mini|Kö-Bogen I, 2019 mini|Büro- und Geschäftsgebäude des KII, realisiert im Rahmen des Projekts Kö-Bogen II, 2024 mini|Lage der Kö-Bogen-Neubauten in einer stark vereinfachten Ansicht des Stadtgefüges: Kö-Bogen I (rot), Kö-Bogen II (violett, Entwicklungsgebiet mit den Baufeldern 1–4; darin das KII-Ensemble), Tuchtinsel (violett, Baufeld 5), Pavillon (violett, Baufeld 8), abgerissener Tausendfüßler (gelb), Hofgarten und Corneliusplatz (grün), Hofgartengewässer und Stadtgraben (blau), unveränderte Baublöcke und Solitäre (grau), abgerissener Baublock an der Schadowstraße (schwarz)

Der Kö-Bogen ist ein Gebäudekomplex und Freiraumgefüge zur Stadterneuerung in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Benannt wurde das städtebauliche Projekt nach dem Viertelkreis-Bogen, den die dort am Rande des Hofgartens und des Teichs an der Landskrone einst verlaufende Hofgartenstraße in Richtung der Königsallee, der Kö, beschrieb.

Das 2005 initiierte Projekt sah umfassende Baumaßnahmen vor und war in verschiedene Bauabschnitte und Bauphasen gegliedert. Im ersten Bauabschnitt wurde der Jan-Wellem-Platz, der nach Fertigstellung der Wehrhahn-Linie nicht mehr als Straßenbahnknotenpunkt benötigt wurde, nach Entwürfen des New Yorker Architekten Daniel Libeskind mit einem Gebäudekomplex aus Einzelhandels-, Büro- und Gastronomienutzungen bebaut (Kö-Bogen I). Zudem wurde die Hofgartenstraße weitestgehend durch einen Tunnel ersetzt. Im zweiten Bauabschnitt wurde die Hochstraße Tausendfüßler abgerissen und ebenfalls durch einen Tunnel ersetzt.

Weiterhin sollte die Bebauung in der Umgebung teilweise durch Neubauten ersetzt und die städtebauliche Struktur neu geordnet werden (Kö-Bogen II). Dies betraf besonders den Bereich südlich des Schauspielhauses vom Gustaf-Gründgens-Platz bis zur Schadowstraße. Entsprechend erster Planungen sollten hier vier neue Gebäudekomplexe errichtet werden.In: Express Online vom 8. November 2013. . Spätere Planungen fassten deren Baufelder 1–3 und 4 zum sogenannten „Ingenhoven-Tal“ zusammen, einem Ensemble aus Einzelhandels-, Büro- und gastronomischen Nutzungen. Entlang des ehemaligen Verlaufs des Tausendfüßlers sollte eine Fußgängerpromenade angelegt werden.

Das gesamte Projekt war umstritten und löste eine kontroverse Diskussion in Düsseldorf aus, die in einem Bürgerbegehren gegen den Verkauf des Jan-Wellem-Platzes gipfelte, welches am nötigen Quorum scheiterte. Am 17. August 2009 wurde der symbolische erste Spatenstich gesetzt.

Der erste Bauabschnitt war mit der Fertigstellung der beiden Libeskind-Bauten Ende 2013 weitgehend beendet. Der zweite Bauabschnitt erfolgte im Zusammenhang mit dem Bau der Wehrhahn-Linie bis 2016. Danach waren als weitere Phase noch die umfangreichen Arbeiten für die neue Strukturierung des Bereiches zwischen Schauspielhaus und Schadowstraße durchzuführen, die als Kö-Bogen II bezeichnet werden und deren Ausführung Anfang 2017 begann.In: Online „Themen-Blog Immobilien vom 14. Juli 2016 mit Update Dezember 2016“. Neugestaltung der Innenstadt Das im Rahmen des Projekts realisierte Geschäfts- und Bürohausensemble erhielt 2020 den Namen KII.

Geschichte mini|links|Postkartenmotiv um 1900: historische Bebauung an der Landskrone und der Hofgartenstraße, rechts das Trinkaus-Palais, an dessen Stelle nach dem Zweiten Weltkrieg der Jan-Wellem-Platz angelegt wurde und danach die Gebäude des Kö-Bogens entstanden mini|Der Hofgarten zu Düsseldorf, Planzeichnung des Düsseldorfer Stadtgärtners Heinrich Hillebrecht, 1895 – auf der rechten Seite des Plans: Darstellung der historischen Hofgartenstraße und der freiraumgestalterischen Raumfolge zwischen Hofgarten, Landskrone, Corneliusplatz und Königsallee

Vor den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg war das Gebiet des heutigen Jan-Wellem-Platzes fast vollständig bebaut. Auf der Ecke Hofgartenstraße/Königsallee stand das Trinkaus-Palais, das am 23. April 1944 durch einen Luftangriff schwer beschädigt und danach abgerissen wurde. Nach dem Krieg entschied man sich gegen einen Wiederaufbau und errichtete stattdessen auf der frei gewordenen Fläche einen großen Straßenbahn- und Busknotenpunkt. Fast alle Straßenbahnlinien verkehrten in der Nachkriegszeit über diese Haltestelle. Nach Fertigstellung des Innenstadttunnels der Düsseldorfer Stadtbahn wurden aufgrund des verringerten Bedarfs bereits einige Straßenbahngleise rückgebaut. Durch die vorgesehene U-Bahn für die Wehrhahn-Linie würden nach deren Fertigstellung auf dem Jan-Wellem-Platz keine oberirdische Straßenbahnen mehr verkehren. Lediglich neben dem Platz gäbe es nach der damaligen Planung noch oberirdische Straßenbahngleise, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Dadurch stellt sich die Frage der Nachnutzung der frei gewordenen Flächen.

Das Düsseldorfer Architekturbüro Ingenhoven stellte 2005 einen Entwurf vor, der zwei halbkreisförmige Gebäude mit Glasfassaden auf dem Platz vorsah. Die Bank HSBC Trinkaus wollte als Investor auftreten und die Gebäude nach der Fertigstellung für ihre Büros nutzen. In Absprache mit der Stadt wollte die Bank einen Fassadenwettbewerb veranstalten, um eine hochwertige Lösung zu finden.RP Online: Kö-Bogen soll Bankhaus werden An dem Wettbewerb beteiligten sich neben Ingenhoven noch vier weitere Architekturbüros. Die Entwürfe wurden in einem Pavillon ausgestellt, in dem die Bürger für den von ihnen favorisierten Entwurf stimmen konnten.RP Online: Kö-Bogen: Info-Zelt vor Ferien Im August 2007 entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf, dass städtische Grundstücke im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung verkauft werden müssen.RP Online: Erwin: „Kö-Bogen ist im Zeitplan“

Zunächst bewarben sich zehn Investoren- und Architektengruppen, von denen fünf ausgewählt wurden. Am 13. April 2008 fand ein Bürgerbegehren statt, das zum Ziel hatte, den Verkauf des Jan-Wellem-Platzes an einen Investor zu verhindern. Die Mehrheit der teilnehmenden Bürger stimmte mit „Ja“. Da die Wahlbeteiligung lediglich bei 16,8 Prozent lag, wurde allerdings das Quorum nicht erreicht.RP Online: Jan-Wellem-Platz kann verkauft werden Mitte Oktober 2008 zogen sich mehrere Bewerber aus dem Ausschreibungsverfahren zurück: Die Bank HSBC Trinkaus zog ihre Bewerbung zurück, ebenso Hochtief und Züblin. Es verblieben die „Bouwfonds MAB Development“ aus Frankfurt und „die developer“ aus Düsseldorf. Von den verbliebenen zwei Bewerbern gab am 15. Januar 2009 nur noch das Büro „die developer“ um den Architekten Daniel Libeskind einen Vorschlag ab.

Die neuen Entwürfe weichen stark vom ursprünglichen Konzept, welches Ingenhoven entworfen hatte, ab. 15. Januar 2009 Am 5. Februar 2009 beschloss der Rat der Stadt Düsseldorf die Umsetzung des geplanten Bauvorhabens.Property Magazin

Die Stadt Düsseldorf griff die Kritik an dem engen räumlichen Rahmen des bisherigen Verfahrens auf und schrieb einen Wettbewerb für den Umgebungsbereich des Kö-Bogens aus. Ein Gemeinschaftsentwurf der Molestina Architekten und FSWLA gewann diesen Wettbewerb Anfang 2009.

Im Februar 2013 kaufte die Art-Invest Real Estate Funds GmbH den Kö-Bogen I.

Nach Abriss des Tausendfüßlers 2013 wurde erneut die Ausführung der Flächen östlich von den zwei neuen Bauten diskutiert. Diese führten ab 2014/5 zu einer völlig neuen Planung, die im Abschnitt „Projekt Kö-Bogen II“ näher beschrieben wird.

Baumaßnahmen Erster Bauabschnitt mini|Jan-Wellem-Platz vor Beginn der Baumaßnahmen, 2008

Der erste Bauabschnitt sah vor, dass der Jan-Wellem-Platz mit zwei Gebäuden nach Entwürfen des Architekten Daniel Libeskind bebaut wurde. Sie bestehen aus fünf oberirdischen Geschossen und haben eine Höhe von etwa 26 Metern. Die Fassaden der Bauwerke nach Süden und Osten sind konkav und konvex geschwungen. Die Seite im Westen folgt der Fluchtlinie der Königsallee. Zum Hofgarten im Norden beschreibt die Fassade den Bogen der früheren Hofgartenstraße. Ab dem dritten Geschoss verbindet eine Brücke die beiden Gebäude. Die Fassade ist aus dem Naturstein Travertin und Glas zusammengesetzt. Nach Süden und Osten weist die Fassade eine horizontal betonte Gliederung auf; teilweise sind den Fensterflächen dort waagerechte Lamellen vorgesetzt. Zu Hofgarten und Königsallee hin springt die Fassade, die dort vertikal gegliedert ist, durch sogenannte cuts (engl. für Einschnitte) an bestimmten Stellen zurück; hier werden in die Fassade integrierte Bepflanzungen vorgenommen. Über alle Fassaden laufen diagonale Linien, an denen ein Wechsel zwischen Fensterflächen und Natursteinverkleidung stattfindet.

mini|Nord-West-Tunnel, Ausfahrt Elberfelder Straße, 2017

Die Gebäude sollen für Einzelhandel, Büros und Gastronomie genutzt werden. Um Platz für die Bauarbeiten zu schaffen, wurden zunächst noch verbleibende Bushaltestellen des Jan-Wellem-Platzes auf die Heinrich-Heine-Allee und die Berliner Allee verlegt. Grundlage für die Gebäude des ersten Bauabschnitts bildet eine Tunnelanlage, die vom Norden südlich der Jägerhofstraße dem Verlauf der Hofgartenstraße nach Westen entspricht und in der Elberfelder Straße wieder auftaucht. Eine zweite Tunnelröhre verbindet die Berliner Allee südlich der Schadowstraße mit der Hofgartenstraße südlich der Jägerhofstraße. Die Tiefgaragen des Schauspielhauses und des Thyssen-Hauses werden unterirdisch angebunden. Am 21. September 2012 fand in Anwesenheit des Architekten das Richtfest statt.

Der erste Bauabschnitt sollte planmäßig am 17. Oktober 2013 eröffnet werden, der Nord-West-Tunnel zwischen Jägerhofstraße und Elberfelder Straße ist schon seit dem 7. Januar 2013 geöffnet. Als erste Mieter und Marken sind vorgesehen: Breuninger, Sansibar, Hallhuber, Laurèl, Joop!, Windsor, Rüschenbeck, Strenesse, Unique, Porsche Design, Faber-Castell, Rockberries, Poccino, Apple.RP Online: Kö-Bogen wird am 17. Oktober eröffnet, 24. August 2013.

Ein Brand in einem Bekleidungsgeschäft des westlichen Gebäudes richtete in der Nacht zum 27. September 2013 – nur wenige Wochen vor der geplanten Eröffnung – Zerstörungen in zwei Stockwerken an., Artikel vom 27. September 2013 im Portal rp-online.de, abgerufen am 27. September 2013. Wegen eines in der Nähe des Brandes gefundenen Flyers mit politischem Inhalt wurde der Staatsschutz eingeschaltet.Anja Streichan, Christine Wolff: Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Artikel vom 30. September 2013 im Portal rp-online.de, abgerufen am 30. September 2013. Die Ermittlungen zur Brandursache wurden im Mai 2014 ohne konkrete Spur eingestellt. Das demnach vorsätzlich gelegte Feuer verursachte einen Schaden von mehreren Millionen Euro.

Am 17. Oktober 2013 wurde der östliche Gebäudeteil in Anwesenheit des Architekten Libeskind mit dem Breuninger-Kaufhaus eröffnet.In: RP Online vom 17. Oktober 2013. Breuninger eröffnet Zudem wurde das Restaurant „Sansibar by Breuninger“ als erste Filiale außerhalb von Sylt eröffnet. Im Dezember 2013 folgte ein Apple Store, der sich durch den Baukörper erstreckt und an Vorder- und Rückseite großflächig verglaste Fassaden aufweist.

Gebäude und Technik Im ersten Bauabschnitt wurden neben dem Erdgeschoss vier Obergeschosse sowie vier Untergeschosse zur Nutzung als Tiefgarage mit rund 650 Stellplätzen erstellt. Die Bruttogrundfläche liegt oberirdisch bei etwa 39.000 m² und unterirdisch bei etwa 35.000 m². Die Flächen verteilen sich in etwa auf 19.000 m² Einzelhandelsflächen, 15.000 m² Büroflächen und 1.100 m² Gastronomie.

Die Tragkonstruktion besteht aus Stahlbeton, die Glasfassade ist als Structural-Glazing-Konstruktion ausgeführt und besteht aus 2.400 Glas- und Travertin-Elementen. Dabei kamen auch gebogene und thermisch „geknickte“ Isoliergläser zum Einsatz. Der Naturstein stammt aus Steinbrüchen in Tivoli.

Im September 2014 wurde der Kö-Bogen I durch das US Green Building Council mit dem LEED 2009 Core and Shell, Level Platinum zertifiziert. Dieses weltweite Zertifizierungsverfahren bewertet Immobilien anhand von Themenfeldern wie infrastrukturelle Einbindung des Standortes, Wassereffizienz und globalen Umweltwirkungen.