Die direkten Verhandlungen zwischen Chile und Argentinien um den Beagle-Konflikt begannen am 2. Mai 1977, dem Tag der Verkündung des internationalen Schiedsurteils durch Königin Elisabeth II. Die Kriegsgefahr erreichte ihren Höhepunkt am 22. Dezember 1978, als die argentinischen Streitkräfte die Operation Soberanía starteten, um die umstrittenen Inseln mit Gewalt zu besetzen. Nur das päpstliche Vermittlungsangebot konnte die Junta in Buenos Aires in letzter Minute davon abhalten, einen Krieg zu entfesseln. Am 8. Januar 1979 endete diese Phase mit der Unterzeichnung der Akte von Montevideo (Uruguay) und die päpstliche Vermittlung begann.

Die Innenpolitik Beide Länder wurden von rechten Militärdiktaturen regiert, die die Bürgerrechte stark einschränkten und die Menschenrechte im Namen der Doktrin der nationalen Sicherheit verletzten. Sie hatten auch in der Außenpolitik vieles gemeinsam. Um die Opposition in ihren eigenen Ländern zu eliminieren, hatten sie die Operación Cóndor gemeinsam durchgeführt.

Chile In Chile regierte von 1973 bis 1990 Augusto Pinochet. Alle politischen Parteien waren entweder verboten oder mussten ihre Aktivitäten einstellen. 1978 wurde das Land durch die Entdeckung der Leichen von nach dem Putsch exekutierten Bauern in Lonquén, nahe Santiago, erschüttert. Da keine andere unabhängige Institution im Lande verblieben war, musste die katholische Kirche öffentlich die Justiz auffordern, das Verbrechen aufzuklären. Auch innerhalb des Militärs war keine Opposition zugelassen. In diesem Jahr musste der Chef der chilenischen Luftwaffe, General Gustavo Leigh, die Luftwaffe und seine Stelle in der Junta wegen seiner Forderungen nach Demokratie verlassen. Mit ihm sind 17 der 21 Generäle der Institution aus Treue zu ihm zurückgetreten. Das schwächte die schon durch das Embargo der Vereinigten Staaten getroffene Luftwaffe noch weiter. In der Außenpolitik war Pinochet ein ausgesprochener Feind der Sowjetunion und war wegen seiner Menschenrechtsverletzungen von den westlichen und sozialistischen Ländern isoliert. Die USA waren nach dem Mord an Orlando Letelier auf Distanz zu Pinochet gegangen.

Die Opposition zur Diktatur begann sich allmählich um den ehemaligen Präsidenten Chiles Eduardo Frei Montalva, einen Christdemokraten, zu reorganisieren. Wegen des totalitären Charakters der Regierung gab es kaum Gemeinsamkeiten mit der Opposition. Der Konflikt mit Argentinien war eine Ausnahme. Frei hatte seine Unterstützung für die Regierung öffentlich kundgetan: „Se esta alimentando, no por Chile, un conflicto de dramáticas consecuencias“.Siehe die Sendung „El año que vivimos en peligro“, Informe Especial, von Televisión Nacional de Chile. Im Internet youtube (Übersetzung: „Es wird ein Konflikt angeheizt, nicht von chilenischer Seite, mit dramatischen Konsequenzen.“)

Pinochet, der niemandem Rechenschaft ablegen musste, konnte während der Krise flexibel und sicher handeln.Siehe : En una comparación que evidentemente dejaba mal parados a los militares argentinos, el mediador [Antonio Samoré] sostenía que en el caso del régimen chileno hay uno que comanda, dirige. Aber seine Macht war nicht uneingeschränkt, denn nach argentinischen Quellen war es ihm nicht gelungen, eine mit Jorge Videla in Mendoza ausgehandelte Lösung in Chile durchzusetzenSiehe in der Zeitung „La Nación“, Argentinien, 12. August 1996. Auch gelang es ihm nicht, die Schiffe der Kriegsmarine dem Befehl der Oberkommandierenden der südlichen Region Chiles zu unterstellenSiehe Interview des Luftwaffenchef Matthei im Buch „Matthei, mi testimonio“ (kompiliert von Patricia Arancibia e Isabel de la Maza): „A mi juicio, ése fue un factor grave de descoordinación, porque el almirante López [Chef der Flotte] le respondía al almirante (Merino) y el general Floody [Chef der südlichen Region] al general Pinochet“. Trotzdem gab es eine zentralisierte und hierarchische Organisation, die Reibungsverluste verringerte und den Gebrauch der Ressourcen optimierteVer declaraciones de Ernesto Videla en entrevista con el diario „El Mercurio“: Reivindicaciones: Punto de quiebre: "Primero que nada un mando unificado. El poder estaba claro quien lo tenía, y quien resolvía el asunto. ".

Das wichtigste Verhandlungsziel der chilenischen Regierung war es, ohne Landverlust einen Krieg zu vermeiden. Dazu war sie bereit, über die maritime Grenze zu verhandeln. Dem starken militärischen Druck Argentiniens ausgesetzt, hielt es Chile für erstrebenswert, einen Vermittler einzuschalten. Als der Präsident Jimmy Carter beide Regierungen zu Verhandlungen aufrief, bat Pinochet die USA um die Entsendung militärischer Beobachter in die Zone.

Argentinien In Argentinien herrschte von 1976 bis 1983 der Prozess der Nationalen Reorganisation, eine Militärjunta der drei argentinischen Waffengattungen. Im Gegensatz zur chilenischen Junta waren in der argentinischen Junta die drei Waffengattungen gleichberechtigt, die Machtabwechslung war vorgesehen und die Politisierung der Streitkräfte war seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts üblich. Man konnte bezüglich des Konflikts mit Chile drei große Strömungen innerhalb der argentinischen Streitkräfte unterscheiden: die „Tauben“ (Generäle Jorge Videla, R. Viola, R. Bignone), die „Falken“ (Generäle José. A. Vaquero, Luciano. B. Menendez, Leopoldo Galtieri, R. Camps, C. G. Suaréz M., I. Saint Jean.) und eine populistische Strömung um den Admiral Emilio Massera, der aus der Kontroverse mit Chile politischen Gewinn im Inneren erhoffte.

Trotz der vielen Menschenrechtsverletzungen im Lande genoss die Junta vielerorts im Ausland ein gutes Ansehen und wurde niemals durch die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen verurteilt. Argentinien konnte 1978 die Fußball-Weltmeisterschaft ins Land holen und wurde Fußballweltmeister dieses Jahrs. Videla wurde in der Anfangszeit seiner Regierung von einigen Journalisten mit Sympathie bedacht: Auch Deutschland kämpfte 1976 gerade gegen linke Terroristen und so zeigten sich hiesige Journalisten seinerzeit beeindruckt von Videlas Amtsführung. Er könnte genau der Mann sein, den Argentinien brauche, urteilte 1976 der Rheinische Merkur, und die Stuttgarter Zeitung begrüßte den „längst überfälligen Putsch gegen die unfähige Vorgängerin“. Man beschrieb den Diktator als korrekt, höflich, puritanisch bis zum Exzess, aus tiefstem Herzen Katholik und zeigte Verständnis.Siehe Berliner Zeitung vom 5. März 2004Anfänglich beurteilten auch die USA Videla als „moderado“ (gemäßigt), siehe La verdad de los archivos in der argentinische Zeitung "La Nación, vom 15. Mai 2011.

Der argentinische Historiker Luis Alberto Romero behauptetLuis Alberto Romero, Argentina in the twentieth Century. Pennsylvania State University Press, translated by James P. Brennan, 1994, ISBN 0-271-02191-8 (englische Fassung) S. 242–243: By that time, a bellicose current of opinion had arisen among the military and its friend, an attitude rooted in a strain of Argentine nationalism, which drew substance from strong chauvinistic sentiments. Diverse ancient fantasies in society's historical imaginary-the „patria grande“, the „spoliation“ that the country had suffered- where added to a new fantasy of „entering the first world“ through a „strong“ foreign policy. All this combinated with the traditional messianic military mentality and the ingenousness of its strategies which were ignorant of the most elemental facts of international politics. The aggression against Chile, stymied by papal mediation, was transferred to Great Britain …

Ähnlich argumentiert ein Kommentar in der Zeitung „New York Times“ von 31. Dezember 1978:Siehe The New York Times Beagle Channel controversy that has brought the military regimes of Argentina and Chile to the brink of war is an expression of the turbulent revisionism underway in Argentina in reaction to frustrations in national life. Argentine policy is made by military men whose nationalist values are mixed with personal ambitions, phobias against politicians, „progressive“ …

Das argentinische Problem bestand in der Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen und sie durchzusetzen, mindestens innerhalb der Junta. Zu den Verhandlungen mit der argentinischen Junta während des Falklandkriegs sagte Alexander Haig: Nadie podía decir que sí y todos podían decir que no.Siehe Zeitung , Argentina, vom 10. August 1997 (Übersetzung: "Keiner konnte Ja sagen, jeder konnte Nein sagen).

Diese Unfähigkeit wurde, im Fall des Beagle-Konflikts, auch vom Mark Laudy bestätigtSieh Mark Laudy, : Nevertheless, they were severely constrained in their ability to work toward a peaceful solution by more extreme members of the junta. The military leadership was perpetually concerned that a conciliatory approach toward Chile would be regarded as a face-losing transaction that might destabilize its control and invite challengers from the ranks of the juniors officers. It has been reported, for example, that when President Videla informed the papal nuncio, Pio Laghi, of Argentina's plans to invade the PNL [Picton, Nueva and Lennox (Anh. der Redaktion)] island group in December 1978, he justified the decision by saying that if he did not give the orders for invasion, he would be replaced by extremists within the junta.

Es gab viele Fälle, in denen untere Ränge die Befehle der Junta nicht befolgten oder sich widersetzen: 1981 schloss der damals noch Oberkommandierende des Heeres General Galtieri die Grenze zu Chile, ohne den Präsidenten oder den anderen Waffengattungen zu informieren.Siehe § 59Siehe in der Zeitung Clarín, Buenos Aires, 20. Dezember 1998 Januar 1979 versuchte der General Luciano Benjamín Menéndez mit Gewalt die Reise des argentinischen Außenministers zur Unterzeichnung der Akte von Montevideo zu unterbinden und später rebellierte er gegen die Regierung wegen der Freilassung eines Journalisten. Admiral Massera kritisierte ständig die Regierung von Videla in der Hoffnung, nach dessen Sturz an die Macht zu kommen, und unterhöhlte damit die Glaubwürdigkeit der Regierung, an der er selbst teilnahm. Präsident Videla war kaum mehr als ein Sprecher der Junta, denn seine Entscheidungen wurden oft von ihr zurückgenommen. In einem Interview mit der Journalistin Marina Aizen, Auslandskorrespondent der Zeitung Clarín in New York, bestätigte der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Argentinien während der Krise, Raúl Héctor Castro, die Unfähigkeit Videlas, den Krieg aufzuhaltenSiehe Interview mit Raúl Héctor Castro in , Clarín de Buenos Aires vom 20. Dezember 1998: M. Aizenk: ¿A quién le pidió los cinco días? R.Castro: A Videla no. Los que estaban moviendo las cosas eran los comandantes de las diferentes divisiones que había. … M. Aizenk: ¿Cuál recuerda que era la posición de Videla entonces? R.Castro: Francamente, no creo que Videla tuviera una actitud firme en ese asunto. Los que estaban en esto eran los comandantes militares de ciertas zonas: la zona número uno, donde estaba (Guillermo) Suárez Mason; en Rosario estaba Galtieri y en Córdoba, Menéndez. (Übersetzung: M.A: Wen baten Sie um die 5 Tage Zeit? R.C: Nicht Videla. Diejenigen, die etwas bewegten, waren die Divisionskommandanten. … M.A: Was war die Position Videlas damals? R.A: Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass Videla eine feste Haltung in dieser Sache hätte. Die Handelnde in der Sache waren die Militärkommandanten von einigen Zonen: die Zone 1, wo Guillermo Suárez Mason war; in Rosario war Galtieri und in Córdoba, Menéndez.)