Die Winterzwiebel (Allium fistulosum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lauch (Allium) in der Unterfamilie der Lauchgewächse (Allioideae).
Trivialnamen mini|Illustration Sie wird auch Frühlingszwiebel, Frühzwiebel, Lauchzwiebel, Jungzwiebel, Frühlingslauch, Zwiebelröhrl, Zwiebelröhrchen, Röhrenlauch, Schluppenzwiebel, Schlottenzwiebel, Schnittzwiebel, Bundzwiebel, Ewige Zwiebel, Winterheckenzwiebel, Winterhecke, Winterheckzwiebel, Weiße Florentiner, Grober Schnittlauch, Jakobslauch, Johannislauch, Fleischlauch, Hohllauch oder Schnattra genannt. Die grünen Blätter der Winterzwiebel werden Schlotten genannt, manchmal wird auch die ganze Winterzwiebel so bezeichnet.K. F. Dobel: Synonymisches Wörterbuch der in der Arzneikunde und im Handel vorkommenden Gewächse, 1830, S. 11–12.J. Becker-Dillingen: Handbuch des gesamten Gemüsebaues, einschliesslich der Küchenkräuter., 6. Auflage, P. Parey, 1956, S. 686.J. Becker-Dillingen: Handbuch des gesamten Gemüsebaues, 5. Auflage, Verlag Paul Parey, 1950, S. 802–804. Mit einigen dieser Trivialnamen werden auch andere Arten bezeichnet (nicht zu verwechseln mit Schalotten).
Weitere zum Teil auch nur regional gebräuchliche Bezeichnungen für die Winterzwiebel sind oder waren: dume Porrum, Fleisslauch, Hackezwiebel (Magdeburg), Jakobszwiebel (Ostfriesland), Johannislauch (Ostfriesland), Narr, Narren und Somzwiebel (Siebenbürgen), Schluchtern (Vogtland).Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, Verlag von Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 18.
Als Winterzwiebeln werden auch Herbstaussaaten der Speisezwiebel (Allium cepa) bezeichnet, die eine normale Zwiebel bilden, aber weder schalenfest noch gut lagerbar sind.
Beschreibung mini|Fruchtstand und Samen
Vegetative Merkmale Winterzwiebeln sind ausdauernde krautige Pflanzen und erreichen eine Wuchshöhe von 30 bis 100 Zentimetern. Der Stängel aufgeblasen und im Querschnitt rund. Die Pflanze ist horstbildend und entwickelt Zwiebeln. Die lange zylindrische Zwiebel ist weiß; es sind auch rote und andere Färbungen bekannt.Combles: Der wohlbestellte Küchengarten, Ausgabe 2, Verlag B.F. Voigt, 1841, S. 298 Sie bildet keine Zwiebel im Sinne der Speisezwiebel.H. L. Vilmorin: Ciboule, In: Les Plantes Potagères; Description et culture des Proncipaux Légumes des climats tempéré., Troisième Édition, 1904, S. 177. Die Form ähnelt der von Porree.K. Reichelt, N. Nicolaisen: Die Praxis des Gemüsebaues. Verlagsbuchhandlung Paul Parey, 1931, S. 235–236. Zum Herbst hin bilden sich fast gleichzeitig mit der Hauptzwiebel die Nebenzwiebeln aus, die zur vegetativen Vermehrung dienen. Im Herbst zieht die Pflanze vollständig ein.P. Miller, F. Hermann, H. Lueder: Vollständige Anleitung zur Wartung aller in Europa bekannten Küchengartengewächse. Verlag C.G. Donatius, 1780, S. 881–882. In Asien sind sehr viele Typen in Kultur, die mehr oder weniger horstbildend sind. Es existieren Typen mit weißer und purpurfarbener Haut. Besonders im asiatischen und afrikanischen Raum sind viele Typen bekannt. So ist in Brazzaville und Kinshasa eine horstbildende Winterzwiebel mit sehr feinen Blättern gebräuchlich, die blüht und Samen bildet. Im Gegensatz dazu bildet die Japanische Winterzwiebel keine Samen aus, wenn sie in den Tropen kultiviert wird.Charles-Marie Messian, Le Potager Tropical, 3ème édition refondue, Édition CILF, Paris 1997, ISBN 2-85319-273-3, S. 390. Die Laubblätter sind rund und hohl.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juni und August, also im Sommer. Die etwa 1 Zentimeter große Blüte ist weiß. Die Blütenhüllblätter sind kürzer als die Blütenstiele. Die Staubblätter ragen weit über die Blütenhülle hinaus, die Staubfäden sind einfach und ungezähnt.
Die Winterzwiebel bildet leicht Samen. Die Reifezeit des Samens ist Juli bis August, teilweise September. Die Samen sind etwa 1 mm dick, 1 bis 2 mm breit und 2 bis 3 mm lang. Das Tausendkorngewicht beträgt 2,1 bis 2,4 g.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.
Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Allium fistulosum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 301. Synonyme für Allium fistulosum sind: Cepa fistulosa , Cepa fissilis , Cepa ventricosa , Kepa fistulosa , Phyllodolon fistulosum nom. inval., Porrum fistulosum , Allium bouddhae , Allium kashgaricum , Allium fistulosum var. caespitosum , Allium fistulosum var. giganteum .
Herkunft und Geschichte Wild kommt die Winterzwiebel in Deutschland nicht vor. Ihr Ursprung ist der Orient. Offenbar existierte schon 2000 vor unserer Zeitrechnung ein Anbau in China, wo bis zur Entwicklung der modernen Sorten der letzten Jahrzehnte keine Speisezwiebel angebaut wurde. Wild wachsen Winterzwiebeln in Sibirien am Altai und am Baikalsee, von wo sie im 17. Jahrhundert wohl via Russland nach Europa kam. 1629 wurde sie jedenfalls in England eingeführt.H. C. Thompsen: Jerusalem Artichoke, In: Vegetable Crops. Fourth edition, McBraw-Hill Book Company Inc., London, 1949, S. 373–374. Ende des 18. Jahrhunderts wurden Winterzwiebeln im Raum München in großen Mengen angebaut. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Anbau in der Fruchtfolge nach Kartoffeln bevorzugt.
Nutzung Anbau und Ernte Die Winterzwiebel ist eine verbreitete Kulturpflanze. Sie wird besonders in tropischen Klimagebieten angebaut, weil dort die Speisezwiebel (Allium cepa) nicht oder nicht so gut gedeiht.M. Busch-Stockfisch: Lebensmittellexikon. Behr's Verlag DE, ISBN 3-89947-165-2, 2005, S. 2067–2068.A. Leroy: Culture des Alliacées Potagères – Chapitre VI - La Ciboule. Librarie Hachette, 1941, S. 57–62. Sie ist frosthart, kann schon im Vorjahr ausgesät und im Zwei- bis Dreiblattstadium überwintert werden. In Asien wird die Winterzwiebel meist als zweite Kultur nach Reis angebaut.J.J. Ochse et al., Vegetables of the Dutch East Indies (edible tubers, bulbs rhizomes and spices included): Survey of the indigencus and foreign plants serving as pot-herbs and side-dishes, Archipel drukkerij, 1931, S. 446–449. In der Schweiz war der Anbau um 1945 in der Fruchtfolge nach Kartoffeln üblich. Im Hausgarten erfolgt der Anbau nach Bohnen und Erbsen. Durch die Aussaat im Treibhaus oder im Folientunnel kann die Winterzwiebel zum Übergang zwischen der Treibkultur von Schnittlauch dienen, bevor der erste durch Vlies verfrühte Schnittlauch im Freiland austreibt. Winterzwiebeln sind nach dem Winter schneller in der Entwicklung als Schnittlauch.L. Müller: Gemüse - Fachbücherei des Gärtners. Zweiter Band, Verlagsgesellschaft mbH H. Rillinger, Nordhausen am Harz, 1937?, S. 386. Nicht zu nährstoffreiche, leichte bis mittelschwere Böden an warmer Stelle sind ideal.O. Rhiner et al.: Der Schweizer Gemüsebau. Druck: Huber & Co. AG, Frauenfeld, 1945, S. 151–152. An einem vollsonnigen Standort angebaut, entwickelt die Pflanze ein stärkeres Aroma, als wenn sie im Schatten von Bäumen oder im Treibhaus kultiviert wird.E. Stapperts: Cours Pratique de Culture maraichère. Druck: Soc. an. M. Weissenbruch, Belgien, 1923, S. 555–556. In Mitteleuropa wird von Februar bis April ausgesät. Für die Produktion von Bundzwiebeln wird in mehreren Sätzen (Aussaaten) gesät, um immer die optimale Größe ernten zu können. Die optimale Keimtemperatur liegt bei 15 bis 25 °C, und das Optimum für das Wachstum bei 15 bis 20 °C. Der Pflanzenabstand sollte 20 × 20 bis 25 mm betragen. Die Samen werden nur leicht mit Erde bedeckt. Das entspricht etwa 0,5 cm. Der Samen keimt bereits nach 3 bis 4 Tagen, unter ungünstigen Bedingungen und bei geringerer Keimfähigkeit auch erst nach 14 Tagen. Für ein Ar werden 150 g Saatgut oder 0,25 g pro Laufmeter benötigt. Für die Setzlingsanzucht im Juli wird breitwürfig gesät, wobei für 1 m² 10 g nötig sind. Die Pflanzung der Setzlinge erfolgt dann Anfang September. Gepflanzt werden 3 bis 4 Pflanzen zusammen. Dabei können die Wurzeln und die Blätter etwas eingekürzt werden. Winterzwiebeln sind nicht sehr nährstoffbedürftig. Ist der Kulturbeginn im Herbst, sollte nur mit Phosphor und Kali gedüngt werden. Dann wird im Frühjahr mit Stickstoff gedüngt, auf mehrere Gaben aufgeteilt, um Auswaschung zu verhindern. Die Ernte kann etwa drei Monate nach der Saat beginnen. Im Hausgarten kann die Winterzwiebel auch als Dauerkultur angelegt werden. Sie sollte jedoch alle zwei bis drei Jahre umgepflanzt werden, weil sonst die Horste zu dicht werden und damit die Austriebskraft und Blattdicke verringert wird. Winterzwiebeln werden auch zur Produktion von Bundzwiebeln verwendet. Dann gilt sie als einjährige Kultur. Sie wird dann alle zwei Wochen gesät. Als Bundzwiebel, auch Silberzwiebel genannt, wird sie geerntet, wenn sie einen Durchmesser von 15 bis 35 mm hat. Im Hausgarten kann sie auch als Einfassung der Beete verwendet werden, weil sie nicht wuchert und wenig Pflege benötigt. Bei der Bundzwiebelproduktion sind Erträge von 200 bis 500 dt/ha möglich – je nach Typ und Jahreszeit, in der angebaut wird.
Mischkultur Winterzwiebeln können im Hausgarten gut gemischt mit Radieschen ausgesät werden. Dabei sind die Radieschen etwa ein bis zwei Monate vorher erntereif, und man spart Platz. Es sollte aber ein bisschen mehr gedüngt werden.
Vermehrung Vermehrt wird die Winterzwiebel generativ über Samen. Dazu werden Pflanzen im Frühjahr ausgesät und angezogen wie zur Gemüseproduktion. Erst langsam wachsend, bilden sie dann im Herbst Horste und werden so überwintert. Nach der Überwinterung kommt die Pflanze im Sommer zur Blüte. 40 Tage nach Vollblüte werden die reifen Samenstände mit etwas Stiel abgeschnitten und nachgetrocknet. Damit wird verhindert, dass die Samen schon bei der Ernte ausfallen. Das Nachtrocknen dauert weitere 20 Tage.H. D. Rabinowitch, J. L. Brewster: Onions and Allied Crops - Biochemistry Food Science Minor Crops, Volume 3, CRC Press, 1989, S. 159–176. Die Pflanzenexemplare können mehrere Jahre in Folge zur Saatgutvermehrung genutzt werden. Im Hausgarten können Winterzwiebeln auch durch Teilung der Horste, wie bei Schnittlauch, vermehrt werden. Die zuletzt beschriebene, vegetative Vermehrung geschieht ab August. Bei der Teilung der Horste werden 2 bis 3 Triebe als neuer Horst gepflanzt.H. Truet: Traité pratique de Culture Potagère pour l'Afrique du Nord, La Maison des Livres, Algier, 1941, S. 88–90. Aus diesen Pflanzen kann bereits im nächsten Jahr wieder voll geerntet werden. Es existieren auch Kreuzungen aus Zwiebel (Allium cepa) und Winterzwiebel (Allium fistulosum), die sehr wüchsig sind. Die Vermehrung via Meristemkultur aus Kallusgewebe ist ebenfalls möglich.Z. P. Linz, Q. L. Cui: Regeneration of plants from callus of Allium fistulosum. In: Acta Botanica Sinica No. 24-6, 1982, S. 586–587.
Krankheiten und Schädlinge An Winterhecke kommen die meisten Krankheiten vor, die auch an anderen Zwiebelgewächsen auftreten. So sind dies: Falscher Mehltau (Peronospora destructor), Purpurflecken (Alternaria porri), Mehlkrankheit (Sclerotium cepivorum), Winterzwiebel-Gelbstreifen-Virus (Welsh Onion yellow Stripe Virus). Als Schädlinge treten vor allem Zwiebelthrips (Thrips tabaci), Lauchmotte und Zwiebelminierfliege auf.G. J. H. Grubben, O. A. Denton: Plant Resources of Tropical Africa (Program), PORTA Foundation, Wageningen; Backhuys, Leiden; CTA, Wageningen, 2004, ISBN 90-5782-147-8, S. 52–56. Besonders gegenüber Falschem Mehltau ist die Winterzwiebel empfindlicher als andere Zwiebelarten, wenn andauernd feuchte und warme Bedingungen herrschen. Auch die Eschalottenfliege (Anthomya platura) kommt vor. Bei sehr starken, lang andauernden Frösten können die Spitzen der Blätter gelb verfärben oder absterben, besonders wenn im Winter trockener Wind herrscht. Manchmal entwickelt sich auch Rost (Puccinia porri) auf den Blättern.