mini|150x150px|Wappen des Vogtes Friedrich von Perg (Rekonstruktion nach einem erhaltenen Siegel)
Die Herren von Perg sind eine ursprünglich edelfreie Familie, die sich ab 1025 im Machland in Oberösterreich ansiedelte und im 11. und 12. Jahrhundert im Gefolge der mit ihnen verwandten Babenberger Markgrafen zu großem Besitz und hohem Ansehen gelangte.Leopold Josef Mayböck: Der Machländer Raum und seine Geschichte. In: Unsere Heimat – Der Bezirk Perg. Verein zur Herausgabe eines Bezirksheimatbuches Perg – Gemeinden des Bezirkes Perg, Perg 1995.Leopold Josef Mayböck: Manuskript für das 2009 erscheinende Heimatbuch der Stadt Perg. Nur teilweise mit Quellenangaben.Siegfried Haider: Geschichte Oberösterreichs. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1987, S. 46ff.Max Spindler: Handbuch der bayerischen Geschichte. Band 1, 2. Auflage, Beck, München, S. 432.
Die von Perg oder Perge, Peraga, Berg, Berge, Berga Sie haben unter den Markgrafen Adalbert dem Siegreichen, Ernst, Leopold II., Leopold III. (dem Heiligen), Leopold IV., Heinrich II. (Jasomirgott) sowie Leopold V. Vogteien übernommen, Wälder gerodet, Dörfer gegründet, Burgen und Kirchen errichtet, Schenkungen an Kirchen und Klöster gemacht, Klöster gestiftet, an kriegerischen Auseinandersetzungen und Kreuzzügen teilgenommen und eine Besitz erweiternde Heiratspolitik betrieben.
Nach ihrem Aussterben gegen Ende des 12. Jahrhunderts fiel ein Großteil ihrer Besitzungen, soweit sie diese nicht auf Grund der Heirat ihren Töchtern als Aussteuer mitgegeben oder für Schenkungen oder Stiftungen verwendet hatten, an die Babenberger.Joseph Chmel: Der österreichische Geschichtsforscher. Wien 1841, S. 271.
Die Herren von Perg (Schreibweisen zum Teil auch Perge, Peraga, Berg, Berge, Berga usw.) teilten sich bereits nach der zweiten Generation in die beiden Linien Herren von Perg und Herren von Machland.Florian und Konrad Eibensteiner: Das Heimatbuch von Perg, Oberösterreich. Selbstverlag, 1933, S. 9ff.
Bei der Aufteilung der örtlichen Familienbesitzungen erhielten die Machländer zum einen das hügelige Land östlich der Grenzlinie Tobrabach - Falkenauerbach (Zufluss des Tobrabaches) - Kleine Naarn (aus den nördlichen Waldgebieten kommend), und ergänzend das flache Land östlich der Grenzlinie Tobrabach - Naarnfluss - Ortschaft Ruprechtshofen (damals am Nordufer der Donau liegend).
Die Perger erhielten in der Folge das Land westlich dieser Grenzlinien. Dabei gilt freilich, dass die geographischen Angaben variabel bis widersprüchlich überliefert sind.
Familienmitglieder der Herren von Perg und Machland nannten sich auch Herren von Ellenperg, Lutisdorf (Lautisdorf, Loutisdorf, Lobesdorf, Lousdorf), von Windberg (Wimberg), von Albrechtsberg, von Ofthering, von Klamm, von Klingenberg, von Blasenstein (St. Thomas am Blasenstein).Freiherr Otto von Dungern: Adelsherrschaft im Mittelalter. Hrsg. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1972, S. 38.
Die Herren von Perg und Machland dienten folgenden Babenberger Markgrafen und Herzögen:
Wappen
Wappen der Perger In einer Urkunde im bayrischen Staatsarchiv in München hat sich ein Fragment eines Siegels des Vogtes Friedrichs von Perg erhalten. Im Schild sind zwei aufsteigende nach oben gerichtete Sparren erkennbar, sowie die Buchstaben ADWAG, was Advokatus = Vogt bedeutet. Die Farben sind in Rot und Weiß gehalten, ähnlich dem Machländer Wappen.Leopold Josef Mayböck: Die Zeit der Herren von Perg/Machland Klam/Velburg. In: Heimatbuch der Stadt Perg 2009. Herausgeber Heimatverein Perg und Stadtgemeinde Perg, Linz 2009, S. 70.
Schilder mit zunächst ein, später auch zwei aufsteigend nach oben gerichteten Sparren finden sich später als Werkszeichen auf im Machlandviertel in den Vreitl’schen Werkstätten hergestellten Schwarzhafnerwaren. Die Vreitl (Freitel) zählten ursprünglich zu den Mannen der Freien von Perg beziehungsweise von Machland und später der Babenberger Landesherren. Ursprünglicher Sitz der Vreitel befand sich im heutigen Frühstorf (Fridehalmesdorf), einer Ortschaft () in der Machlandebene in der Gemeinde Arbing.Gustav Brachmann: Mittelalterliche Geschlechterwappen auf oberösterreichischer Schwarzhafner-Ware. In: Oberösterreichische Heimatblätter. Herausgeber Institut für Landeskunde in Oberösterreich, Linz 1957, S. 223–227 ().
Wappen der Machländer Das Machland war zum Teil auch auf Grund verwandtschaftlicher Beziehungen schon sehr früh Bestandteil des babenbergischen Herrschaftsgebietes. Das bewirkte, dass ab 1390 im Herzogtum Österreich für das Land ob der Enns (Oberösterreich) das Wappen der Machländer Verwendung fand. Daraus folgte, dass das Wappen der Machländer noch heute als Vorlage für das oberösterreichische Landeswappen dient.Vgl. Siegfried Haider: Das Machland – die Wiege unseres Landeswappens In: Unsere Heimat – Der Bezirk Perg. Verein zur Herausgabe eines Bezirksheimatbuches Perg – Gemeinden des Bezirkes Perg, Perg 1995.
Die Herkunft und Verbreitung der Perger und Machländer Die Herkunft der Herren von Perg ist nicht eindeutig nachvollziehbar. Auf Grund der dynastischen Verbindungen und Besitzungen kommen verschiedene Gebiete in Bayern in Frage.
Für die Unterstützung der päpstlichen Partei in der Schlacht bei Mailberg zu Beginn des bis 1122 dauernden Investiturstreites erhielten die Herren von Perg vom Bistum Passau Land, Güter, Jagdgebiete, Gerichtsrechte, Kirchen- und Klostervogteien. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts gehörten die Herren von Perg zu den einflussreichsten Familien in der damaligen Mark Österreich (Ostarrichi). Sie konnten es sich leisten, fromme Schenkungen und Stiftungen zu tätigen, Land und Bauerngüter an Gefolgsleute zu vergeben und Burgen und Eigenkirchen zu errichten. Die Herren von Perg und (nach ihrer Aufteilung in zwei Linien) auch die von Machland genossen hohes Ansehen, was die vielen Urkunden beweisen, in denen sie als Zeugen auftraten.
Schutzherren (Vögte, Untervögte):
Die Herren von Perg und Machland waren u. a. auch die Schutzherren (Vögte, Untervögte) für: die Bistümer Regensburg und Passau in der Riedmark und im Machland die Klöster St. Florian, Göttweig, Klosterneuburg, Stift Melk und St. Pölten die von ihnen gestifteten Klöster Stift Erla, Stift Baumgartenberg und Stift Waldhausen
Burgen:
Im Einflussbereich der Herren von Perg und Machland befanden sich viele, teilweise von ihnen errichtete Burgen. Dazu zählen die ursprünglich in Holzbauweise errichteten Burg- und Wehranlagen zum Beispiel in: Baumgartenberg am Ulrichsberg (Schöllerberg), einer Anhöhe nördlich des Klosters Baumgartenberg Perg auf einer Anhöhe nördlich der Stadt Perg Pergkirchen im Dorfzentrum, ursprünglich Burgkirchenanlage aus Holz ohne Datierung, heutiger Pfarrhof und die Pfarrkirche Pergkirchen sind Teile der im 11. Jahrhundert errichteten Burg mit Eigenkirche
Von den in Steinbauweise errichteten Burganlagen sind vielfach Teile aus dieser Zeit noch erhalten, dazu zählen:
Burg Arbing, 1137 erstmals urkundlich erwähnt Burg Albrechtsberg im Pielachtal, 1147 erstmals urkundlich erwähnt Burg Clam, erbaut vor 1141, 1147 bzw. 1150 erstmals urkundlich erwähnt Burg Greifenstein (Niederösterreich) 1135 erstmals urkundlich erwähnt Burg Klingenberg (Gemeinde St. Thomas am Blasenstein), errichtet um 1150, 1217 erstmals urkundlich erwähnt Burg Kreuzen, 1125 erstmals urkundlich erwähnt Burg Mitterberg (Ruine bei Perg) Burgen in Ober- und Unterblasenstein in St. Thomas am Blasenstein, 1150 erstmals urkundlich erwähnt Burg in Ofthering Burgen Wintergrün und Finstergrün in der Gegend von Ramingstein (Lungau) Burg Ruttenstein bei Pierbach im Naarntal, 1160 erstmals urkundlich erwähnt Burg Säbnich, 1147 erstmals urkundlich erwähnt Burg in Sarmingstein an der Donau, 1124 erstmals urkundlich erwähnt Burg Spielberg in Langenstein (Oberösterreich) an der Donau, 1159 erstmals urkundlich erwähnt Burg Werfenstein, 1234 erstmals urkundlich erwähnt Schloss Wörth auf der Insel Wörth bei Grein im Strudengau Turm auf dem Langenstein in Langenstein Burg Pahin (Beuge oder Bojenstein) in St. Nikola an der Donau
Kirchen und Eigenkirchen:
Kirchen einschließlich Eigenkirchen von Familienmitgliedern der Herren von Perg und Machland befanden sich insbesondere im Bezirk Perg sowie in daran angrenzenden Gemeinden des Bezirkes Freistadt, unter anderem:Rudolf Zinnhobler: Die Beziehungen der Pfarre Königswiesen zum Stift Waldhausen. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 54. Jahrgang, Heft 3/4, Linz 2000, S. 145 (ganzer Artikel S. 140–148, : „Säbnich“, „Kreuzen, (Pab-)Neukirchen, Königswiesen, Dimbach, St. Georgen a. W.“, „Pfarrkirchen Münzbach, Mitterkirchen, Saxen und Neustadtl“ – Grein statt Neustadtl in anderen Abschriften).
Kirche in Baumgartenberg (geweiht dem Hl. Jakob und dem Hl. Ulrich), 1141 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Dimbach (geweiht der Hl. Maria), 1140 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Grein, 1147 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Königswiesen (geweiht der Hl. Maria), 1147 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Kreuzen (geweiht dem Hl. Veit), 1147 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Mettensdorf unweit Baumgartenberg (geweiht dem Hl. Lamprecht), 1141 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Mitterkirchen im Machland, 1111 erstmals urkundlich erwähntFranz Asanger: Mitterkirchen – ein historisches Porträt der Machlandgemeinde. Herausgeber: Marktgemeinde Mitterkirchen im Machland, Mitterkirchen 1999, S. 75. Kirche in Mönchdorf, 1141 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Münzbach (geweiht dem Hl. Laurentius), 1111 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Pabneukirchen (geweiht dem Hl. Simon und dem Hl. Judas), 1147 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Pergkirchen (geweiht 1088 dem Hl. Martin durch Bischof Altmann von Passau) Kirche in Pierbach (geweiht dem Hl. Quirinus), 1147 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Sarmingstein (Säbnich, geweiht dem Hl. Johann), 1147 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in Saxen (geweiht dem Hl. Stephanus), 823 erstmals urkundlich erwähnt Kirche in St. Georgen am Walde (geweiht dem Hl. Georg), 1147 erstmals urkundlich erwähnt Kapelle in St. Thomas am Blasenstein (geweiht dem hl. Thomas), 1147 erstmals urkundlich erwähnt
Außerhalb von Oberösterreich:
Kirche in Sankt Michael im Lungau, 1147 erstmals urkundlich erwähnt
Klöster:
Gründungen von Klöstern und sonstigen kirchlichen Einrichtungen durch Familienmitglieder der Herren von Perg und Machland erfolgten in
Stift Erla nicht lange nach 1045 oder 1130 durch Otto (I.?) von Machland und seine Gattin Gertrud von Erla; erste Äbtissin war Gisela, die Schwester Ottos Stift Baumgartenberg 1141 durch Otto (II.?) von Machland und seine Gattin Jutta von Peilstein Stift Säbnich-Waldhausen 1147 durch Otto (II.?) von Machland und seine Gattin Jutta von Peilstein Stift St. Marein-Seckau 1140 durch Adalram von Waldeck und seine Gattin Richinza von Perg Hospital Pahin (Pain) in St. Nikola an der Donau, 1181 gestiftet durch Beatrix von Sindelburg, Gattin von Walchun IV. von Machland/Klamm
Familienmitglieder der Herren von Perg und Machland waren Wohltäter von Klöstern, Bistümern und sonstigen kirchlichen Einrichtungen, denen sie einmal oder mehrmals Schenkungen machten: Erzbistum Salzburg und Salzburger Domkapitel Bistum Passau Augustinerchorherrenstift St. Nikola (Passau) Stift Admont Stift Erla Stift Sankt Florian Stift Garsten Stift Klosterneuburg Stift Melk Kloster Niedernburg Nonnenkloster in Salzburg St. Marein-Seckau Stift Wilhering
Besitztümer und Lehen:
Die Herren von Perg und Machland besaßen Besitztümer und Lehen u. a. in den folgenden Gegenden:Vgl. u. a. Martin Hofbauer: Ausbildung und Struktur der Herrschafts- und Besitzverhältnisse des Hochstifts Passau im 13. und 14. Jahrhundert (in geographischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht), dargestellt an den Passauer Urbaren. Hamburg 2005.
Oberösterreich: entlang der Flüsse Naarn und Aist im Machland, in der Riedmark bis zur böhmischen Grenze,