, ihr Merkmal ist der Haarwirbel im Genick. Mit Kalbfohlen wurden fohlenähnliche Felle junger Rinder bezeichnet; nachdem man sich im Rahmen der RAL-Bestimmungen auf warenehrliche Fellnamen geeinigt hatte, wurde diese Bezeichnung unzulässig (richtig wäre Fohlenkalb).

Gelobt am Fohlenpelz wird sein haltbares Leder und sein wirksamer Schutz gegen Kälte. Für die Pelzverarbeitung eignen sich besonders feinhaarige, dünnledrige, moirierte Fohlenfelle sowie die Häute kleinerer, erwachsener Tiere mit schönem Moiré. Letztere werden durch das Dünnschleifen des Leders für Pelzzwecke brauchbar gemacht.

Das Haar der Rosshäute ist länger und gröber als bei Fohlenfellen, glänzend, mehr oder weniger stark moiriert. Die Unterwolle ist nur schwach ausgebildet. Die Farben sind weiß, schwarz, eselsgrau, meist braun; rot-braun oder schwarz-weiß gescheckt. Flachhaarige Häute neigen häufiger zum Haarausfall („Mildhaarigkeit“). Haltbarkeitskoeffizienten:Dr. Paul Schöps; Dr. H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch die Pelzzurichtung und die Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden.Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt. Fohlenfell 60–70 % Rosshaut 20–30 %

Als Fohlenfelle werden Felle von Tieren gehandelt, die bis etwa zwei Monate alt wurden. Für die Pelzverarbeitung verwendet man bevorzugt die Felle jüngerer, meist wenige Tage alter Fohlen. Die beim Pferd seltenen Frühgeburten sowie Felle von direkt nach der Geburt geschlachteten Tieren werden als Galjak-Fohlen gehandelt (oder Goljak; auch Zylinderfohlen), meist haben sie ein schönes Moiré. Ist das Moiré dagegen wenig oder noch gar nicht ausgebildet, nennt man sie, je nach Charakter, Galjakfohlen „ohne“ oder „mit Muster“. Ungemusterte Fohlenfelle haben kaum einen Wert.

Die Felle sind feinhaarig und dünn im Leder. Je älter das Tier, desto länger und gröber ist das Haar und so schwerer das Fell. Das Leder lässt sich jedoch durch Falzen und Schleifen dünner und damit leichter machen (Spaltfohlen). Die Felllänge der Fohlen liegt zwischen 60 und 100 cm.

Die Färbung der Fohlenfelle ist, vorwiegend einfarbig: grau, rötlichgrau, graubraun (fahlbraun) bis dunkelrotbraun, schwarz. Teils gescheckt. Die Unterseite ist wesentlich heller, mitunter weißlichgelb.Dr. Paul Schöps in Zusammenarbeit mit Kurt Häse: Fohlen und Roßhäute, Das Pelzgewerbe, Jahrgang VII / Neue Folge, Nr. 5, Hermelin-Verlag, Dr. Paul Schöps, Berlin/Leipzig 1956, S. 185–189

Herkommen (Fohlen) mini|hochkant=1.4|Weißes Fohlenfell und Fohlenschweif (White Horse Ranch Museum, Nebraska)

1. Europa Kasan (Wolga): Kurzhaarig, schönes Moiré, dünnledrig; vorwiegend groß im Körper. – Die beste Sorte, vielfach naturdunkel.Dr. Paul Schöps in Zusammenarbeit mit Leopold Hermsdorf, Leipzig; Dr. Horst Münnich, Gotha; Dr. Fritz Schmidt, Überlingen: Die Fellproduktion der Sowjetunion. In Das Pelzgewerbe, XX. Jahrgang, Heft 9/10, Hermelin-Verlag, Leipzig und Berlin 1950. S. 12 Zentralrussland: Kurzhaarig, meist gut moiriert, weniger gefälliger Glanz, dünnledrig, fast gleich Kasan. Westrussland: Langhaariger, teils gutes Moiré, noch gefälliger Glanz; mittelgroß. Baltischer Raum (Litauen, Lettland, Estland): Ähnlich denen aus Westrussland; noch gut moiriert, nicht sehr glänzend, teils größer, etwa wie Zentralrussische Sorten. Südrussland, Ukraine: Ähnlich wie die westrussischen Sorten, doch kleiner, etwa wie die Bessarabischen. Die besten aus der Region Volhynia in der Ukraine.Max Bachrach: Fur. A Practical Treatise. Verlag Prentice-Hall, Inc., New York 1936. S. 507–511 (engl.) Bessarabien: Ähnlich, doch nicht so seidig; mittelgroß. Polen: Etwa wie die westrussischen Sorten; weniger glänzend, mittelgroß, die besten aus der Gegend von Lublin. Dänemark: Etwa die halbe Fellanzahl ist moiriert, große Felle.

2. Asien Sibirien: Langhaariger, weniger glänzend, dickledrig, klein. Es fallen hauptsächlich geringere Sorten an. Turkestan, Mongolei, China (insbesondere der Norden): Wenig glänzend, sehr leichtledrig, sehr klein. Tadschikistan: Von hier kommt kommen im Oberhaar gelockte Felle der Pferderasse Lokaier. Die häufigsten Fellfarben sind Braune, Schimmel und Füchse. Das Fell der Braunen und Füchse hat häufig einen goldenen Schimmer

Provenienzen des russischen Standards: Kasaner, Zentralrussische, Witebski, Homeler, Sibirier-Steppen, Sibirier-Getreide, Mittel-Asiatische, Mongoler, Süd-Östlicher. Russisches Sortiment: Sklizok und Galjakfohlen, die extraflachen (aufgeteilt in mehrere Sorten). Urostok (Grasfresser), von ausgewachsenen Füllen, viel größer im Körper, raucher und ohne Moiré und mit schwacher Zeichnung (Spiegel). Pertschatoschny (Handschuhware), auch Mechowoj (Pelz), große Felle, langhaarig, nicht gezeichnet. 3. Südamerika Von hier wurden aus der Fleischgewinnung jährlich etwa 20.000 bis 25.000 Felle angeliefert, in den Naturfarben (rotbraun, eselsgrau (deshalb auch „Eselsfohlen“) usw.), die in Modefarben eingefärbt oder mit Mustern bedruckt wurden. Obwohl 1988 die größten Anlieferungen aus Südamerika kamen, waren zu der Zeit bereits wegen der Abkehr der Mode von den flachen Pelzarten kaum noch „Partien“ am Markt; es hieß, die Felle werden wahrscheinlich der Lederverarbeitung zugeführt.

Geschichte, Handel

Fohlenfelle hatten keine sehr lange Geschichte in der Pelzmode. 1623 wurde ein Kürschnermeister aus Friedeberg noch gerügt, weil er auf Geheiß seiner Standesherrschaft die unehrenhafte Arbeit des Schinders übernommen hatte und einem gefallenen Pferd die Haut abgezogen hatte. Eine solche unehrliche Arbeit konnte leicht zu einem Ausschluss aus der Innung führen und kam damit praktisch einem Berufsverbot gleich.Fritz Wiggert: Entstehung und Entwicklung des Altschlesischen Kürschnerhandwerks mit besonderer Berücksichtigung der Kürschnerzünfte zu Breslau und Neumarkt. Breslauer Kürschnerinnung (Hrsg.), 1926, S. 59. Primärquelle: Breslauer Stadt-Archiv, Lose Akten, Z. P. I, 49 (1623), Buchdeckel und Inhaltsverzeichnis.

Brass berichtete 1911, dass das Pferd trotz seiner langen Kulturgeschichte erst in den letzten Jahren zu den Pelztieren gerechnet werden kann. Er meinte damals noch, dass von den ganzen so verschiedenen Rassen für den Pelzhandel nur eine in Betracht kommt, das Kirgisenpferd. Brockhaus schrieb 1841: „Die gemeinen Kirgisen tragen Pferdehäute.“F. A. Brockhaus: Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste. Herausgegeben von J. S. Ersch und I. G. Gruber, Leipzig 1841. Dritte Section O-Z, Stichwort „Pelze“ Die Kirgisenfohlen wurden geschlachtet, weil man anstelle der Fohlen an die Stutenmilch gelangen wollte. Neben der direkten Milchnutzung wurde aus der Milch das berauschende Getränk Kumys sowie ein wohlschmeckender Käse zubereitet. Da etwa gleichzeitig die Persianer-Breitschwanz-Mode aufkam, passten die flachen, breitschwanzartigen Fohlenfelle sehr gut in das damalige Modegeschehen, sie machten den feinen Lammfellen scharfe Konkurrenz.Dr. Max Mehner, bearbeitet von E. Unger: Materialienkunde für Pelz- und Lederanbieter. Alfred Hahns Verlag, Leipzig 1910, S. 27 Der Rauchwarenhändler Jury Fränkel (1899–1971) erinnerte sich, dass um 1910 auf der Eisenbahnfahrt zur Irbit-Messe im kalten Sibirien die Reisenden eine sogenannte Dochá dabei hatten, einen Fahrpelz, meist ein Fohlenmantel, der mit australischem Opossum gefüttert war.Jury Fränkel: Einbahnstraße - Bericht eines Lebens, erster Teil. Rifra Verlag, Murrhardt 1971, S. 33.

Alexander Tuma hatte Anfang 1920 die Gelegenheit, sich mit dem Chef der damals weltbekannten Firma Chapal Freres in Mantreuil bei Paris zu unterhalten. M. Chapal zeigte ihm die ersten gelungenen Versuche, Fohlen dünn und weichledrig zu veredeln.Alexander Tuma: Die Geschichte der Kürschnerei, Verlag Alexander Tuma, Wien 1976, S. 237 Anfangs wurden sie ungefärbt zu Automobilpelzen verarbeitet, seit etwa 1906 begann man sie glänzendschwarz zu färben, um sie dann als „Ponyskins“ auf den Markt zu bringen. 1909 oder früher kamen die ersten veredelten russischen Fohlenfelle von Chapal Freres aus Paris auf den Leipziger Rauchwarenmarkt. Sie waren schwarz gefärbt und hatten ein rotes Leder.Friedrich Jäkel: Der Brühl von 1900 bis zum 2. Weltkrieg. In: „Rund um den Pelz“ Nr. 3, März 1966, Rhenania-Verlag, Koblenz, S. 200 Bereits im Jahr 1908 warb das amerikanische Unternehmen Albrecht Furs damit, dass seine Autofahrermäntel garantiert aus in Frankreich gefärbten russischen Fohlenfellen gearbeitet sind. Kein Fell wäre populärer und entspräche besser der aktuellen Mode. Das Fell wäre zwar nicht besonders langlebig, aber bei vorsichtiger Behandlung und gelegentlichen Reparaturen würde es einige Jahre halten. Der Preis für den Automantel richtete sich nach der Fellqualität, er reichte von 135 bis 175 Dollar.Katalog Albrecht Furs 1908-9. Albrecht Furs Saint Paul, Minnesota, S. 19.

Der Anfall von Fohlenfellen lag 1911 bei etwa 10 Millionen Stück, beim Preis von etwa 6 bis 8 Mark.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze, 1911, Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin, S. 694–695Dr. Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen, 1970, F. C. Mayer Verlag, München, S. 374–375