Die Kitty Hawk (CV-63, bis 1973 CVA-63) war ein Flugzeugträger der United States Navy und Typschiff der Kitty-Hawk-Klasse. Sie war nach der Stadt Kitty Hawk in North Carolina benannt, in der die Brüder Wright ihren ersten Motorflug absolvierten. Das Schiff wurde 1961 in Dienst gestellt und nahm ab 1966 am Vietnamkrieg teil. In den 1970er und 1980er Jahren fuhr der Flugzeugträger u. a. während des Ogadenkrieges, der Geiselnahme von Teheran und dem Iran-Irak-Krieg auch im Indischen Ozean und dem Arabischen Meer. Während des Golfkrieges 1990 lag die Kitty Hawk in der Werft, so dass sie nicht zum Einsatz kam. 1998 wurde sie als einziger vorgeschobener Träger der US Navy in Yokosuka, Japan, stationiert. Von dort aus wurde sie während des Irakkrieges 2003 eingesetzt.
Die Kitty Hawk war der letzte verbliebene US-Träger mit ölbefeuertem Antrieb und wurde am 31. Januar 2009 nach über 47 Jahren außer Dienst gestellt und ab 2022 in Brownsville, Texas, verschrottet.
Technik
mini|links|Flugzeuge auf dem Flugdeck der Kitty Hawk, 1980
Die Kitty-Hawk-Klasse besteht aus drei im Wesentlichen baugleichen Flugzeugträgern, eine vierte Einheit, die John F. Kennedy gilt auf Grund von vorgenommenen Modifikationen teilweise als eigene Klasse. Die Kitty Hawk ist 323 Meter lang, das Flugdeck ist über 75 Meter breit. Die Verdrängung des Schiffs beträgt voll beladen über 80.000 Standardtonnen (ts).
Im Gegensatz zu den späteren Trägern der US Navy, die durch Kernreaktoren angetrieben werden, besaßen Kitty Hawk und ihre Schwestern als letzte Träger noch einen konventionellen Antrieb. Acht ölbefeuerte Dampfkessel erzeugten Dampf für vier Getriebeturbinen, die die vier Wellen des Trägers antrieben. Die Antriebsleistung lag bei rund 280.000 hp (209 MW), die maximal mögliche Geschwindigkeit bei über 30 Knoten.
Zu Beginn ihrer Einsatzzeit besaß die Kitty Hawk am Heck zwei Lenkraketenstarter für RIM-2 Terrier. Diese Waffen konnten Luftziele auf mittlere Entfernung angreifen. 1975 wurden die Terrier abgerüstet, stattdessen wurden als Luftabwehrsysteme drei Starter für RIM-7 Sea Sparrow und 1980 drei Phalanx-CIWS-Kanonen eingerüstet. 2001 kam außerdem ein Starter für die RIM-116 Rolling Airframe Missile hinzu, der auf einer Plattform am Bug eine Sea Sparrow und eine Phalanx ersetzte. Im Hangar direkt unter dem Flugdeck und auf dem Deck selbst konnten insgesamt bis zu 85 Luftfahrzeuge mitgeführt werden, diese waren in einem Carrier Air Wing organisiert und deckten sämtliche benötigten Rollen von Aufklärung über Luftverteidigung und Bodenangriffe bis hin zu Rettungseinsätzen und Transportflügen ab.
Verteidigung gegen angreifende Flugzeuge, Schiffe oder U-Boote bot dem Träger die obligatorische Flugzeugträgerkampfgruppe, die aus mehreren Zerstörern und Kreuzern sowie Atom-U-Booten bestand. Diese bildete zusammen mit den Luftraumüberwachungsflugzeugen einen Schutzschirm um den Träger und konnte außerdem Marschflugkörper auf feindliche Landziele abfeuern.
Name und Klassifizierung Der Flugzeugträger wurde nach der Stadt Kitty Hawk, North Carolina, benannt. Der gerade 3000 Einwohner zählende Ort liegt an der Atlantikküste auf Bodie Island auf den windreichen Outer Banks. Dort gelang den Gebrüdern Wright 1903 mit dem Wright Flyer der erste motorisierte Flug. Bereits im Zweiten Weltkrieg benannte die Navy ein Flugzeugtransportschiff, die Kitty Hawk (AKV-1), nach der Stadt.
Zu ihrer Indienststellung erhielt die Kitty Hawk die Kennung CVA-63. Die 63 ist eine laufende Kennnummer über alle Flottenflugzeugträger der US Navy, CVA kennzeichnet den Schiffstyp. CV ist die klassische Kennung für Flugzeugträger, sie steht für Cruiser Volplane, etwa Kreuzer mit Flugdeck. Das A für attack zeigte den Fokus des Träger-Geschwaders auf Landangriffe. 1973, mit dem Wegfall der letzten auf U-Jagd spezialisierten Träger der Essex-Klasse, erhielten die Angriffs-Geschwader auch U-Jagd-Flugzeuge. Auf der Kitty Hawk wurde eine solche gemischte Konfiguration erstmals realisiert. Um das nun breite Spektrum an ausführbaren Missionen anzuzeigen, wurde das A fallengelassen.Norman Polmar: Naval Institute Guide to the Ships and Aircraft of the U.S. Fleet. US Naval Institute Press, Annapolis 2005, ISBN 978-1-59114-685-8. Seiten 122f 1975 wurde das A dann flottenweit aus den Kennungen gestrichen.
Geschichte mini|USS Kitty Hawk 2006, drei Jahre vor Außerdienststellung
Planung und Bau Der Bau des ersten Trägers der neuen Klasse wurde am 1. Oktober 1955 genehmigt. Den Auftrag erhielt die New York Shipbuilding am Ostufer des Delaware River bei Camden, New Jersey. Dort wurde am 27. Dezember 1956 der Kiel der CVA-63 gelegt. Nach rund dreieinhalb Jahren Bauzeit lief der Träger am 21. März 1960 vom Stapel und wurde getauft. Taufpatin des Schiffs war Mrs. Camilla F. McElroy, die Ehefrau des früheren US-Verteidigungsministers Neil H. McElroy. Nach Erprobungsfahrten wurde die Kitty Hawk am 21. April 1961 offiziell in Dienst gestellt. Hauptredner auf der Zeremonie in der Philadelphia Naval Shipyard war Admiral Hyman Rickover, der damalige Chief of Naval Operations (CNO). Es folgten weitere Testfahrten aus der Naval Station Norfolk.
Zu dieser Zeit berichteten viele Medien bereits über Probleme, die durch Nachlässigkeiten der Werftarbeiten entstanden seien. Im Juni 1961 bestätigte der damalige United States Secretary of the Navy, John Connally, dies: „A large number of discrepancies and deficiencies have shown up in the Kitty Hawk.“Geschichte der Kitty Hawk im Dictionary of American Naval Fighting Ships (englisch) Er kündigte an, dass dies weitere Untersuchungen nach sich ziehen würde, sagte aber auch, dass Probleme bei Typschiffen neuer Klassen nichts Ungewöhnliches seien. Zusätzlich änderte die Navy die Baupläne, nachdem der Träger bereits auf Kiel gelegt worden war, was zu Verzögerungen geführt hatte.Norman Friedman: U.S. Aircraft Carriers: An Illustrated Design History. US Naval Institute Press, Annapolis 1983, ISBN 0-87021-739-9, Seiten 277ff. Ende 1961 erreichten die Navy und New York Ship eine Einigung; die Navy zahlte für den Bau des Trägers 178 Millionen US-Dollar an die Werft. Der Gesamtpreis inklusive aller Bordausrüstung, aber ohne Flugzeuge, belief sich auf 265,2 Millionen Dollar.Stefan Terzibaschitsch: Seemacht USA. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1981, ISBN 3-86047-576-2, Seite 296.
Erste Jahre Am 17. Juli 1961 landete das erste Flugzeug auf dem Flugdeck des neuen Trägers, eine Grumman C-1A Trader. Auf der Kitty Hawk wurde das Geschwader Carrier Air Wing Eleven (CVW 11) stationiert. Nach weiteren Probefahrten im Atlantik verließ die Kitty Hawk am 11. August Norfolk mit Ziel San Diego, wo sie stationiert werden sollte. Im Oktober umrundete sie Kap Hoorn und lief in den Pazifik ein, am 1. November 1961 erreichte der Träger San Diego. Auf dieser Fahrt machte die Kitty Hawk bereits Auftaktbesuche in vielen Häfen Mittel- und Südamerikas; als sie ihr Ziel erreicht hatte, waren bereits über 1000 Flugzeuglandungen an Deck zu verzeichnen.
mini|links|Die Kitty Hawk neben der Topeka während der Leistungsdemonstration 1961 Im November kam der damalige Chief of Naval Operations (CNO) George Whelan Anderson, Jr. an Bord, erstmals wurde der Marineführung die Leistungsfähigkeit des neuen Trägers dargestellt. Die Kitty Hawk leitete ihre Kampfgruppe Topeka, Henry B. Wilson, Preble und Blueback bei U-Jagd-Übungen. Im Anschluss ging sie in die Werft. In der San Francisco Naval Shipyard wurden auf den ersten Fahrten gefundene Fehler behoben. Im Mai 1962 dockte die Kitty Hawk aus.
Im Herbst 1962 begann die Kitty Hawk ihre erste Einsatzfahrt. Im Oktober löste sie die Midway im Westpazifik ab. Am 13. Oktober wurde der Träger das Flaggschiff der Siebten Flotte, als Admiral Thomas H. Moorer auf dem Träger das Flottenkommando übernahm. Im Laufe der Fahrt wohnten mehrere ausländische Gäste Einsatz-Vorführungen bei, später standen Übungen vor Taiwan und Japan sowie Hafenbesuche in mehreren asiatischen Häfen an. Im April 1963 kehrte die Kitty Hawk nach San Diego zurück. Im Juni besuchte US-Präsident John F. Kennedy mit seinem Marineminister Fred Korth und Mitgliedern des militärischen Führungsstabs Joint Chiefs of Staff den Träger vor der Küste Kaliforniens. Eine Streitmacht mit über 30 Kriegsschiffen demonstrierte unter anderem ihre Möglichkeit, Seewege zu kontrollieren, wie die USA es im vorhergehenden Jahr während der Kubakrise getan hatten.
mini|Eine U-2 auf Kitty Hawks Schwesterschiff America Im August 1963 startete Project Whale Tale auf der Kitty Hawk. Da die CIA Probleme hatte, ihre Spionageflugzeuge vom Typ Lockheed U-2A Dragon Lady nah genug an potentiellen Zielgebieten zu stationieren, sollten diese auf ihre Trägertauglichkeit geprüft werden. Am 5. August startete eine U-2 erstmals vom Deck der Kitty Hawk. Während der Start ohne Katapult-Unterstützung gelang, konnte Testpilot Bob Schumacher nicht wieder auf dem Träger landen. Nach einigen weiteren Versuchen von durch Kelly Johnson modifizierten U-2 auf anderen Trägern wurde das Projekt abgebrochen. Flugzeugträger hätten zu viel Zeit benötigt, um die Zielgebiete zu erreichen. (englisch) (PDF; 9,7 MB) Seiten 247ff. (englisch)
Im Oktober 1963 verlegte der Träger zu seiner zweiten Fahrt in den Westpazifik. Er nahm um den Jahreswechsel an zwei Übungen für amphibische Kriegsführung mit den Streitkräften Taiwans teil. Ab Mai 1964 flogen Flugzeuge der Kitty Hawk Aufklärungsmissionen über Laos, wo die Pathet Lao begonnen hatten, kommunistische Kämpfer über den Ho-Chi-Minh-Pfad in das Land zu bringen. Zwei Flugzeuge der Kitty Hawk wurden abgeschossen. Während der Pilot des zweiten Flugzeuges am 7. Juni nur einen Tag nach dem Abschuss gerettet wurde, wurde der am 6. Juni abgeschossene Charles F. Klusmann von den Rebellen gefangen genommen und blieb fast drei Monate in Gefangenschaft. Er war damit der erste US-Marineflieger, der im beginnenden Vietnam-Konflikt in Gefangenschaft geriet. Beide Piloten wurden von der Air America aus dem Land geflogen. Im Juli 1964 kehrte die Kitty Hawk nach Amerika zurück.
Von September 1964 bis Januar 1965 wurde der Träger für 14 Millionen US-Dollar in der Puget Sound Naval Shipyard überholt. Im Anschluss wurden Teile des Disney-Films Lt. Robin Crusoe, USN, auf der Kitty Hawk gedreht. Im Oktober verließ sie San Diego und begann mit Zwischenstation in Pearl Harbor, Hawaii die erste Fahrt in den Vietnamkrieg. An Bord befanden sich neben Überwachungsflugzeugen des Typs Grumman E-2 Hawkeye vor allem Bomber des Typs North American A-5 Vigilante und Grumman A-6 Intruder sowie später auch Vought A-7 Corsair II. Jagdschutz boten McDonnell F-4B Phantom II und Douglas A-4 Skyhawk.
Vietnamkrieg mini|Zwei Grumman A-6 der Kitty Hawk 1966 über der Südchinesischen See