Martin Schmeitzel (, * 28. Mai 1679 in Kronstadt; † 20. Juli 1747 in Halle) war ein deutscher Staatswissenschaftler, Historiker und Heraldiker.
Leben Der Sohn des Diakons an der Kirche St. Johannes der Täufer (seit 1716/25: Franziskanerkirche) hatte seinen Vater Michael Schmeizel (1640–1685) bereits in früher Kindheit verloren. Seine Mutter Catharina geb. Klöskes († 1692) starb, als er 13 Jahre alt war.Constant von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Bd. XXX. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1875, S. 158–162, bes. S. 158; Andor Nagy: A brassói szász patríciusság a kora újkorban. In: József Pap, Attila Verók (Hrsg.): Akit Clio elbűvölt. Festschrift für Ignác Romsics. Károly-Eszterházy-Hochschule, Eger 2021, S. 235–252, bes. S. 243 Anm. 42 („Klöskesin“ = feminine Form des Nachnamens „Klöskes“) (PDF der Library of the Hungarian Academy of Sciences). Franz Rheter (* um 1685/90; † nach 1741)Später akademischer Lehrer und Kantor in Kronstadt, 1726 Pfarrer in Neudorf, 1735 in Nußdorf, 1741 in Brenndorf; vermutlich ein naher Verwandter des Kronstadter Lieder-Dichters, Lehrers (ab 1666) und Rektors (ab 1678) Franz Rheter (Raetirus; Rhetirus) (1640–1679). aus Kronstadt (Corona Transylvan.), der sich am 19. Oktober 1707 in Jena immatrikuliert hatte, war wahrscheinlich ein 1708 in Leipzig und Halle erwähnter Vetter von Schmeizel.Julius Gross: Valentin Igel. In: Chroniken und Tagebücher, Bd. IV (1684–1783) = Quellen zur Geschichte von Brassó 7 (1918), S. cl–clxxii, bes. S. clxi (PDF).
Nachdem Martin Schmeitzel die Stadtschule und das Gymnasium seiner Heimatstadt durchlaufen hatte, bereiste er Ungarn, Polen, Schlesien sowie Sachsen und bezog im Januar 1700 die Universität Jena. Dort besuchte er Vorlesungen von Johann Paul Hebenstreit, Johann Kaspar Posner und Burkhard Gotthelf Struve. 1702 wechselte er an die Universität Wittenberg, zog an die Universität Greifswald weiter, wo er Vorlesungen von Johann Friedrich Mayer und Johann Philipp Palthen hörte, und wurde Informator eines Adligen, mit dem er 1706 die Universität Halle bezog.
1709 erhielt er den Auftrag, zwei schwedische Adelige – die Halbbrüder (fratres germani)Beide waren Widmungsempfänger von Martin Schmeizel: De insignibus vulgo clenodiis Regni Hungariae. Johann Martin Gollner, Jena 1713. Baron Christian (1694–1762)Immatrikuliert in Jena als „Christian liber baro de Barnekow, Suevus“ im Wintersemester 1709, später Gouverneur und General, 1745 Oberkommandant der Festung Kristianstad. und Baron Rüdiger von Barnekow (1695–1772)Immatrikuliert in Jena als „Reutger liber baro de Barnekow, Suevus“ im Wintersemester 1709.Gabriel Anrep: Svenska Adelns Ättar-Taflor, Bd. I. Norstedt & Söner. Stockholm 1858, S. 124 (Google-Books). – nach Deutschland zu begleiten. Auf der Hinreise im Sommer nahm er die Universität Kopenhagen und die Universität Lund in Augenschein. Mit den beiden Baronen kehrte er zunächst nach Halle, dann nach Jena zurück. Da er schon private Vorlesungen gehalten hatte, erwarb er 1712 den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie. Mit Schwierigkeiten – die Schiffe wurden auf beiden Fahrten von Kaperfahrern aufgebracht – konnte er die ihm anvertrauten Edelleute wieder nach Schweden zurückbringen und gelangte selbst sehr umständlich wieder nach Jena zurück. In Jena setzte er seine Vorlesungen fort, erwarb 1716 die Vorlesungserlaubnis für Hochschulen als Magister legens, wurde 1720 Adjunkt der philosophischen Fakultät, erhielt dort 1721 eine außerordentliche Professur der Philosophie im Fachbereich Geographie, und ihm wurde die Inspektion der akademischen Bibliothek übertragen. In einer Vorlesung (Collegium politico-statisticum) verwendete Schmeitzel 1723 erstmals den Begriff Statistica.
Nachdem Nikolaus Hieronymus Gundling gestorben war, wechselte Schmeitzel 1731 an die Universität Halle, wurde dort königlich preußischer Hofrat und Professor des Staatsrechts und der Geschichte, was er bis zu seinem an Steckfluß erlittenen Lebensende blieb. Zudem hatte Schmeitzel auch organisatorische Aufgaben an der Hallenser Hochschule übernommen und war 1743/44 Prorektor der Alma Mater.
Seine gründlichen und wissenschaftlichen Arbeiten überragten die Arbeiten der Zeitgenossen. 1735 wandte er sich entschieden gegen die „unerhörte Grausamkeit“ der Ausrottung der indigenen Bevölkerung Amerikas und den transatlantischen Sklavenhandel mit afrikanischen Menschen.Vom ‚Assiento‘ und was dadurch zu verstehen? In: Wöchentliche Hallische Anzeigen (1735), Sp. 328–331 Viele Mühen steckte er in die Herkunft der Heroldsbilder und versuchte, sie nach geometrischen Formen zu ordnen. Zu seinen Schülern gehörte der spätere Gouverneur von Siebenbürgen Samuel von Brukenthal.Attila Verók: Samuel von Brukenthal: Freimaurerei mit pietistischer Note. Beobachtungen über die Loge in Halle unter der Schirmherrschaft Martin Schmeizels. In: Germanistische Studien 8 (2011), S. 49–65.
Schmeitzel war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe ist er 1713 mit Regina Elisabeth, der Tochter des Jenaer Stadtrichters Meyer, eingegangen. Aus dieser Ehe stammen seine drei Töchter Christiane Marie, Maria Dorothea und Johanna Katharina. Seine zweite Ehe schloss er 1730 mit Anna Katharina (geb. Ehlingen; † 1745), der Witwe des Superintendenten von Apolda Johann Friedrich Bauch.
Quellen Paul Chrestels,Paul Chrestel (1721–1773) „aus Cronstadt, der Rechte Befl. (= Beflissener; Student)“, am 22. Oktober 1742 immatrikuliert in Jena, 1745 Stadtrichter in Kronstadt. Georgius Clomp,Georg Klompe (1723–1782) „aus Cronstadt, d. G. G. (= Gottes Gelahrtheit; Theologie) Befl.“, 1765–1782 Pfarrer in Heldsdorf. Daniel Klein,Daniel Klein jun. († nach 1746) von Straußenburg „aus Bistriz, d. Rechte Befl.“, am 1. Mai 1741 immatrikuliert in Jena, 1744–1746 Oberrichter von Bistriz. Josephus Alesius,Joseph Alesi (Alexius) († um 1779) „aus Schäßburg, d. G. G. Befl.“, am 15. Mai 1743 immatrikuliert in Jena, 1749 Lehrer, 1752–1759 Rektor in Schäßburg, 1761–1779 Pfarrer in Großlasseln. Franciscus Czako von Rosenfeld,Franz Czako (Czekelius; Zeckely) von Rosenfeld (1723–1755) aus Kronstadt, „d. Gottesgel. Befl.“, 1741 Besuch des Paedagogiums in Halle, am 16. Oktober 1742 mit seinem Bruder oder Vetter David Czako von Rosenfeld (1723–1753) immatrikuliert in Jena, 1747 Lehrer und 1751 Rektor des Kronstadter Gymnasiums, theologischer Schriftsteller. Johannes Wolff,Johannes Wolf († 1780) „aus Mädiasch, d. G. G. Befl.“, am 15. Mai 1743 immatrikuliert in Jena, Prediger in Mediasch, 1749–1780 Pfarrer in Haschagen. Johannes Salmen,Johannes Salmen aus Zsiberk (Sybercino) „aus Sybercin, d. G. G. Befl.“, am 12. Oktober 1742 immatrikuliert in Jena; vielleicht identisch mit Johannes Salmen († 1773), der 1758–1773 Pfarrer in Fogarasch war. Johannes Jobi,Johannes Jobi († 1794) „aus Bodendorf, d. G. G. Befl.“, am 15. Mai 1743 immatrikuliert in Jena, 1756–1794 Pfarrer in Halvelagen. Bartholomaeus Melas,Bartholomaeus Melas „aus Schäßburg, d. Rechte Befl.“, am 16. Januar 1743 immatrikuliert in Jena; Sohn des Pfarrers Bartholomaeus Melas († 1734) und ein Bruder des österreichischen Generals Michael von Melas. Andreas Göckel,Andreas Göckel „aus Trapold, d. G. G. Befl.“, am 29. Mai 1743 immatrikuliert in Jena. Andreas Köhler:Andreas Köhler „aus Schäßburg, d. Rechte Befl.“, am 12. Oktober 1742 immatrikuliert in Jena. Denkmal des Ruhmes und der Freunde dem Magnifico … Herrn Martin Schmeizel … Hochbetrautem Hofrath, wie auch des Staatsrechtes und der Geschichte Hochansehnlichem Professor auf der hochberühmten Universität Halle … im Monat Julius des Jahres 1743. ehrerbietigst aufgerichtet von einigen dero gehorsamsten Dienern und Landesleuten aus den hier studierenden Siebenbürgen. Johann Friedrich Schill, Jena o. J. Würdigung von Hofrat und Professor Martin Schmeizel in einer Tagebuch-Notiz von Johann Wolfgang Brenk (1704–1789).Aus Eichelsdorf, studierte 1722–1749 27 Jahre lang an verschiedenen Universitäten, trat 1749 in Amsterdam für einige Zeit zum Judentum über und nahm den Namen Jochanan Brenk an, kehrte 1751 nach Nürnberg zurück, lebte als Sekretär und Jurist, gestorben in Schobdach; Clemens Alois Baader: Lexikon verstorbener baierischer Schriftsteller, Bd. I. Jenisch und Stage, Augsburg / Leipzig 1824, S. 52–56 (Google-Books). Halle, um 1734. In: Georg Andreas Will: Lebensgeschichte eines im hohen Alter verstorbenen sonderbaren Mannes M. Johann Wolfgang Brenk's, der im 46sten Jahre seines Lebens von der christlichen zur iüdischen Religion übergieng und sich zu Amsterdam beschneiden ließ. Benedikt Friedrich Haueisen, Ansbach 1791, S. 36–38; vgl. S. 141–143 (Google-Books) Nachlass Martin Schmeizel (Kollektaneen und Handexemplare eigener Druckschriften), aus einer Helmstedter Sammlung von Michael Gottlieb Agnethler, später von Franz Dominikus Häberlin; Badische Landesbibliothek KarlsruheBadische Landesbibliothek Karlsruhe: Die Handschriften der Grossherzoglich badischen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe, Bd. IV Die Karlsruher Handschriften. Ch. T.h Groos, Karlsruhe 1896, Nr. 411–415, S. 69f (Google-Books).
Werke Epistola Martini Lutheri ad Joannem Honterum Reformatorem Coronensem im Transilvania (sic!) …, primum ex autographo … exposita. Müller, Jena 1712 (Google-Books) Commentatio historica de coronis, tam antiquis, quam modernis iisque Regiis. Johann Martin Golner, Jena 1713 (Google-Books) De insignibus vulgo clenodiis Regni Hungariae ut et ritu inauguranti Reges Hungariae. Schedisma Historicum. Johann Martin Golner, Jena 1713 (Google-Books) Historischer Beweiß, daß der Pragische Jesuit P. Johannes KraussJohann Kraus (1649–1732): Historischer Beytrag Für Das Zweyte Luthrische Jubel-Jahr. Den Luthrischen Worts-Dienern, Welchen es etwann an Büchern und Concepten mangelt, Zum Geschencke praesentiret. Wolfgang Wickhart, Prag 1716 (Google-Books). in seinem so genandten Historischen Beytrag Zum zweyten Lutherischen Jubel-Jahr, in vielen Stücken geirrt … Pierre Marteau (Pseudonym), Köln 1717 (Google-Books) (Quaestio) An elector Saxoniae Johannes cognomento Constans ante obitum, relicto Lutheranorum coetu, in castra Pontificiorum transiverit? Johann Volkmar Marggraf, Jena 1718 (Google-Books) 2. Auflage Christian Ludwig Sympher, Halle 1741 (Google-Books) Praecognita historiae civilis. Johann Matthias Kaltenbrunner, Jena 1720 (Google-Books) Praecognita historiae civilis universalis. 2. Auflage Johann Matthias Kaltenbrunner, Jena 1730 (Digitalisat der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Praecognita historiae ecclesiasticae. Johann Bernhard Hartung, Jena 1721 (Google-Books) (Dissertatio) De natura et indole artis heraldicae. Müller, o. J. [1720/21] (Google-Books) Rechtschaffener Lehr- und Hoff-Meister, Oder Vernünfftige Anweisung Wie ein Privat-Informator die ihm anvertraute Kinder glücklich unterrichten, Und ein Hoff-Meister seine Untergebene auf Reisen und Universitäten, gebührend anführen solle. Johann Bernhard Hartung, Jena 1722 (Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz) Rechtschaffener Lehr- und Hof-Meister, Oder Vernünftige Anweisung Wie ein Privat-Informator die ihm anvertraute Kinder glücklich unterrichten, Und ein Hof-Meister seine Untergebene auf Reisen und Universitäten, gebührend anführen solle. 2. Auflage Johann Adam Melchior, Jena 1736 (Google-Books) De statu ecclesiae Lutheranorum in Transilvania … Dissertatio epistolica. Johann Bernhard Hartung, Jena 1722 (Google-Books) Programma auspicale De uno verae eruditionis impedimento, quod ab ignorantia oeconomiae totius eruditionis, suam ducit originem, quo ad Orationem inauguralem De titulo imperatoris quem Russorum Tzaarus sibi dari praetendit. Fickelscherr, Jena 1723 (Google-Books) Einleitung Zur Wappen-Lehre. Johann Bernhard Hartung, Jena 1723 (Google-Books) 2. Auflage Johann Adam Melchior, Jena 1734 (Google-Books) (Wochen-Zeitschrift-Herausgeber) Einleitung Zur neuesten Historie der Welt. Jena 1, Heft 1 (1723) – 3, Heft 36 (1725/27)