Garbenteich ist der nach Einwohnerzahl zweitgrößte Ortsteil der Stadt Pohlheim im mittelhessischen Landkreis Gießen. Die Ortsbebauung geht am Nordrand in die von Hausen über. Garbenteich liegt am Obergermanischen Limes am Rande der Wetterau in Mittelhessen am Lückebach.
Ortsgeschichte mini|Evangelische Kirche in Garbenteich Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf im Jahre 1141: „... ville, Quarum hec sunt nomine... Gariwardiseich, Cotthen, Vronebach ...“ (Die Orte, deren Name sind ...).Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band III. Nr. 1331, S. 304. Hierbei handelt es sich aber um eine scheinbare Originalurkunde aus dem 13. Jahrhundert.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 358. Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1141 dagegen ist eine Fälschung.Arthur Wyss: Urkundenbuch Deutschordens-Ballei Hessen. Band III. Nr. 1333.
1258 wurden Kapellen in den Dörfern „... capellarum in Steynbac, Garwartseyc et in Lekestrin“ erwähnt.Arthur Wyss: Urkundenbuch Deutschordens-Ballei Hessen. Band III. Nr. 1354, S. 351.
Eine Urkunde aus dem Jahre 1288 nennt: „... mansum alium apud Garwertsteich ...“Arthur Wyss: Urkundenbuch Deutschordens-Ballei Hessen. Band III. Nr. 1373, S. 351. Das Gericht zu Garbenteich wird 1359 erwähnt: „... des gerychtis zu Garwerteteych ...“Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. = AUB Darmstadt 1851. Nr. 871, S. 531. Ein „... amptman zu Garweteiche ... “ erscheint in einer Urkunde von 1382.Ludwig Baur: AUB, Nr. 1382, S. 1051.
Der Ortsname wird auf den Rufnamen Garuwand zurückgeführt, welcher aus den Wortstämmen garwa und warda hergeleitet wurde. Außerdem beinhaltet der Ortsname das mhd. Wort eich, welches nicht einen Baum, sondern einen Eichenwald meint.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 154. Demnach ist Garbenteich die „Siedlung am Eichenwald des Garuward.“Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 127.
In der heutigen Gemarkung Garbenteich lagen im Mittelalter die drei ehemaligen Dörfer Fronbach, Koden und Konradsrode. In Fronbach befanden sich eine Kirche und eine Klause als Lehen des Deutschen Ordens auf dem Schiffenberg.StAD, Abt. A 3, Nr. 331/116. Die drei Orte fielen wüst.
Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Garbenteich:
Die Schule wurde 1817 erbaut und 1970 abgebrochen. Die Sport- und Kulturhalle wurde 1968 errichtet und 1998 renoviert. 1969 wurde ein Kindergarten im Ort eingerichtet.
Am 31. Dezember 1970 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Dorf-Güll, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzheim und Watzenborn-Steinberg die Gemeinde Pohlheim gegründet. Für Garbenteich wurde, wie für die übrigen ehemaligen Gemeinden von Pohlheim, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Garbenteich angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Gießen, Gericht Steinbach ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Gießen, Gericht SteinbachDie Zugehörigkeit des Amtes Gießen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Gießen (ab 1789), Gericht Steinbach ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Ober-Hessen, Landamt Gießen ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landamt Gießen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Pohlheim ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Pohlheim ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Pohlheim ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Gemeinde Pohlheim
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Garbenteich das „Landamt Gießen“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. „Landgericht Gießen“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Garbenteich zuständig war.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen Land- und Stadtgerichte im Großherzogtum Hessen aufgehoben und durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, ebenso verfuhr man mit den als Obergerichten fungierenden Hofgerichten, deren Funktion nun die neu errichteten Landgerichte übernahmen. Die Bezirke des Stadt- und des Landgerichts Gießen wurden zusammengelegt und bildeten nun zusammen mit den vorher zum Landgericht Grünberg gehörigen Orten Allertshausen und Climbach den Bezirk des neu geschaffenen Amtsgerichts Gießen, welches seitdem zum Bezirk des als Obergericht neu errichteten Landgerichts Gießen gehört. Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Garbenteich 2943 Einwohner. Darunter waren 201 (6,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 570 Einwohner unter 18 Jahren, 1238 zwischen 18 und 49, 582 zwischen 50 und 64 und 549 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1221 Haushalten. Davon waren 381 Singlehaushalte, 363 Paare ohne Kinder und 354 Paare mit Kindern, sowie 96 Alleinerziehende und 24 Wohngemeinschaften. In 267 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 822 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1502: 6 Männer • 1577: 40 Hausgesesse • 1630: 1 dreispännige, 7 zweispännige, 19 einspännige Ackerleute, 8 Einläuftige, 1 Witwe, 7 Vormundschaften • 1669: 183 Seelen • 1742: 1 Geistliche/Beamte, 75 Untertanen, 19 Junge Mannschaften, 1 Beisasse/Jude. • 1806: 401 Einwohner, 89 Häuser • 1829: 476 Einwohner, 93 Häuser • 1867: 576 Einwohner, 103 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1830: 451 evangelische, 13 katholische, 12 jüdische Einwohner • 1961: 1309 evangelische, 240 römisch-katholische Einwohner.
Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 137 Land- und Forstwirtschaft, 333 Produzierendes Gewerbe, 148 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 135 Dienstleistungen und Sonstiges.
Wappen Am 9. September 1970 wurde der Gemeinde Garbenteich ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot ein silberner, von je drei Blättern und Eicheln besteckter Eichenzweig, belegt von zwei goldenen gekreuzten Speeren.
Verkehr Am Ortsrand treffen sich die Landesstraßen 3129, 3131 und 3358. Im Südosten verläuft die Bundesautobahn 5. Der Haltepunkt Garbenteich liegt an der Bahnstrecke Gießen–Gelnhausen. Es verkehrt die RB 46 Gießen – Hungen – Nidda – Gelnhausen.
Literatur
Weblinks
Geschichte der Ortsteile. In: Webauftritt der Stadt Pohlheim.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Pohlheim) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Ersterwähnung 1141 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970